Bis zu 1,7 Milliarden Euro kann die Bundeswehr in den nächsten vier Jahren bei Secunet für Verschlüsselungstechnik ausgeben. Der Haushaltsausschuss des Bundestags billigte am 23. September den Ergänzungsrahmenvertrag für die SINA-Produktfamilie des Essener Unternehmens. Für den ersten Abruf rechnet die Nachrichtenagentur Reuters mit gut 100 Millionen Euro.

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Mit dem Secunet-Rahmenvertrag modernisiert die Bundeswehr die Verschlüsselung ihrer Kommunikationsnetze. SINA-Geräte schützen Daten auch dort, wo der Verkehr über unsichere Leitungen läuft. Anleger hatten schon vor der Sitzung auf den Vertrag gesetzt: Im September legte die Secunet-Aktie laut dpa-AFX fast 40 Prozent zu.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Haushaltsausschuss hat am 23. September einen Ergänzungsrahmenvertrag für SINA-Verschlüsselungstechnik gebilligt, laut Reuters über bis zu 1,7 Milliarden Euro in vier Jahren.
  • Der erste Abruf soll gut 100 Millionen Euro umfassen, die Lieferungen beginnen 2027.
  • Secunet erwartet für 2026 einen Umsatz von 460 bis 500 Millionen Euro.
  • SINA-Komponenten sind für Verschlusssachen bis GEHEIM und NATO SECRET zugelassen und laufen bereits in den Netzen der Bundeswehr.

Was steckt hinter dem Rahmenvertrag über 1,7 Milliarden Euro?

Silberner Bilderrahmen mit orangefarbenem Anhänger
Rahmenvertrag mit Obergrenze für Secunet: Bundeswehr kauft SINA-Sicherheitstechnik nach Bedarf ab, konkrete Summe nicht genannt

Ein Rahmenvertrag setzt eine Obergrenze, keinen festen Auftrag. Umsatz entsteht für Secunet erst mit jedem einzelnen Abruf der Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium nennt in seiner Mitteilung weder Summe noch Hersteller und spricht nur vom „Abschluss eines Ergänzungsrahmenvertrags für den Bezug von Leistungen aus dem Produktportfolio ‚Sichere Inter-Netzwerk Technologie (SINA)‘“.[1] Volumen, Laufzeit und ersten Abruf meldete Reuters unter Berufung auf eine Vorlage des Finanzministeriums.

Rechnerisch erlaubt der Rahmen Abrufe von gut 400 Millionen Euro pro Jahr. Für 2026 erwartet Secunet einen Konzernumsatz von 460 bis 500 Millionen Euro, der Vorstand rechnet inzwischen mit dem oberen Ende.[2] Der erste Abruf entspricht damit rund einem Fünftel des Jahresumsatzes. Mehr Gewicht als die Einzelsumme hat die Planbarkeit: Die Bundeswehr kann nachbestellen, ohne jedes Mal neu auszuschreiben.

Warum führt an SINA kaum ein Weg vorbei?

Die SINA-Produktfamilie entstand im Auftrag des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Gateways und Arbeitsplatzrechner verschlüsseln den Datenverkehr in VPN-Tunneln. Seit 2015 sind zentrale Komponenten auch für NATO SECRET zugelassen, Secunet bezeichnete sich damals als einzigen deutschen Hersteller, der die NATO-Anforderungen an IPsec-Lösungen dieser Stufe erfüllt.[3] National reicht die Zulassung bis GEHEIM.[4]

Zugelassene Kryptotechnik lässt sich nicht beliebig austauschen, weil jedes neue Gerät mit der vorhandenen Infrastruktur zusammenarbeiten muss. Ein Ergänzungsvertrag baut deshalb auf der installierten Basis auf. Im Staatsgeschäft wächst Secunet ohnehin schnell: Das Segment Public Sector legte im ersten Halbjahr um 29,4 Prozent auf 192,7 Millionen Euro zu, der Auftragseingang stieg auf 287 Millionen Euro.[2]

Anleger preisen bei Secunet schon die vollen 1,7 Milliarden Euro ein, die Bundeswehr ruft zunächst gut 100 Millionen ab. Den Wert des Vertrags bestimmen erst die Abrufe der nächsten vier Jahre.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Secunet und die Bundeswehr: Rahmen und Abruf
Die wichtigsten Zahlen zum SINA-Vertrag
1,7 Mrd. €
Obergrenze des SINA-Rahmenvertrags über vier Jahre (laut Reuters)
gut 100 Mio. €
soll der erste Abruf umfassen, die Lieferungen beginnen 2027
460–500 Mio. €
Umsatz erwartet Secunet für das Gesamtjahr 2026
GEHEIM
höchste nationale Zulassungsstufe der SINA-Gateways, dazu NATO SECRET

Was bedeutet der Vertrag für Unternehmen im Umfeld der Bundeswehr?

Der SINA-Abruf reiht sich in eine Welle großer Beschaffungen ein. TKMS bucht 6,3 Milliarden Euro für vier Fregatten, Hensoldt vernetzt Bundeswehr-Hubschrauber per Software. Jedes vernetzte System braucht verschlüsselte Verbindungen, mit jedem Rüstungsprojekt wächst deshalb der Bedarf an Kryptotechnik.

Zulieferer, die Verschlusssachen bearbeiten, stehen vor derselben Frage wie die Truppe. Welche Zulassungsstufe verlangt der Auftrag? Erfüllt die eigene Netzwerktechnik diese Stufe? SAP etwa verschlüsselt die Datenleitung zwischen seinen Rechenzentren mit einer vom BSI zugelassenen Lösung. Prüfen Sie vor einem Angebot an die Bundeswehr die geforderte Geheimhaltungsstufe und klären Sie früh, ob Ihre Verbindungen dafür eine BSI-Zulassung brauchen.

Quellen

[1] Bundesministerium der Verteidigung: „Lenkflugkörper, Funksysteme, Luftverteidigung: Weiter hohes Tempo bei Rüstung“ (23.09.2026)

[2] Secunet: „secunet wächst im ersten Halbjahr 2026 deutlich und verzeichnet starken Ergebnissprung im zweiten Quartal“ (13.08.2026)

[3] Secunet: „NATO SECRET-Zulassung für SINA“ (02.02.2015)

[4] Secunet: Datenblatt SINA L3 Box H, „Zugelassen für GEHEIM / NATO SECRET“

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