Der Token-Tarif kommt aufs Handy: Für umgerechnet 1,27 Euro im Monat verkauft China Telecom zehn Millionen KI-Tokens, abgerechnet über dieselbe Rechnung wie Gesprächsminuten und Gigabyte. China Mobile bündelt sein Angebot jetzt zu einem landesweit einheitlichen Tarif.

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Auf der Halbjahres-Bilanzkonferenz am 13. August kündigte der Konzern an, die bislang nur provinzweise getesteten Pakete zu vereinheitlichen. Aus Rechenleistung, lange eine Sache abgeschotteter Serverfarmen, wird so ein Massenprodukt für die Kundschaft dreier Staatskonzerne.

Das Wichtigste in Kürze

  • China Mobile vereinheitlicht seinen KI-Token-Tarif landesweit, nachdem alle drei Netzbetreiber die Pakete seit Mai 2026 anbieten.
  • China Telecom staffelt von 1,27 Euro für 10 Millionen Tokens bis 38,46 Euro für 150 Millionen Tokens im Firmentarif.
  • Abgerechnet wird über die Mobilfunkrechnung, die Modelle wie DeepSeek und Qwen laufen auf heimischen Chips.
  • Für Europas Netzbetreiber steckt darin eine Vorlage: der Schritt vom Datenvolumen zum abgerechneten KI-Token.

Was verkaufen Chinas Netzbetreiber da genau?

Eine Hand hält eine weiße Karte für 10 Millionen KI-Tokens zum Preis von 1,27 Euro
China Telecom verkauft KI-Tokens in monatlichen Paketen für Privatkunden von 9,90 bis 49,90 Yuan und Firmenpakete bis 299,90 Yuan

Die drei Konzerne verkaufen KI-Tokens, die kleinste Recheneinheit hinter jeder Chatbot-Antwort, als monatliches Kontingent. China Telecom staffelt drei Privatkunden-Pakete von 9,90 bis 49,90 Yuan (1,27 bis 6,40 Euro) für 10 bis 80 Millionen Tokens sowie drei Firmentarife bis 299,90 Yuan (38,46 Euro) für 150 Millionen Tokens. China Unicom startet bei 15 Yuan (1,92 Euro) für sechs Millionen Tokens, in Shanghai gibt China Mobile gemeinsam mit Tencent 400.000 Tokens für einen Yuan aus.[1] Der Securities Times ordnet den Vorstoß als Wechsel vom Datengeschäft zum Rechengeschäft ein.

Warum sitzen die Netzbetreiber am längeren Hebel?

Die Netzbetreiber besitzen Rechenzentren, Abrechnungssysteme und den direkten Draht zu Hunderten Millionen Kunden. China Mobile bündelt auf seiner Plattform MoMA offene und geschlossene Modelle und betreibt eine eigene Inferenz-Engine auf heimischer Hardware. Die eigene Engine senkt die Kosten je Token laut Konzern um rund 30 Prozent und hebt die Auslastung um über 50 Prozent.[2] So schrumpft die KI-Nutzung von der Tausend-Grafikkarten-Frage auf ein Datenpaket-Preisschild. Denselben Sprung machten die Konzerne schon einmal, vom Telefonat zum mobilen Datenvolumen.

Wie hart der Preiskampf um Rechenzeit tobt, zeigt Chinas Markt für KI-Rechenzentren. Effizienzgewinne wie SenseTimes 80 Prozent mehr Tokens pro Watt drücken den Preis zusätzlich, während neue Kapazität dank Alibabas Fließband-Rechenzentren in Rekordzeit ans Netz geht.

China Mobile verkauft KI-Rechenzeit inzwischen so beiläufig wie ein Datenpaket. Die Rechenzentren und Kundenverträge dafür haben Europas Netzbetreiber längst, es fehlt ihnen allein das heimische Modell.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
KI-Tokens auf der Handyrechnung
Chinas Netzbetreiber verkaufen Rechenleistung wie Datenvolumen
1,27 €
Einstiegstarif für 10 Millionen KI-Tokens im Monat (China Telecom)
3
Netzbetreiber verkaufen Tokens über die Mobilfunkrechnung
rund 30 %
geringere Kosten je Token durch China Mobiles MoMA-Plattform
38,46 €
Firmentarif für 150 Millionen Tokens (China Telecom)
Rechenleistung wird zum Verbrauchsgut: Chinas Konzerne rechnen KI-Inferenz ab wie Strom oder Datenvolumen, gebucht über die Handyrechnung.

Was bedeutet der Token-Tarif für den DACH-Raum?

Chinas Token-Modell zeigt europäischen Netzbetreibern einen Weg, KI ohne eigenes Spitzenmodell zu Geld zu machen. Die Deutsche Telekom probt die Rolle des Vermittlers bereits und verkauft Google One samt Gemini über den Mobilfunkvertrag. Der Unterschied liegt in der Tiefe: Chinas Konzerne rechnen einzelne Tokens ab und lassen die Modelle auf heimischen Chips laufen, während europäische Anbieter am US- und China-Modell hängen. Auch China Mobiles wachsendes Rechenzentrumsgeschäft zahlt auf diese Unabhängigkeit ein.

Für Entscheider im DACH-Raum lohnt der Blick auf zwei Kennzahlen: den Preis je Million Tokens und die Frage, wo das Modell rechnet. Beim Planen der KI-Inferenz als feste Betriebskosten sollten sie Token-Tarife von Cloud- und Telekomanbietern schon jetzt in Euro vergleichen, statt sich vom nächsten Gratis-Kontingent locken zu lassen.

Quellen

[1] Securities Times (证券时报): „三大运营商开卖Token套餐 AI算力进入话费账单时代“

[2] Sina Finance (新浪财经): „中国移动:将推出全国统一的Token套餐资费“

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