Ein Startup mit 174.000 Euro ungenutztem OpenAI-Guthaben findet dafür heute einen Käufer. Der Käufer erhält keinen API-Schlüssel, sondern eine Endpunkt-URL. Über diese Adresse läuft danach jeder Prompt seines Teams.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenGebrauchte KI-Guthaben kosten auf einschlägigen Marktplätzen 30 bis 80 Prozent weniger als beim Anbieter. Der Sicherheitsforscher Matt Lenhard hat die Verkäufer angeschrieben und einen Zwischenhändler gefunden, der 87.000 Euro Verbrauch pro Tag anbot.[1] Für Einkäufer in Deutschland hängt an diesem Rabatt mehr als ein günstiger Tarif.
Das Wichtigste in Kürze
- Marktplätze wie AI Credits vermitteln Restkontingente von OpenAI, Anthropic, Google und Azure mit 30 bis 80 Prozent Abschlag.
- Broker liefern keinen Schlüssel, sondern einen eigenen Proxy, der jede Anfrage im Klartext sieht.
- OpenAI erklärt Guthaben für nicht übertragbar und droht bei Verkaufsversuchen mit Kontosperre.
- Eine Messstudie prüfte 428 solcher Router; neun schleusten Schadcode in die Antworten ein.
Woher kommen KI-Guthaben mit 80 Prozent Rabatt?

Auf Marktplätzen wie AI Credits und AICreditMart listen Gründer ihre Restkontingente von OpenAI, Anthropic, Google, Azure und ElevenLabs, mit Abschlägen zwischen 30 und 80 Prozent. Matt Lenhard von Vectoral hat dort zur Probe selbst zwei Posten eingestellt, 174.000 Euro OpenAI-Guthaben und 8.700 Euro von Anthropic.[1] Die Ware stammt aus Förderprogrammen, in denen die großen KI-Anbieter Rechenzeit statt Bargeld ausschütten.
Der zweite Zufluss ist größer und schmutziger. In China haben sich Transferstationen etabliert, die US-Modelle weiterreichen und dabei bis zu 97,8 Prozent unter Listenpreis bleiben.[2] Gespeist werden diese Relays aus Kontopools, die Massenregistrierungen, virtuelle Kreditkarten und abgegriffene Zugangsdaten bündeln. Die zehn größten zählen zusammen 3,6 Millionen Besuche im Monat, denn Tokens gelten dort längst als handelbare Ware wie Datenvolumen.
Was passiert im Relay mit Ihren Prompts?
Ein Relay ist technisch ein Proxy auf Anwendungsebene. Die verschlüsselte Verbindung endet beim Betreiber, nicht beim Modellanbieter, und keine Seite prüft kryptografisch, ob Anfrage und Antwort unterwegs unverändert bleiben. Der Betreiber liest jeden Prompt und jeden Werkzeugaufruf im Klartext mit, ähnlich wie Forscher zuletzt das verschlüsselte Reasoning von Claude, GPT und Gemini offenlegten.
Wie weit das reicht, hat ein Forschungsteam um Hanzhi Liu gemessen: Die Gruppe kaufte 28 kostenpflichtige Router, sammelte 400 kostenlose ein und fand neun, die aktiv Schadcode in die Antworten schleusten. 17 weitere griffen nach hinterlegten AWS-Zugangsdaten, einer räumte eine Krypto-Wallet leer.[3] Untergeschobene Anweisungen wirken überall dort, wo ein Modell fremden Text als Befehl liest, zuletzt sogar in einem Schriftsatz vor Gericht.
Was der Graumarkt für Rechenzeit kostet und wer dabei zwischen Ihrem Prompt und dem Modell sitzt.
Restkontingente von OpenAI, Anthropic, Google, Azure und ElevenLabs
Ein Paket brachte 2.900 Euro Anthropic-Verbrauch für 52 Euro
zusammengerechnet bei den zehn größten Transferstationen
angeboten per E-Mail, abgerechnet erst ab einer Verbrauchsschwelle
17 weitere griffen nach hinterlegten AWS-Zugangsdaten
Vier Stationen zwischen Konto und Kunde
liefern virtuelle Kreditkarten und massenhaft registrierte Konten
bündelt hunderte Konten hinter einer einzigen Schnittstelle
verkauft den Zugang als fertiges Produkt mit Rechnung und Support
tauscht eine Zeile Konfiguration und leitet damit alle Prompts um
Ein Rabatt von 40 Prozent auf Rechenzeit ist kein Einkaufserfolg, sondern die Miete für einen Mitleser ohne Vertrag.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Regeln bricht der Zwischenhandel?
OpenAI formuliert das in den Service Credit Terms unmissverständlich: Guthaben sind nicht übertragbar, und der Anbieter erkennt weder Verkäufe noch Tauschgeschäfte an. Nachgewiesene Versuche kosten Guthaben und Konto.[4] Anthropic untersagt den Weiterverkauf der Dienste ohne ausdrückliche Freigabe und schreibt jede Aktivität dem Kontoinhaber zu.[5]
Für deutsche Unternehmen wiegt der zweite Punkt schwerer. Ein Relay verarbeitet personenbezogene Daten aus Ihren Prompts und wird damit zum Unterauftragsverarbeiter nach Artikel 28 DSGVO, den der Verantwortliche vorher genehmigen muss. CheapCredits legt dafür sogar eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung samt Standardvertragsklauseln vor.[1] Ein Vertrag über Zugänge, die der Modellanbieter jederzeit sperren darf, hilft im Ernstfall wenig.
Dazu kommt der Geheimnisschutz. Nach Paragraf 2 GeschGehG bleibt eine Information nur so lange Geschäftsgeheimnis, wie ihr Inhaber angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen ergreift. Quellcode über einen anonymen Zwischenhändler zu schicken, gehört nicht dazu.
Prüfen Sie deshalb vor jedem Einkauf, ob die Rechnung vom Modellanbieter selbst kommt und ob der Endpunkt auf dessen Domain zeigt. Alles andere gehört als Unterauftragsverarbeiter ins Verarbeitungsverzeichnis oder gar nicht erst in die Produktion. Zählt am Ende nur der Preis, läuft ein offenes Modell auf eigener Hardware günstiger und ohne fremden Mitleser.
Quellen
[1] Vectoral, Matt Lenhard: „Who Are the Token Brokers?“
[2] Vectoral, Matt Lenhard: „An Inside Look at the Relay Market Powering Token Resellers and Fraud“
[3] Hanzhi Liu und andere: „Your Agent Is Mine: Measuring Malicious Intermediary Attacks on the LLM Supply Chain“
[4] OpenAI: „Service credit terms“
[5] Anthropic: „Commercial Terms of Service“
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