Artikel teilen

Vorräte für 1,56 Milliarden Euro standen Ende September in der Bilanz von Cambricon, mehr als doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Im dritten Quartal verdiente der chinesische KI-Chipentwickler 188 Millionen Euro, 148 Prozent mehr als vor einem Jahr. Für Material, das schon zu lange im Lager liegt, schrieb Cambricon bis September 67 Millionen Euro ab.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

Am Freitagabend hat Cambricon in Peking den Bericht zum dritten Quartal veröffentlicht.[1] Der Umsatz hat sich auf 3,53 Milliarden Yuan mehr als verdoppelt, umgerechnet 472 Millionen Euro (EZB-Referenzkurs vom 22. Oktober: 1 Euro = 7,4786 Yuan). Aus dem laufenden Geschäft floss im Quartal trotzdem Geld ab: Der operative Cashflow lag bei minus 11 Millionen Euro.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 104 Prozent auf 472 Millionen Euro, der Nettogewinn um 148 Prozent auf 188 Millionen Euro.
  • Die Vorräte wuchsen seit Januar von 661 Millionen auf 1,56 Milliarden Euro und machen gut die Hälfte der Bilanzsumme aus.
  • 67 Millionen Euro schrieb Cambricon auf vorsorglich gekauftes Material ab.
  • Für das Umsatzziel 2026 braucht der Konzern im vierten Quartal mindestens 531 Millionen Euro.

Woher kommt das Wachstum?

Draufsicht auf ein weißes Regal mit gestapelten orangefarbenen Dosen
Cambricon verdoppelt Umsatz auf 1,27 Milliarden Euro in neun Monaten, Nettogewinn steigt um 131 Prozent auf 497 Millionen Euro dank starker Position bei KI-Rechenzentrum-Chips

Chips fürs Rechenzentrum. In den ersten neun Monaten setzte Cambricon 1,27 Milliarden Euro um, 107 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn stieg um 131 Prozent auf 497 Millionen Euro.[1] Bei KI-Chips für Rechenzentren habe der Konzern „eine starke Wettbewerbsposition und einen festen Kundenstamm“ aufgebaut, schreibt Cambricon in einer Mitteilung zur Geschäftslage.[2] Kunden nennt das Unternehmen nicht.

Stabile Marge. Aus Umsatz und Umsatzkosten ergibt sich nach neun Monaten eine Bruttomarge von 56,5 Prozent, nach 55,3 Prozent im Vorjahreszeitraum.[1] Das schnelle Wachstum habe die Rentabilität nicht geschmälert, schreibt Cambricon.[2]

Ehrgeiziges Ziel. Im Juli hat Cambricon ein Aktienprogramm für Mitarbeiter an Umsatzziele geknüpft: mindestens 13,5 Milliarden Yuan im Jahr 2026, rund 1,81 Milliarden Euro.[2] Dafür muss das vierte Quartal mindestens 531 Millionen Euro bringen, 13 Prozent mehr als das dritte. Konkurrenz droht aus den USA: ByteDance, Alibaba und Tencent haben laut Reuters bei Nvidia Grafikkarten für rund 30 Milliarden Euro bestellt, von denen der US-Konzern bisher nur einen kleinen Teil liefern kann.

Warum liegt so viel Material im Lager?

Vorrat für zwei Jahre. Ende September standen Vorräte für 11,66 Milliarden Yuan in der Bilanz, umgerechnet 1,56 Milliarden Euro und 136 Prozent mehr als zu Jahresbeginn.[1] Gemessen an den Umsatzkosten der ersten neun Monate reicht der Bestand rechnerisch für gut zwei Jahre. Die Abschreibung von 501,6 Millionen Yuan, rund 67 Millionen Euro, begründet Cambricon mit Material, das der Konzern früher aus strategischen Gründen gekauft habe und das inzwischen lange liege. Je länger ein Posten lagert, desto höher setzt Cambricon die Wertberichtigung an.[3]

Vorkasse und Wechsel. Lieferanten bekommen ihr Geld zunehmend im Voraus oder per Wechsel. Die Anzahlungen haben sich seit Januar auf 407 Millionen Euro vervierfacht, die Wechselverbindlichkeiten stiegen von 47 auf 664 Millionen Euro.[1] Die Barmittel schrumpften von 176 auf 74 Millionen Euro. Vom Nettogewinn der ersten neun Monate kamen nur 30 Millionen Euro als operativer Cashflow an.

Gesperrte Fertigung. Seit Dezember 2022 steht Cambricon auf der Entity List des US-Handelsministeriums, einer Sperrliste für Exporte. Der Eintrag erfasst auch Ware, die im Ausland mit US-Technik gefertigt wird. Anträge auf eine Exportgenehmigung lehnt die Behörde grundsätzlich ab.[4] Auftragsfertiger außerhalb Chinas, die mit Anlagen aus den USA arbeiten, fallen damit praktisch aus. Auch andere chinesische Hersteller kaufen auf Vorrat, weil Speicher und Fertigung knapp sind: Hikvision hat sein Lager seit Jahresbeginn um 63 Prozent aufgestockt und Biren steckt 70 Prozent einer Kapitalerhöhung in Vorauszahlungen, fest gebuchte Fertigungskapazitäten und Lagerbestände.

Cambricon kauft Chipmaterial, solange Lieferanten liefern. Die Abschreibung von 67 Millionen Euro ist die Prämie für diese Versicherung.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen
Cambricon nach neun Monaten
Gewinn und Lager wachsen, das laufende Geschäft bringt wenig Bargeld
188 Mio. €
Nettogewinn im dritten Quartal, 148 Prozent mehr als im Vorjahresquartal
1,56 Mrd. €
Vorräte Ende September, gut die Hälfte der Bilanzsumme
67 Mio. €
Abschreibung auf Vorräte von Januar bis September
30 Mio. €
operativer Cashflow in neun Monaten, bei 497 Mio. € Nettogewinn

Was heißt das für Unternehmen in Europa?

Bekannte Regel. Die Abschreibung folgt einem Grundsatz, den auch das deutsche Bilanzrecht vorschreibt: Vorräte stehen höchstens mit dem Wert in der Bilanz, den sie am Markt noch erzielen. Bilanzierer nennen das strenges Niederstwertprinzip, geregelt in § 253 Absatz 4 des Handelsgesetzbuchs.[5] Nach IFRS gilt dafür der Standard IAS 2. Unternehmen, die wegen knapper Speicherchips Server, Notebooks oder Bauteile auf Vorrat kaufen, binden Kapital und müssen mit Abwertungen rechnen, sobald Preise fallen oder eine neue Chipgeneration erscheint.

Zwei Prüfpunkte für den eigenen Einkauf:

  • Lagerdauer je Bauteilgruppe auswerten und mögliche Abwertungen in der Liquiditätsplanung vorsehen.
  • Anzahlungen nur gegen feste, vertraglich gesicherte Liefertermine leisten.

Offene Rechnung. Die Abschreibungen hat noch kein Wirtschaftsprüfer testiert, Cambricon verweist auf die Prüfung des Jahresabschlusses.[3] Erst dann zeigt sich, ob der Vorrat im vierten Quartal zu Umsatz geworden ist oder weiter altert.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Cambricon中科寒武纪科技股份有限公司2026年第三季度报告 (chinesisch, Bericht zum dritten Quartal)23.10.2026
  2. Cambricon关于公司近期生产经营情况的公告 (chinesisch, Mitteilung 2026-042 zur Geschäftslage)23.10.2026
  3. Cambricon关于2026年前三季度计提资产减值准备的公告 (chinesisch, Mitteilung 2026-038 zu Wertberichtigungen)23.10.2026
  4. Federal RegisterAdditions to the Entity List; Revisions of Existing Entries on the Entity List (englisch, 87 FR 77505)19.12.2022
  5. Gesetze im InternetHandelsgesetzbuch, § 253 Zugangs- und Folgebewertung

Mehr Newshunger?

4,5 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?