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Amazons Cloudsparte AWS setzte von Juli bis September 46 Milliarden Dollar um, umgerechnet 40 Milliarden Euro und 39 Prozent mehr als vor einem Jahr. So schnell ist AWS seit fast fünf Jahren nicht gewachsen. An der Börse zählte am Donnerstagabend etwas anderes: Amazon gibt für Rechenzentren mehr aus, als das Geschäft einbringt.

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Seit Januar hat Amazon über neue Anleihen und Kredite umgerechnet 100 Milliarden Euro aufgenommen. Die langfristigen Schulden stiegen in neun Monaten von 57,1 auf 150,6 Milliarden Euro.[1] Nachbörslich verlor die Aktie gut 7 Prozent.[2]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Amazon setzte im dritten Quartal 175,7 Milliarden Euro um, 12 Prozent mehr als vor einem Jahr.
  • Die operative Marge erreichte mit 13,9 Prozent einen Rekord, AWS steuerte 15,5 Milliarden Euro zum operativen Gewinn bei.
  • Binnen zwölf Monaten gab Amazon für Sachanlagen 36,9 Milliarden Euro mehr aus, als das laufende Geschäft einbrachte.
  • Ab dem 12. Januar 2027 dürfen Cloud-Anbieter in der EU für einen Anbieterwechsel kein Entgelt mehr verlangen.

Was meldet Amazon für das dritte Quartal?

Weißes Serverschränkchen mit Anhänger „auf Pump“ und umgekipptes orangefarbenes Sparschwein
Amazons operativer Gewinn erreicht Rekordhoch von 24,4 Milliarden Euro mit 13,9 Prozent Marge, Nettogewinn sinkt auf 18,0 Milliarden Euro

Der operative Gewinn stieg auf 24,4 Milliarden Euro, die operative Marge von 13,9 Prozent ist laut Amazon die höchste der Firmengeschichte. Der Nettogewinn sank leicht auf 18,0 Milliarden Euro, weil im Vorjahresquartal ein Buchgewinn vor Steuern von 8,3 Milliarden Euro aus der Beteiligung an Anthropic enthalten war. „Es gab noch nie ein Geschäft mit einer Billion Dollar Umsatz, und in den nächsten fünf bis zehn Jahren könnten wir zwei davon haben“, sagt Amazon-Chef Andy Jassy. Für AWS erwartet er 2027 und 2028 jeweils mehr als 40 Prozent Wachstum.[1]

In den eigenen Onlineshops wuchs der Umsatz währungsbereinigt nur um 2 Prozent, die Werbung um 12 Prozent. Grund ist der Prime Day, der in diesem Jahr in den meisten großen Ländern schon im zweiten Quartal lag. Ohne die Verschiebung wäre der Konzernumsatz laut Amazon um rund 4 Prozentpunkte stärker gewachsen.[1] Der Umsatzzuwachs von 12 Prozent liegt am oberen Ende der eigenen Prognose von 9 bis 12 Prozent. Für das Weihnachtsquartal erwartet Amazon 208,8 bis 214,9 Milliarden Euro Umsatz.

Warum reicht das Geld aus dem Geschäft nicht mehr?

Binnen zwölf Monaten bis Ende September brachte das laufende Geschäft 146,4 Milliarden Euro ein. Für Sachanlagen gab Amazon im selben Zeitraum netto 183,3 Milliarden Euro aus, vor allem für KI.[1] Ein Rechenzentrum belastet den Gewinn über Jahre in Form von Abschreibungen, die Kasse aber sofort. Deshalb steigt die Marge, während der freie Cashflow ins Minus rutscht. Auch Alphabet wies für das dritte Quartal einen negativen freien Cashflow aus.

Die Nachfrage ist da: Die Rechenkapazität von AWS ist bis 2027 weitgehend ausgebucht. Für 2026 plant Amazon weiter rund 191 Milliarden Euro Investitionen ein.[1] Andere Konzerne holen sich das Geld ebenfalls am Kapitalmarkt: Microsoft leiht sich über Anleihen umgerechnet 21,8 Milliarden Euro, Meta will neue Aktien ausgeben.

Amazon verdient operativ so viel wie nie und leiht sich trotzdem 100 Milliarden Euro. Rechenzentren kosten heute und zahlen sich erst in Jahren aus.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Amazon investiert mehr, als das Geschäft einbringt
Drittes Quartal 2026 und die zwölf Monate bis Ende September
40,0 Mrd. €
Umsatz von AWS im Quartal, plus 39 %
67,2 Mrd. €
Ausgaben für Sachanlagen im Quartal, Vorjahr 30,5 Mrd. €
−36,9 Mrd. €
freier Cashflow binnen zwölf Monaten, ein Jahr zuvor plus 12,9 Mrd. €
150,6 Mrd. €
langfristige Schulden Ende September, Ende 2025 waren es 57,1 Mrd. €
Zwölf Monate bis Ende September 2026
146,4 Mrd. €
Geldzufluss aus dem laufenden Geschäft
183,3 Mrd. €
Ausgaben für Sachanlagen abzüglich Zuschüssen und Verkaufserlösen

Was bedeutet das für AWS-Kunden in Europa?

Nach dem Data Act der EU dürfen Cloud-Anbieter ab dem 12. Januar 2027 für den Wechsel zu einem anderen Anbieter keine Wechselentgelte mehr erheben. Bis dahin dürfen sie höchstens die Kosten berechnen, die ihnen durch den Wechsel unmittelbar entstehen.[3]

Prüfen Sie vor der Verlängerung von Mindestabnahmen wie Savings Plans, also Rabatten gegen feste Nutzungszusagen, ob die Laufzeit über Januar 2027 hinausreicht. Der Wechsel selbst kostet danach kein Entgelt mehr, eine feste Abnahmezusage gilt aber weiter. Als europäische Alternative planen Schwarz Digits und Fujitsu eine souveräne Cloud.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Amazon.com, Inc.Amazon.com Announces Third Quarter Results (Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC)29.10.2026
  2. Yahoo FinanceAmazon.com, Inc. (AMZN) (Kursverlauf vom 29. Oktober 2026: Schlusskurs 243,79 Dollar, nachbörslich 225,99 Dollar)
  3. Europäisches Parlament und RatVerordnung (EU) 2023/2854 über harmonisierte Vorschriften für einen fairen Datenzugang und eine faire Datennutzung (Datenverordnung), Artikel 29 (Amtsblatt der EU)22.12.2023

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