Das Gaskraftwerk RDK9 im Karlsruher Rheinhafen soll 850 Megawatt regelbare Leistung liefern und den letzten Steinkohleblock der EnBW ablösen. Gebaut wird trotzdem erst, sobald die Bundesnetzagentur einen Zuschlag erteilt. Diese Entscheidung fällt am 3. November 2026. Die erste Ausschreibungsrunde ist bereits deutlich überzeichnet.

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Am Karlsruher Rheinhafen soll das Gaskraftwerk RDK9 neben den beiden Kohleblöcken RDK 7 und RDK 8 entstehen. Der Karlsruher Gemeinderat hat dem Vorhaben schon am 29. April 2025 zugestimmt.[1] Den Ausschlag für den Baustart gibt trotzdem eine Auktion der Bundesnetzagentur.

Das Wichtigste in Kürze

  • RDK9 soll rund 850 Megawatt Strom und 220 Megawatt Fernwärme liefern und das Steinkohlekraftwerk RDK 8 ersetzen.
  • Der Baustart hängt an einem Zuschlag aus der Ausschreibung nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG).
  • Die erste Runde über 4.500 Megawatt endete am 8. September 2026 und war laut Bundesnetzagentur deutlich überzeichnet. Die Zuschläge kommen bis zum 3. November 2026.
  • Frühester Baubeginn wäre Anfang 2027, die Inbetriebnahme Ende 2030.

Warum rechnet sich ein Gaskraftwerk am Strommarkt nicht mehr?

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Ein Gasblock verdient sein Geld in den Stunden, in denen Wind und Sonne zu wenig liefern. Genau diese Stunden werden seltener, weil der Ausbau der Erneuerbaren weitergeht. In Hessen liefern fünf ersetzte Windräder inzwischen mehr als die zehnfache Leistung ihrer Vorgänger, wie das Repowering in Rauschenberg zeigt. Michael Class, Leiter Erzeugung Portfolioentwicklung bei der EnBW, sagt dazu: „Von vergleichbaren Kraftwerken wissen wir, dass diese sich rein über ihren Betrieb am Markt nicht wirtschaftlich rechnen.“[1] Der Staat bezahlt deshalb künftig Verfügbarkeit statt gelieferter Kilowattstunden.

Wie entscheidet die Auktion der Bundesnetzagentur?

Zum 8. September 2026 schrieb die Bundesnetzagentur erstmals 4.500 Megawatt reduzierte Leistung aus.[2] „Reduziert“ meint einen Technologiefaktor: Gasturbinen zählen mit 0,85, ein Zehn-Stunden-Batteriespeicher nur mit 0,58. Zuschlagsgewinner erhalten 15 Jahre lang eine jährliche Kapazitätszahlung von höchstens 244.000 € je Megawatt. Projekte im Süden bekommen dabei 16.000 € je Megawatt Abschlag auf den Gebotswert, sobald Nordprojekte ein Drittel des Volumens erreichen. Karlsruhe liegt im Süden und bekommt diesen Abschlag daher gutgeschrieben. Zugleich belegt RDK9 mit 850 Megawatt zu Faktor 0,85 allein rund ein Sechstel der ausgeschriebenen Menge.

Über den Kohleausstieg in Baden-Württemberg entscheidet inzwischen eine Auktion, nicht der Strommarkt. Bleibt der Zuschlag am 3. November aus, verschiebt sich der Ausstiegstermin 2028 um Jahre.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
RDK9: die Zahlen hinter dem Zuschlag

Was die Karlsruher Gas- und Dampfturbinenanlage leisten soll und welchen Preis die Auktion deckelt

850 MW

elektrische Nennleistung, geplant für den Ersatz des Steinkohleblocks RDK 8

220 MW

Fernwärmeleistung aus der Kraft-Wärme-Kopplung

4.500 MW

reduzierte Leistung in der ersten StromVKG-Runde, deutlich überzeichnet

244.000 €

Höchstwert je Megawatt und Jahr, gezahlt über 15 Jahre

Vier Termine bis zum ersten Strom

8. September 2026

Gebotstermin der ersten Ausschreibung nach dem StromVKG

3. November 2026

Die Bundesnetzagentur gibt die Zuschläge bekannt

Anfang 2027

Frühester Baubeginn im Karlsruher Rheinhafen, rund 3,5 Jahre Bauzeit

Ende 2030

Geplante Inbetriebnahme, Wasserstoffbetrieb ab der zweiten Hälfte der 2030er Jahre

Was steht für Baden-Württemberg auf dem Spiel?

Bis Ende 2028 will die EnBW aus der Kohle aussteigen und beziffert den Bedarf im Südwesten auf rund 6,5 Gigawatt zusätzliche regelbare Leistung.[1] Die drei bereits laufenden Umbauten in Altbach/Deizisau, Heilbronn und Stuttgart-Münster bringen zusammen erst rund 1,5 Gigawatt bei 1,6 Mrd. € Investition. Offen bleibt zudem die beihilferechtliche Genehmigung aus Brüssel, die für das StromVKG noch aussteht. Das Vorgängergesetz zur Kraftwerkssicherheit kam nie bis zu einer Ausschreibung. Wie viel internationales Kapital solche Vergaben anziehen, zeigte zuletzt RWEs Offshore-Auktion mit Partnern aus Abu Dhabi.

Industriebetriebe und Betreiber der größten Rechenzentren Deutschlands sollten den 3. November im Kalender vormerken. Erst danach steht fest, ob ab Ende 2030 weitere 850 Megawatt gesicherte Leistung ans südwestdeutsche Netz gehen. Bis dahin bleibt der langfristige Liefervertrag die verlässlichere Absicherung. Einen solchen Vertrag hat Salzgitter gerade für grünen Stahl abgeschlossen.

Quellen

[1] EnBW Energie Baden-Württemberg: „EnBW plant hochflexible Gas- und Dampfturbinenanlage in Karlsruhe“

[2] Bundesnetzagentur: „Start der Ausschreibungen für Langzeitkapazitäten nach StromVKG“

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