Hensoldt will zum nationalen Palantir werden. Oliver König, Manager beim Sensorhersteller aus Oberkochen, formuliert das Ziel offen, während die Fusionssoftware MDOcore Radar-, Luftabwehr- und Führungssysteme mehrerer Nato-Partner in Echtzeit koppelt. Für Europas Sicherheitsbehörden entsteht damit eine souveräne Alternative zur US-Analyseplattform.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBei den Stuttgarter Nachrichten fiel der Schlüsselsatz: Hensoldt stellt sich als nationales Palantir auf. Der Radarkonzern aus Baden-Württemberg, 2,46 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025, greift ein Feld an, das bislang der US-Konzern Palantir dominiert.
Das Wichtigste in Kürze
- MDOcore verknüpft Sensoren, Waffen und Führungssysteme über fünf Domänen von Land bis Weltraum und verdichtet die Daten KI-gestützt zu einem Lagebild in nahezu Echtzeit.
- Hersteller-neutral und cloud-fähig: Die Software soll Behörden aus der Abhängigkeit von nicht-europäischen Plattformen lösen.
- Für die souveräne Rüstungscloud arbeitet Hensoldt mit Schwarz Digits und IBM zusammen, erste Prototypen sind für 2026 geplant.
Was steckt hinter Hensoldts nationalem Palantir?

MDOcore ist Hensoldts Fusionssoftware für Multi-Domain-Operationen. Die Software sammelt unstrukturierte Sensordaten aus Land, Luft, See, Cyber und Weltraum, ordnet sie mit semantischen Verfahren und künstlicher Intelligenz, verdichtet daraus in nahezu Echtzeit ein Lagebild samt Handlungsvorschlag.[1] Ein deutsches Radar, eine französische Flugabwehr und ein US-Führungssystem koppeln darüber ihre Daten, als sprächen sie dieselbe Sprache.
Daten als Munition: „Daten sind auf dem Gefechtsfeld so wichtig wie Munition“, sagt Vorstandschef Oliver Dörre. Diese Datenhoheit will der Konzern unter europäische Kontrolle bringen, statt sie einem US-Anbieter zu überlassen.
Warum ausgerechnet ein nationales Palantir?
Digitale Souveränität treibt den Vorstoß. Palantirs Analyseplattform Gotham läuft bei mehreren deutschen Polizeien und bleibt politisch umstritten, weil US-Recht wie der Cloud Act theoretisch auf die Daten zugreifen kann. Erst kürzlich stoppte Londons Polizei einen Palantir-Vertrag, und Spanien setzte den Konzern auf eine schwarze Liste.
Hersteller-neutral soll die Plattform sein: KI-gestützt, cloud-basiert und tauglich für Militär wie Polizei, wie König gegenüber den Stuttgarter Nachrichten beschreibt. Für die souveräne Rüstungscloud holt Hensoldt mit Schwarz Digits und IBM zwei Partner mit Rechenzentren in Deutschland an Bord. Denselben Weg zur digitalen Souveränität gehen gerade Secunet und Cloudflare, erste Hensoldt-Prototypen sollen 2026 stehen.
Die eigentliche Wertschöpfung sitzt heute im Code, nicht mehr allein in der Antenne. Hensoldt greift damit genau dort an, wo Palantir bisher konkurrenzlos war.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Hersteller-neutral gegen den Lock-in
MDOcore soll Militär und Polizei aus der Abhängigkeit von einer US-Plattform lösen. Vorstandschef Oliver Dörre nennt Daten auf dem Gefechtsfeld so wichtig wie Munition.
Was bedeutet das für Europas Sicherheitsbehörden?
Digitale Abhängigkeit rückt in den Fokus. Mehrere Länderpolizeien setzen Palantirs Gotham ein, das Bundesverfassungsgericht begrenzte die automatisierte Datenanalyse 2023 jedoch eng. Eine europäische Alternative verschiebt die Debatte von der reinen Rechtsfrage hin zu der Frage, wer die Plattform überhaupt kontrolliert.
Konkrete Prüfpflicht: Beschaffer in Behörden und Industrie sollten Vertrags- und Datenhoheit genau prüfen, bevor der nächste Analyse-Auftrag vergeben wird. Ob MDOcore Palantir wirklich ersetzen kann, entscheidet sich weniger an der KI als an offenen Schnittstellen und belastbaren Referenzen, und beides liefert erst der Prototyp 2026.
Quelle
[1] Hensoldt: „Shaping the future of defence through software“
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