Palo-Alto-Chef Nikesh Arora saß zweimal mit einem Übernahmeziel am Tisch und ging zweimal ohne Vertrag heraus. Okta scheiterte am Preis, Datadog-Chef Olivier Pomel winkte ab. Für zwei Ersatzkäufe zahlte Palo Alto Networks danach 24,7 Milliarden Euro und bekam dieselben Kategorien: Identität und Observability.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Palo Alto Networks meldete für das dritte Geschäftsquartal 2026 einen Umsatz von 2,61 Milliarden Euro, davon 338 Millionen Euro aus CyberArk und Chronosphere.[1] Erste Wahl waren beide Firmen nicht: Das US-Fachmedium The Information nannte am 26. August 2026 die vorherigen Verhandlungspartner.

Das Wichtigste in Kürze

  • Arora verhandelte laut The Information von Ende 2024 bis Anfang 2025 mit Okta-Chef Todd McKinnon. Der Preis stoppte die Gespräche.
  • Datadog-Chef Olivier Pomel lehnte im Frühjahr 2025 ab, damals bei 34,8 Milliarden Euro Börsenwert. Heute sind daraus 69,6 Milliarden geworden.
  • Gekauft hat der Konzern CyberArk für 21,8 Milliarden Euro und Chronosphere für 2,9 Milliarden.
  • Im Quartal bis zum 30. April 2026 trugen beide 338 Millionen Euro zum Umsatz bei.

Warum scheiterten die Gespräche mit Okta und Datadog?

Drahtkorb mit Etiketten „Identität“, „Observability“ und einem Schlüssel vor weißem Hintergrund
Arora scheitert mit Übernahmeangeboten an Okta wegen 20-Milliarden-Bewertung und spricht daraufhin mit Datadog-Chef Pomel

Der Preis stoppte die eine Verhandlung, ein unwilliger Firmenchef die andere. Arora traf Okta-Chef Todd McKinnon ab Ende 2024 mehrfach. Laut The Information kamen beide Seiten bis zur Frage, wie gut die Produkte zusammenpassen; die Bewertung von rund 20 Milliarden Euro stand dann dazwischen.

Im Frühjahr 2025 sprach Arora dann Datadog-Chef Olivier Pomel an, damals bei über 34,8 Milliarden Euro Börsenwert. Pomel zeigte kein Interesse, ein förmliches Angebot kam nie zustande. Seither hat sich der Wert des Beobachtungsspezialisten verdoppelt, während Arora vor den Token-Kosten KI-gestützter Sicherheitssoftware warnt.

Was kaufte Palo Alto Networks stattdessen?

Dieselben zwei Kategorien landeten im Konzern, nur über andere Anbieter. CyberArk deckt die Identitätsschicht ab, vollzogen am 11. Februar 2026 für 21,8 Milliarden Euro zum Kurs von 0,87.[2] Chronosphere liefert die Observability, vollzogen am 29. Januar 2026 für rund 2,9 Milliarden Euro.[3]

Arora hat die Logik selbst benannt. Zur Chronosphere-Übernahme erklärte er: „Unternehmen suchen heute weniger Anbieter, tiefere Partnerschaften und Plattformen, auf die sie sich bei geschäftskritischer Sicherheit und im Betrieb verlassen können.“[3] Jede Übernahme verspricht weniger Rechnungen und mehr Anteil am Sicherheitsbudget.

Die Rechnung geht bisher auf. Der Umsatz wuchs im Quartal bis zum 30. April 2026 um 31 Prozent, die wiederkehrenden Sicherheitserlöse um 60 Prozent auf 7,05 Milliarden Euro.[1] Unter dem Strich stand allerdings ein Verlust von 154 Millionen Euro nach US-Bilanzrecht.

Arora kauft keine Produkte, sondern Kategorien. Für Sicherheitsverantwortliche in Deutschland sinkt damit die Zahl der Verträge, während die Abhängigkeit von einem einzigen Haus wächst.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zwei Absagen, zwei Abschlüsse
Wen Palo Alto Networks kaufen wollte und wen der Konzern bekam

Ohne Vertrag geblieben

  • Okta, Gespräche zwischen Ende 2024 und Anfang 2025
  • Bewertung damals rund 20 Milliarden Euro
  • Datadog, Anfrage im Frühjahr 2025
  • Bewertung damals über 34,8 Milliarden Euro

Gekauft und vollzogen

  • CyberArk, Vollzug am 11. Februar 2026
  • Kaufpreis rund 21,8 Milliarden Euro
  • Chronosphere, Vollzug am 29. Januar 2026
  • Kaufpreis rund 2,9 Milliarden Euro
24,7 Mrd. €
Kaufpreis beider Zukäufe zusammen
338 Mio. €
Umsatzbeitrag im Quartal bis 30. April 2026
1,39 Mrd. €
Anteil an den wiederkehrenden Sicherheitserlösen
69,6 Mrd. €
Börsenwert von Datadog nach der Absage

Was bedeutet die Anbieterkonzentration für Firmen in Deutschland?

Weniger Verträge bedeuten mehr Abhängigkeit von einem Haus. Firewall, privilegierte Zugänge und Systemüberwachung beim selben Anbieter zu bündeln, schafft einen einzelnen Ausfallpunkt. Paragraf 30 Absatz 2 Nummer 4 BSIG verlangt von besonders wichtigen und wichtigen Einrichtungen Maßnahmen zur Sicherheit der Lieferkette.[4] Sicherheit bleibt eine Aufgabe der Geschäftsleitung.

Finanzunternehmen trifft die Frage doppelt. Artikel 29 der EU-Verordnung 2022/2554 verlangt vor Verträgen über kritische Funktionen die Prüfung, ob der Dienstleister überhaupt ersetzbar ist. Diese Prüfung fällt schwerer, je mehr Schichten ein Anbieter abdeckt.

Palo Alto Networks steht damit nicht allein. Fortinet kaufte im August 2026 den Sicherheitsanbieter Virtue AI. Okta selbst übernahm zuvor Permiso, weil auf einen Menschen 109 Maschinenkonten kommen. Auch Schwarz Digits fährt seine souveräne Cloud mit CrowdStrike und Zscaler.

Prüfen Sie deshalb vor der nächsten Verlängerung gerne, wie viele Sicherheitsbausteine aus derselben Quelle stammen. Für kritische Funktionen gehört eine Ausstiegsstrategie dazu, ebenso die Frage, ob das Monitoring der eigenen Anwendungen dorthin gehört.

Quellen

[1] Palo Alto Networks: „Palo Alto Networks Reports Fiscal Third Quarter 2026 Financial Results“, 2. Juni 2026 (SEC-Formular 8-K, Anlage 99.1)

[2] Palo Alto Networks: SEC-Formular 8-K vom 11. Februar 2026 zum Vollzug der CyberArk-Übernahme

[3] Palo Alto Networks: „Palo Alto Networks Completes Chronosphere Acquisition“, 29. Januar 2026

[4] Bundesamt für Justiz: Paragraf 30 BSIG, Risikomanagementmaßnahmen besonders wichtiger Einrichtungen und wichtiger Einrichtungen

Mehr Newshunger?

4,6 15 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?