Microsoft hat laut der britischen Zeitung The Telegraph den Vertrag für Nscales geplantes Rechenzentrum in Loughton nordöstlich von London beendet. Strom aus dem Netz stellen die Behörden für das Grundstück in Essex laut dem Bericht erst in den 2030er-Jahren in Aussicht. Nscale verliert damit seinen Ankermieter wenige Wochen vor dem geplanten Börsengang in New York.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Wir halten am Projekt in Loughton und an Großbritannien fest“, sagte ein Nscale-Sprecher der Zeitung, das Unternehmen suche nach anderen Stromquellen für den Standort. Ab dem ersten Quartal 2027 sollten dort 23.040 Nvidia-Chips vom Typ GB300 für Microsofts Cloud-Dienst Azure in Betrieb gehen, nach Nscales Ankündigung der größte KI-Supercomputer des Landes.[2] Microsoft äußerte sich gegenüber dem Telegraph nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Telegraph hat Microsoft den Vertrag als Ankermieter in Loughton beendet, ohne Begründung im Bericht.
- Nscale bezeichnet die Zusammenarbeit mit Microsoft weiterhin als eng und langfristig angelegt.
- Laut Börsenprospekt sind Microsofts Zahlungen von bis zu 38,1 Milliarden Euro an gelieferte Rechenleistung gebunden.
- Von 90 Milliarden Euro Auftragsvolumen entfallen erst 2,3 Milliarden Euro auf laufende Verträge.
Warum fehlt in Loughton der Strom?

Ein Rechenzentrum dieser Größe hängt am Hochspannungsnetz, und im Großraum London ist freie Anschlussleistung knapp. Nscale plante in Loughton zunächst 50 Megawatt, später bis zu 90 Megawatt.[2] Der Nscale-Sprecher nennt den Engpass ein „bedauerliches Netzproblem im ganzen Großraum London“, das die übrigen Verträge nicht berühre. In Nordwest-London lässt der Netzbetreiber National Grid von einem Konsortium unter Führung von Hochtief neue Kabel verlegen und ein Umspannwerk erweitern, allein für fünf Rechenzentren mit zusammen einem Gigawatt.
In den USA umgehen Betreiber den Engpass mit eigener Erzeugung. Nscale plant für seinen Campus in West Virginia, auf dem Anthropic Rechenleistung beziehen will, Gasmotoren in einem Inselnetz. Microsoft selbst hat sich in Texas Strom aus einem Gaskraftwerk von Chevron ohne Netzanschluss gesichert. Auch Nscales Standort in Norwegen liegt laut Bloomberg ein halbes Jahr hinter dem Zeitplan, von 30 Megawatt laufen 6,4.
Was bedeutet der Ausstieg für Nscales Börsengang?
Nscale vermietet Rechenleistung über Abnahmeverträge mit fester Laufzeit, die erst mit der Übergabe der Rechencluster beginnen. Mit Microsoft hat der Betreiber zwischen September 2025 und April 2026 Leistungsvereinbarungen über bis zu 38,1 Milliarden Euro bis Ende 2033 geschlossen, mit Anthropic im August weitere Verträge über 38,8 Milliarden Euro. Zahlen müssen beide Kunden nur, soweit Nscale die Liefertermine und die zugesagte Verfügbarkeit einhält.[1]
Im Prospekt steht ein Auftragsvolumen von 90 Milliarden Euro, davon laufen erst Verträge über 2,3 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 setzte Nscale 122 Millionen Euro um und verlor 887 Millionen Euro.[1] Aus der Partnerschaft Stargate UK ist OpenAI bereits im April ausgestiegen. Beim Börsengang will der Londoner Betreiber laut Bloomberg bis zu 2,6 Milliarden Euro einsammeln.
Ein Milliardenvertrag mit Microsoft bringt erst Geld, wenn das Rechenzentrum am Netz hängt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Nscale plant in Loughton 50 Megawatt mit 23.040 Nvidia-Chips für Microsoft, Lieferung ab dem ersten Quartal 2027.
OpenAI verlässt die Partnerschaft Stargate UK, Microsoft übernimmt die frei gewordene Rechenkapazität in Norwegen.
Netzstrom erhält Loughton laut dem Bericht erst in den 2030er-Jahren, Nscale sucht andere Stromquellen.
Was heißt das für Rechenzentren in Deutschland?
Auch hierzulande bestimmt der Netzanschluss den Zeitplan. Seit April 2026 vergeben die vier Übertragungsnetzbetreiber Anschlüsse für Großverbraucher nach dem Reifegrad der Projekte statt nach dem Eingangsdatum. Die Schwarz-Gruppe will ihr Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock erst 2032 in Betrieb nehmen, den Baubeginn macht der Konzern vom Stromanschluss abhängig.
Für IT-Leiter, die KI-Rechenleistung in einer neuen europäischen Cloud-Region einplanen, ergibt sich daraus ein Prüfpunkt: Fragen Sie den Anbieter gerne nach dem Stand des Netzanschlusses, bevor Sie Projekte an einen Starttermin binden. Rechenzentren an etablierten Standorten wie Frankfurt hängen dagegen bereits am Netz.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Nscale LimitedForm S-1 Registration Statement (US-Börsenaufsicht SEC, eingereicht am 18.09.2026)
- NscaleNscale announces UK AI infrastructure commitment in partnership with Microsoft, NVIDIA and OpenAI (Pressemitteilung vom 16.09.2025)
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