Artikel teilen

Coinbase-Chef Brian Armstrong legte im August einen Verkaufsplan für bis zu 8,17 Millionen Aktien fest, öffentlich ist er seit dem Quartalsbericht vom 29. Oktober. Zum Schlusskurs desselben Tages sind diese Aktien rund 1,31 Mrd. Dollar oder 1,14 Mrd. Euro wert. Seine Stimmrechte bei Coinbase behält Armstrong fast vollständig, denn diese stecken in Aktien mit 20-fachem Stimmrecht, und die verkauft er nicht.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen
Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was steht im Verkaufsplan?
  2. Warum behält Armstrong trotzdem die Kontrolle?
  3. Was bedeutet das für Anleger in Deutschland?
  4. Mehr Newshunger?

Ab dem 16. November und bis zum 22. Oktober 2027 darf ein Broker Aktien aus Armstrongs ausübbaren Optionen verkaufen, sofern der Kurs vorab festgelegte Schwellen erreicht. Diese Bedingungen nennt Coinbase im Quartalsbericht (Form 10-Q), den das Unternehmen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Armstrongs Plan vom 12. August erlaubt ab 16. November Verkäufe von bis zu 8,17 Millionen Aktien.
  • Mitgründer Fred Ehrsam und Betriebschefin Emilie Choi schlossen eigene Pläne über 3,87 und 1,56 Millionen Aktien ab.
  • Armstrongs Stimmanteil von 49,6 Prozent beruht auf B-Aktien mit je 20 Stimmen, die der Plan nicht erfasst.

Was steht im Verkaufsplan?

Weiße Spendenbox mit orangefarbenem Schild „UNVERKÄUFLICH“ und daneben ein Stapel Blankourkunden
Armstrong kann 8.167.446 Optionen aus Zuteilungen von 2019 und 2020 mit Ausübungspreisen von 16,28 Euro ausüben

Der Plan erfasst Aktien, die Armstrong erst durch die Ausübung von Optionen erhält. Laut Einladung zur Hauptversammlung 2026 (Proxy Statement) konnte er Ende März genau 8.167.446 Optionen ausüben, also so viele, wie der Plan umfasst. Die Optionen stammen aus einer Zuteilung von 2019 mit einem Ausübungspreis von 16,28 Euro (18,71 Dollar) und aus einem leistungsabhängigen Vergütungspaket von 2020 mit 20,41 Euro (23,46 Dollar) je Aktie.[2]

Der Vorgängerplan vom August 2025 erlaubte Verkäufe von bis zu 3,75 Millionen Aktien und endet am 13. November 2026.[3] Der neue Plan ist mehr als doppelt so groß. Mitgründer Fred Ehrsam, Mitglied des Verwaltungsrats, darf über einen Trust ab dem 7. Dezember bis zu 3,87 Millionen Aktien verkaufen. Für Betriebschefin Emilie Choi (Chief Operating Officer) gilt ab dem 4. Januar 2027 eine Obergrenze von 1,56 Millionen Aktien.[1] Zum Schlusskurs vom 29. Oktober, 139,71 Euro (160,59 Dollar), kämen die drei Pläne zusammen auf rund 1,9 Mrd. Euro.[4]

Warum behält Armstrong trotzdem die Kontrolle?

Coinbase hat zwei Aktiengattungen: A-Aktien mit einer Stimme und B-Aktien mit 20 Stimmen. Armstrong hält oder verwaltet als Treuhänder 25,6 Millionen B-Aktien und kam Ende März damit auf 49,6 Prozent aller Stimmen.[2] Die Aktien aus dem Plan sind A-Aktien mit einfachem Stimmrecht. Selbst wenn er alle verkauft, sinkt sein Stimmanteil rechnerisch um weniger als einen Prozentpunkt.

Seit 2023 gilt nach einer SEC-Regel für Vorstände und Verwaltungsräte eine Wartefrist: Verkaufen dürfen sie frühestens 90 Tage nach Abschluss eines solchen Plans oder zwei Geschäftstage nach dem nächsten Quartalsbericht, maßgeblich ist der spätere Termin.[5] Armstrong legte Mengen und Schwellen am 12. August fest, die 90 Tage endeten damit am 10. November.

Armstrongs Verkaufsplan
Was der Coinbase-Chef verkaufen darf und was er behält
8,17 Mio.
A-Aktien aus ausübbaren Optionen erlaubt der Plan höchstens zum Verkauf
1,14 Mrd. €
rechnerischer Wert zum Schlusskurs vom 29.10.2026, vor Abzug der Ausübungspreise
49,6 %
der Stimmen hielt Armstrong Ende März 2026, gestützt auf B-Aktien mit je 20 Stimmen
Vom Vorgängerplan zum Verkaufsfenster
15.08.2025
Vorgängerplan über bis zu 3,75 Mio. Aktien, gültig bis 13.11.2026
12.08.2026
Armstrong schließt den neuen Plan über bis zu 8,17 Mio. Aktien ab
29.10.2026
Coinbase macht den Plan im Quartalsbericht an die SEC öffentlich
16.11.2026
Ab diesem Tag sind Verkäufe möglich, sofern der Kurs die Schwellen erreicht
22.10.2027
Der Plan endet, falls die Obergrenze nicht vorher ausgeschöpft ist

Was bedeutet das für Anleger in Deutschland?

Große Gründerverkäufe und Aktienklassen zur Kontrolle sind in den USA verbreitet. CoreWeave-Chef Michael Intrator hat seit dem Börsengang Aktien für 848 Millionen Euro verkauft. Bei Meta klagen Aktionäre gegen eine Aktie ohne Stimmrecht, die Zuckerbergs Kontrolle absichern soll.

Mit 20 Stimmen je B-Aktie hat Armstrong das doppelte Stimmgewicht dessen, was das deutsche Aktienrecht für eine einzelne Aktie zulässt.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zitat teilen

Das deutsche Aktienrecht setzt engere Grenzen. Nach § 135a Aktiengesetz darf eine Mehrstimmrechtsaktie höchstens das zehnfache Stimmrecht haben. Bei börsennotierten Gesellschaften erlischt das Mehrstimmrecht, sobald die Aktie den Besitzer wechselt, spätestens aber zehn Jahre nach dem Börsengang; diese Frist lässt sich um bis zu zehn Jahre verlängern.[6] Für Coinbase als US-Gesellschaft gilt diese Grenze nicht. Wann Armstrong tatsächlich verkauft, zeigen ab Mitte November die Form-4-Meldungen, die er binnen zwei Geschäftstagen nach jedem Verkauf bei der SEC einreichen muss.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Coinbase Global, Inc. bei der SECForm 10-Q for the quarterly period ended September 30, 2026 (29.10.2026, Item 5 „Other Information“, englisch)
  2. Coinbase Global, Inc. bei der SECProxy Statement 2026 (Schedule 14A) (24.04.2026, Tabellen zu Aktienbesitz und Optionen, englisch)
  3. Coinbase Global, Inc. bei der SECForm 10-Q for the quarterly period ended September 30, 2025 (30.10.2025, Item 5, englisch)
  4. Yahoo FinanceCoinbase Global, Inc. (COIN) Historical Data (Schlusskurs 29.10.2026, abgerufen 30.10.2026, englisch)
  5. eCFR17 CFR § 240.10b5-1 (Absatz (c)(1)(ii)(B), abgerufen 30.10.2026, englisch)
  6. Bundesministerium der Justiz§ 135a AktG Mehrstimmrechtsaktien (abgerufen 30.10.2026)

Mehr Newshunger?

4,6 21 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dr. Web Newsletter

Jede Woche ein bisschen klüger.

Der Dr. Web Newsletter: die besten Artikel, Anbieter-Tipps und neue Tools, kompakt zusammengefasst, jeden Donnerstag. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.