Conrad Electronic verlagert den Kundenservice für ganz Europa nach Krakau. Das sogenannte Customer Care in Hirschau und Wilhelmshaven schließt, in der Zentrale in der Oberpfalz sind 60 Beschäftigte betroffen.[1][2]
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Zuerst berichtete Onetz am Montagabend, 2. November, Oberpfalz TV bestätigte die Zahl am Dienstag und stützt sich dabei auf eine Meldung des Unternehmens. Der Schritt ist eine Ankündigung, über Interessenausgleich oder Sozialplan ist nichts bekannt. Stand: Donnerstag, 5. November.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Conrad schließt das Customer Care in Hirschau und Wilhelmshaven und verlagert den europäischen Kundenservice nach Krakau.
- In Hirschau fallen 60 Stellen weg, das sind weniger als drei Prozent der weltweit mehr als 2.300 Beschäftigten (Stand 2024).
- Wie viele Beschäftigte in Wilhelmshaven betroffen sind und bis wann der Umzug läuft, nennen die zugänglichen Berichte nicht.
- Conrad will die Betroffenen nach eigener Aussage „bestmöglich begleiten“.
- Eine Begründung hat das Unternehmen in den Berichten nicht genannt, die Arbeitskosten in Polen liegen deutlich unter den deutschen.
Was verlagert Conrad nach Krakau?

Conrad bündelt den Kundenservice für Europa künftig in Krakau. Die Standorte Hirschau und Wilhelmshaven geben die Aufgabe ab, in Hirschau schließt das „Customer Care“ vollständig.[1][2]
In der Zentrale trifft es 60 Beschäftigte, einige von ihnen arbeiteten nach dem Bericht von Onetz jahrzehntelang für Conrad. Das Unternehmen sagt, es wolle die Betroffenen „bestmöglich begleiten“. Den Onetz-Bericht hat die Redaktion nur im frei zugänglichen Vorspann gelesen, der Rest steht hinter der Bezahlschranke. Eine Pressemitteilung von Conrad ließ sich nicht finden.[1][2]
Offen bleibt, wie viele Stellen in Wilhelmshaven wegfallen, wann der Umzug beginnt und ob Beschäftigte nach Krakau wechseln oder an andere Conrad-Standorte versetzt werden können.
Wie steht Conrad in Hirschau da?
Max Conrad gründete das Unternehmen 1923 in Berlin, seit 1946 sitzt das Familienunternehmen in Hirschau im Landkreis Amberg-Sulzbach. Die Conrad Electronic SE gehört zur Conrad Holding SE und beschäftigte 2024 weltweit mehr als 2.300 Menschen.[3] Die 60 Stellen entsprechen damit weniger als drei Prozent dieser Belegschaft, in der Oberpfälzer Zentrale wiegen sie schwerer.
Der Umzug des Kundenservice ist nicht der erste Einschnitt. Im April 2022 kündigte Conrad an, fast alle Filialen für Privatkunden bis Ende des Jahres zu schließen, nur der Standort in Wernberg-Köblitz blieb. Das Unternehmen setzte danach auf Online-Handel und Geschäftskunden.[4]
Warum wandert der Kundenservice nach Polen?
Eine Begründung nennen die zugänglichen Berichte nicht. Naheliegend ist der Kostenhebel, belegt ist er für Conrad nicht. Eine Arbeitsstunde kostete 2025 in Deutschland im Schnitt 45,00 Euro und damit 29 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt von 34,90 Euro, meldet das Statistische Bundesamt. Am unteren Ende der Skala liegen Bulgarien mit 12,00 Euro und Rumänien mit 13,60 Euro. Polen liegt ebenfalls unter dem EU-Schnitt, die Kosten stiegen dort 2025 aber um 10,5 Prozent.[5]
Verlagerungen ins Ausland treffen damit nicht nur Fabriken. Villiger zieht die Zigarrenfertigung bis Ende 2027 aus Waldshut-Tiengen ab und streicht 40 von 190 Stellen, bei Faber im Bochumer Callcenter fallen 71 Stellen weg, dort allerdings wegen schrumpfenden Postgeschäfts und neuer Regeln für den Telefonverkauf. Conrad gehört zu den bekannten Marken, die einen Servicebereich ins Ausland geben.
Für Händler mit eigenem Servicestandort in Deutschland zeigt der Fall, womit Wettbewerber rechnen: Sprachkompetenz und Kundennähe lassen sich in Krakau einkaufen, die Stundenkosten liegen niedriger. Ob die Servicequalität bei Conrad danach hält, lässt sich erst nach dem Umzug beurteilen.
Wie geht es für die Beschäftigten weiter?
Bei einer Betriebsänderung dieser Größe muss Conrad mit einem Betriebsrat, sofern es einen gibt, über einen Interessenausgleich zu Zeitpunkt und Umfang verhandeln und über einen Sozialplan, der den Verlust des Arbeitsplatzes ausgleicht. Ob es dazu schon Gespräche gibt, ist öffentlich nicht bekannt.
Für die 60 Beschäftigten in Hirschau kommt es darauf an, ob Conrad Abfindungen, Qualifizierung oder Wechsel in andere Abteilungen anbietet. Die Zusage, die Betroffenen „bestmöglich“ zu begleiten, nennt dazu keine Einzelheiten. Für Wilhelmshaven fehlen bisher selbst die Zahlen.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- OnetzConrad verlagert Kundenservice ins Ausland: 60 Mitarbeiter in Hirschau betroffen (2. November 2026, nur Vorspann frei zugänglich)
- Oberpfalz TVConrad verlagert Kundenservice
- WikipediaConrad Electronic (Gründung 1923, Sitz Hirschau seit 1946, mehr als 2.300 Beschäftigte, Stand 2024)
- ifun.deNur eine bleibt: Conrad Electronic schließt nahezu alle Filial-Standorte
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung zu den Arbeitskosten 2025, wiedergegeben von evangelisch.de