Geschichte der Postkarte: Vom Gruß zum Werbeträger?

Michael Dobler
Autor Dr. Web
14 Min. Lesezeit
Geschichte der Postkarte: Vom Gruß zum Werbeträger?

Totgesagt und nie gestorben. Die kleine Karte hat Kaiser, Kriege und das Smartphone überlebt und steckt heute als Gratiskarte in jeder zweiten Szenebar.

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Die Geschichte der Postkarte liest sich wie ein Nachruf, der nie fällig wurde.

Jahr für Jahr sinken die Versandzahlen, und trotzdem greift im Sommer halb Deutschland am Kiosk zur Ansichtskarte.

Zwischen Urlaubsgruß und Werbedisplay erzählt die Karte mehr über deutsches Marketing, als jede Litfaßsäule es könnte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Postkarte startete 1869 in Österreich-Ungarn als nüchterne Correspondenzkarte, das Bild kam in Deutschland erst 1870 auf den Karton.
  • Ihr goldenes Zeitalter lag zwischen 1897 und 1918, als Milliarden Karten jährlich durch Europa gingen und mit der Philokartie eine eigene Sammlerleidenschaft entstand.
  • Mit den Edgar Freecards erfand Hamburg 1992 die Gratispostkarte neu und machte aus dem Gruß ein Werbemedium mit Kultstatus.
  • Heute liegt die Karte in 49 Städten in rund 4.900 Displays und wird nach Branchenangaben von etwa 90 Prozent der Gastrobesucher wahrgenommen.
  • Für kleine Unternehmen bleibt die Karte ein unterschätztes Direktmailing: haptisch, günstig im Print-on-Demand und mit messbarem Rücklauf.

Postkartenfan?

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Wie gut kennen Sie die Geschichte der Postkarte?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 In welchem Land wurde die Postkarte 1869 amtlich eingeführt? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Am 1. Oktober 1869 führte die Post in Österreich-Ungarn die Correspondenzkarte ein. Deutschland zog erst 1870 nach, den amtlichen Namen vergab die Reichspost 1872. Nachzulesen im Kapitel „Woher kommt die Postkarte wirklich?“.
2 Welches Ereignis verhalf der Karte zum ersten großen Schub? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 durften Soldaten portofrei schreiben, rund zehn Millionen Feldpostkarten gingen in die Heimat. Mehr dazu im Kapitel „Warum wurde die Karte zum Massenmedium?“.
3 Wie heißt das Sammeln von Ansichtskarten? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Philokartie bezeichnet das Sammeln von Ansichts- und Postkarten, um 1900 ein Massenhobby mit eigenen Vereinen. Philatelie meint dagegen Briefmarken. Siehe Kapitel „Warum sammeln Menschen Postkarten bis heute?“.
4 Wofür steht der Name „Edgar“ bei den Gratispostkarten? Aufklappen ↓
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Richtig: B. „Edgar“ ist eine Verballhornung des englischen „ad card“, also Werbekarte. Das Konzept startete 1992 in Hamburg. Nachzulesen im Kapitel „Wie wurde die Gratispostkarte zum Werbewunder?“.
5 Was macht die gedruckte Karte laut Artikel für KMU heute wertvoll? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Physische Werbung erzielt laut einer Canada-Post-Studie eine höhere Markenerinnerung, weil sie den Tastsinn anspricht. Für junge Marken signalisiert ein gedrucktes Stück zudem Beständigkeit. Siehe Kapitel „Was lernen KMU von der Postkarte heute?“.

Woher kommt die Postkarte wirklich?

Alte Postkarte, handbeschrieben mit Briefmarke und Stempel auf weißem Hintergrund
Postkarten entstanden 1760 in Paris, wurden 1861 in den USA patentiert und kamen später nach Deutschland durch Generalpostmeister Heinrich von Stephan

Die Idee einer offen lesbaren Karte ist älter als ihr amtlicher Geburtstag.

Schon 1760 beförderte die Pariser „Petite Poste“ kurze Mitteilungen ohne Umschlag durch die Stadt.

In den USA ließ sich 1861 ein gewisser Carlton eine frühe Kartenform patentieren, lange bevor Europa nachzog.

Der deutsche Beitrag begann mit einer Absage.

Generalpostmeister Heinrich von Stephan schlug 1865 ein „Postblatt“ vor, eine offene Karte für kurze Nachrichten.

Die preußische Verwaltung lehnte ab, aus Sorge um den Anstand der offenen Mitteilung.

Den Durchbruch holte sich Österreich-Ungarn.

Auf Vorschlag des Ökonomen Emanuel Herrmann führte die dortige Post am 1. Oktober 1869 die Correspondenzkarte ein.

Deutschland zog 1870 nach, den amtlichen Namen Postkarte vergab die Reichspost erst 1872.

Das erste Bild auf dem Karton hat einen umstrittenen Urheber.

Der Oldenburger Hofbuchhändler August Schwartz verschickte am 16. Juli 1870 eine Karte mit Kanonier-Motiv, oft als erste deutsche Ansichtskarte gefeiert.

Sammlungsleiter Veit Didczuneit vom Museum für Kommunikation verweist allerdings auf Zweifel, ob das Bild nicht erst später ergänzt wurde.

An dieser Stelle lohnt die nüchterne Einordnung.

Die Erfinderfrage taugt zum Stammtisch, nicht zur Wissenschaft.

Zu viele Vorläufer, zu viele Patente, zu wenige lückenlose Belege.

Spannender als der eine Erfinder ist ohnehin, wie rasend schnell die Karte zum Massenartikel wurde.

Die Postkarte im Zeitraffer
Von der nüchternen Correspondenzkarte 1869 bis zur Gratispostkarte in der Szenebar. Scrollen Sie durch 260 Jahre Kartengeschichte.
1760
Erste offene Karten

Die Pariser Petite Poste befördert kurze Mitteilungen ohne Umschlag quer durch die Stadt.

1861
Patent in den USA

Ein gewisser Carlton lässt eine frühe Kartenform patentieren, lange bevor Europa nachzieht.

1865
Stephans Absage

Heinrich von Stephans Postblatt wird in Preußen abgelehnt, aus Sorge um den Anstand der offenen Mitteilung.

1869
Die Geburtsstunde

Österreich-Ungarn führt die Correspondenzkarte ein, den amtlichen Startschuss der Postkarte.

1870
Deutschland und die Feldpost

Deutschland zieht nach. Im Krieg 1870/71 gehen rund 10 Millionen Feldpostkarten von der Front in die Heimat.

1875
Die Welt öffnet sich

Der Weltpostverein macht die Karte für den grenzüberschreitenden Versand möglich.

1897–1918
Goldenes Zeitalter

Milliarden Karten jährlich, befeuert von günstiger Chromolithografie und ungebremster Reiselust.

1992
Edgar Freecards

Hamburg erfindet die Gratispostkarte neu. Aus dem Gruß wird ein Werbemedium mit Kultstatus.

seit 2000
Wandel statt Abschied

Die Versandzahlen sinken, doch als Gruß und Werbeträger bleibt die Karte präsent. Heute in 49 Städten und rund 4.900 Displays.

Warum wurde die Karte zum Massenmedium?

Feldpostkarten-Fächer von 1870 aus Deutschland
Rund zehn Millionen Feldpostkarten gingen allein 1870/71 von der Front in die Heimat.

Den ersten Schub brachte ausgerechnet ein Krieg.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 durften deutsche Soldaten portofrei schreiben.

Rund zehn Millionen Feldpostkarten gingen in diesen Monaten von der Front in die Heimat.

Die Logik dahinter war simpel.

Eine Karte kostete weniger Porto als ein Brief und verlangte keinen Umschlag.

Für eine kurze Nachricht genügte sie vollkommen, und genau dieser Pragmatismus traf den Nerv einer mobiler werdenden Gesellschaft.

International wurde die Karte durch den Weltpostverein möglich.

Auf Basis des Berner Vertrags von 1875 ließ sie sich bald über Ländergrenzen verschicken, ab 1878 fast weltweit.

Aus einem nationalen Behelf war damit ein globales Medium geworden.

Eine Kleinigkeit gehörte fest zum Ritual: die Briefmarke.

Während Österreich die Marke eindruckte, klebten die Deutschen ihre Marke selbst auf.

Der Gang zum Schalter, das Anlecken, das Aufdrücken, all das war Teil des Kartenschreibens.

Was war das goldene Zeitalter der Ansichtskarte?

Alpen-Postkarte mit der Aufschrift „Gruss aus den Alpen.“ und einer Alpen-Illustration
Zwischen 1897 und 1918 verließen jährlich Milliarden Karten die Druckereien Europas.

Zwischen 1897 und 1918 erlebte die Karte ihre Blüte.

Historiker nennen diese Jahre das goldene Zeitalter der Ansichtskarte.

Milliarden Exemplare gingen jährlich durch Europa, getrieben von Reiselust, billigem Druck und dem Fehlen jeder schnelleren Alternative.

Möglich machte das ein technischer Sprung.

Mit der Chromolithografie kam ab den 1890er Jahren Farbe auf den Karton, in Massen und zu kleinem Preis.

Plötzlich passte die ganze Welt in Postkartengröße, von der Alpenkulisse bis zum Stadttor.

Hinter den Motiven standen oft echte Künstler.

Verlage beauftragten Postkartenmaler und Lithografen, eigens Motive für die Karte zu entwerfen.

Solche Künstlerkarten wurden teils verschickt, teils als kleines Kunstwerk im Album behalten.

Auch die Prominenz entdeckte den Karton.

In den 1920er und 1930er Jahren machte der Ross-Verlag in Berlin mit Porträts von Filmstars Furore und belieferte ganz Europa.

Die Karte war damit zugleich Gruß, Sammelobjekt und frühe Fanpost.

Warum sammeln Menschen Postkarten bis heute?

Geöffnetes Postkartenalbum und geschlossenes Buch daneben auf weißem Grund
1897 zählte das Deutsche Reich sechzig Fabriken allein für Postkartenalben.

Mit der Flut kam die Leidenschaft.

Das Sammeln von Ansichtskarten heißt Philokartie, und sie war um 1900 ein Massenhobby.

Allein zwischen 1896 und 1902 erschienen in Deutschland mindestens elf Fachzeitschriften nur für Kartensammler.

Die Infrastruktur dahinter war erstaunlich groß.

1897 zählte das Deutsche Reich rund sechzig Fabriken, die nichts anderes herstellten als Sammelalben für Ansichtskarten.

Schlicht oder verziert, für jeden Geschmack lag das passende Album bereit.

Das Sammeln folgt bis heute klaren Mustern.

Heimatsammler horten Ansichten ihrer Region, andere jagen Motive von Zeppelinen über Leuchttürme bis zu Filmstars.

Der Wert richtet sich weniger nach dem Alter als nach Seltenheit und Sujet, wie das Auktionshaus akpool betont.

Viele kennen den Reiz aus eigener Hand.

In den achtziger Jahren gehörte die Urlaubskarte zum Pflichtprogramm, der Ständer am Kiosk zum Ferienbild, das Kartenschreiben am Strand zur Reise wie der Sonnenbrand.

Gesammelt, getauscht und in Schuhkartons gehortet wurde mit Hingabe.

Einen lebendigen Eindruck dieser Sammelkultur vermittelt die Ausstellung „Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße“ im Museum für Kommunikation Berlin, getragen von der Museumsstiftung Post und Telekommunikation mit über 200.000 Karten.

Wie tief die Geschichte der Karte reicht, dokumentiert auch die Universität Kiel in ihrem Überblick zur Postkartengeschichte.

Wie wurde die Gratispostkarte zum Werbewunder?

Ein gefüllter Drehständer mit bunten Broschüren auf weißem Grund
In 49 Städten stehen rund 4.900 Freecard-Displays in Bars, Cafés und Kinos.

Die größte Neuerfindung der Karte kam aus der Kneipe.

1992 gründete sich in Hamburg „Edgar auf der Karte“, und mit ihr die deutsche Gratispostkarte.

Der Name Edgar ist eine Verballhornung des englischen „ad card“, also Werbekarte.

Das Prinzip war so einfach wie clever.

Kostenlose Karten mit Kunst, Sprüchen oder Werbung lagen in Ständern aus, mitten in Bars, Cafés und Clubs.

Mitnehmen, verschicken, an die Wand pinnen, alles war erlaubt und kostete keinen Cent.

Die Karte traf einen Nerv.

Frech betextete Motive wie „Ich war jung und brauchte das Geld“ wurden zu kleinen Kultobjekten, die man tauschte und sammelte.

Weil viele Karten nummeriert waren, entstand prompt eine eigene Sammlerszene mit Vereinen und Katalogen.

Aus der Idee wurde ein Geschäft mit Reichweite.

Nach Branchenangaben liegen die Edgar Freecards heute in 49 Städten in rund 4.900 Displays, ergänzt um Marken wie CityCards und regionale Verlage.

Die Karte erreicht damit genau die junge, urbane Zielgruppe, die klassische Werbung oft verfehlt.

Eine Zahl erklärt den Reiz für Werbetreibende.

Studien der Anbieter zufolge nehmen rund 90 Prozent der Gäste in Bars, Kinos und Cafés die Gratiskarten wahr.

Diese Werte stammen von den Anbietern selbst, ein gesunder Abschlag gehört also dazu.

Das Grundprinzip aber stimmt: Eine freiwillig mitgenommene Karte schlägt den aufgedrängten Flyer um Längen.

Die Postkarte ist das ehrlichste Werbemedium, das wir kennen. Niemand nimmt eine Karte mit, weil ein Algorithmus ihn drängt, sondern weil das Motiv ihm gefällt. Diese Freiwilligkeit bekommt kein Performance-Budget der Welt geschenkt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was lernen KMU von der Postkarte heute?

Horizontale Werbekarte für Wellnessprodukte mit Diffuser, Duftöl, QR-Code und 15% Rabatt
Ein QR-Code verwandelt die nostalgische Karte in ein messbares Direktmailing.

Für kleine Unternehmen steckt in der Karte eine aktuelle Lektion. Per Print-on-Demand entstehen Karten in jeder Auflage, vom Einzelstück bis zur Großserie, etwa bei Anbietern wie Print24 mit Formaten von DIN A7 bis DIN A3 und Dutzenden Papiervarianten.

So wird aus der nostalgischen Karte ein planbares Werbemittel mit kalkulierbaren Kosten.

Während der digitale Posteingang überquillt, landet eine gedruckte Karte auf dem Küchentisch und bleibt dort liegen.

Genau diese Haptik macht sie zum unterschätzten Werkzeug im Marketingmix.

Die Forschung stützt das Bauchgefühl.

Physische Werbung erzielt laut einer Studie der Canada Post eine deutlich höhere Markenerinnerung als rein digitale Reize, weil sie den Tastsinn anspricht.

Für junge Marken signalisiert ein gedrucktes Stück zudem Beständigkeit, lange bevor eine Reputation existiert.

Der Trick liegt in der Verzahnung.

Ein QR-Code auf der Karte führt direkt zum Angebot, eine persönliche Zeile schafft Nähe.

Wie sich Print und Digital sinnvoll verbinden, zeigt der Dr.-Web-Ratgeber zum Printmarketing für Gründer im Detail.

Die Karte ist außerdem eine Bühne fürs Erzählen.

Statt nackter Fakten transportiert ein Motiv eine kleine Geschichte, und Geschichten binden Kunden enger als jedes Datenblatt, wie der Beitrag zum Storytelling im Marketing zeigt.

Selbst die Auswahl des Motivs folgt dieser Logik.

Ein gutes Bild erzählt, ohne ein Wort zu verlieren, und genau darauf zielt modernes Geschichten-Marketing.

Die Karte ist dafür der kleinste denkbare Werbeträger mit der größten Reichweite an Sympathie.

Eine eigene Druckmaschine braucht dafür heute niemand mehr.

Die Postkarte im Zeitraffer

Alte Kölner Postkarte mit aufgedrucktem Vortragstitel und einem orangefarbenen Werbeanhänger
Die ersten Postkarten entstehen zwischen 1760 und 1870 in Europa und Amerika
Jahr Meilenstein
1760 Pariser „Petite Poste“ befördert erste offene Karten innerstädtisch
1861 Carlton lässt in den USA eine frühe Kartenform patentieren
1865 Heinrich von Stephans „Postblatt“ wird in Preußen abgelehnt
1869 Österreich-Ungarn führt die „Correspondenzkarte“ ein
1870 Deutschland zieht nach, erste Ansichtskarten im Deutsch-Französischen Krieg
1875 Der Weltpostverein ermöglicht den internationalen Versand
1897 bis 1918 Goldenes Zeitalter der Ansichtskarte
1992 Edgar Freecards erfinden die Gratispostkarte in Hamburg
seit 2000 Versandzahlen sinken, die Karte überlebt als Gruß und Werbeträger

Glossar: 11 wichtige Begriffe zur Postkarte

Eine aufgestellte Postkarte mit dem Text „Gruss aus der Ferne!“ und einer Figur mit Sprechblase
Ansichtskarten zeigen Städte, Landschaften oder Sehenswürdigkeiten und waren lange die günstigste Form bebilderter Korrespondenz im Urlaub
Ansichtskarte
Eine Postkarte mit Bildmotiv auf der Vorderseite, meist eine Stadt, Landschaft oder Sehenswürdigkeit. Lange galt sie als günstigste Form der bebilderten Korrespondenz und bleibt bis heute der klassische Urlaubsgruß.
Bildpostkarte
Eine eigenständige Kartenform, deren Motiv auf der Adressseite sitzt, nicht zu verwechseln mit der Ansichtskarte. Die Reichspost ließ sie in Deutschland ab 1885 offiziell zu.
Chromolithografie
Ein Farbdruckverfahren, das ab den 1890er Jahren bunte Karten in Massen ermöglichte. Als technischer Auslöser für das goldene Zeitalter der Ansichtskarte gilt das Verfahren bis heute.
Correspondenzkarte
Der ursprüngliche Name der Postkarte, eingeführt 1869 in Österreich-Ungarn. Den heutigen Namen vergab die deutsche Reichspost erst 1872.
Edgar Freecards
Markenname der ab 1992 in Hamburg verbreiteten Gratispostkarten. Der Begriff leitet sich vom englischen „ad card“ ab und steht heute fast als Gattungsname für Werbepostkarten in der Gastronomie.
Feldpostkarte
Eine Karte für Mitteilungen von Soldaten, oft portofrei. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gingen rund zehn Millionen davon von der Front in die Heimat.
Gratispostkarte
Eine kostenlos ausliegende Karte, häufig mit Werbung auf der Rückseite. In Displays in Bars, Cafés und Kinos steht sie zur freien Mitnahme bereit.
Philokartie
Das Sammeln von Ansichts- und Postkarten. Um 1900 ein Massenhobby mit eigenen Vereinen, Fachzeitschriften und Sammelalben, bis heute lebendig.
Postkartenverlag
Ein Verlag, der Motive entwirft, drucken lässt und vertreibt. In der Blütezeit beauftragten solche Verlage eigens Maler und Lithografen für ihre Kartenserien.
Ross-Verlag
Der in den 1920er und 1930er Jahren führende europäische Verlag für Postkarten mit Filmstar-Porträts. Seine Karten zählen heute zu begehrten Sammlerstücken.
Weltpostverein
Der 1874 gegründete Staatenverbund, der ab 1875 den grenzüberschreitenden Postverkehr regelte. Erst dadurch wurde die Postkarte zum weltweiten Medium.

Häufige Fragen zur Geschichte der Postkarte

Wann wurde die Postkarte erfunden?

Amtlich eingeführt wurde die Postkarte am 1. Oktober 1869 in Österreich-Ungarn, damals noch als Correspondenzkarte. Deutschland folgte 1870, den offiziellen Namen vergab die Reichspost 1872. Vorläufer offener Karten reichen jedoch bis 1760 zurück.

Was ist der Unterschied zwischen Postkarte und Ansichtskarte?

Die Postkarte ist der Oberbegriff für die offen versendbare Karte ohne Umschlag. Eine Ansichtskarte ist eine Postkarte mit Bildmotiv auf der Vorderseite. Umgangssprachlich meinen die meisten Menschen heute die Ansichtskarte, sobald sie von einer Postkarte sprechen.

Auf wen geht die Erfindung der Postkarte zurück?

Eine einzelne Erfinderin oder ein einzelner Erfinder lässt sich nicht eindeutig benennen. Heinrich von Stephan schlug 1865 ein Postblatt vor, Emanuel Herrmann brachte 1869 die Correspondenzkarte in Österreich-Ungarn auf den Weg. Das erste deutsche Bildmotiv wird August Schwartz zugeschrieben, gilt aber als umstritten.

Wann war das goldene Zeitalter der Postkarte?

Als goldenes Zeitalter der Ansichtskarte gelten die Jahre zwischen 1897 und 1918. In dieser Zeit gingen Milliarden Karten jährlich durch Europa, befeuert von Reiselust, billigem Farbdruck und dem Fehlen schnellerer Kommunikationswege.

Was sind Edgar Cards beziehungsweise Gratispostkarten?

Gratispostkarten sind kostenlos ausliegende Karten, die seit 1992 in Bars, Cafés und Kinos zur Mitnahme bereitstehen. Der Markenname Edgar Freecards hat sich fast als Gattungsbegriff etabliert. Viele Karten tragen Werbung, Kunst oder freche Sprüche und werden bis heute gesammelt.

Werden heute noch Postkarten verschickt?

Ja, allerdings deutlich seltener als früher. Seit Anfang der 2000er Jahre sinken die Versandzahlen, verdrängt von E-Mail, Messenger und sozialen Netzwerken. Als Urlaubsgruß, Glückwunsch und Werbeträger bleibt die Karte jedoch fest im Alltag verankert.

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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