Wells Fargo, Arm und Intuit lassen ihre Aktien nicht als Token auf der geplanten Plattform von OKX und der NYSE-Mutter ICE handeln. Laut Reuters haben damit 22 Unternehmen widersprochen, darunter Microsoft und Alphabet. Möglich macht das eine Einspruchsfrist von 30 Tagen, die die US-Börsenaufsicht SEC vorschreibt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Eine ganz natürliche Reaktion“ nannte Andrew Cuomo die Absagen am 20. Oktober, als die Liste noch 16 Namen umfasste.[3] Der frühere Gouverneur von New York ist Co-Vorsitzender des Gemeinschaftsunternehmens OKXICE und sitzt im Verwaltungsrat von OKX. Viele Firmen wollten bei einem so grundlegenden Umbruch erst abwarten, sagte Cuomo.
Das Wichtigste in Kürze
- Wells Fargo, Arm, Intuit und drei weitere Firmen lehnen den Token-Handel ihrer Aktien bei OKXICE ab.
- Insgesamt 22 Firmen haben laut Reuters widersprochen, 16 davon sind an der Nasdaq notiert.
- Nach einem fristgerechten Einspruch darf die Plattform die Aktie laut SEC nicht als Token anbieten.
- In der EU verkauft Robinhood Aktien-Token seit 2025 als Derivate, auch ohne Zustimmung der Unternehmen.
Wer hat dem Token-Handel widersprochen?

OKX und die NYSE-Mutter Intercontinental Exchange (ICE) hatten am 5. Oktober angekündigt, 63 Aktien von 62 Unternehmen als Token auf einer Blockchain anzubieten, rund um die Uhr und bezahlt in Stablecoins.[2] Hinter jedem Token sollte eine echte Aktie stehen, mit demselben Dividenden- und Stimmrecht.
Laut einem Dokument der Plattform, das Reuters eingesehen hat, haben inzwischen 22 Unternehmen widersprochen.[1] Neu sind sechs Firmen, darunter die Bank Wells Fargo, der Chipdesigner Arm und der Softwarehersteller Intuit. Am 19. Oktober standen bereits Microsoft, Alphabet, Goldman Sachs, Qualcomm und McDonald’s auf der Liste, davor Broadcom, Verizon und CoreWeave.[2]
Ihre Gründe behalten die Unternehmen für sich: Wells Fargo äußerte sich gegenüber Reuters nicht, Arm und Intuit antworteten zunächst nicht.
Warum reicht ein einziger Einspruch?
Die SEC erließ am 17. September die „Innovation Exemption“, eine auf fünf Jahre befristete Ausnahmeregel.[4] Handelsplätze für Aktien-Token brauchen damit keine Zulassung als Börse. Stammt der Token nicht vom Unternehmen selbst, muss die Plattform das Unternehmen schriftlich informieren und mindestens 30 Tage warten. Widerspricht das Unternehmen in dieser Frist, bleibt die Aktie für den Token-Handel gesperrt.
Mögliche Motive nennt die SEC selbst: Unternehmen könnten fürchten, ihr Aktienregister nicht mehr sauber zu führen, sobald Anteile auf einer Blockchain den Besitzer wechseln. Dazu kommt der Preis: Der Kurs in einem Liquiditätspool, in dem ein Programm statt eines Händlers die Preise stellt, ergibt sich meist nur aus dem Mengenverhältnis der Werte im Pool und kann sich vom Börsenkurs lösen.[4]
Für große Werte wie Microsoft begrenzt die SEC den Handel zudem auf 0,25 Prozent des durchschnittlichen Tagesvolumens im Vormonat, für höchstens 75 Werte je Plattform.[4]
Rund um die Uhr handeln nützt wenig, solange Microsoft, Alphabet und 20 weitere Firmen draußen bleiben.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Anleger in Europa?
In der EU gilt ein Token, der eine Aktie abbildet, als Finanzinstrument nach der Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Die Grundlage sind die Leitlinien der Wertpapieraufsicht ESMA vom 19. März 2025.[5] Damit gelten die Regeln für Wertpapiere, nicht die Kryptoverordnung MiCA.
Ein Einspruchsrecht wie in den USA haben die Unternehmen hinter den Aktien dabei nicht. Robinhood verkauft EU-Kunden seit Juni 2025 Aktien-Token als Derivate, darunter Token auf OpenAI, ohne Beteiligung des Unternehmens. Coinbase gibt Token auf Apple und Nvidia selbst aus, gehandelt wird nur außerhalb der USA.
Für Anleger im DACH-Raum heißt das:
- Prüfen Sie bei jedem Aktien-Token, wer ihn ausgibt und ob er eine echte Aktie mit Stimmrecht verbrieft oder nur den Kurs nachbildet.
- Klären Sie, wo der Anbieter sitzt: Die SEC-Ausnahme mit Einspruchsrecht gilt nur für Plattformen mit Sitz in den USA.[4]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- ReutersWells Fargo, Intuit others object to their shares being tokenized (23. Oktober 2026, Registrierung erforderlich)
- CoinDeskMicrosoft, Alphabet and Goldman Sachs join objections to OKX-ICE tokenized stock trading
- CoinDeskOKX-ICE’s Cuomo calls issuer objections a ‘natural response’ to tokenized stock plans
- U.S. Securities and Exchange CommissionRelease No. 34-106402, Order Granting Conditional Exemptive Relief (17. September 2026, PDF)
- ESMALeitlinien zu den Bedingungen und Kriterien für die Einstufung von Kryptowerten als Finanzinstrumente (19. März 2025, PDF)
Mehr Newshunger?
- Tokenisierte Aktien bei Coinbase: Der Handel läuft überall außer in den USA
- SEC stoppt die eigene Abstimmung über neue Krypto-Regeln
- Robinhood: Wie verdient der Gratis-Broker sein Geld?
- Coinbase: Irische Zentralbank verhängt 3,25 Mio. Euro Bußgeld wegen mangelhaft gesicherter Kundengelder
- Coinbase: Wie verdient die Krypto-Börse im Crash?
- Binance: Wie verdient die Krypto-Börse ohne Hauptsitz?
