Chinas größter Netzbetreiber verdient erstmals seit Jahren weniger, während der Umsatz mit Rechenleistung zweistellig zulegt. China Mobile meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von 78,9 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 10,1 Milliarden Euro, ein Minus von 6,3 Prozent.[1] Der Konzern schichtet sein Geschäft vom Mobilfunk in die Rechenzentren um.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenChina Mobile steht für ein Muster, das auch die Deutsche Telekom kennt: Ein gesättigtes Netzgeschäft trifft auf einen jungen, teuren Erlösblock aus Rechenzentren. Der Halbjahresbericht zeigt, wie stark dieser Umbau kurzfristig auf die Bilanz drückt.
Das Wichtigste in Kürze
- Nettogewinn 10,1 Milliarden Euro, 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr.
- Umsatz mit Rechenleistung wächst um 14 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro.
- Erlöse aus KI-Rechenzentren (AIDC) legen um 486 Prozent zu.
- Für Europas Netzbetreiber ist der Umbau Blaupause und Warnung zugleich.
Warum sinkt der Gewinn des weltgrößten Netzbetreibers?

Der Umsatz von China Mobile lag im ersten Halbjahr bei 538 Milliarden Yuan, rund 69,1 Milliarden Euro und damit 1,1 Prozent unter dem Vorjahr. Das eigentliche Netzgeschäft schrumpfte deutlicher, um 3,1 Prozent auf etwa 58,2 Milliarden Euro. Rund eine Milliarde Mobilfunkkunden bringen kaum noch Wachstum, jeder neue Anschluss bringt weniger ein.
Unter dem Strich blieben 10,1 Milliarden Euro Gewinn, ein Tagesverdienst von etwa 60 Millionen Euro.[1] Dass die Zahl trotzdem fiel, liegt an steigenden Kosten und an den Vorleistungen für den Umbau. Der Bau von Rechenzentren kostet zuerst und zahlt sich erst später aus.
Vom Mobilfunk zur Rechenfabrik
Den Ausgleich liefert das Rechenzentrumsgeschäft. Der Umsatz mit Rechenleistung stieg um 14 Prozent auf 52,9 Milliarden Yuan, umgerechnet 6,8 Milliarden Euro.[2] Die eigenen Rechenzentren legten um 13,2 Prozent auf 2,44 Milliarden Euro zu, der Teilbereich für KI-Rechenzentren sogar um 486 Prozent. Mit seiner Cloud rückte der Konzern erstmals unter die drei größten Anbieter Chinas vor.
Hinter dem Wandel steht Pekings Strategie „Ost-Daten, West-Rechnen“, die Staatskonzerne zu Betreibern nationaler KI-Infrastruktur macht. Rechen- und Intelligenzdienste stehen inzwischen für 22,6 Prozent des Kerngeschäfts. Chinas Netzbetreiber folgen damit demselben Drehbuch wie ZTE, das seine 5G-Sparte gegen KI-Rechenzentren tauscht, und wie die Cloud-Anbieter, die neue Kapazität im Wochentakt hochziehen.
Ein Netzbetreiber, der zur Rechenfabrik wird, verkauft keine Minuten mehr, sondern Rechenzeit. Diesen Sprung haben Europas Telcos noch vor sich.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Umbau für Europas Netzbetreiber bedeutet
Die Deutsche Telekom kämpft mit derselben Sättigung, wählt aber einen anderen Weg: Sie verkauft fremde KI als Zwischenhändler, statt eigene Rechenzentren in Chinas Größenordnung zu bauen. Damit rückt die europäische Debatte um digitale Souveränität in den Vordergrund, die zuletzt auch SAP-Chef Klein befeuerte.
Für deutsche Entscheider zählt vor allem die Herkunft der Rechenkraft. China Mobile steht auf der US-Sperrliste und verlor 2021 seine Börsennotiz in New York, seine Töchter bewegen sich weiter tief im US-Netz. Beim Einkauf von KI-Rechenleistung zählt der Rechtsraum darum genauso wie der Preis, denn NIS2 und Beschaffungsregeln fragen zuerst nach der Kontrolle über die Infrastruktur. Ein Blick auf die größten Rechenzentren Deutschlands zeigt, wie klein der eigene Fußabdruck gegen Chinas Staatskonzerne bleibt.
Die Lehre für den Mittelstand: Rechenleistung wird zum strategischen Einkauf, nicht zur reinen Preisfrage. Prüfen Sie bei jedem KI-Projekt, wer die Server besitzt und unter welche Rechtsaufsicht sie fallen.
Quellen
[1] Securities Times: „Chinas Mobilfunkriese verdient 465 Millionen Yuan pro Tag, Investitionen fließen in Rechenleistung“ (chinesisch)
[2] Sina Finance: „China Mobile: Halbjahresumsatz 538 Milliarden Yuan, Nettogewinn 78,9 Milliarden Yuan, minus 6,3 Prozent“ (chinesisch)
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