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Peking gibt die Einfuhr von Nvidias H200 im großen Stil nicht frei, obwohl Washington den Verkauf an genehmigte Abnehmer in China erlaubt. Rund 600.000 dieser KI-Beschleuniger lagern deshalb laut Reuters in Hongkong. Auf dem Festland wurde ein Server mit acht Karten Ende Oktober für das Dreifache des Vorjahrespreises angeboten.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Warum bleiben die Chips in Hongkong liegen?
  2. Was bezweckt Peking mit dem Zögern?
  3. Was heißt das für Händler und Hoster im DACH-Raum?
  4. Mehr Newshunger?

Reuters hat am 5. November unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen berichtet, dass rund 600.000 H200-Chips von Nvidia in Hongkong auf die Lieferung nach Festlandchina warten.[1] Peking habe die Einfuhr großer Mengen bisher nicht genehmigt, obwohl die chinesischen Tech-Konzerne die Chips haben wollen. Stand Donnerstag, 13 Uhr: Nvidia, Alibaba, ByteDance, DeepSeek, Tencent, Chinas Industrieministerium und die Planungsbehörde NDRC haben sich nicht geäußert.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Reuters lagern rund 600.000 Nvidia-H200 in Hongkong und warten auf Pekings Einfuhrgenehmigung.
  • Mehrere große Internetkonzerne erhielten laut einer Reuters-Quelle in den vergangenen Monaten je rund 10.000 Chips.
  • Ein Server mit acht H200 wurde Ende Oktober auf dem Festland für mehr als 6 Mio. Yuan angeboten, knapp 800.000 Euro.
  • Wiederausfuhren aus Europa nach China lehnen die US-Behörden weiterhin grundsätzlich ab.

Warum bleiben die Chips in Hongkong liegen?

CPU auf Mini-Palette mit Anhänger: Wartet auf Freigabe
Hongkong zählt seit Dezember 2020 in US-Ausfuhrregeln als Teil Chinas, behält aber eigene Zollgrenzen. US-lizenzierte Chips gelten als in China angekommen

Hongkong hat einen doppelten Status. Für die US-Ausfuhrregeln zählt die Stadt seit Dezember 2020 als Teil Chinas, sie behält aber ihren eigenen Zoll.[2] Chips, die mit US-Lizenz nach Hongkong gehen, sind aus Sicht Washingtons in China angekommen. Über die Einfuhr auf das Festland entscheidet Peking.

Washington lässt die Ausfuhr inzwischen zu. Seit dem 15. Januar prüft das Handelsministerium Anträge für den H200 im Einzelfall, statt sie grundsätzlich abzulehnen.[3] Jede Lieferung prüft vorher ein unabhängiges Labor in den USA. Nach China darf insgesamt höchstens halb so viel Rechenleistung dieses Chips gehen, wie Kunden in den USA erhalten haben.

Was bezweckt Peking mit dem Zögern?

Laut Reuters scheut Peking eine größere Abhängigkeit von US-Technik. Neu ist das nicht: Im Juli berichtete The Information, China wolle Alibaba, ByteDance und DeepSeek nur begrenzte Mengen für das Training von KI-Modellen erlauben, insgesamt womöglich weniger als 200.000 Chips. Für den Betrieb fertiger Modelle sollten die Firmen chinesische Prozessoren nutzen.[4] Im August hatte bereits die Financial Times berichtet, Peking wolle die H200 in Hongkong halten.

Erlaubt, geliefert, nicht eingeführt
Nvidias H200 zwischen Washingtons Lizenz und Pekings Einfuhrgenehmigung
600.000
H200-Chips lagern laut Reuters in Hongkong und warten auf die Einfuhr nach Festlandchina
rund 10.000
Chips erhielten mehrere große chinesische Internetkonzerne je in den vergangenen Monaten
3-fach
So viel wie vor einem Jahr kostete ein Server mit acht H200 Ende Oktober auf dem Festland
Wie die Chips in Hongkong hängen blieben
Dez. 2020
Die USA behandeln Hongkong bei Ausfuhren wie China
15.01.2026
Washington prüft H200-Anträge für China im Einzelfall
Juli 2026
Laut The Information will Peking womöglich weniger als 200.000 Chips freigeben
05.11.2026
Laut Reuters stecken 600.000 H200 in Hongkong fest

Den Engpass bezahlen die Käufer in China. Weil die genehmigte Menge knapp ist, gelangen laut Reuters kleine Mengen über Zwischenhändler und Umwege ins Land. Ein Server mit acht H200 wurde Ende Oktober für mehr als 6 Mio. Yuan angeboten, rund dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Server mit Nvidias neueren Blackwell-Chips, die unter die US-Exportkontrollen fallen, kosteten mehr als 20 Mio. Yuan (rund 2,7 Mio. Euro). Parallel haben ByteDance, Alibaba und Tencent laut Reuters mehr als drei Millionen schwächere Nvidia-Karten bestellt, die unter den US-Leistungsgrenzen für Ausfuhren bleiben.

Peking lässt 600.000 Nvidia-Chips lieber im Lager liegen, als sich abhängig zu machen. Bezahlen müssen das Chinas KI-Firmen mit dem dreifachen Serverpreis.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was heißt das für Händler und Hoster im DACH-Raum?

Die Lockerung aus Washington gilt nur für Ausfuhren direkt aus den USA. Anträge für Wiederausfuhren aus anderen Ländern nach China oder Macau lehnt die US-Behörde weiterhin grundsätzlich ab.[3] Systemhäuser und Hoster sollten daher zwei Dinge prüfen:

  • Anfragen für H200-Server aus Hongkong wie Anfragen aus China behandeln und den Endverbleib schriftlich klären.
  • Angebote von Zwischenhändlern mit ungewöhnlich kurzer Lieferzeit meiden. Anfang Oktober ließ die US-Justiz einen Händler verhaften, der Nvidia-Server über Malaysia nach China geschmuggelt haben soll.

Offen ist, ob und wann Peking größere Mengen freigibt und wem die Chips in Hongkong gehören.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. ReutersExclusive: Nvidia chips pile up in Hong Kong as China withholds import approval (05.11.2026, englisch, Wortlaut bei Yahoo News)
  2. Bureau of Industry and SecurityRemoval of Hong Kong as a Separate Destination Under the Export Administration Regulations, Federal Register 85 FR 83765 (23.12.2020, englisch)
  3. Bureau of Industry and SecurityRevision to License Review Policy for Advanced Computing Commodities, Federal Register 91 FR 1684 (15.01.2026, englisch)
  4. TrendForceChina Reportedly to Allow Nvidia H200 Imports, but Approvals May Be Capped Below 200K Chips, Bericht über The Information (09.07.2026, englisch)

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