Vom Oszilloskop zur 200-Milliarden-Industrie: Die Geschichte des Gaming

Michael Dobler
Autor Dr. Web
24 Min. Lesezeit
Von Tennis auf dem Oszilloskop zur 200-Milliarden-Industrie: Die Geschichte des Gaming

Was als Laborscherz auf einem Messgerät begann, wurde zur größten Unterhaltungsbranche der Welt. Sieben Jahrzehnte, ein paar Beinahe-Pleiten und mehrere Generationenwechsel später spielen rund 3,6 Milliarden Menschen.

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Die Geschichte des Gaming ist eine Geschichte von Tüftlern, Glücksrittern und einem Markt, der sich immer wieder neu erfand.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das erste Spiel, das rein zur Unterhaltung entstand, lief 1958 auf einem Oszilloskop in einem Kernforschungslabor.
  • Der kommerzielle Durchbruch kam erst 1972 mit Pong und dem Münzeinwurf in der Spielhalle.
  • 1983 brach der nordamerikanische Markt um fast 97 Prozent ein, der sogenannte Crash.
  • Nintendo baute die Branche aus Japan wieder auf und prägte mit Qualitätskontrolle die Regeln für Jahrzehnte.
  • 2025 erreichte der weltweite Markt rund 180 Milliarden Euro Umsatz, getragen vor allem vom Mobilsegment.
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1 Auf welchem Gerät lief 1958 das erste rein zur Unterhaltung gebaute Spiel? Aufklappen ↓
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Richtig: B. William Higinbotham zeigte Tennis for Two auf einem Oszilloskop mit fünf Zoll Bildschirm. Mehr dazu im Kapitel „Die Laborjahre“.
2 Welches Spiel verbreitete sich ab 1962 als Code von Universität zu Universität? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Spacewar! entstand am MIT auf einer PDP-1 und wurde von Studenten frei weitergegeben. Siehe „Die Laborjahre“.
3 Welche Firma gründete Nolan Bushnell 1972, bevor Pong zum Hit wurde? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Bushnell gründete mit Ted Dabney Atari. Den Durchbruch brachte Allan Alcorns Pong. Nachzulesen im Kapitel „Der Münzeinwurf“.
4 Welches Arcade-Spiel von 1980 sprach gezielt ein breiteres Publikum an? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Pac-Man von Namco brach mit dem Weltraumschießen und erreichte auch ein Publikum jenseits der Schießbuden-Ästhetik. Siehe „Das goldene Arcade-Zeitalter“.
5 Welche Neuerung machte den Atari 2600 zur Plattform statt zur Einzweckmaschine? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Wechselbare Module ließen den Käufer neue Spiele einstecken, statt ein neues Gerät zu kaufen. Nachzulesen in „Wohnzimmer statt Spielhalle“.
6 Um wie viel brach der nordamerikanische Markt beim Crash von 1983 ungefähr ein? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Der Umsatz fiel von rund 3,2 Milliarden auf etwa 100 Millionen US-Dollar, ein Einbruch von annähernd 97 Prozent. Siehe „Der große Crash“.
7 Mit welchem Mittel sicherte Nintendo nach dem Crash die Qualität der NES-Spiele? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Das Seal of Quality, strikte Lizenzverträge und ein Sperrchip verhinderten den Wildwuchs, der Atari ruiniert hatte. Nachzulesen in „Nintendo rettet die Branche“.
8 Warum sah Tetris-Erfinder Aleksei Pajitnow lange kein Geld für sein Spiel? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Weil er für eine sowjetische Staatseinrichtung arbeitete, gehörte Tetris dem Staat. Erst 1996 verdiente er an seinem Werk. Siehe „Tetris und die Reise des Codes“.
9 Welche Technik ermöglichte Mitte der Neunziger den Sprung in die dritte Dimension? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Die CD-ROM fasste viel mehr Daten als ein Modul und war billiger. Sony nutzte das für die PlayStation. Nachzulesen in „Der Sprung in die dritte Dimension“.
10 Welches Segment trägt 2025 den größten Anteil am weltweiten Spielemarkt? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Das Mobilsegment trägt mit Abstand den größten Anteil, vor Konsole und PC. Siehe „Die Gegenwart“.

Die Laborjahre

Oszilloskop Hewlett-Packard Modell 130A mit grünem Schirm auf Tisch in dunklem Labor
William Higinbotham, Physiker am Brookhaven National Laboratory, suchte 1958 nach einer interaktiveren Alternative zu statischen Ausstellungstafeln für die jährliche Besucherveranstaltung des Labors

Am Anfang stand kein Unternehmer, sondern ein Physiker mit einem langweiligen Problem.

William Higinbotham leitete 1958 die Instrumentierungsabteilung am Brookhaven National Laboratory auf Long Island, einer Einrichtung des US-Energieministeriums. Einmal im Jahr öffnete das Labor seine Türen für Besucher. Die Ausstellungen bestanden meist aus statischen Schautafeln, und Higinbotham fand das ermüdend.

Vom Atombomben-Labor zum ersten Videospiel: Wie der Physiker William Higinbotham 1958 nebenbei die Spielgeschichte eröffnete.

Beim Lesen des Handbuchs für einen analogen Donner-Modell-30-Rechner entdeckte er, dass die Maschine Flugbahnen berechnen konnte, etwa die eines springenden Balls mit Luftwiderstand. Daraus entstand seine Idee.

Innerhalb von drei Wochen baute sein Team ein Spiel, das einen Tennisplatz von der Seite zeigte. Zwei Spieler schlugen einen Lichtpunkt über ein Netz, jeder mit einem eigenen Drehknopf und einem Knopf zum Abschlagen. Angezeigt wurde das Ganze auf einem Oszilloskop mit gerade einmal fünf Zoll Bildschirmdiagonale.

Higinbotham nannte sein Werk Tennis for Two. Es debütierte am 18. Oktober 1958 am Besuchertag, und die Leute standen Schlange.

Bemerkenswert ist, was danach geschah. Nämlich nichts. Higinbotham hielt seine Erfindung für unwichtig im Vergleich zur ernsthaften Forschung. Das Gerät wurde nach gut einem Jahr zerlegt, die Teile landeten im Abfall. Patentiert hat er es nie.

Erst Jahre später, als sich Magnavox und der Erfinder Ralph Baer vor Gericht über Videospiel-Patente stritten, wurde Higinbotham als Zeuge geladen und sein Spiel als früher Vorläufer gewürdigt.

Stichwort Henne und Ei. Ob Tennis for Two wirklich das erste Videospiel war, hängt von der Definition ab. Es war nicht das erste Spiel auf einem Bildschirm, aber das erste, das einzig zur Unterhaltung gebaut wurde und nicht zur Forschung oder Technikwerbung. Frühere Kandidaten wie ein Tic-Tac-Toe-Programm von 1952 dienten akademischen Zwecken.

Vier Jahre nach Brookhaven kam der nächste Meilenstein, diesmal an einer Hochschule.

1962 programmierte eine Gruppe um Steve Russell am Massachusetts Institute of Technology Spacewar! auf einer PDP-1, einem schrankgroßen Rechner. Zwei Raumschiffe umkreisten einen Stern und beschossen sich, die Schwerkraft zog beide unaufhaltsam ins Zentrum.

Spacewar! in Aktion: Das 1962 am MIT auf einer PDP-1 programmierte Weltraumduell, das sich als Code von Hochschule zu Hochschule verbreitete.

Spacewar! lief auf einer Maschine, die mehr kostete als ein Einfamilienhaus. An Verkauf dachte niemand. Stattdessen verbreitete sich der Code von Universität zu Universität, weil die Studenten ihn faszinierend fanden und einfach weitergaben.

Genau hier liegt das Muster der Laborjahre. Die Erfinder waren Wissenschaftler, keine Kaufleute. Sie bauten aus Neugier, nicht für den Markt. Erst ein junger Ingenieur sollte erkennen, dass in diesem Code Geld steckte.

Zeitleiste
Sieben Jahrzehnte Gaming
Vom Laborscherz auf dem Oszilloskop bis zum Markt jenseits der 180 Milliarden Euro. Die Stationen einer Branche, die sich immer wieder neu erfand.
1958
Tennis for Two
William Higinbotham baut am Brookhaven-Labor das erste rein zur Unterhaltung gedachte Spiel, angezeigt auf einem Oszilloskop.
1962
Spacewar!
Am MIT entsteht auf einer PDP-1 ein Weltraumduell, das sich als Code frei von Universität zu Universität verbreitet.
1972
Pong und der Münzeinwurf
Atari macht aus dem Forschungsspielzeug ein Geschäft. Die Spielhalle und das Münzschlitz-Modell sind geboren.
1977–1980
Wohnzimmer und Arcade-Blüte
Der Atari 2600 bringt wechselbare Module nach Hause, während Space Invaders, Asteroids und Pac-Man die Spielhallen füllen.
1983
Der große Crash
Der nordamerikanische Markt bricht um fast 97 Prozent ein. Überangebot und fehlende Qualitätskontrolle ersticken die Branche.
1985
Nintendo und das NES
Mit Seal of Quality, Sperrchip und Super Mario Bros. baut Nintendo die Branche aus Japan wieder auf.
1989
Tetris und der Game Boy
Ein sowjetisches Puzzle erobert nach einem Lizenzkrimi die Welt und macht den Handheld zum Welterfolg.
1994–1996
Der Sprung ins 3D
Die CD-ROM und Sonys PlayStation bringen räumliche Polygonwelten und ein erwachsenes Publikum.
2004–2007
Online, mobil, sozial
World of Warcraft etabliert das Abomodell, das iPhone bringt Spiele in jede Hosentasche und öffnet den Free-to-Play-Markt.
2025
Rund 180 Milliarden Euro
Etwa 3,6 Milliarden Menschen spielen. Gaming ist die größte Sparte der Unterhaltung, getragen vor allem vom Mobilsegment.

Der Münzeinwurf

Reihe klassischer Arcade-Automaten mit leuchtenden Neonreklamen und Spiegelungen auf dem Tisch
Neon im Dunkeln: Die Spielhalle war der gesellschaftliche Treffpunkt des Arcade-Zeitalters.

Dieser Ingenieur hieß Nolan Bushnell.

Bushnell hatte Spacewar! im Studium gespielt und eine simple, gewinnbringende Idee. Was die Studenten an teuren Universitätsrechnern faszinierte, könnte auch normale Menschen begeistern, wenn man es klein und billig genug macht und einen Münzschlitz daneben setzt.

Sein erster Versuch, Computer Space von 1971, war den meisten Leuten zu kompliziert. Die Steuerung verwirrte, die Kasse blieb leer.

1972 gründete Bushnell mit Ted Dabney die Firma Atari. Der eigentliche Durchbruch kam von einem neuen Mitarbeiter namens Allan Alcorn, der eine simple Tennissimulation programmieren sollte, eigentlich nur als Übung.

Das Ergebnis war Pong. Zwei Striche, ein Punkt, eine einzige Regel. Der berühmte Testlauf in einer kalifornischen Bar endete der Legende nach damit, dass der Automat nach wenigen Tagen ausfiel, weil die Münzdose überquoll.

Pong traf einen Nerv. Plötzlich wollte jede Bar, jede Pizzeria und jede Spielhalle so ein Gerät. Atari kam mit der Produktion kaum hinterher, und Dutzende Nachahmer drängten in den Markt.

Aufstieg und Fall von Atari: Wie Nolan Bushnell mit Pong die erste Arcade-Maschine in die Spielhallen brachte.

Damit war das Geschäftsmodell der frühen Branche geboren. Es hieß Münzeinwurf, und es funktionierte denkbar einfach.

  • Der Automat stand an einem Ort mit Laufkundschaft.
  • Jede Partie kostete eine Münze.
  • Wer länger spielen wollte, musste nachlegen.
  • Schwierigkeit und Spielzeit waren so austariert, dass der Nachschub an Münzen nicht abriss.

Das Spielhallengeschäft war ein reines Hardware- und Standortgeschäft. Wer die beliebtesten Automaten an den belebtesten Plätzen hatte, verdiente am meisten. Die eigentliche Magie der Programmierung war zweitrangig gegenüber der Frage, wie oft ein Gerät am Tag eine Münze schluckte.

In dieser Logik wuchs eine ganze Industrie heran. Und ihre goldene Zeit stand kurz bevor.

Das goldene Arcade-Zeitalter

Ein Mann sitzt auf einer Couch und spielt Super Mario Bros. auf einem Röhrenfernseher
Aus der Spielhalle ins Wohnzimmer: Das NES holte das farbige Spielbild nach Hause.

Ende der Siebziger wurde die Spielhalle zum Massenphänomen.

Den Anfang machte 1978 Space Invaders des japanischen Herstellers Taito, entworfen von Tomohiro Nishikado. Reihen außerirdischer Angreifer rückten unerbittlich näher, der Spieler schoss von unten dagegen. Je weniger Gegner übrig blieben, desto schneller wurden sie, ein Effekt, der ursprünglich aus einer technischen Begrenzung der Hardware entstand und versehentlich zum Spannungsbogen wurde.

Das Spiel, das in Japan einen Münzmangel auslöste: Tomohiro Nishikados Space Invaders eröffnete das goldene Arcade-Zeitalter.

Space Invaders wurde in Japan derart populär, dass mancherorts ein Mangel an Münzen entstand. In den Vereinigten Staaten verbreitete es sich über Atari, das die Heimversion für sein Wohnzimmergerät lizenzierte.

1979 folgte Asteroids von Atari, gestaltet von Lyle Rains und Ed Logg. Ein Raumschiff in der Mitte, ringsum zerberstende Felsbrocken, gesteuert mit Drehung und Schub. Die Vektorgrafik wirkte klar und kühl, und das Spiel wurde zu einem der erfolgreichsten Automaten in der Geschichte Ataris.

Den Höhepunkt der Popkultur erreichte 1980 ein gelber Kreis mit Hunger.

Pac-Man von Namco, ersonnen von Toru Iwatani, brach mit der Konvention des Weltraumschießens. Statt Aliens gab es ein Labyrinth, statt Laser einen Esser, der vor vier Gespenstern floh. Das Spiel sprach ein breiteres Publikum an, ausdrücklich auch Frauen, die der Schießbuden-Ästhetik wenig abgewinnen konnten.

Pac-Man wurde zur einer popkulturellen Ikone. Es gab Frühstücksflocken, eine Zeichentrickserie und einen Hit in den Charts. Die Spielfigur war plötzlich überall, weit über die Spielhalle hinaus.

SpielJahrHerstellerPrägende Neuerung
Space Invaders1978TaitoSteigendes Tempo als Spannungsbogen
Asteroids1979AtariVektorgrafik und freie Bewegung im Raum
Pac-Man1980NamcoFigur statt Geschütz, breiteres Publikum
Donkey Kong1981NintendoErzählung und Plattform-Sprünge


Ein Spiel von 1981 verdient besondere Erwähnung, weil es zwei spätere Giganten zugleich auf die Bühne brachte.

Donkey Kong stammte von einem japanischen Hersteller, der bis dahin vor allem für Spielkarten und Spielzeug bekannt war. Die Firma hieß Nintendo. Ein junger Gestalter namens Shigeru Miyamoto erzählte hier erstmals eine kleine Geschichte. Ein Klempner, anfangs schlicht Jumpman genannt, kletterte über Plattformen, um eine Frau aus den Fängen eines riesigen Affen zu retten.

Aus einem Klempner und einem Affen wurde ein Imperium: Was 1981 mit Donkey Kong begann, ist heute eine ganze Figuren-Dynastie.

Aus Jumpman wurde Mario. Aus Nintendo wurde wenige Jahre später die wichtigste Marke der ganzen Branche. Doch davor stand der Sprung ins Wohnzimmer, und kurz danach ein Absturz, der fast alles beendet hätte.

Wohnzimmer statt Spielhalle

Viele alte Videospiel-Cartridges liegen verstreut in einer Ausgrabungsstätte in der Wüste
Sinnbild des Crashs von 1983: vergrabene Module in der Wüste von New Mexico.

Parallel zur Spielhalle entstand ein zweiter Markt, der das Spielen nach Hause holte.

Den Anfang machte 1972 die Magnavox Odyssey, entwickelt von Ralph Baer, den manche den Vater der Heimkonsole nennen. Das Gerät war noch primitiv, arbeitete ohne Ton und legte teils durchsichtige Folien über den Fernseher, um Spielfelder darzustellen. Kommerziell blieb es ein bescheidener Erfolg, historisch war es ein Meilenstein.

Der eigentliche Durchbruch im Wohnzimmer kam 1977 mit dem Atari 2600, anfangs unter dem Namen Video Computer System verkauft.

Das Entscheidende am Atari 2600 waren die wechselbaren Module. Wer ein neues Spiel wollte, kaufte kein neues Gerät, sondern steckte eine andere Cartridge ein. Damit war die Konsole keine Einzweckmaschine mehr, sondern eine Plattform.

Lange dümpelten die Verkäufe vor sich hin. Den Wendepunkt brachte 1980 die Heimversion von Space Invaders. Sie ließ die Absatzzahlen des Atari 2600 nach oben schnellen und machte das Gerät zum Verkaufsschlager.

Dahinter steckte ein neues Geschäftsmodell. Es funktionierte nach dem bis heute bekannten Prinzip.

  • Die Konsole selbst wurde günstig verkauft, teils nahe am Selbstkostenpreis.
  • Das eigentliche Geld floss über die Spiele, die einzeln gekauft wurden.
  • Je mehr Geräte im Markt waren, desto attraktiver wurde es, Spiele dafür zu produzieren.

Der Erfolg lockte Nachahmer und neue Wettbewerber. Mattel brachte die Intellivision, Coleco die ColecoVision, dazu kamen Heimcomputer wie der Commodore 64. Plötzlich gab es viele Geräte, noch mehr Spiele und ein wachsendes Durcheinander.

C64: Ein Rückblick auf den Commodore 64


Genau dieses Durcheinander wurde zur Falle. Denn anders als später bei Nintendo kontrollierte niemand, wer für den Atari 2600 Spiele produzieren durfte. Das Ergebnis bekam die Branche 1983 mit voller Wucht zu spüren.

Der große Crash

Hand schiebt Super Mario Bros. Modul in NES-Konsole vor Röhrenfernseher in Wohnzimmer
Der Frontlader ließ das NES wie einen Videorekorder wirken, weit weg vom Begriff Videospiel.

1983 brach der nordamerikanische Markt zusammen, fast über Nacht.

Die Zahlen sind drastisch. Der Umsatz mit Heimvideospielen hatte 1982 in Nordamerika rund 3,2 Milliarden US-Dollar erreicht. Bis 1985 fiel er auf etwa 100 Millionen, ein Einbruch von annähernd 97 Prozent. In Japan ging dasselbe Ereignis als Atari-Schock in die Geschichte ein.

Die Ursache war kein einzelnes Spiel, sondern ein Bündel hausgemachter Fehler.

Da war zunächst der Wildwuchs, der den Markt überschwemmte. Weil jeder ohne Lizenz Spiele für den Atari 2600 produzieren konnte, drängten unzählige Anbieter mit minderwertiger Ware in die Läden. Sogar ein Hundefutterhersteller brachte ein Spiel heraus.

Dazu kam die fehlende Orientierung der Käufer. Bei dutzenden Konsolen und einer Flut wahllos zusammengeschusterter Titel ließ sich kaum noch erkennen, was die Anschaffung lohnte.

Und schließlich drückten günstige Heimcomputer wie der Commodore 64 zusätzlich in den Markt. Eltern sahen darin die sinnvollere Investition, weil so ein Gerät mehr konnte als nur spielen.

Als Sinnbild des Niedergangs dient bis heute ein einzelner Titel.

E.T. the Extra-Terrestrial entstand 1982 bei Atari unter enormem Zeitdruck, angeblich in nur etwa fünfeinhalb Wochen, programmiert von einer einzigen Person. Atari hatte teuer für die Filmlizenz bezahlt und Millionen Module fertigen lassen, mehr als das Unternehmen Konsolen verkaufte. Das Spiel enttäuschte, die Rückgaben überstiegen die Verkäufe.

Inside the Worst Video Game Ever

Die Legende, Atari habe unverkaufte Module in einer Wüste in New Mexico vergraben, galt lange als urbaner Mythos. Eine Ausgrabung im Jahr 2014 bestätigte den Kern der Geschichte. Tatsächlich lagen dort rund 800.000 Module, E.T. darunter.

Die Folgen trafen die ganze Branche.

UnternehmenFolge des Crashs
AtariHohe Verluste, Verkauf durch den Mutterkonzern Warner
MattelAbwicklung der Intellivision-Sparte mit hoher Abschreibung
MagnavoxVollständiger Rückzug aus dem Spielegeschäft
ColecoSchwere Schieflage, Jahre später Insolvenz

Händler wie die großen Spielwarenketten räumten ihre Regale leer. Die gängige Meinung in den Vereinigten Staaten lautete, das Heimvideospiel sei eine Modeerscheinung, die sich erledigt habe.

Bemerkenswert ist, dass dieser Crash fast ausschließlich ein nordamerikanisches Ereignis blieb. In Japan und Europa lief das Geschäft weiter. Und ausgerechnet aus Japan kam die Rettung.

Nintendo rettet die Branche

Hände halten eine schwarze tragbare Spielkonsole mit Tetris-Spiel auf grünlichem Bildschirm vor dunklem Hintergrund
Im olivgrünen Game-Boy-Display eroberte Tetris ein völlig neues Publikum.

Während der Westen Videospiele abschrieb, brachte Nintendo 1983 in Japan eine Konsole auf den Markt, die alles ändern sollte.

Ihr Name? Famicom, kurz für Family Computer, und sie verkaufte sich in der Heimat hervorragend. Schon 1986 stand sie in rund 19 Prozent der japanischen Haushalte.

Für den nordamerikanischen Markt stand Nintendo vor einem Problem, das mit Technik wenig zu tun hatte. Die Händler hatten sich am Crash die Finger verbrannt und wollten von Videospielen nichts mehr wissen.

Nintendos Antwort war ein Lehrstück in Vermarktung. Das Unternehmen verkaufte sein Gerät nicht als Videospielkonsole, sondern als Nintendo Entertainment System, kurz NES, möglichst weit weg vom verbrannten Begriff.

Mehrere Kniffe sollten die skeptischen Händler überzeugen.

  • Das NES sah aus wie ein Videorekorder, das Modul wurde vorne flach eingeschoben statt oben eingesteckt.
  • Statt von einer Konsole sprach Nintendo vom Control Deck, statt von Cartridges vom Game Pak.
  • Ein Spielzeugroboter namens R.O.B. ließ das Gerät in den Augen der Spielwarenhändler wie Spielzeug wirken.
  • Nintendo bot großzügige Rückgaberechte für unverkaufte Ware und richtete die Verkaufsdisplays auf eigene Kosten ein.

Den entscheidenden Unterschied zum Atari-Desaster aber machte die Qualitätskontrolle.

Nintendo führte das Seal of Quality ein und schloss strikte Lizenzverträge mit Fremdentwicklern. Ein Sperrchip im Gerät verhinderte, dass nicht genehmigte Module liefen. Die Zahl der Titel pro Hersteller war begrenzt, jedes Spiel brauchte Nintendos Freigabe. Wo Atari einst totale Freiheit gewährt hatte, herrschte nun eiserne Kontrolle.

Den emotionalen Beweis lieferte 1985 ein Spiel, das mit dem NES ausgeliefert wurde.

Super Mario Bros. von Shigeru Miyamoto definierte das Genre des Jump-and-Run neu. Der Klempner aus Donkey Kong lief nun durch weitläufige, liebevoll gestaltete Welten, sammelte Pilze und sprang über Abgründe. Es wurde zu einem der einflussreichsten Spiele aller Zeiten.

Die Strategie ging auf. Bis 1988 überstieg der Jahresumsatz der Branche in den Vereinigten Staaten wieder 2,3 Milliarden US-Dollar, rund 70 Prozent davon entfielen auf Nintendo.

Doch eine Marktbeherrschung ruft Herausforderer auf den Plan. Der wichtigste hieß Sega.

Sega brachte 1989 in Nordamerika das Mega Drive heraus, dort als Genesis verkauft, und positionierte es als das kantigere, erwachsenere Gerät. Mit Sonic the Hedgehog schuf das Unternehmen 1991 eine Gegenfigur zu Mario, schnell und frech statt gemütlich.

Die Konsolenkriege der frühen Neunziger waren geboren. Sega gegen Nintendo, Sonic gegen Mario, ein Wettstreit, der mit aggressiver Werbung und exklusiven Spielen ausgetragen wurde und die Branche wirtschaftlich enorm beflügelte.

Tetris und die Reise des Codes

Ein Philips Röhrenfernseher zeigt eine 3D-Videospielszene auf einem Holzschrank. davor liegt eine CD
Die CD-ROM brachte räumliche Polygonwelten und einen neuen Wettbewerber ins Spiel.

Mitten in dieser Zeit kam ein Spiel aus einer ganz unerwarteten Richtung, hinter dem Eisernen Vorhang hervor.

Im Sommer 1984 entwickelte Aleksei Pajitnow, ein junger Softwareentwickler am Rechenzentrum der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Moskau, ein Spiel zum Testen neuer Hardware. Inspiriert von Pentominoes, einem Puzzle aus seiner Kindheit, ließ er verschieden geformte Klötze aus je vier Quadraten fallen, die der Spieler zu vollständigen Reihen anordnen musste.

Den Namen bildete Pajitnow aus dem griechischen Wort für vier und seinem Lieblingssport Tennis. Heraus kam Tetris.

Die erste Fassung lief auf einem sowjetischen Elektronika-60-Rechner, der nicht einmal echte Grafik darstellen konnte. Die Klötze bestanden aus Satzzeichen. Trotzdem war das Spiel so fesselnd, dass es sich binnen Wochen über die Akademie hinaus verbreitete. Pajitnow sagte später, Tetris sei in zwei Wochen auf jedem Rechner in Moskau gewesen.

Hier beginnt einer der verworrensten Rechtsstreits der Spielgeschichte.

Weil Pajitnow für eine sowjetische Staatseinrichtung arbeitete, gehörte das Spiel nicht ihm, sondern dem Staat. Verwaltet wurden die Rechte von der staatlichen Organisation ELORG, die das Monopol auf den Im- und Export von Software hatte.

Der britische Software-Händler Robert Stein entdeckte Tetris 1986 in Ungarn und witterte ein Geschäft. Aus einer vagen Zustimmung per Telex machte er einen vermeintlich festen Vertrag und vergab munter Unterlizenzen, ohne die Rechte sauber besessen zu haben. So tauchten Versionen für Heimcomputer in Europa und den Vereinigten Staaten auf, deren rechtliche Grundlage wackelte.

Die entscheidende Wendung brachte 1989 ein Mann namens Henk Rogers.

Rogers reiste nach Moskau und verhandelte direkt mit ELORG. Der sowjetische Beamte Nikolai Belikow durchschaute das Lizenzchaos und legte Stein einen neuen Vertrag vor, in den er heimlich eine Klausel einfügte. Steins Rechte galten ausdrücklich nur für Computer, nicht für Konsolen oder Handhelds. Belikow lenkte Stein mit anderen Klauseln ab, sodass dieser die entscheidende Stelle übersah.

Damit waren die Konsolen- und Handheldrechte frei. Rogers sicherte sich die Handheldrechte, Nintendo holte sich die Konsolenrechte.

Der Coup gipfelte in einer historischen Entscheidung. Nintendo legte Tetris seinem neuen Handheld bei, dem Game Boy von 1989.

Diese Kombination war Gold wert. Der schlichte, eingängige Aufbau von Tetris passte perfekt zum kleinen Schwarzweißbildschirm und sprach ein Publikum an, das mit klassischen Spielen wenig anfangen konnte. Allein die Game-Boy-Fassung verkaufte sich über 35 Millionen Mal und trug den Handheld zum Welterfolg.

Eine bittere Pointe bleibt. Pajitnow, der Erfinder, sah viele Jahre keinen Rubel. Solange die alten Rechte galten, kassierte der Staat. Erst 1996, nach dem Zerfall der Sowjetunion und nach Ablauf der ursprünglichen Lizenz, gründete er mit Henk Rogers The Tetris Company und verdiente endlich an seinem eigenen Werk.

Der Sprung in die dritte Dimension

Mehrere Gaming-Stationen mit Stühlen um einen Tisch in einem dunklen Raum mit Postern
Breitband und Online-Welten verbanden Millionen Spieler zugleich.

Mitte der Neunziger vollzog die Branche ihren größten technischen Sprung. Aus flachen Pixelwelten wurden räumliche.

Möglich machte das eine neue Speichertechnik. Die CD-ROM fasste ein Vielfaches der Datenmenge eines Moduls und war billiger in der Herstellung. Damit ließen sich größere Welten, gerenderte Zwischensequenzen und Musik in CD-Qualität unterbringen.

Den Markt mischte ein Neuling auf, der eigentlich aus der Unterhaltungselektronik kam.

Sony hatte ursprünglich mit Nintendo an einem CD-Zusatz arbeiten wollen. Als diese Zusammenarbeit zerbrach, baute Sony kurzerhand eine eigene Konsole. 1994 in Japan, 1995 im Westen erschien die PlayStation.

Die PlayStation setzte auf dreidimensionale Polygongrafik und sprach gezielt ein älteres Publikum an. Sony verstand es zudem, Entwickler mit der günstigen und einfachen CD-Technik anzulocken. Das Gerät wurde ein durchschlagender Erfolg und etablierte einen völlig neuen Wettbewerber in der ersten Reihe.

Nintendo hielt mit dem Nintendo 64 von 1996 dagegen, blieb aber beim teureren Modul. Technisch brillant, lieferte die Konsole mit Super Mario 64 eine Blaupause dafür, wie sich eine Spielfigur frei durch einen dreidimensionalen Raum bewegen lässt. Bis heute gilt dieses Spiel als Lehrstück des Genres.

Der Generationswechsel brachte eine neue Maßeinheit für Fortschritt mit sich.

  • Statt der Frage, wie viele Farben ein Sprite hatte, zählte nun die Zahl der Polygone.
  • Die Kameraführung wurde zur Gestaltungsaufgabe, weil der Raum begehbar war.
  • Erzählung und Inszenierung gewannen an Gewicht, weil die Technik längere, filmische Sequenzen erlaubte.

Am Ende des Jahrzehnts hatte sich die Branche grundlegend gewandelt. Aus einem Geschäft mit Reflexen und Highscores war ein Medium geworden, das Geschichten erzählte und ein erwachsenes Publikum ernst nahm. Der nächste Umbruch sollte nicht die Grafik betreffen, sondern die Verbindung nach außen.

Online, mobil, „sozial“

Mann sitzt auf Sofa, hält Smartphone vor großem TV, Gaming-Monitor im Hintergrund, alles neonbeleuchtet
Heute leuchten viele Bildschirme zugleich, rund 3,6 Milliarden Menschen spielen.

Mit dem neuen Jahrtausend kam das Netz ins Spiel, im Wortsinn.

Schnelle Breitbandanschlüsse verbreiteten sich, und damit wurde aus dem Einzelspieler vor dem Bildschirm eine vernetzte Gemeinschaft. Das eindrucksvollste Beispiel lieferte 2004 World of Warcraft von Blizzard.

In dieser dauerhaft bestehenden Online-Welt spielten Millionen Menschen gleichzeitig, schlossen sich zu Gilden zusammen und zahlten eine monatliche Gebühr. Das Abomodell zeigte, dass sich mit Spielen nicht nur einmalig beim Verkauf Geld verdienen ließ, sondern fortlaufend.

Den nächsten Umbruch löste 2007 ein Gerät aus, das gar nicht als Spielkonsole gedacht war.

Das iPhone und die Mobiltelefone, die ihm folgten, steckten plötzlich in jeder Hosentasche. Über die App-Stores landeten Spiele direkt auf dem Gerät, ohne Datenträger, ohne Laden. Damit erreichte das Spielen Menschen, die nie eine Konsole gekauft hätten.

Mit dem Mobilmarkt etablierte sich ein Geschäftsmodell, das die Branche bis heute prägt.

Free-to-Play bedeutet, dass das Spiel zunächst nichts kostet. Verdient wird über Käufe innerhalb des Spiels, etwa für Zusatzinhalte, Abkürzungen oder kosmetische Gegenstände. Was anfangs als Nische galt, wurde zur dominierenden Einnahmequelle des Mobilsegments.

Diese Verbreiterung veränderte, wer überhaupt als Spieler galt.

  • Die klassische Vorstellung vom jugendlichen Spieler vor der Konsole stimmte nicht mehr.
  • Mobile Titel erreichten alle Altersgruppen und ein nahezu ausgewogenes Geschlechterverhältnis.
  • Soziale Spiele in Netzwerken und später auf Plattformen wie Roblox machten das Spielen zum gemeinsamen Treffpunkt.

Am Ende dieser Entwicklung stand eine Branche, die mit ihren Ursprüngen in der Spielhalle kaum noch etwas gemein hatte. Wie groß sie geworden ist, zeigt erst der Blick auf die Gegenwart.

Die Gegenwart

Zwerg auf VR-Headset hält Schild: „ICH BRAUCHE MEHR FPS!“
Gaming übersteigt Kino und Musik: 2025 erreicht der weltweite Markt 189-197 Mrd. US-Dollar mit 3,6 Mrd. Spielern

Heute ist Gaming die größte Sparte der Unterhaltungsindustrie, größer als Kino und Musik zusammen.

Marktdaten 2025
Woher das Geld im Gaming kommt
Der weltweite Markt verteilt sich 2025 auf drei Plattformen. Das Mobilsegment trägt mit Abstand den größten Anteil.
Gesamtmarkt weltweit
~180
Milliarden Euro Umsatz
Mobil ~103–108 Mrd. $
Größter Anteil, breitestes Publikum, getragen von Free-to-Play.
Konsole ~45 Mrd. $
Getragen von großen Marken und festen Spielgewohnheiten.
PC ~40–43 Mrd. $
Am offensten für neue Ideen und Indie-Titel.
Das Wachstum kommt nicht mehr von neuen Spielern. Mit rund 3,6 Milliarden Spielenden weltweit ist die Decke nahezu erreicht. Der Markt wächst, weil die vorhandenen Spieler tiefer in ihre Spiele investieren.

Die Zahlen für 2025 belegen das eindrücklich. Der weltweite Markt erreichte je nach Erhebung zwischen 189 und 197 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 180 Milliarden Euro. Das Marktforschungsunternehmen Newzoo zählte etwa 3,6 Milliarden Spieler weltweit, mehr als 60 Prozent aller Internetnutzer.

Bemerkenswert ist die Verteilung. Das Mobilsegment trägt mit Abstand den größten Anteil, gefolgt von Konsole und PC. Der Markt wächst nicht mehr durch immer neue Spieler, sondern dadurch, dass die vorhandenen tiefer in ihre Spiele investieren.

SegmentUmsatz 2025 (gerundet)Charakter
Mobilrund 103 bis 108 Mrd. USDGrößter Anteil, breitestes Publikum
Konsolerund 45 Mrd. USDGetragen von großen Marken
PCrund 40 bis 43 Mrd. USDOffen für neue Ideen und Indie-Titel


Mehrere Strömungen prägen die Branche der Gegenwart.

Das Streaming verspricht, Spiele wie Filme aus der Cloud zu liefern, ohne teure Hardware. Die Technik ist da, der ganz große Durchbruch lässt aber noch auf sich warten.

Der E-Sport hat das kompetitive Spielen zum Zuschauersport gemacht, mit Ligen, Stadien und Preisgeldern. Was in der Spielhalle als Highscore-Liste begann, füllt heute Arenen.

Und eine Indie-Renaissance zeigt, dass es nicht immer Hunderte Millionen Euro Budget braucht. Kleine Teams landen mit eigenwilligen Ideen regelmäßig große Erfolge, gerade auf dem PC, der für neue Konzepte am offensten geblieben ist.

Der Bogen schließt sich an einer überraschenden Stelle. Higinbotham baute sein erstes Spiel, um eine langweilige Ausstellung aufzulockern, und hielt es für belanglos. Pajitnow programmierte Tetris zum Testen einer Maschine. Beide ahnten nicht, dass aus solchen Nebenprodukten eine der größten Industrien der Welt erwachsen würde.

Genau das ist die eigentliche Lehre dieser Geschichte. Das Spielen war nie der Plan. Es war immer der Nebeneffekt, der sich am Ende als das Eigentliche herausstellte. Und mit Blick auf die Prognosen, die den Markt bis 2028 jenseits der 200-Milliarden-Marke sehen, ist dieser Nebeneffekt noch lange nicht am Ziel.

Die spannendste Lektion dieser Geschichte ist, dass die größte Unterhaltungsbranche der Welt aus zwei Erfindern entstand, die ihr eigenes Werk für belanglos hielten. Wer heute über das nächste große Ding nachdenkt, sollte genau hinsehen, was gerade als Spielerei abgetan wird.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Quellen

Buch mit goldener Aufschrift und ein Mini-Joystick auf einem weißen Hintergrund
Quellen zur Videospielgeschichte: Brookhaven National Laboratory, American Physical Society, Newzoo Marktbericht 2025, GamesIndustry Jahresrückblick und Tetris Company
  • Brookhaven National Laboratory, History: The First Video Game?
  • American Physical Society, This Month in Physics History (Oktober 1958)
  • Newzoo, Global Games Market Report 2025
  • GamesIndustry / Game World Observer, Jahresrückblick 2025
  • The Tetris Company, Corporate Bios
  • TIME, Tetris at 30 (Interview mit Aleksei Pajitnow und Henk Rogers)

Hinweis: Die Marktzahlen sind aus US-Dollar zum EZB-Referenzkurs in Euro umgerechnet und gerundet.

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Michael Dobler
Autor
Michael Dobler ist Herausgeber des Dr. Web Magazins und seit 1990 beruflich tätig. Ende der 1990er-Jahre wirkte er an der Website eines Kinomagazins mit, als das Bauen von Webseiten gerade erst in Mode kam, und war anschließend als Online-Marketing-Pionier bei einem Hersteller im Einsatz, bevor er sich 2005 selbstständig machte. Sein unbändiger Wissensdurst treibt ihn bis heute an und macht ihn zum idealen Begleiter für das gesamte thematische Spektrum der Redaktion. Geschichte, neue Technologien und alles, was nach frischem Wissen riecht, sind seine Leidenschaft. Diese Neugier gibt er Tag für Tag an die Leserschaft weiter und versorgt sie verlässlich mit aktuellen Informationen.
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