Über das Formular-Plugin Gravity Forms können Fremde ohne Anmeldung präparierte PHP-Objekte in eine WordPress-Website einschleusen, sofern ein Formular aus den Formulareinträgen Beiträge anlegt. Wordfence bewertet die Lücke mit 9,8 von 10 Punkten. Version 3.1.3 vom 1. Oktober schließt sie, automatisch kommt das Update aber nur mit gültiger Lizenz.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenGemeldet haben die Lücke die Sicherheitsforscher Tin Pham, Hao Ngo und Trong Pham. Wordfence informierte den Hersteller am 30. September und machte sie am Abend des 29. Oktober öffentlich, seit dem 30. Oktober trägt sie die Kennung CVE-2026-103039.[1] Wordfence bewertet sie nach CVSS 3.1 mit 9,8 Punkten, also kritisch.[2] Am selben Abend legte Wordfence zwei weitere Lücken in Gravity Forms offen, über die Fremde Skriptcode einschleusen können (Cross-Site-Scripting, kurz XSS). Das kostenpflichtige Plugin steht nicht im Verzeichnis von wordpress.org. Laut Hersteller läuft es auf mehr als 5 Millionen Websites.[5]
Das Wichtigste in Kürze
- Gravity Forms bis Version 3.1.2 lässt ohne Anmeldung das Einschleusen von PHP-Objekten zu (CVSS 3.1: 9,8, vergeben von Wordfence). Angreifbar sind Formulare, die aus Formulareinträgen Beiträge mit einem benutzerdefinierten Feld vom Typ Liste anlegen.
- Zwei weitere Lücken erlauben Fremden, Skriptcode in Formulareinträgen zu verstecken, der im Backend ausgeführt werden kann (je CVSS 3.1: 7,2).
- Version 3.1.3 vom 1. Oktober behebt alle drei Fehler. Angriffe sind bis zum 30. Oktober nicht bekannt, Updates spielt Gravity Forms nur mit gültigem Lizenzschlüssel automatisch ein.
Welche Formulare sind angreifbar?

Gravity Forms kann aus jedem Formulareintrag einen WordPress-Beitrag anlegen, etwa für Veranstaltungshinweise, Kleinanzeigen oder Gastbeiträge. Dafür gibt es eigene Beitragsfelder für Titel, Text, Auszug und benutzerdefinierte Felder, also Zusatzangaben zum Beitrag. Ein solches Zusatzfeld lässt sich als Liste mit mehreren Zeilen anlegen und über eine Inhaltsvorlage formatieren. Genau in dieser Kombination übergab das Plugin den übermittelten Wert ungeprüft an eine allgemeine Funktion von WordPress, die gespeicherte Daten zurück in PHP-Objekte verwandelt. Laut Wordfence gelangte der Wert dabei unverändert in die Datenbank.[1]
Ein eingeschleustes Objekt richtet erst Schaden an, wenn PHP beim Laden Programmteile ausführt, die der Angreifer für sich nutzen kann. Gravity Forms selbst enthält laut Wordfence keine solchen Programmteile, ein anderes Plugin oder Theme kann sie aber mitbringen. Speichert das Zusatzfeld seinen Wert als Seitenvorlage des Beitrags, liefert WordPress selbst das Werkzeug. Auf Servern mit einer lesbaren Installation der älteren PHP-Bibliothekssammlung PEAR und einer bestimmten PHP-Einstellung können Angreifer so laut Wordfence eigenen Code ausführen.[1] Dabei hatte der Hersteller die sichere Variante schon gebaut: Seit Version 3.1.1 bringt Gravity Forms eine eigene, abgesicherte Funktion mit, die das Erzeugen von Objekten unterbindet. An dieser Stelle nutzte das Plugin sie nicht.
Warum kam das Update vier Wochen vor der Warnung?
Wordfence informiert Hersteller vorab und veröffentlicht Details erst, wenn eine abgesicherte Version bereitsteht und Betreiber Zeit zum Aktualisieren hatten. Den Hersteller erreichte die Meldung zur kritischen Lücke am 30. September, Version 3.1.3 erschien am 1. Oktober. Ihr Änderungsprotokoll nennt nur „Sicherheitsverbesserungen“, ohne Kennung und ohne Schweregrad.[4] Betreiber, die Updates von Hand freigeben, konnten der Version also nicht ansehen, wie dringend sie war. Die beiden übrigen Lücken meldeten Forscher am 11. und am 24. September. Die erste betrifft Versionen bis 3.1.1 und ist seit 3.1.2 vom 17. September geschlossen, die zweite betrifft wie die kritische Lücke Versionen bis 3.1.2.[3]
Vom Hinweis bis zur Warnung
| Datum 2026 | Schritt |
|---|---|
| 11. Sept. | Forscher melden die erste XSS-Lücke (CVE-2026-90437) |
| 17. Sept. | Version 3.1.2 schließt die erste XSS-Lücke |
| 24. Sept. | Forscher melden die zweite XSS-Lücke (CVE-2026-97645) |
| 30. Sept. | Wordfence informiert den Hersteller über die kritische Lücke |
| 1. Okt. | Version 3.1.3 schließt beide verbliebenen Lücken |
| 29. Okt. | Wordfence macht alle drei Lücken öffentlich |
Angreifbar sind Formulare, die aus Formulareinträgen Beiträge mit einem benutzerdefinierten Feld vom Typ Liste und Inhaltsvorlage anlegen. Status: offengelegt, Korrektur verfügbar, Angriffe nicht bekannt.
Beide XSS-Lücken folgen demselben Muster. Bestimmte Beitragsfelder und Listenfelder nehmen HTML an, das beim Speichern harmlos aussieht. Erst die Bedienoberfläche von Gravity Forms im Backend wandelt es zurück in ausführbaren Code. Bei der Listenfeld-Lücke muss eine Administratorin oder ein Administrator in der Detailansicht eines Eintrags auf einen Link klicken und eine Rückfrage bestätigen.[3] Die Beitragsfelder fielen schon früher auf: Anfang September erschien eine fast gleich gebaute Lücke im Feld für den Beitragstext. Insgesamt führt die US-Datenbank NVD für Gravity Forms in diesem Jahr 15 Schwachstellen, zwei davon mit 9,8 Punkten. Die zweite ermöglichte im September Datei-Uploads ohne Anmeldung.[7] Eingeschleuste PHP-Objekte machten im Oktober auch LearnPress und Rank Math angreifbar.
Der Hersteller verteilt Gravity Forms über einen eigenen Update-Dienst. Laut Dokumentation installiert WordPress neue Versionen nur dann automatisch, wenn die Website einen gültigen Lizenzschlüssel hinterlegt hat.[6] Läuft die Lizenz aus, etwa weil eine Agentur die Website übergeben hat und niemand verlängert, bleibt die installierte Version stehen. Wie viele Websites noch eine anfällige Version nutzen, ist deshalb nicht bekannt: Anders als bei Plugins aus dem Verzeichnis von wordpress.org gibt es keine öffentliche Versionsstatistik.
Ein Formular, das aus Einträgen Beiträge macht, lässt Fremde in die Datenbank schreiben. Dort braucht es dieselbe Sorgfalt wie beim Login.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sollten Website-Betreiber jetzt tun?
- Aktualisieren: Spielen Sie mindestens Gravity Forms 3.1.3 ein, aktuell ist Version 3.2.1 vom 28. Oktober. Die installierte Version steht in der Plugin-Liste.
- Lizenz prüfen: Kontrollieren Sie in den Einstellungen von Gravity Forms, ob ein gültiger Lizenzschlüssel hinterlegt und die Option für automatische Hintergrund-Updates eingeschaltet ist. Ohne Lizenz kommt kein Update über das Backend, dann bleibt nur das manuelle Einspielen aus dem Kundenkonto des Herstellers.
- Beitragsfelder prüfen: Suchen Sie Formulare, die Beiträge anlegen und ein benutzerdefiniertes Feld vom Typ Liste mit Inhaltsvorlage nutzen. Brauchen Sie die Funktion nicht, entfernen Sie das Feld, bis das Update eingespielt ist.
- Spuren suchen: Lief eine anfällige Version mit solchen Formularen, prüfen Sie über Formulare angelegte Beiträge auf ungewöhnliche Seitenvorlagen, die Benutzerliste auf unbekannte Administratorkonten und die Website-Dateien auf Änderungen.
- Meldepflicht klären: Formulare sammeln meist Namen und Kontaktdaten. Gibt es Anzeichen, dass Unbefugte Code ausgeführt haben, ist zu prüfen, ob eine Meldung an die Datenschutzaufsicht binnen 72 Stunden nach Kenntnis nötig ist (Art. 33 DSGVO).[8]
Bis zum 30. Oktober sind keine Angriffe bekannt, und die US-Behörde CISA führt keine der drei Lücken in ihrem Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen. Die Lücke ist damit öffentlich bekannt und behoben, ausgenutzt wird sie nach heutigem Stand nicht. Öffentlicher Angriffscode ist nicht bekannt, doch die Beschreibung von Wordfence nennt Funktionen und Bedingungen recht genau. Agenturen mit vielen Kundenwebsites sollten zuerst Formulare aktualisieren, die Beiträge anlegen, und dabei auslaufende Lizenzen gleich mitprüfen. Grundregeln für die Absicherung fasst der Ratgeber zur WordPress-Sicherheit zusammen. Der WordPress-Hosting-Vergleich nennt Managed-Hoster, die Plugin-Updates selbst einspielen.
FAQ: Gravity Forms: Kritische Sicherheitslücke trifft Formulare, die Beiträge anlegen
Welche Versionen von Gravity Forms sind von der kritischen Sicherheitslücke betroffen?
Laut Wordfence alle Versionen bis einschließlich 3.1.2. Abgesichert ist Version 3.1.3 vom 1. Oktober 2026, aktuell ist 3.2.1. Sie schließt auch die zweite XSS-Lücke im Listenfeld. Die erste XSS-Lücke ist schon seit Version 3.1.2 behoben.
Ist jede Website mit Gravity Forms angreifbar?
Nein. Für die kritische Lücke braucht es ein öffentliches Formular, das aus Formulareinträgen Beiträge anlegt und dabei ein benutzerdefiniertes Feld vom Typ Liste mit Inhaltsvorlage nutzt. Ohne solche Formulare greift sie nicht. Das Update sollten Sie trotzdem einspielen, weil es weitere Lücken schließt.
Warum hat meine Website das Update auf Gravity Forms 3.1.3 nicht automatisch bekommen?
Gravity Forms kommt nicht aus dem Verzeichnis von wordpress.org, sondern über den Update-Dienst des Herstellers. Automatische Updates gibt es laut Dokumentation nur mit gültigem Lizenzschlüssel und eingeschalteter Option für Hintergrund-Updates. Ist die Lizenz abgelaufen, bleibt die alte Version stehen.
Wird die Gravity-Forms-Lücke schon für Angriffe genutzt?
Bis zum 30. Oktober 2026 sind keine Angriffe bekannt. Die US-Behörde CISA führt die Lücke nicht in ihrem Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen. Seit dem 29. Oktober sind die Details bei Wordfence öffentlich, Betreiber sollten deshalb jetzt aktualisieren.
Quellen
8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- CVE-ProgrammCVE-2026-103039, Eintrag von Wordfence mit Beschreibung, Findern und Zeitablauf (Hersteller informiert am 30. September, offengelegt am 29. Oktober 2026), veröffentlicht am 30. Oktober 2026
- NVDCVE-2026-103039, Bewertung von Wordfence nach CVSS 3.1 (AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H), veröffentlicht am 30. Oktober 2026
- CVE-ProgrammCVE-2026-90437 (Hersteller informiert am 11. September) und CVE-2026-97645 (Hersteller informiert am 24. September), Einträge von Wordfence, offengelegt am 29. Oktober 2026
- Gravity FormsÄnderungsprotokoll, Versionen 3.1.1 bis 3.2.1, abgerufen am 30. Oktober 2026
- Gravity FormsAbout, Angabe zur Zahl der Websites, abgerufen am 30. Oktober 2026
- Gravity FormsSettings Page, Abschnitt zu automatischen Hintergrund-Updates und Lizenzschlüssel, abgerufen am 30. Oktober 2026
- NVDSchwachstellen mit dem Stichwort Gravity Forms, darunter CVE-2026-16649 und CVE-2026-84434, eigene Auszählung der 2026 veröffentlichten Einträge zum Haupt-Plugin, abgerufen am 30. Oktober 2026
- EUR-LexVerordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 33
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