Am Mittwochabend berichten Alphabet und Microsoft, am Donnerstag Amazon. Analysten erwarten bei allen drei Konzernen zweistellig wachsende Umsätze. An der Börse zählt diesmal aber vor allem, ob die Milliarden für KI-Rechenzentren schon etwas einbringen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenRund 135 Mrd. Dollar (117 Mrd. €) haben die drei Konzerne im zweiten Quartal zusammen für Rechenzentren, Server und Chips ausgegeben.[1][2][3] Laut Bloomberg werden Anleger bei diesen Ausgaben ungeduldig. Wegen dieser Sorge erlebte der Nasdaq Composite am Donnerstag laut CNBC den schwächsten Handelstag seit Juni (Stand: Montag, 26. Oktober, 10:30 Uhr).
Das Wichtigste in Kürze
- Alphabet und Microsoft berichten am Mittwoch nach US-Börsenschluss, Amazon am Donnerstag.
- Analysten erwarten laut LSEG-Daten bei Alphabet rund 25 Prozent mehr Umsatz, bei Microsoft knapp 17 Prozent.
- Bei Alphabet und Amazon floss zuletzt mehr Geld ab, als das Geschäft einbrachte, bei Microsoft nicht.
Was erwarten die Analysten?

Für Alphabet rechnen Analysten laut LSEG-Daten, die CNBC ausgewertet hat, mit rund 25 Prozent mehr Umsatz als vor einem Jahr, für Microsoft mit 16,8 Prozent mehr Umsatz und 14,3 Prozent mehr Gewinn je Aktie. Bei Amazon erwarten sie einen etwa gleichbleibenden Gewinn je Aktie. Amazon selbst hat für das dritte Quartal nur 9 bis 12 Prozent Umsatzwachstum in Aussicht gestellt, weil der Prime Day schon im Juni lag und damit ins zweite Quartal fiel.[3]
Den Ausschlag geben die Cloud-Sparten. Im zweiten Quartal wuchs Google Cloud um 82 Prozent auf 24,8 Mrd. Dollar (21,6 Mrd. €), Microsofts Azure um 43 Prozent und AWS um 37 Prozent auf 42,2 Mrd. Dollar (36,7 Mrd. €).[1][2][3] An diesen Raten messen Anleger, ob sich die Investitionen auszahlen.
Warum reicht starkes Wachstum den Anlegern nicht?
Ein Rechenzentrum belastet den Gewinn erst über die Abschreibungen der folgenden Jahre. Die Kasse trifft die Ausgabe dagegen sofort: Alphabet wies für das zweite Quartal einen negativen freien Cashflow von 5,9 Mrd. Dollar (5,1 Mrd. €) aus, bei Amazon lag er über zwölf Monate bei minus 7,6 Mrd. Dollar (6,6 Mrd. €).[1][3] Microsofts freier Cashflow lag im Quartal bei plus 19,6 Mrd. Dollar (17,1 Mrd. €).[2]
Wie empfindlich die Börse reagiert, zeigte Alphabet im Juli. Der Umsatz übertraf die Erwartungen, die Aktie fiel trotzdem, weil der Konzern seine Investitionsprognose für 2026 auf 195 bis 205 Mrd. Dollar (170 bis 178 Mrd. €) anhob. Amazon plant für dieses Jahr rund 220 Mrd. Dollar (191 Mrd. €) ein. Broadcom-Chef Hock Tan verglich viele KI-Anleger zuletzt mit Casino-Spielern.
Was verraten die Zahlen über die Cloud-Kapazität?
Für Unternehmen, die bei den drei Anbietern Rechenleistung mieten, zählen weniger die Gewinne als die Aussagen zur Kapazität. Amazon-Chef Andy Jassy nannte die AWS-Kapazität vor wenigen Tagen bis 2027 weitgehend ausgebucht. Alphabet-Chef Sundar Pichai lässt zuerst die eigene KI-Forschung versorgen, die Cloud-Kunden danach.
Geld allein beschleunigt den Ausbau nicht, denn auf einen Netzanschluss warten Betreiber oft Jahre, bei einem Microsoft-Projekt in Essex laut Telegraph bis in die 2030er-Jahre.
Die Börse bestraft gerade die Konzerne, deren Kunden mehr Rechenleistung wollen, als es gibt.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen in Deutschland?
Frankfurt ist der wichtigste Standort für Rechenzentren in Deutschland, alle drei Anbieter betreiben dort Cloud-Regionen. Für KI-Vorhaben der nächsten zwei Jahre heißt das:
- In den Telefonkonferenzen auf Aussagen zu Kapazität und Investitionen achten: Alphabet beginnt am Mittwoch um 21:30 Uhr deutscher Zeit, Microsoft um 22:30 Uhr, Amazon am Donnerstag um 22 Uhr.
- Größere KI-Projekte für 2027 jetzt mit dem Anbieter abstimmen und Rechenleistung vertraglich reservieren.
- Sich einen Wechsel offenhalten, etwa zu europäischen Clouds wie STACKIT von Schwarz Digits. Ab 12. Januar 2027 dürfen Cloud-Anbieter in der EU nach dem Data Act keine Wechselentgelte mehr verlangen.[4]
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- AlphabetAlphabet Announces Second Quarter 2026 Results
- MicrosoftMicrosoft Cloud and AI Strength Fuels Fourth Quarter Results
- AmazonAmazon.com Announces Second Quarter Results (30. Juli 2026, Exhibit 99.1 bei der SEC)
- EUR-LexVerordnung (EU) 2023/2854 über harmonisierte Vorschriften für einen fairen Datenzugang und eine faire Datennutzung (Datenverordnung), Artikel 29
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