Die Warsteiner-Gruppe verschob am Donnerstag die Entscheidung über die Paderborner Brauerei. Für die 113 Beschäftigten bleibt offen, ob ein Käufer übernimmt oder der Betrieb zum Jahresende schließt. Ende November soll die Belegschaft erneut informiert werden.
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Rund 70 bis 80 Beschäftigte kamen zur Betriebsversammlung in Paderborn, an der auch Konzernchef Bodo-Joachim Wendenburg teilnahm. Laut Radio Hochstift sagte er nur, die Entscheidung werde aufgeschoben.[2] Eine Sprecherin der Brauerei erklärte: „Wir gehen jeder denkbaren Option gründlich nach und rechnen mit einer finalen Entscheidung in den nächsten Wochen.“ Namen von Interessenten nannte die Sprecherin nicht.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Die Haus Cramer Gruppe, zu der Warsteiner gehört, sucht seit Mai einen Käufer für die Paderborner Brauerei.
- Findet sich bis Jahresende kein Käufer, endet der Betrieb; die ersten Kündigungen kämen frühestens im November.
- Ein Sozialtarifvertrag mit der NGG regelt Abfindungen von bis zu 150.000 Euro je Beschäftigtem.
Warum trennt sich Warsteiner von Paderborn?

Anfang Mai kündigte die Haus Cramer Gruppe an, ihre Brauerei in Herford im zweiten Halbjahr 2026 zu schließen und Paderborn zu verkaufen. Gelingt der Verkauf nicht, endet der Betrieb dort Ende 2026. Mit Schließung und Verkauf nimmt die Gruppe rund 30 Prozent ihrer Braukapazität vom Markt. Die Gruppe begründet den Rückzug mit dem Pro-Kopf-Verbrauch von Bier, der seit 2000 von 125 auf 88 Liter gefallen ist.[3] Im Jahr 2025 setzten die deutschen Brauereien laut Statistischem Bundesamt 6,0 Prozent weniger Bier ab als im Vorjahr.[8] Die Marken Herforder und Paderborner bleiben, gebraut werden sie künftig in Warstein.[3]
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warf dem Management damals Wortbruch vor. Ein Zukunftssicherungsvertrag sollte beide Standorte bis Ende 2028 erhalten, dafür hatten die Beschäftigten seit Mitte 2021 auf Tariferhöhungen und Urlaubsgeld verzichtet.[4] Auch am Stammsitz fallen Stellen weg: Im September kündigte Warsteiner an, 125 von 725 Stellen in Warstein zu streichen.
Was erwartet die Beschäftigten ohne Käufer?
Ende Juli einigten sich NGG und Unternehmen auf einen Sozialtarifvertrag für rund 220 Beschäftigte in Herford und Paderborn. Je Beschäftigungsjahr erhalten die Beschäftigten, abhängig vom Alter, 50 bis 70 Prozent eines Bruttomonatslohns als Abfindung, höchstens 150.000 Euro, dazu 3.000 Euro je Kind. In Warstein bietet die Brauerei 50 Stellen an.[5] NGG-Landesvize Isabell Mura erwartete damals, dass nur „eine Handvoll Menschen“ wechseln, der Weg nach Warstein sei zu weit.[5] Die Stimmung im Betrieb ist laut Radio Hochstift schlecht, ein Mitarbeiter sprach von Lügen in den vergangenen Monaten.[2]
Welche Käufer kommen infrage?
Offiziell schweigt Warsteiner zu möglichen Käufern. Im Juli sagte Warsteiner-Chefin Catharina Cramer dem Westfalen-Blatt, man führe mit vielen Interessenten Gespräche, mit der Brauerei Veltins aber nicht.[7] Die Westfalenpost berichtet nun, Warsteiner solle Veltins als Bieter abgewiesen haben. Warsteiner bestätigte den Bericht nicht.[6] Paderborn ist kein Einzelfall: Zuletzt kündigte die Braunschweiger Brauerei Wolters ihr Aus nach 399 Jahren an. Warum der sinkende Bierkonsum allein das Brauereisterben nicht erklärt, zeigt unsere Analyse.
Quellen
8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Radio HochstiftEntscheidung rund um Paderborner Brauerei in den kommenden Wochen
- Radio HochstiftMitarbeiter der Paderborner Brauerei sind nach aufgeschobener Zukunftsentscheidung frustriert
- Haus Cramer Gruppe, Mitteilung via about-drinksHaus Cramer Gruppe schließt Herford und verkauft Paderborn
- t-online (dpa)Herforder: Warsteiner schließt Brauerei, Paderborner wird verkauft
- Soester AnzeigerWarsteiner Brauerei zahlt bis zu 150.000 Euro Abfindung pro Mitarbeiter
- WestfalenpostWarsteiner verschiebt Paderborner-Verkauf und soll Veltins abgewiesen haben (29.10.2026, hinter Bezahlschranke)
- Westfalen-BlattWarsteiner-Chefin in Paderborn: Keine Verhandlungen mit Veltins
- Statistisches Bundesamt6,0 % weniger Bier im Jahr 2025 abgesetzt
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