Die Baustelle von Fab 11E in Taoyuan ruht laut Bloomberg bis auf Sicherungsarbeiten, weil Micron sich mit der Gewerkschaft vor Ort nicht einigt. Für das Speicherwerk hatte der US-Konzern 3 bis 4,5 Milliarden Dollar eingeplant, umgerechnet 2,6 bis 3,9 Milliarden Euro. Ab 2028 sollte das Werk Arbeitsspeicher für KI-Server liefern.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 4 Abschnitte
Bloomberg hat den Baustopp am Donnerstag gemeldet und beruft sich auf mit dem Vorgang vertraute Personen.[1] Micron habe demnach Behörden in Taiwan und einen Zulieferer informiert. Der Konzern selbst bestätigt den Baustopp nicht. Der Betrieb in Taiwan laufe normal, man wolle mit der Gewerkschaft in Taoyuan weiter verhandeln, teilte der Konzern der Nachrichtenagentur CNA mit.[2] Die nächste Verhandlungsrunde ist für Freitag angesetzt (Stand: Donnerstag, 5. November 2026, 15:30 Uhr).
Das Wichtigste in Kürze
- Micron hat den Bau von Fab 11E in Taoyuan laut Bloomberg weitgehend gestoppt, bestätigt ist das nicht.
- Das Werk sollte ab 2028 DRAM und HBM fertigen, das Budget lag bei 3 bis 4,5 Mrd. Dollar.
- Die Gewerkschaft in Taoyuan verlangt 15 Prozent des operativen Gewinns für die Beschäftigten.
- Die Einigung mit der größeren Gewerkschaft in Taichung ist umstritten.
Warum stoppt Micron den Bau?

Laut Bloomberg fürchtet die Konzernführung, dass eine schon erzielte Einigung wieder kippt. Am 21. Oktober hatte Micron mit der Gewerkschaft in Taichung abgeschlossen, die rund 11.000 der etwa 12.300 Beschäftigten dort vertritt: ein neuer Bonus je Quartal, abhängig vom Gewinn, höhere Schichtzulagen, drei zusätzliche Urlaubstage und ein Rentenbeitrag von 10 statt 8 Prozent.[3] Die Gewerkschaft in Taoyuan erkennt das Ergebnis nicht an. Ihr Vorsitzender Jerry Lin sagt, ihre Vertreter hätten mit abstimmen müssen, dann hätte die Mehrheit gegen den Vertrag gestimmt.
Das Arbeitsministerium in Taipeh wertet die Vereinbarung nach Berichten taiwanischer Medien als gültigen Vertrag, Zweifel an ihr gehören vor ein Zivilgericht. In Taoyuan arbeiten rund 3.000 Menschen, 2.335 davon sind in der Gewerkschaft. Ihre Forderung: dauerhaft 15 Prozent des operativen Gewinns für die Beschäftigten statt Boni nach Ermessen des Konzerns. Im Oktober hatten elf Gewerkschaftsvertreter einen Tag lang gestreikt, wie Dr. Web über den Streik bei Micron in Taiwan berichtete.
Was fehlt dem Speichermarkt ohne Fab 11E?
Der Baustopp berührt die heutige Produktion nicht. In Taiwan fertigt Micron mehr als 60 Prozent seines Arbeitsspeichers. Fab 11E sollte mit Belichtungsmaschinen von ASML ab 2028 DRAM und HBM liefern, den gestapelten Speicher für KI-Beschleuniger. Ausgerechnet ab dann erwarten die Hersteller Entspannung, weil neue Werke nennenswerte Mengen liefern. Bis dahin verkauft Micron Speicher gegen Anzahlung. Bei SK Hynix bleiben von jedem Euro Umsatz fast 80 Cent als Betriebsgewinn übrig.
Um einen festen Gewinnanteil streiten auch andere Speicherhersteller mit ihren Beschäftigten. Bei Samsung hatte die Gewerkschaft im Mai ebenfalls 15 Prozent gefordert und nach einer Streikdrohung 10,5 Prozent des Gewinns der Chipsparte erhalten, ausgezahlt in Aktien. Auf diese Abschlüsse in Südkorea beruft sich die Gewerkschaft in Taoyuan. Der Speichermangel bringt den Herstellern Rekordgewinne, Samsung etwa verdient fast alles mit Chips.
Ob 2028 genug Arbeitsspeicher auf dem Markt ist, entscheidet sich gerade an einem Verhandlungstisch in Taoyuan.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen in Europa?
Im deutschen Handel kostet DDR5-Arbeitsspeicher schon das 5,6-Fache des Preises vom Juli 2025, wie unsere Auswertung zu den steigenden Preisen für Speicherchips zeigt. Fehlt Fab 11E, kommt 2028 weniger neuer Speicher auf den Markt als geplant. Planen Sie die Erneuerung von Notebooks und Servern für 2027 und 2028 deshalb mit festen Preisen und Lieferterminen im Vertrag, nicht zu Tagespreisen.
Ob Micron weiterbaut, zeigt die Verhandlung am Freitag. Bloomberg spricht von einer Pause, nicht von einer Absage.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- BloombergBericht über den Baustopp am Micron-Werk in Taoyuan (5. November 2026, hinter Bezahlschranke)
- Central News Agency (CNA)Stellungnahme von Micron zum Werk in Taoyuan, chinesisch
- Focus Taiwan (CNA)Micron Taoyuan union reps begin symbolic ‚strike‘ after Taichung deal
Mehr Newshunger?
- Streik bei Micron in Taiwan: Die Gewerkschaft will einen festen Anteil am Speicherboom
- Die Chipflation macht Arbeitsspeicher fünfmal so teuer
- Stoppt Samsung den Streik mit 291.000 Euro? Ja.
- Intel-Aktie verliert nachbörslich 21 Prozent: Knapper Speicher lässt den PC-Markt schrumpfen
- Apple setzt 114,5 Mrd. Dollar um und erwartet wegen teurer Speicherchips weniger Marge
- Micron verkauft Speicher gegen Anzahlung und sieht kein Ende der Knappheit
