Ein neuer E-Mail-Client namens Comail lädt das komplette Postfach in eine Datenbank auf dem eigenen Rechner und durchsucht es dort, samt KI-Funktionen, ohne die Nachrichten an einen fremden Server zu geben. Das Projekt aus dem Umfeld von NextOSP startete Mitte Juli 2026 und steht unter einer freien Lizenz. Für Firmen mit vertraulicher Korrespondenz rückt damit eine Grundsatzfrage nach vorn: Wo liegt das Postfach, sobald eine KI es durchsucht?
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Comail lädt das gesamte Postfach in eine lokale Datenbank. Suche und KI-Auswertung laufen auf dem Gerät, nicht auf einem Server des Anbieters.
- Die Zugangsdaten liegen im Schlüsselbund des Betriebssystems, nicht in einer Datei. Das Programm sammelt keine Telemetrie und verlangt kein Konto.
- Die KI ist optional und arbeitet mit jedem OpenAI-kompatiblen Dienst, auf Wunsch mit einem lokalen Modell über LM Studio.
- Comail ist quelloffen unter der AGPL und kostenlos für Windows, macOS und Linux. Der Kalender gleicht sich beidseitig mit jedem CalDAV-Server ab.
Was macht Comail anders als ein Cloud-Mailprogramm?

Comail speichert das gesamte Postfach in einer lokalen Datenbank und führt Suche wie KI-Auswertung direkt auf dem Gerät aus. Cloud-basierte KI-Mailer wie Shortwave laden die Nachrichten dagegen auf eigene Server und betten sie dort in eine Vektordatenbank ein, um sie zu durchsuchen.
Technisch setzt Comail auf Tauri 2, einen Rust-Kern mit einer React-Oberfläche, und liegt seit Mitte Juli quelloffen auf GitHub.[1] Weil das Postfach lokal liegt, öffnen Ordner sofort und die Suche funktioniert auch offline, etwa im Flugzeug.
Der Gegenentwurf ist gut dokumentiert: Shortwave bettet nach eigener Beschreibung jede eingehende Nachricht auf GPU-Servern in eine Vektordatenbank ein und nennt als Unterauftragnehmer Google Cloud, OpenAI, Anthropic und Pinecone.[2] Genau diesen Umweg über fremde Rechner spart der lokale Ansatz.
Wie funktioniert die lokale Suche mit KI?
Comail bietet eine sofortige Stichwortsuche und eine Bedeutungssuche, die auf dem Gerät läuft. Die KI-Funktionen sind optional und arbeiten mit jedem OpenAI-kompatiblen Dienst, auf Wunsch mit einem lokalen Modell über LM Studio. Die Zugangsdaten liegen im Schlüsselbund des Betriebssystems, nie in einer Datei.
Wählen Nutzer ein lokales Modell, verlässt für die KI-Suche keine Nachricht den Rechner. Erst mit einem Cloud-Dienst als Schlüssel wandern Inhalte zu diesem Anbieter, die Wahl bleibt beim Nutzer. Der Kalender gleicht sich zudem beidseitig mit Google, Fastmail, iCloud oder jedem CalDAV-Server ab.
Dass solche Modelle auf eigener Hardware laufen, ist 2026 Alltag geworden, wie der Blick auf alltagstaugliche lokale KI-Modelle und auf Geräte wie den Mac mini mit lokaler KI zeigt.
Ein Postfach ist die sensibelste Datensammlung eines Unternehmens. Comail zeigt, dass moderne KI-Suche auch funktioniert, ohne diese Sammlung aus dem Haus zu geben.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Lokaler Client gegenüber Cloud-Mailer
Für wen lohnt sich der lokale Ansatz im DACH-Raum?
Am meisten profitieren Berufe mit Schweigepflicht und Firmen mit sensibler Korrespondenz. Ein Cloud-KI-Mailer verarbeitet das Postfach auf fremden, oft US-amerikanischen Servern, was nach der DSGVO eine Auftragsverarbeitung samt Drittlandtransfer auslöst. Der lokale Weg vermeidet beides.
Wie heikel Postfachdaten sind, führte zuletzt die Lücke rund um Apples Hide My Email vor. Für Anwälte, Ärzte und Steuerberater berührt die Frage die Verschwiegenheit nach Paragraf 203 Strafgesetzbuch. Ein Modell auf eigener Hardware hält die Inhalte im Haus, wie es auch die Initiative für ein Recht auf lokale KI fordert.
Drei Punkte vor dem Einsatz: Prüfen Sie, wo die KI rechnet, und bevorzugen Sie für vertrauliche Post ein lokales Modell. Beachten Sie die AGPL, deren Copyleft erst beim Verändern und Verteilen greift, nicht beim reinen Nutzen. Version 0.2.29 ist zudem ein früher Stand, der vor dem Rollout eine Prüfung im Team verdient, für das auch die passenden E-Mail- und CRM-Werkzeuge zur Wahl stehen.
FAQ: Comail und der lokale E-Mail-Client
Wo speichert Comail die E-Mails?
Comail lädt das komplette Postfach in eine Datenbank auf dem eigenen Rechner. Die Zugangsdaten liegen im Schlüsselbund des Betriebssystems und nicht in einer Datei, das Programm verlangt kein Konto und sammelt keine Telemetrie.
Läuft die KI-Suche von Comail ohne Cloud?
Die Stichwort- und die Bedeutungssuche laufen auf dem Gerät. Die zusätzlichen KI-Funktionen sind optional. Mit einem lokalen Modell über LM Studio verlässt keine Nachricht den Rechner, mit einem Cloud-Anbieter verarbeitet dagegen dieser die Inhalte.
Ist Comail kostenlos und quelloffen?
Ja. Comail steht unter der GNU Affero General Public License (AGPL) und ist kostenlos für Windows, macOS und Linux verfügbar. Der Quellcode liegt öffentlich auf GitHub.
Quellen
[1] Comail auf GitHub: NextOSP/comail, Projektbeschreibung und Lizenz
[2] Shortwave: „Security & Privacy“, Dokumentation zur serverseitigen Verarbeitung
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