Shein baut sein Lager bei Breslau für 500 Millionen Euro aus, vier Monate nach dem Start des EU-Paketzolls. Seit 1. Juli kostet jede Sendung aus einem Drittland unter 150 Euro drei Euro je Warenart, seit 1. November kommt eine Bearbeitungsgebühr von 2 Euro hinzu. Ob der Ausbau eine Antwort auf diese Abgaben ist, sagt Shein nicht.
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Shein hat am 4. November angekündigt, 500 Millionen Euro in sein europäisches Logistikzentrum in Magnice bei Breslau zu investieren.[1] Dort sollen bis Ende 2026 mehr als 10.000 Beschäftigte und 6.500 autonome Roboter arbeiten, Kunden in einigen Märkten sollen binnen 48 Stunden beliefert werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Shein investiert 500 Mio. € in das Lager bei Breslau, bis Jahresende sollen dort 6.500 Roboter und mehr als 10.000 Beschäftigte arbeiten.
- Die EU erhebt seit 1. Juli 3 € Zoll je Warenart auf Sendungen unter 150 €, seit 1. November zusätzlich 2 € Bearbeitungsgebühr.
- Ware, die gesammelt eingeführt und ab Lager verschickt wird, ist kein Einzelpaket aus China mehr.
- Für den DACH-Handel schrumpft der Lieferzeit-Vorsprung gegenüber Shein.
Was plant Shein in Polen?

Leonard Lin, globaler Leiter Public Affairs, sagt dazu: „Mit dieser Investition bauen wir effizientere, flexiblere und widerstandsfähigere europäische Abläufe auf.“[1]
Der Druck ist real. Im zweiten Quartal sank der Europa-Umsatz um 13,9 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, der Nettogewinn fiel laut Reuters um 67 Prozent.[1] Die Kosten für Versand und Abwicklung sind dabei der größte Posten: 49 Cent von jedem Euro Umsatz gingen im ersten Halbjahr dafür drauf.
Warum trifft die Paketabgabe ein Lager anders?
Die EU erhebt seit 1. Juli auf Sendungen aus Drittländern unter 150 Euro drei Euro Zoll je Warenart, zunächst bis Juli 2028. Seit 1. November gilt laut Rat zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr von 2 Euro je Artikel.[2][3]
Die Abgabe knüpft an die Einzelsendung an. Ware, die gesammelt per Container eingeführt und ab Lager verschickt wird, verzollt der Importeur als Partie nach dem regulären Tarif, den Kunden erreicht ein Paket aus Polen. Das ist die Rechnung hinter dem Ausbau, bestätigt hat Shein sie nicht. Auch Temu zahlt die Abgaben.
Die Paketabgabe erklärt kein 500-Millionen-Lager allein, sie macht es aber leichter zu rechtfertigen.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für den Handel im DACH-Raum?
Der Lieferzeit-Vorsprung heimischer Shops war bisher ein Argument gegen Shein, denn Direktpakete aus China sind länger unterwegs. Mit 48 Stunden aus Polen fällt er weg, sofern Deutschland, Österreich und die Schweiz dazugehören. Das nennt der Konzern nicht.[1]
Auch JD.com baut in Europa aus: Die EU hat die Übernahme von Ceconomy unter Auflagen genehmigt. Vier Wochen lang lohnt sich ein Vergleich von Preis und Lieferzeit der zehn meistverkauften eigenen Artikel mit dem Shein-Angebot. Schrumpft der Abstand, gehört die Lieferzeit aus der Werbebotschaft.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- ReutersShein to invest EUR500 million in Polish hub after EU parcel charges
- Rat der Europäischen UnionEU action on the influx of small parcels
- Europäische Kommission, Steuern und ZollunionEU Customs Reform
Mehr Newshunger?
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