Shein legte am 28. September die ersten Halbjahreszahlen seit dem Börsengang vor: Das bereinigte operative Ergebnis halbierte sich auf 468 Millionen Euro. In Europa schrumpfte der Quartalsumsatz um 13,9 Prozent, am Dienstag fiel die Aktie in Hongkong auf ein Rekordtief.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Shein-Halbjahreszahlen zeigen einen Händler, der mehr verkauft und weniger verdient. Die Bestellungen stiegen im ersten Halbjahr um 6,4 Prozent auf 549 Millionen,[1] der Umsatz wuchs dagegen nur um 1 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Dazwischen liegen teurere Fracht und neue Abgaben in der EU.
Das Wichtigste in Kürze
- Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) fiel im ersten Halbjahr 2026 um 50,4 Prozent auf 468 Millionen Euro.
- In Europa sank der Umsatz im zweiten Quartal um 13,9 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro.
- Shein fing höhere Öl- und Frachtpreise selbst ab, statt sie an die Kundschaft weiterzugeben.
- Die Aktie fiel am 29. September zeitweise um 12,7 Prozent auf 30,80 Hongkong-Dollar (rund 3,42 Euro).
Wo bleibt der Gewinn?

Die Fracht frisst die Marge. Mit den Spannungen im Nahen Osten stiegen Öl- und Frachtpreise, doch Shein gab die Mehrkosten nicht an die Kundschaft weiter. Laut Zwischenbericht an die Hongkonger Börse wuchsen die Kosten für Versand und Abwicklung im zweiten Quartal um 18,1 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Die bereinigte Nettomarge fiel im selben Quartal von 6,2 auf 2,1 Prozent.
Der ausgewiesene Nettogewinn verdoppelte sich dagegen auf rund 2 Milliarden Euro. Den Sprung erklären Posten außerhalb des Handelsgeschäfts. Maßgeblich ist für Shein selbst der bereinigte Nettogewinn, der um 55,6 Prozent auf 434 Millionen Euro sank. Gründer und Verwaltungsratschef Xu Yangtian (Sky Xu) rechnet für das zweite Halbjahr mit anhaltendem Zolldruck und schwankenden Logistikkosten. Gemessen am Ausgabepreis vom holprigen Börsenstart am 1. September lag die Aktie am Dienstag zeitweise mehr als ein Drittel im Minus.
Warum verliert Shein in Europa?
Neue Abgaben treffen das Billigmodell in der EU. Seit dem 1. Juli verlangt die EU auf Sendungen unter 150 Euro einen Pauschalzoll von 3 Euro je Warenposition, befristet bis Juli 2028.[2] Frankreich erhebt seit September zusätzlich einen Malus von bis zu 12 Euro pro Kleidungsstück. Shein hob die Preise, worauf die Bestellungen in Europa zurückgingen. Die Zahl der monatlichen Nutzer in der EU sank bis Juni auf 128 Millionen, 28 Millionen weniger als zum Jahresende.
Die Onlinewerbung kürzte Shein nach eigenen Angaben schon vor dem Stichtag, in Erwartung der EU-Gebühren. Der Werbedienstleister smec sah Shein im zweiten Quartal fast vollständig aus den Anzeigen-Auktionen von Google Shopping verschwinden. Die Konkurrenz wählt andere Wege: AliExpress setzt stärker auf Markenware, Temu verkauft zunehmend eigene Marken aus europäischen Lagern.
Shein verkauft mehr und verdient nur noch halb so viel, weil Zoll und Fracht jetzt voll auf dem einzelnen Teil lasten. Genau dort lag der Preisvorsprung, den deutsche Modehändler seit Jahren nicht einholen konnten.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wohin verlagert Shein das Wachstum?
Das Wachstum kommt vor allem aus Lateinamerika. Außerhalb Europas und der USA meldete Shein ein Umsatzplus von 21,6 Prozent, während der US-Umsatz im zweiten Quartal um 6 Prozent sank. Zweiter Hebel ist das Dienstleistungsgeschäft: Die Erlöse aus Marktplatz und Markenprogramm stiegen im zweiten Quartal um 44,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.[1] Über das Programm Shein Xcelerator übernimmt der Konzern für fremde Marken Fertigung, Lager und Versand.
Der Umbau folgt einem Muster der chinesischen Versandplattformen. Pinduoduo nahm für den Temu-Ausbau sinkende Gewinne in Kauf. Der EU-Zoll drängt nun alle großen Anbieter, Lager und Sortiment näher an die europäische Kundschaft zu rücken.
Was bedeuten die Zahlen für Händler in Deutschland?
Für deutsche Modehändler schrumpft der Preisabstand zu Shein. Zwei Schritte lohnen sich jetzt:
- Prüfen Sie jetzt die Klickpreise für Modeanzeigen in Google Shopping. Zum Weihnachtsgeschäft erwartet Shein spürbaren Rückenwind und dürfte dort wieder stärker mitbieten.
- Kalkulieren Sie Ihre Preise gegen Shein neu: Pauschalzoll und Fracht verteuern die günstigsten Teile am stärksten.
Marken, die Shein Xcelerator als Vertriebsweg prüfen, sollten Vertragslaufzeit und Exklusivität genau lesen. Passende Partner für Kampagnen im Weihnachtsgeschäft finden Sie in unserem Vergleich von E-Commerce-Agenturen.
Wie hoch war der Gewinn von Shein im ersten Halbjahr 2026?
Das bereinigte operative Ergebnis sank um 50,4 Prozent auf 538 Millionen US-Dollar, rund 468 Millionen Euro. Der bereinigte Nettogewinn fiel um 55,6 Prozent auf rund 434 Millionen Euro. Der ausgewiesene Nettogewinn stieg auf rund 2 Milliarden Euro, getrieben von Posten außerhalb des Handelsgeschäfts.
Warum verliert Shein in Europa Umsatz?
Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU auf Kleinsendungen unter 150 Euro einen Pauschalzoll von 3 Euro je Warenposition, Frankreich verlangt seit September zusätzlich einen Malus auf Billigmode. Shein erhöhte die Preise, die Bestellungen gingen zurück. Im zweiten Quartal sank der Europa-Umsatz um 13,9 Prozent.
Was bedeuten die Shein-Zahlen für deutsche Onlinehändler?
Der Preisabstand zu Shein wird kleiner, weil Zoll und Fracht das Billigmodell verteuern. Shein hat zudem die Onlinewerbung in Europa gekürzt. Modehändler können Anzeigenbudgets in Google Shopping vor dem Weihnachtsgeschäft testen, bevor Shein dort wieder stärker bietet.
Quellen
[1] 雷峰网 (Leiphone): „希音上市后的第一份财报,回答了两个关键问题“
[2] Rat der Europäischen Union: „Customs: Council agrees to levy customs duty on small parcels as of 1 July 2026“
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