GLM-5.3 hat in 269 Open-Source-Projekten 2.436 bestätigte Sicherheitslücken gefunden, viele davon seit Jahren unentdeckt. Das chinesische KI-Labor Zhipu bewirbt sein neues Modell offen als Schwachstellen-Werkzeug, sperrt die schärfsten Angriffsfunktionen aber hinter eine Zugangsprüfung. Seit heute können sich Sicherheitsforscher und Institute dafür bewerben. Der Fall zeigt, wie ein bald frei herunterladbares Modell die Grenze zwischen Verteidigung und Angriff verschiebt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • GLM-5.3 fand nach Angaben von Zhipu 2.436 Schwachstellen in 269 Projekten und führt den Cyber-Benchmark CyberGym mit 84,5 Prozent an.
  • Die offensiven Funktionen laufen nur über ein Freigabeprogramm für geprüfte Sicherheitsforscher, die offenen Gewichte folgen erst rund zwei Wochen später.
  • Für europäische Sicherheitsteams gilt: Ein Werkzeug, das Angreifer und Verteidiger gleich stark macht, wird bald frei verfügbar.

Was kann GLM-5.3 im Angriff?

Schlüssel auf weißem Sockel mit Anhänger „Nur mit Freigabe“
Zhipu stellt GLM-5.3 vor: KI-Modell findet Sicherheitslücken selbstständig und entwickelt funktionsfähige Exploits daraus

Zhipu hat GLM-5.3 am 14. August vorgestellt und dabei die Fähigkeit betont, Schwachstellen selbstständig zu finden und auszunutzen.[1] Reine Nachtrainings-Arbeit auf der Basis des Vorgängers genügte, damit das Modell komplette Angriffsketten rekonstruiert, von der Lücke bis zum lauffähigen Exploit.

Im Benchmark CyberGym erreichte GLM-5.3 nach Anbieterangaben 84,5 Prozent und lag knapp vor dem führenden westlichen Modell von Anthropic mit 83,8 Prozent.[1] Auf ExploitBench verdoppelte sich der Wert auf 54,4 Prozent. Betroffen sind gängige Systeme wie Android, Windows und macOS, geprüft mit Universitäten und Firmen wie Qi An Xin, Venustech und dem Tencent Xuanwu Lab.

Eine KI, die reale Lücken im Akkord findet, ist kein Einzelfall mehr, sondern ein Muster. Der Kryptograf Matthew Green erwartet deshalb sogar das Ende des staatlichen Hackens, weil automatische Bugsuche die letzten Einfallstore schließt. GLM-5.3 liefert dafür jetzt das offene Gegenstück.

Warum Zhipu den Zugang begrenzt

Genau diese Stärke zwingt Zhipu zu einer Bremse. Die sensibelsten Angriffsfunktionen bleiben auf dem gehosteten Dienst und laufen nur für verifizierte Nutzer, gebündelt in einem Programm namens Cybersecurity Trusted Access. Seit heute nimmt das Labor Anträge von Sicherheitsforschern und Instituten entgegen, nach der Freigabe fällt ein Teil der Sperren weg.[1]

Ein Intent-Filter sortiert Hochrisiko-Anfragen aus, eine Laufzeitüberwachung trennt bösartige Aufträge von legitimer Forschung. Die offenen Gewichte kommen erst rund zwei Wochen später, ausdrücklich nach einer Sicherheitsprüfung und Härtung. Ähnlich vorsichtig sichert Google beim verschlüsselten Rechnen den Compiler HEIR, bevor er KI-Modelle ausliefert.

Hier liegt der eigentliche Bruch. Eine gehostete Sperre lässt sich durchsetzen, ein heruntergeladenes Modell nicht. Sobald die Gewichte offen im Netz liegen, entfällt jede zentrale Prüfung, und der Filter wird zur Sache des Betreibers. Dieselbe Lücke kennt der Graumarkt für KI-Guthaben aus zweiter Hand.

Ein offenes Modell, das eigenständig Exploits schreibt, hilft der Verteidigung und dem Angreifer zugleich. Mit der Freigabe der Gewichte verschenkt Zhipu die Kontrolle über die zweite Hälfte dieser Gleichung.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
GLM-5.3: Angriffs-KI unter Verschluss
Was Zhipus Sicherheitsmodell nach eigenen Angaben leistet und wie der Zugang geregelt ist
2.436
bestätigte Schwachstellen aufgespürt, teils seit Jahrzehnten unentdeckt
269
geprüfte Open-Source-Projekte, quer über Android, Windows und macOS
84,5 %
im Benchmark CyberGym, vor dem führenden westlichen Modell mit 83,8 %
2 Wochen
später erst offene Gewichte, nach Sicherheitsprüfung und Härtung
Vollzugriff auf die offensiven Funktionen gibt es nur nach Antrag im Programm Cybersecurity Trusted Access, das Zhipu für geprüfte Sicherheitsforscher öffnet.

Was bedeutet das für Sicherheitsteams in der DACH-Region?

Für Unternehmen im deutschsprachigen Raum ändert sich die Bedrohungslage in beide Richtungen. Verteidiger finden Schwachstellen im eigenen Code früher, dieselbe Fähigkeit steht aber auch Angreifern offen, sobald die Gewichte frei zirkulieren. Wie schnell aus Beispielcode ein echter Angriff wird, zeigte zuletzt die FortiWeb-Lücke mit nur einem Tag Vorlauf.

Rechtlich zieht Paragraf 202c StGB die Grenze, der Hacking-Werkzeuge ohne legitimen Zweck unter Strafe stellt. Ein dokumentierter Auftrag und eine saubere Freigabe des Ziels sind Pflicht, sobald ein Team GLM-5.3 für Penetrationstests einsetzt. Unter dem EU AI Act rückt ein Modell mit solchen Cyber-Fähigkeiten zudem nahe an die Stufe mit systemischem Risiko.

Zwei Schritte lohnen sich jetzt. Sicherheitsteams sollten den eigenen Open-Source-Bestand mit KI-gestützter Schwachstellensuche prüfen, bevor ein Angreifer es tut, und die Protokollpflichten für solche Werkzeuge schriftlich festlegen. Weitere Einordnung bieten unser KI-Bereich und der Cybersecurity-Ratgeber.

Die offenen Gewichte von GLM-5.3 werden in wenigen Tagen erwartet. Bis dahin bleibt Zeit, den eigenen Umgang mit KI-Schwachstellensuche zu klären, statt ihn dem Zufall zu überlassen.

Was ist GLM-5.3?

GLM-5.3 ist das im August 2026 vorgestellte KI-Modell des chinesischen Labors Zhipu. Es ist als Open-Weight-Modell angelegt und fällt vor allem durch seine Fähigkeit auf, Sicherheitslücken in Software selbstständig zu finden und auszunutzen.

Warum gibt Zhipu die Angriffsfunktionen nur eingeschränkt frei?

Die offensiven Funktionen sind so leistungsfähig, dass sie auch für Angriffe taugen. Zhipu bündelt sie deshalb im Programm Cybersecurity Trusted Access und gibt sie nur verifizierten Sicherheitsforschern frei. Die offenen Gewichte folgen erst rund zwei Wochen später, nach einer Sicherheitshärtung.

Dürfen Unternehmen in Deutschland GLM-5.3 für Sicherheitstests nutzen?

Ja, sofern ein legitimer Zweck vorliegt. Paragraf 202c StGB verlangt für den Einsatz solcher Werkzeuge einen dokumentierten Auftrag und eine ausdrückliche Freigabe des getesteten Ziels. Ohne diese Grundlage droht ein Verstoß gegen den sogenannten Hackerparagrafen.

Quelle

[1] Zhipu (z.ai): „GLM-5.3“

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