Netflix macht Night School dicht, das Studio hinter dem Indie-Hit Oxenfree und zugleich der erste Spiele-Zukauf des Konzerns aus dem Jahr 2021. Zusammen mit dem Helsinkier Studio Moonloot fällt damit die fünfte Netflix-Spieleschmiede seit 2024. Statt eigener Erzählspiele zählen künftig FIFA-Lizenz, Partyspiele und Kindertitel.

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Sechs Wochen nach dem Start seines Horrorspiels Unhinged hat Netflix das Spielestudio Night School geschlossen. Der Streaming-Konzern trennt sich damit von seinem ersten Zukauf in der Games-Sparte und ordnet den gesamten Bereich neu. Der Schnitt zeigt, wie ein Plattformbetreiber eine teure Diversifikation wieder zurücknimmt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Netflix schließt die Studios Night School (Los Angeles) und Moonloot (Helsinki) und streicht weitere Stellen im internen Games-Team.
  • Night School war 2021 der erste Spiele-Zukauf des Konzerns und prägte mit Oxenfree das Genre der erzählerischen Indie-Spiele.
  • Seit 2024 hat Netflix fünf eigene Studios geschlossen; übrig bleiben das finnische Next Games und ein externes Entwicklerteam.
  • Künftig zählen vier Felder: Kinderspiele, Partyspiele, erzählerische Titel und Mainstream-Lizenzen wie das Spiel zur FIFA World Cup.

Warum trennt sich Netflix vom eigenen Studio?

Karton „Umzug“ mit Gamepad, Schild „Geschlossen“ und orange leuchtender Taste auf Weiß
Netflix schließt sein Spielestudio Night School, um sich strategisch zu fokussieren. Das Studio hatte kurz zuvor noch das Horrorspiel Unhinged veröffentlicht

Kein Studioproblem. Netflix begründet den Schritt mit dem Wunsch, gezielter vorzugehen. „Wir sehen die Chance, in der Umsetzung fokussierter zu werden, und richten die Organisation an diesen Prioritäten aus“, erklärt ein Sprecher des Konzerns. Night School lieferte im Juni noch das Horrorspiel Unhinged aus, sechs Wochen später war Schluss. Ein Misserfolg war der Auslöser also nicht.

Spiele als Bindemittel. Games sind für Netflix kein eigenes Umsatzgeschäft, sondern ein Hebel gegen Kündigungen, also ein weiterer Grund, das Abo zu behalten. Ein Prestigestudio für erzählerische Indie-Spiele bewegt diese Kennzahl kaum, kostet aber wie ein volles Entwicklerteam. Genau deshalb war Night School 2021 der erste Studio-Zukauf des Konzerns,[1] und genau deshalb trifft der Rotstift das Studio nun zuerst.

Der fünfte Studioschluss in zwei Jahren

Ein wiederkehrendes Muster. Der Rückzug kommt nicht aus dem Nichts. 2024 schloss Netflix das interne Team Blue, im Oktober 2025 folgte das Mobile-Studio Boss Fight, im Dezember 2025 ging Spry Fox zurück an seine Gründer. Mit Night School und Moonloot summiert sich das auf fünf geschlossene Studios in gut zwei Jahren.

Kaufrausch und Kater. Zwischen 2021 und 2022 kaufte Netflix Studios im Halbjahrestakt und wollte zum Vollsortimenter im Spielemarkt aufsteigen. Übrig bleiben heute das finnische Next Games und ein externes Entwicklerteam. Dieselbe Konsolidierung zieht sich durch die ganze Branche, vom Abschied von der Spiele-Disc bei PlayStation bis zur Grundfrage, womit die Gaming-Industrie überhaupt Geld verdient.

Netflix kauft keine Spielestudios mehr, sondern lizenziert die großen Marken und baut die Plattform. Für die eigene Erzählkunst bleibt in dieser Rechnung kein Platz.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Netflix ordnet seine Spiele-Sparte neu
Vom ersten Studio-Zukauf 2021 zum Rückzug aus der Eigenentwicklung
5
eigene Studios seit 2024 geschlossen
4 Jahre
Night School unter Netflix, von 2021 bis zum Aus 2026
2
Einheiten bleiben: Next Games und ein externes Team

Fünf Schließungen in gut zwei Jahren

2024
Team Blue
internes Studio, nie veröffentlichter Titel
Oktober 2025
Boss Fight
Mobile-Studio aus Texas
Dezember 2025
Spry Fox
an die Gründer zurückgegeben
August 2026
Night School und Moonloot
Oxenfree-Macher und Helsinkier Studio

Vier Felder, auf die Netflix künftig setzt

Kinderspiele
Titel wie Netflix Playground
Partyspiele
Titel wie Netflix Minigolf
Erzählerische Titel
zuletzt das Horrorspiel Unhinged
Mainstream-Lizenzen
etwa das Spiel zur FIFA World Cup

Was der Rückzug für Medienkonzerne bedeutet

Ein Signal bis Helsinki. Mit Moonloot verliert Europas Spielelandschaft einen Außenposten mitten in ihrem Zentrum, denn Finnland ist mit Studios wie Supercell die heimliche Hauptstadt des Mobile-Gaming. Der Fall zeigt zugleich die Grenzen der Bau-oder-Kauf-Frage: Ein Streaming-Anbieter kann Studios kaufen, ihre Kultur aber selten halten.

Lehre für den Mittelstand. Für deutschsprachige Medienhäuser, die nach der RTL-Sky-Fusion über neue Erlösquellen nachdenken, liefert Netflix eine teure Lektion. Diversifikation über Zukäufe bindet Kapital, das eine reine Lizenz- oder Plattformstrategie schont. Vor jedem Kauf einer fremden Sparte sollte feststehen, welche Kennzahl sie wirklich bewegen soll.

Der Rechenweg zählt. Netflix setzt künftig auf vier klar umrissene Felder, von Kinderspielen über Partytitel bis zu Mainstream-Lizenzen wie dem Spiel zur FIFA World Cup.[2] Prüfen Sie bei eigenen Diversifikationsplänen zuerst, ob ein Zukauf die entscheidende Kennzahl bewegt. Oft liefert schon eine Lizenz denselben Effekt zum Bruchteil der Kosten.

Quellen

[1] Netflix: „Expanding Our Games Team With the Acquisition of Night School Studio“

[2] Netflix Games: „FIFA World Cup: Launch Edition“

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