Lidl übt mit der Bundeswehr den Ernstfall: Bei der Großübung „Red Storm Charlie“ in Hamburg versorgt die Schwarz Gruppe vom 24. bis 26. September wichtige Übungsstandorte mit Trinkwasser. Der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland ist damit erstmals bei der Übungsreihe dabei.[1]

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„Wie auch im vergangenen Jahr bei Red Storm Bravo trainieren wir bei Red Storm Charlie die Verlegung von Truppen und Material an die Ostflanke des Bündnisgebietes“, sagt Kapitän zur See Kurt Leonards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg.[2] Rund 500 Soldatinnen und Soldaten proben drei Tage lang im Stadtgebiet und im Hafen, gemeinsam mit Polizei, Feuerwehr, THW, Airbus und dem Hafenbetreiber HHLA.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lidl versorgt wichtige Übungsstandorte mit Trinkwasser, die Abfallsparte PreZero übernimmt das Wertstoffmanagement.
  • Edeka und Netto beteiligen sich ebenfalls und haben einen Notfallrucksack entwickelt, der laut Edeka den Empfehlungen des BBK entspricht.
  • Seit März 2026 verlangt das KRITIS-Dachgesetz von Betreibern kritischer Anlagen einen Resilienzplan.

Was übt die Schwarz Gruppe bei „Red Storm Charlie“?

Schrumpfverpackte Wasserflaschen auf Mini-Palette mit Übung-Aufkleber und grüner Badeente
Bundeswehr-Übung in Hamburg: Truppen verladen für Einsatz im Baltikum, mobiles Krankenhaus aufgebaut, Drohnenangriffe und Sabotage simuliert

Das Szenario: Spannungen an den Grenzen der baltischen Staaten, Truppen kommen in Hamburg an und ziehen weiter nach Osten. Die Übungsleitung spielt Drohnenangriffe, einen Chemieunfall und Sabotage an Bahntransporten durch, dazu entsteht ein mobiles Krankenhaus.[1] Der Konzern aus Neckarsulm probt, wie die Grundversorgung in dieser Lage weiterläuft.

Laut Unternehmen reicht die Aufgabe über den Transport hinaus: Die Sparte Schwarz Produktion füllt das Wasser ab, Lidl übernimmt die Lieferung an die Standorte, PreZero kümmert sich um die Wertstoffe. Die Abläufe stimmt ein eigener Krisenstab der Schwarz Unternehmenssicherheit mit militärischen und zivilen Stellen ab.[1] Seit 2025 bündelt die Gruppe das Thema Verteidigung im Bereich Schwarz Digits Defence. Der Bereich gehört zur Digitalsparte, die auch das geplante Rechenzentrum bei Rostock verantwortet.

Warum probt ein Discounter den Verteidigungsfall?

Den Rahmen setzt der Operationsplan Deutschland, der militärische und zivile Unterstützung für die Landes- und Bündnisverteidigung bündelt.[2] Hamburg ist darin eine Drehscheibe: Durch Hafen und Stadt laufen die Nachschubwege zur Ostflanke.

Das Ernährungssicherstellungs- und -vorsorgegesetz erlaubt dem Bundeslandwirtschaftsministerium in einer Versorgungskrise, per Verordnung Verteilung und Preise von Lebensmitteln zu regeln und sogar einzelne Betriebsstätten zu öffnen oder zu schließen.[3] Ein Händler, der seine Abläufe vorher mit Behörden einübt, kennt deren Anforderungen vor der ersten Anordnung. Wie verwundbar die Lieferwege schon im Frieden sind, zeigt das BKA-Lagebild zu Sabotage und hybriden Angriffen.

Red Storm Charlie: der Handel im Übungsplan
Was die Hamburger Großübung für Lidl, Edeka und Co. bedeutet
rund 500
Soldatinnen und Soldaten üben vom 24. bis 26. September in Hamburg
3 Sparten
der Schwarz Gruppe übernehmen Aufgaben: Lidl, Schwarz Produktion und PreZero
17.03.2026
KRITIS-Dachgesetz in Kraft: Resilienzplan für kritische Anlagen wird Pflicht
2027
folgt mit Red Storm Delta die nächste Übung der Serie

Im Krisenfall zählt, ob der Lkw mit dem Wasser rechtzeitig am Ziel ankommt. Die Schwarz Gruppe probt diesen Ablauf, solange noch keine Behörde ihn anordnen muss.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet die Übung für Unternehmen in Deutschland?

Seit dem 17. März 2026 gilt das KRITIS-Dachgesetz, das Betreiber kritischer Anlagen auch im Sektor Ernährung zu physischem Schutz verpflichtet.[4] Als Maßnahmen nennt § 13 ausdrücklich Notstromversorgung und die Ermittlung alternativer Lieferketten.[5] Die Schwarz Gruppe testet in Hamburg nach eigenen Angaben, wie Lieferketten im Ausnahmezustand funktionieren.

Auch andere Konzerne richten zivile Technik auf Sicherheit und Verteidigung aus: Die Telekom teilt ihre Drohnenerkennung mit mehreren KRITIS-Betreibern, Daimler Truck und Quantum Systems entwickeln autonome Lkw für die Bundeswehr.

Für Geschäftsführer im Mittelstand lohnt eine Bestandsaufnahme. Klären Sie, ob Ihr Betrieb als Zulieferer eines KRITIS-Betreibers in dessen Resilienzplan auftaucht, und benennen Sie für jeden kritischen Lieferanten eine Alternative. Legen Sie fest, wer im Krisenstab entscheidet und wie lange Ihr Standort ohne Netzstrom arbeiten kann. Ansprechpartner der Bundeswehr für die zivil-militärische Zusammenarbeit sind die Landeskommandos in den Ländern.

Quellen

[1] SWR: „Lidl und die Bundeswehr: Wie sich der Discounter auf Krisensituationen vorbereitet“ (26.09.2026)

[2] Bundeswehr, Landeskommando Hamburg: „Übung Red Storm Charlie“

[3] Bundesministerium der Justiz: „§ 4 ESVG, Ermächtigungen zum Erlass von Rechtsverordnungen zur Sicherstellung der Grundversorgung“

[4] Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: „KRITIS-Dachgesetz“

[5] Bundesministerium der Justiz: „§ 13 KRITISDachG, Resilienzpflichten der Betreiber kritischer Anlagen; Resilienzplan“

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