RWE hat laut Bloomberg gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR ein unverbindliches Gebot für Uniper abgegeben. Noch im August hatte RWE-Chef Markus Krebber jedes Kaufinteresse verneint. Im Bieterfeld stehen außerdem Equinor, Brookfield mit dem kanadischen Pensionsfonds CPPIB und die EPH-Gruppe von Daniel Křetínský.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBeim Uniper-Verkauf steigt mit RWE ausgerechnet der größte deutsche Stromerzeuger ins Bieterrennen ein. Die Frist für unverbindliche Angebote lief laut Bloomberg in der vergangenen Woche ab. RWE, KKR, Brookfield, CPPIB und Uniper wollten sich zu dem Bericht nicht äußern.
Das Wichtigste in Kürze
- RWE und KKR haben laut Bloomberg zusammen für Uniper geboten, ebenso Equinor, Brookfield mit CPPIB und laut Handelsblatt die EPH-Gruppe.
- Der Bund hält rund 99 Prozent und muss seinen Anteil nach einer Zusage an die EU-Kommission bis Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie senken.
- Uniper belieferte 2022 mehr als 420 der rund 900 kommunalen Versorger in Deutschland mit Strom oder Gas.
Warum bietet RWE nun doch für Uniper?

Im August hatte Krebber Analysten in einer Telefonkonferenz noch erklärt, RWE wolle Uniper nicht kaufen. Für die Kehrtwende spricht die eigene Bilanz: Neben Wind und Solar lieferten im ersten Halbjahr 2026 vor allem der Energiehandel und die steuerbaren Kraftwerke das Plus, mit dem RWE seine Prognose für 2026 und 2027 anhob. Uniper bringt genau diese Bausteine mit. Die EU-Kommission beschrieb den Konzern 2022 als größten Gasversorger Deutschlands und einen der wichtigsten Gashändler Europas.[1]
Den Partner KKR dürfte RWE vor allem für das Eigenkapital brauchen. Der Essener Konzern bindet bereits viel Kapital und erhöhte erst im September seinen Anteil am Netzbetreiber Amprion auf 58 Prozent. Welche Teile von Uniper RWE selbst übernehmen und welche KKR finanzieren soll, ist nicht bekannt. Greift der größte Stromerzeuger des Landes nur nach ausgewählten Anlagen, dürfte zudem die Fusionskontrolle einfacher ausfallen als bei einer Komplettübernahme. Hinzu kommt die Förderung neuer Gaskraftwerke: Die Bundesnetzagentur vergibt bis zum 3. November die ersten Zuschläge.
Was hat der Bund der EU-Kommission zugesagt?
Die Frist bis 2028 stammt aus der Beihilfeentscheidung vom Dezember 2022. Brüssel genehmigte damals bis zu 34,5 Milliarden Euro für die Rettung, darunter eine Barkapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro zu 1,70 Euro je Aktie. Im Gegenzug verpflichtete sich Deutschland, seinen Anteil bis spätestens Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie zu senken.[1] Mit dieser Sperrminorität kann der Bund Satzungsänderungen blockieren, für die das Aktiengesetz eine Mehrheit von drei Vierteln des vertretenen Grundkapitals verlangt.[2]
Bis Ende 2026 darf Uniper laut den Auflagen außerdem grundsätzlich keine Beteiligungen an anderen Unternehmen erwerben.[1] Der Käufer erhält also einen Konzern, dessen Zukaufverbot kurz nach dem Eigentümerwechsel endet. Insider schätzten den Wert laut Reuters im Juni auf 8,8 bis 11,4 Milliarden Euro, zuzüglich 4,4 Milliarden Euro an Barmitteln. Mit Equinor verbindet Uniper bereits ein großer Erdgas-Liefervertrag, den beide Konzerne Ende August schlossen.
Mit Uniper verkauft der Bund den Lieferanten von mehr als 420 Stadtwerken. Den Zuschlag verdient deshalb das Konsortium, das Speicher, Handel und Lieferverträge zusammenhält, auch wenn ein anderer Bieter mehr zahlt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was lehrt der letzte Eigentümerwechsel?
Einen strategischen Käufer hatte Uniper schon einmal. Der finnische Versorger Fortum stieg 2018 ein und übernahm später die Mehrheit. Als Russland 2022 die Lieferungen stoppte, musste Uniper ausgefallene Mengen teuer am Markt nachkaufen. Am Ende übernahm der Bund das Unternehmen. Wie abhängig Deutschland beim Erdgas von wenigen Importeuren ist, zeigte der Winter 2022/23. Anders als bei der Commerzbank, wo der Bund den Ausstieg an den Aktienkurs koppelt, gibt bei Uniper Brüssel den Termin vor.
Für Stadtwerke und Industriekunden ändert sich bis zu einem Abschluss nichts. Prüfen Sie trotzdem, ob Ihre Gaslieferverträge mit Uniper eine Change-of-Control-Klausel enthalten. Teilt ein Konsortium den Konzern auf, können Speicherbuchungen und Lieferverträge bei verschiedenen Eigentümern landen. Planen Sie für die Beschaffung ab 2027 deshalb einen zweiten Lieferanten ein.
Quellen
[1] Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland: „EU-Kommission genehmigt deutsche Milliardenbeihilfen für Uniper und SEFE“ (21.12.2022)
[2] Bundesministerium der Justiz: „§ 179 AktG: Beschluß der Hauptversammlung“
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