Fortinet hat das Startup Virtue AI übernommen und bekommt damit Prüfwerkzeuge, die KI-Agenten in über 50 abgeschotteten Umgebungen angreifen. Den Kaufpreis nennt Fortinet nicht. Für die Absicherung von KI-Systemen erwartet Gartner bis 2030 ein Marktvolumen von 14,3 Milliarden Euro.

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Fortinet hat mit Virtue AI einen Anbieter gekauft, der KI-Agenten so lange reizt, bis sie sich falsch verhalten. Die Übernahme vom 17. August reiht sich in eine Einkaufswelle ein, an deren Ende für Käufer weniger Auswahl steht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fortinet erweitert sein KI-Schutzmodul FortiAIGate um automatisierte Angriffstests und Laufzeitschutz für autonome Agenten.
  • Den Kaufpreis nennt Fortinet nicht und stuft die Summe als unerheblich für das eigene Geschäft ein.
  • Gartner beziffert den Markt für die Absicherung von KI-Systemen auf 2,44 Milliarden Euro im Jahr 2026.
  • Seit September 2024 haben sechs Wettbewerber Fortinets dieselbe Produktkategorie leergekauft.

Warum greift die Firewall bei KI-Agenten ins Leere?

Offene Metalltür mit Schild und Papierflieger mit „Anfrage“ auf weißem Grund
KI-Agenten erweitern die Angriffsfläche von Unternehmen um Prompts, Modelle und MCP-Werkzeuge. Schädliche Werkzeugaufrufe erscheinen als legitimer Datenverkehr

Die Angriffsfläche eines Unternehmens endete lange bei Netzwerk, Nutzerkonten, Endgeräten und Cloud-Diensten. Produktive KI-Agenten schieben Prompts, Modelle, MCP-Werkzeuge und Programmierschnittstellen dazu.[1] Ein schädlicher Werkzeugaufruf sieht auf Paketebene aus wie legitimer, authentifizierter Verkehr von einem freigegebenen Host. Die Entscheidung fällt eine Ebene höher im Modellkontext.

Die bekannten Angriffe setzen genau dort an. Eine versteckte Anweisung im Dokument steuert den Agenten, wie der Fall eines Klägers mit KI-Anweisungen im Schriftsatz zeigt. In Taiwan übernahmen autonome Agenten 85 Behördenkonten. Fortinet zog für diese Schicht Anfang des Jahres FortiAIGate ein, ein Zwischenstück vor dem Sprachmodell.

Warum reicht ein einmaliger Penetrationstest nicht?

Ein Sicherheitstest beschreibt nur einen Stand. Bei einem Sprachmodell verschiebt schon ein Versionswechsel das Verhalten, der Bericht vom Vormonat gilt dann für ein System, das so nicht mehr existiert. Daraus macht Virtue AI ein Produkt: VirtueRed fährt die Angriffstests automatisiert über mehr als 1.000 Risikokategorien, VirtueGuard setzt im Betrieb die Leitplanken für Text, Bild, Video, Audio und erzeugten Programmcode.[2]

Dazu kommt die Sicht auf das eigene Haus: Das Werkzeug findet nicht freigegebene KI-Anwendungen, durchsucht MCP-Werkzeuge und Quellcode nach versteckten Risiken und blockiert schädliche Werkzeugaufrufe vor der Ausführung.[1] „KI verändert die Unternehmens-IT von Grund auf. Die Sicherheit muss genauso schnell mitwachsen“, sagt Ken Xie, Gründer und Vorstandschef von Fortinet. Wie belastbar die eigene Grundlage ist, zeigte vergangene Woche eine Lücke in FortiWeb.

Binnen zwei Jahren ist KI-Sicherheit von einer eigenen Produktkategorie zum Modul der großen Plattformen geworden. Einkäufer im Mittelstand verlieren damit genau die Auswahl, die einen belastbaren Vergleich erst möglich macht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Fortinet mit Virtue AI einkauft
Prüfumfang, Marktgröße und die Preise der Übernahmewelle bei der KI-Sicherheit. Alle Beträge in Euro, Umrechnungskurs 0,87, Stand 17. August 2026.

Der Prüfumfang von Virtue AI

Testumgebungen
über 50
abgeschottete Sandkästen, in denen autonome Agenten angegriffen werden
Einsatzfelder
14
Hochrisiko-Bereiche, darunter simulierte Prompt-Injection und Angriffe über MCP-Werkzeuge
Automatisierter Test
über 1.000
Risikokategorien, multimodal geprüft und mit Nachweisen für die Revision

Der Markt, um den es geht

Gartner für 2026
2,44 Mrd. €
Produkte und Werkzeuge zur Absicherung von KI-Systemen und KI-Agenten
Gartner-Prognose für 2030
14,3 Mrd. €
erwartetes Volumen desselben Marktes, also fast das Sechsfache
Was die Wettbewerber gezahlt haben
Für Virtue AI nennt Fortinet keinen Preis und bezeichnet die Summe als unerheblich für das eigene Geschäft. Virtue AI hatte bis April 2025 rund 26,1 Millionen Euro Wagniskapital eingesammelt.
609 Mio. €
Palo Alto Networks für Protect AI, April 2025
217,5 Mio. €
SentinelOne für Prompt Security, 2025

Wer hat die KI-Sicherheitsfirmen sonst noch gekauft?

Fortinet kommt spät. Cisco übernahm im September 2024 Robust Intelligence, Palo Alto Networks zahlte im April 2025 rund 609 Millionen Euro für Protect AI, SentinelOne rund 217,5 Millionen Euro für Prompt Security. Dazu kamen Check Point mit Lakera, F5 mit CalypsoAI und CrowdStrike mit Pangea, dessen Schwachstellensuche inzwischen auch dem Mittelstand offensteht. Diese Einkaufswelle hat eine junge Produktkategorie binnen zwei Jahren in die großen Plattformen verlagert.

Für Betreiber im deutschsprachigen Raum verschiebt sich damit die Vergleichsgrundlage. Artikel 55 der KI-Verordnung verlangt von Anbietern universeller Modelle mit systemischem Risiko dokumentierte Angriffstests, durchsetzen kann die EU-Kommission diese Pflicht seit dem 2. August 2026. Reine Betreiber fallen nicht darunter, haften aber über Paragraf 30 BSIG und Artikel 32 DSGVO für ihre eigenen Schutzmaßnahmen.

Zwei Punkte gehören deshalb in die nächste Beschaffungsrunde. Zuerst eine Inventarliste aller produktiv laufenden Agenten samt ihrer MCP-Werkzeuge. Dann ein Testrhythmus im Vertrag, gekoppelt an den Modellwechsel statt an das Kalenderjahr. Das Übernahmerisiko des Anbieters gehört auf dieselbe Prüfliste wie die technische Eignung. Warum diese Frage in die Geschäftsleitung gehört, ordnet unser Leitfaden zur Cybersecurity als Chefsache ein.

Quellen

[1] Fortinet Newsroom: „Fortinet Advances Continuous AI Protection with the Acquisition of Virtue AI“ (17. August 2026)

[2] Virtue AI: Plattformübersicht zu VirtueRed, VirtueGuard und AgentSuite (abgerufen am 17. August 2026)

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