Micron verkauft einen wachsenden Teil seiner Speicherchips über mehrjährige Abnahmeverträge, für die Kunden Milliarden in bar hinterlegen. Die Quartalszahlen vom 30. September zeigen die Verhandlungsmacht dahinter: 47,2 Milliarden Euro Umsatz bei 87 % Bruttomarge. Ein Ende der Knappheit sieht der US-Konzern nicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIm vierten Geschäftsquartal bis zum 3. September setzte der Speicherhersteller aus Boise fast das Fünffache des Vorjahresquartals um.[1] Als Nettogewinn blieben 32,8 Milliarden Euro übrig. Für das laufende Quartal rechnet Micron mit rund 53,5 Milliarden Euro Umsatz und erwartet, dass Speicher 2027 und 2028 noch knapper wird als in diesem Jahr. Alle Beträge sind zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar umgerechnet.
Das Wichtigste in Kürze
- Micron steigerte den Quartalsumsatz auf 47,2 Mrd. €, die bereinigte Bruttomarge erreichte 87 %.
- Micron schätzt, dass 26 mehrjährige Abnahmeverträge über 35 % seines Umsatzes bis 2030 abdecken.
- Die Kunden haben dafür 27,8 Mrd. € zugesagt, größtenteils als Bareinlage.
- In der Sparte für PC- und Handyspeicher stieg der Umsatz zum Vorquartal um 14 %, obwohl Micron weniger Speicher auslieferte.
Warum verkauft Micron Speicher gegen Anzahlung?

Micron nennt die Verträge Strategic Customer Agreements. Die Kunden verpflichten sich über mehrere Jahre zur Abnahme fester Mengen und zahlen auch für Ware, die sie nicht abrufen. Die Energiebranche kennt dieses Prinzip als Take-or-pay. Für drei Viertel des vertraglich erwarteten Umsatzes gilt ein fester Preisrahmen, meist mit Unter- und Obergrenze.[2] Von den zugesagten 27,8 Milliarden Euro fließt der Großteil als Bareinlage, die Micron erst in der zweiten Hälfte der Laufzeit zurückzahlt, sofern die Kunden die Mindestmengen abgenommen haben.
Den Grund für die Zahlungsbereitschaft liefert der Reinraum. Neue Speicherfabriken brauchen Jahre: Microns erstes neues Werk in Idaho soll Mitte 2027 die ersten Wafer liefern, das Werk im Bundesstaat New York erst 2030. Zusätzlich belegt HBM-Speicher für KI-Beschleuniger je Bit deutlich mehr Waferfläche als gewöhnlicher Arbeitsspeicher. Nach Jahrzehnten fallender Preise ist Speicher seit 2025 wieder teurer geworden. „Trotz der zusätzlichen Reinraumflächen, die die Branche plant, und angesichts robuster Nachfrage mit neuen Mengenanfragen unserer Kunden ist für uns nicht absehbar, wann Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen“, schreibt Micron-Chef Sanjay Mehrotra in seinen Ausführungen zur Telefonkonferenz.
Wer trägt künftig das Risiko des Schweinezyklus?
Speicher galt jahrzehntelang als Paradebeispiel für den Schweinezyklus: Hohe Preise lockten neue Fabriken an, deren Mengen die Preise später einbrechen ließen. Die Abnahmeverträge verlagern dieses Risiko auf die Kunden. Finanzchef Mark Murphy rechnet selbst bei den vereinbarten Mindestpreisen mit Margen deutlich über den Höchstwerten früherer Zyklen.[2] Aus Verträgen mit festem Preisrahmen stehen bereits rund 130 Milliarden Euro als Auftragsbestand in den Büchern.
Die Großkunden spielen mit, weil ihnen sonst die Ware fehlt. Tencent zahlte im zweiten Quartal mehr als 6,4 Milliarden Euro im Voraus für Speicherchips. Im Juli sicherten sich General Motors, Ford und sieben Zulieferer, darunter Denso, Harman und Joynext, ihre Speicherversorgung per Langfristvertrag mit Micron.
Wann neue Kapazität kommt
| Standort | Was Micron baut | Erste Produktion |
|---|---|---|
| Singapur | Montage von HBM-Speicher | Anfang 2027 |
| Idaho, Werk 1 | DRAM-Fabrik | Mitte 2027 |
| Idaho, Werk 2 | DRAM-Fabrik | Ende 2028 |
| Japan | Erweiterung der DRAM-Fertigung | Ende 2028 |
| New York | DRAM-Fabrik | 2030 |
Micron hat den Speicherchip zur Ware mit Vorauskasse gemacht. Mittelständler ohne eigenen Liefervertrag kaufen die Restmengen zum Tagespreis.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Speicherknappheit für Unternehmen in Europa?
In Europa fertigt seit der Insolvenz von Qimonda 2009 kein Hersteller mehr Arbeitsspeicher in großem Stil. Mittelständler kaufen Speicher fast immer eingebaut, im Notebook oder im Server, und damit ohne eigene Lieferverträge.
Die Rechnung kommt über die Gerätepreise. In Microns Sparte für PC- und Handyspeicher liegt die Bruttomarge inzwischen bei 90 %.[1] Apple erhöhte im Juni die Preise für MacBooks und iPads; Huawei, Xiaomi und Honor verteuerten im September mehrere Handys. Micron hält für 2026 zweistellig sinkende Stückzahlen bei PCs und Smartphones für möglich. Für die Hardware-Planung 2027 lohnen zwei Schritte:
- Ersatzbeschaffungen für Notebooks und Server gehören früher ins Budget, am besten mit einem Rahmenvertrag samt Preisbindung beim Händler.
- Cloud- und Hosting-Verträge verdienen einen Blick auf Klauseln zur Preisanpassung, denn die Rechenzentren der Anbieter kaufen denselben knappen Speicher.
Wie der Konzern sein Geld verdient, zeigt das Dr.-Web-Porträt des Micron-Geschäftsmodells.
Quellen
[1] Micron Technology: „Micron Technology, Inc. Reports Record Fiscal Fourth-Quarter and Full-Year 2026 Results“, 30. September 2026
[2] Micron Technology: „Fiscal Q4 2026 Earnings Call Prepared Remarks“, 30. September 2026
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