Hikvision hat seinen Lagerbestand seit Jahresbeginn um 63 Prozent auf 4,43 Milliarden Euro aufgestockt, der operative Cashflow sank dadurch fast um die Hälfte. Der Kamerahersteller kauft Speicher und andere Bauteile auf Vorrat, weil der KI-Boom sie verteuert. Die Aufschläge reicht Hikvision an seine Händler weiter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 16. Oktober hat Hikvision seinen Bericht zum dritten Quartal veröffentlicht.[1] Der Nettogewinn stieg demnach um 36,97 Prozent auf 5,02 Milliarden Yuan, umgerechnet 667 Millionen Euro, der Umsatz um 13,71 Prozent auf 3,62 Milliarden Euro (EZB-Referenzkurs vom 16. Oktober: 1 Euro = 7,524 Yuan). Auffälliger ist die Bilanz: Bei Hikvision in Hangzhou lagen Ende September Vorräte im Wert von 33,3 Milliarden Yuan, Ende 2025 waren es 20,5 Milliarden.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Lagerbestand wuchs in neun Monaten um 1,71 Milliarden auf 4,43 Milliarden Euro.
- Der operative Cashflow fiel um 47 Prozent auf 959 Millionen Euro, Hikvision nennt höhere Einkäufe und Vorräte als Grund.
- Laut chinesischen Händlern hob Hikvision Ende Februar die Preise für Kameras, Speicher und KI-Geräte um 8 bis 15 Prozent an.
- Auch der Rivale Dahua hob die Preise an, die Speicherknappheit trifft die ganze Branche der Videotechnik.
Warum füllt Hikvision seine Lager?

Die Speicherhersteller verlagern ihre Fertigung seit der zweiten Jahreshälfte 2025 auf HBM, schnellen Speicher aus übereinander gestapelten Chips für KI-Beschleuniger, und auf Festplatten für Rechenzentren.[3] Herkömmliche DRAM-Chips und Festplatten für Videoüberwachung, die in Kameras und Netzwerk-Videorekordern stecken, werden dadurch knapp. Der Modulhersteller Apacer erwartet deshalb, 2027 nur noch ein Drittel seiner DRAM-Menge zu bekommen. Michael Dell sieht in Speicherchips den Engpass seiner KI-Server.
Jin Yan, bei Hikvision für die Finanzen zuständig, sagte schon im April, der Konzern habe deutlich mehr Vorräte angelegt.[2] Als Marktführer kaufe Hikvision günstiger ein und könne Preise leichter an Kunden weitergeben als kleinere Anbieter. Verwaltungsratschef Hu Yangzhong zählte den Preisanstieg bei Speicher und Elektronikbauteilen damals zu den vier Wachstumstreibern, er schlage recht unmittelbar auf das Ergebnis durch, Dauer und Ausmaß aber „schwer abzuschätzen“.
Wie verdient der Konzern an der Knappheit?
Laut Händlern, über die das Wirtschaftsmagazin Shidai Caijing berichtet, erhöhte Hikvision Ende Februar die Preise für Kameras, Speicher und KI-Geräte um 8 bis 15 Prozent.[3] Noch nicht bezahlte Bestellungen wurden zum neuen Preis abgerechnet, ab Juli folgten Aufschläge für Wärmebildkameras und Festplatten. Die Bruttomarge der ersten neun Monate stieg auf 49,6 Prozent, nach 45,4 Prozent im Vorjahr.[1]
Beim kleineren Rivalen Dahua fiel die Rechnung schlechter aus. Dahua erhöhte im März nur einzelne Kamerapreise um 3 bis 8 Prozent, stockte die Vorräte im ersten Halbjahr trotzdem um 41 Prozent auf und rutschte mit dem operativen Cashflow auf minus 147 Millionen Euro.[3] An derselben Knappheit verdiente der Handyhersteller Transsion im Halbjahr 46 Prozent mehr.
Für Hikvision ist die Speicherknappheit ein Geschäft: Der Vorrat sichert die Lieferung, der Aufschlag erhöht die Marge.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Käufer in Europa?
Im Ausland wächst Hikvision vor allem außerhalb des Westens. Rund 70 Prozent des Auslandsgeschäfts mit Sicherheitstechnik stammen laut Konzern aus Entwicklungs- und Schwellenländern.[2] Die US-Behörde FCC lässt neue Hikvision-Geräte nicht mehr zu, in Europa haben das EU-Parlament und die Stadt Amsterdam Hikvision-Kameras abgebaut.
Den Preisdruck spüren Käufer trotzdem, denn europäische und asiatische Kamerahersteller verbauen dieselben Speicherchips. IT-Leiter sollten Angebote für Videoanlagen und Rekorder mit Festpreis einholen und Ersatzfestplatten jetzt einplanen. Seit dem 11. September müssen Hersteller vernetzter Geräte nach dem Cyber Resilience Act zudem aktiv ausgenutzte Schwachstellen melden,[4] unabhängig von ihrer Herkunft. Wie wenig ein Prüfsiegel über die Sicherheit aussagt, zeigt das Zertifikat von Dahua. Die Pflichten für den eigenen Betrieb bündeln die Cybersecurity-Grundlagen für KMU.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Hikvision2026 3rd Quarter Report
- Cailian Press (CLS)Treiben Preiserhöhungen das Ergebnis? Hikvision: Der Rohstoffzyklus wirkt, mit Wettbewerbsvorteilen höhere Erträge erzielen (Titel übersetzt)
- Shidai Caijing, über ifeng.comDahuas Nettogewinn sinkt leicht, Hikvision verdient kräftig und schüttet 5 Milliarden aus (Titel übersetzt)
- EUVerordnung (EU) 2024/2847 über horizontale Cybersicherheitsanforderungen für Produkte mit digitalen Elementen (Cyberresilienz-Verordnung), Art. 14 und Art. 71
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