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Gastautor 10. September 2003

Die Geschichte des Internet

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von Markus M. Deuerlein

Die Geburtsstunde des Internet zu datie­ren, zählt wohl zu einer der schwie­rigs­ten Aufgaben, da das Internet auf dem Weg zu sei­ner heu­ti­gen Form vie­le ver­schie­de­ne Entwicklungsstadien durch­lau­fen hat. Für den einen beginnt das Internet mit der Einführung des Netzwerkprotokolls TCP/IP, für ande­re bereits mit dem ARPANET.

Im Jahre 1958 wur­de von den USA die Forschungsbehörde Advanced Research Projects Agency, kurz ARPA genannt, gegrün­det. Diese Behörde hat­te die Aufgabe, Projekte aus­fin­dig zu machen und zu unter­stüt­zen, die den Vereinigten Staaten den ent­schei­den­den tech­no­lo­gi­schen Vorsprung im so genann­ten kal­ten Krieg sichern soll­ten.

Die ARPA ver­wirk­lich­te dabei jedoch kei­ne eige­nen Projekte, son­dern koope­rier­te statt­des­sen mit den ver­schie­dens­ten Einrichtungen und finan­zier­te bzw. koor­di­nier­te deren Entwicklungen. Das Hauptinteresse der ARPA galt dabei vor allem der Raketentechnik sowie der Entwicklung neu­er Materialien und Werkstoffe, wobei natür­lich immer die Verwendung für mili­tä­ri­sche Zwecke im Vordergrund stand.

1962 rief die ARPA mit dem Büro für Informationsverarbeitende Technologien (Information Processing Techniques Office, IPTO) eine bedeu­ten­de Institution ins Leben, die das Internet der Zukunft maß­geb­lich beein­flus­sen soll­te. Als Leiter die­ser Institution setz­te man J.C.R. Licklieder ein, der 1960 in sei­nem Manuskript “Man-Computer Symbiosis” bereits von der Vernetzung zwi­schen Computer und Menschen träum­te.

Zu den Visionen von Licklieder zähl­te auch der inter­ak­ti­ve Umgang mit Rechnern, denn bis­her wur­de alles noch über zeit­rau­ben­de Techniken wie Lochkarten und Magnetbänder abge­wi­ckelt. Er hielt den direk­ten Datenaustausch zwi­schen Computern für viel effi­zi­en­ter. Eines der weg­wei­sen­den Projekte, wel­ches Licklieder damals durch das IPTO finan­ziert wur­de, war die Entwicklung des Time-Sharing-Betriebssytems, wel­ches es meh­re­ren Benutzern ermög­lich­te, auf einem Computer gleich­zei­tig Ressourcen zu nut­zen.

Diese Entwicklung soll­te so weit gehen, dass man auch meh­re­re, räum­lich getrenn­te Rechner in die­ses System ein­bin­den konn­te. Die Wege für die Vernetzung waren berei­tet. Eines der grö­ße­ren Probleme dabei soll­te jedoch die Netzwerktopologie dar­stel­len. Die Time-Sharing Systeme funk­tio­nie­ren nach einem sehr ein­fa­chen Terminal-Host-Prinzip, wobei meh­re­re Terminals an einen zen­tra­len Hostrechner ange­schlos­sen wur­den. So bil­de­te sich ein stern­för­mi­ges Netz mit dem Hostcomputer in der Mitte. Dieses System hat­te jedoch das Problem, das durch einen Ausfall des Hosts das gesam­te Netzwerk zusam­men­brach. Desweiteren konn­te man auf­grund der damals feh­len­den Standards im noch jun­gen Computerzeitalter nur Rechner des glei­chen Herstellers und meist sogar nur des glei­chen Typs mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren las­sen. Es muss­te also eine neue Netzwerktypologie her.

Paul Baran von der Rand Corporation schlug 1964 ein dis­tri­bu­t­ed net­work (ver­teil­tes Netzwerk) vor. Dieses System hat­te anstatt dem bis­he­ri­gen, stern­för­mi­gen Aufbau einen Spinnennetz ähn­li­chen Aufbau mit einer Vielzahl von Verbindungen zwi­schen den ein­zel­nen Rechnern. Ein Totalausfall des Netzes war somit fast aus­zu­schlie­ßen. Desweiteren beinhal­te­te sein Konzept ers­te Überlegungen zu “packet swit­ching”, wel­ches die Daten, in ein­zel­ne Pakete auf­ge­teilt, über die ver­schie­dens­ten Wege an den Zielcomputer sen­den kann. Zwar war die Air Force von Barans Idee über­zeugt, jedoch wur­de die­ses Netz auf­grund ver­schie­de­ner Bedenken und Wünsche vom Verteidigungsministerium nicht rea­li­siert.

Ein knap­pes Jahr dar­auf rea­li­sier­te jedoch die Société Internationale de Télécommunications Aéronautiques (SITA) Paul Barans Idee des packet swit­ching, um so die 175 ihr ange­schlos­se­nen und über die gan­ze Welt ver­teil­ten Fluggesellschaften mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Die ers­ten neun Hauptknotenpunkte befan­den sich in Amsterdam, Brüssel, Frankfurt, Hong Kong, London, Madrid, New York, Paris und Rom. Das SITA-Netz war ein vol­ler Erfolg; bereits 1973 über­stieg sein Datenaufkommen das des gesam­ten inter­na­tio­na­len Telegraphenverkehrs.

Ein Jahr spä­ter begann IPTO mit den ers­ten Arbeiten an der Realisierung der ARPA-Computerzentren im gan­zen Land, die ganz nach Barans packet swit­ching-Idee in einem Netz zusam­men­ge­fasst wur­den. 1968 wur­den für die­ses Projekt 500.000 US-Dollar bewil­ligt. Zwei Jahre spä­ter betrug das Jahresbudget bereits knapp 2.2 Millionen US-Dollar. 1969 wur­de mit der Vernetzung der ers­ten ARPA-Forschungszentren begon­nen. Mitte 1971 waren bereits mehr als drei­ßig wich­ti­ge Zentren mit­ein­an­der ver­bun­den.

Die bei­den ers­ten Anwendungsprogramme waren zum einen das Computer-Fernsteuerungsprogramm tel­net (telecom­mu­ni­ca­ti­ons net­work) und zum ande­ren das Datenaustausch-Programm FTP (file trans­fer pro­to­koll). Das ARPANET wur­de am anfang jedoch viel weni­ger genutzt als erwar­tet, doch mit der Einführung der elek­tro­ni­schen Post (eMail) soll­te sich das schlag­ar­tig ändern. 1967 war Lawrence Roberts (spä­te­rer Leiter von IPTO) noch der Meinung, ein Programm zum Austausch von Nachrichten sei “not an important moti­va­ti­on for a net­work of sci­en­ti­fic com­pu­ters”. Im Jahre 1971, kurz nach der Einführung der elek­tro­ni­schen Post, über­stieg des­sen Datenvolumen bereits die ande­ren bei­den Dienste Telnet und FTP um Längen. Die elek­tro­ni­sche Post brach­te vie­le offen­sicht­li­che Vorteile mit sich, die wir noch heu­te zu schät­zen wis­sen.

Das eigent­lich nur zur Verbindung von Computern gedach­te Netz ver­dank­te sei­nen durch­schla­gen­den Erfolg schließ­lich der neu­en Möglichkeiten für Menschen, mit­ein­an­der zu kom­mu­ni­zie­ren. Es ent­stan­den ers­te Mailinglisten und Mailverteiler. In den spä­ten 70er Jahren tauch­te mit der SF-LOVERS-Liste die ers­te gro­ße Mailingliste auf, in wel­cher eine Reihe von ARPA-Forschern öffent­lich über Science Fiction dis­ku­tier­ten. Da dies jedoch nicht dem eigent­li­chen Zweck des Netzes ent­sprach, wur­de ver­sucht die­se Aktivitäten zu unter­bin­den und die Liste für eini­ge Monate gesperrt. Man konn­te jedoch schließ­lich die Verantwortlichen davon über­zeu­gen, das die SF-LOVERS-Liste zu einem der wich­tigs­ten Pilotprojekte in der Erfoschung und Verwaltung von Mailinglisten und deren Funktionsweisen ist. Die Systemadministratoren muss­ten das ARPANET immer wie­der umbau­en und ver­bes­sern, um mit dem explo­si­ons­ar­tig anstei­gen­den Datenaufkommen fer­tig zu wer­den.

In der tech­ni­schen Entwicklung des Netzes wur­den eine fort­lau­fen­de Reihe von Dokumenten Namens RFCs (Requests for Comment) ver­fasst, die Ideen und Vorschläge zur Weiterentwicklung beinhal­te­ten. Jedem Stand es offen,hierzu Artikel bei­zu­tra­gen. Diese RFCs wur­den oft­mals zu noch heu­te gül­ti­gen Standards. Im Laufe von 26 Jahren wur­den über 1750 sol­cher RFCs ver­fasst bzw. erfasst.

Den Durchbruch in der Fachöffentlichkeit erziel­te das ARPANET im Oktober 1972 bei sei­ner Präsentation bei der ICCC (International Conference of Computer Communications). Die Demonstration der Möglichkeiten des neu­en Netzes dau­er­te drei Tage, alles arbei­te­te zuver­läs­sig. Im Monat nach der Konferenz stieg das durch­schnitt­li­che Wachstum des Netzes von weni­gen Prozent auf ca. 67%. Dieses Wachstum hielt auch spä­ter noch an und die Zahl der ange­schlos­se­nen Computer stieg ste­tig. Es schlos­sen sich Universitäten, Air Force, NASA sowie die National Science Foundation (NSF) an.

Die gro­ßen Hardwarehersteller wie IBM und Xerox Network Services began­nen nun eben­falls damit, platt­form­un­ab­hän­gi­ge Netzwerktechnologien für Ihre Produkte anzu­bie­ten und Digital Equipment Corporation (DEC) ent­wi­ckel­te sein DECNET. So ent­stan­den die ers­ten eigen­stän­di­gen Netzwerke. Als nächs­ten Schritt unter­nahm die ARPA den Versuch, die­se ver­schie­de­nen Netze mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Das Internetworking (iro­nisch “net­wor­king or not working” beti­telt) war nach der Verbindung von ein­zel­nen Computern die logi­sche Weiterentwicklung zur Verbindung ver­schie­de­ner Netze.

1973 wur­de unter Leitung von Robert Kahn und Vinton Cerf das “INTERNET Programm” ent­wi­ckelt, um das auf Rundfunkwellen basie­ren­de PRNET mit dem ARPANET zu ver­bin­den. Somit lag das Augenmerk nicht mehr dar­auf, Computer unter­schied­li­cher Hersteller und Typen zu ver­net­zen, son­dern ver­schie­dens­te Netzwerksysteme mit einem “Netz der Netze”, dem INTERNET, unter einen Hut zu bekom­men. Das TCP (trans­mis­si­on con­trol pro­to­col) wur­de ent­wi­ckelt, um auch bei stei­gen­der Datenlast einen mög­lichst rei­bungs­lo­sen und ver­lust­frei­en Datenaustausch zu gewähr­leis­ten. Um 1980 wur­de die­se Aufgabe dann einem eige­nen Internet Protocol (IP) über­ge­ben. In die­sem Protokoll wur­de und wird bis heu­te in jeder ein­zel­nen Rechneradresse auch die Netzwerkadresse mit über­ge­ben.

Auf die­se Weise wur­de das Routing der Datenpakete mas­siv ver­ein­facht. Durch die Verwendung der Protokolle TCP/IP konn­te man nun also rela­tiv ein­fach ver­schie­de­ne Netzwerke wie das ALOHANET, PRNET, SATNET uva. mit­ein­an­der ver­bin­den. Anfangs hieß die­ses gesamt Netz noch ARPA Internet, wur­de aber durch das Hinzukommen von immer mehr Organisationen aus allen Ländern schließ­lich Internet genannt.

In Deutschland favo­ri­sier­te man lan­ge das X.25 Protokoll gegen­über dem stö­rungs­freie­ren TCP/IP-Protokoll. Die Telefongesellschaften setz­ten alles dar­an, im Rahmen ihrer Monopolstellung die­ses homo­ge­ne Netzwerkprotokoll durch­zu­set­zen. 1982 demons­trier­te die ARPA erst­mals die Möglichkeit einer Schnittstelle zur Integration des auf X.25 basie­ren­den Telnet ins Internet. In der Folge wur­den die bestehen­den X.25-Netze dar­un­ter auch das seit 1990 bestehen­de WiN (Deutsches Universitäts Netzwerk) als Teilnetze ins Internet inte­griert.

Dies ist natür­lich bei wei­tem noch nicht die kom­plet­te Geschichte des Internet. Weitere wich­ti­ge Entwicklungen wie die des USENET (die heu­ti­gen Newsgroups), des NSFNET sowie die Erfindung des WWW durch Tim Berners-Lee 1991 am Kernforschungszentrum CERN in Genf sind zu nen­nen.

Links:

ARPA | RFC Editor | Tim Bernes Lee | Cern

Ein Kommentar

  1. sehr gelun­gen, wenn auch eini­ge din­ge nicht stim­men

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