Mozilla baut in Firefox für iOS einen eigenen Werbeblocker ein, freigeschaltet über einen Feature-Schalter statt über ein fertiges Update. Gefiltert wird nach EasyList, gerechnet aber in Apples WebKit statt in Mozillas eigener Engine. Von den 79.023 Regeln der Liste kommt auf dem iPhone deshalb nur ein Teil an.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Werbeblocker in Firefox für iOS hat seit dem 14. August 2026 ein eigenes Symbol im Menü; den Code dafür hat Mozilla an diesem Tag in den Release-Zweig der Version 154 übernommen.[1] Für Betreiber deutscher Websites zählt weniger das Symbol als das Regelformat dahinter.
Das Wichtigste in Kürze
- Den Einstellungs-Schalter hat Mozilla am 20. Mai 2026 aufgenommen, das Menü-Symbol am 14. August im Zweig der Version 154.
- Als Filterliste dient EasyList, am 16. August 2026 mit 54.564 Netzwerk- und 24.459 kosmetischen Regeln.
- Apples Content-Blocker kennt genau fünf Aktionen und führt kein JavaScript aus.
- 13.640 kosmetische Regeln greifen ohne Domain-Bindung, also auch auf Ihrer Website.
Was steckt im Werbeblocker von Firefox für iOS?

Den Einstellungs-Schalter samt Feature-Flag hat Mozilla am 20. Mai 2026 in die iOS-App aufgenommen,[2] das dazugehörige Menü-Symbol knapp drei Monate später.[1] Ein Flag dieser Art gibt die Funktion serverseitig für einen wachsenden Teil der Installationen frei, ganz ohne neues Update aus dem App Store. Auf dem iPhone übernimmt der Browser damit eine Aufgabe, die bisher beim Tracking-Schutz und bei Bordmitteln wie den Container-Tabs lag.
Als Filterliste dient EasyList, das offene Standardwerk der Branche. Am 16. August 2026 zählte die Datei 79.023 Regeln, davon 54.564 für Netzwerkanfragen und 24.459 für das Ausblenden einzelner Seitenelemente.[3] Dieselbe Liste steckt hinter uBlock Origin, dessen Pflegeteam die Facebook-Filter Anfang August aufgegeben hat.
Warum kann ein iOS-Browser weniger als der Desktop?
Apple lässt auf dem iPhone nur die eigene WebKit-Engine zu. Blocken läuft dort über deklarative JSON-Regeln, die Xcode vorab in Bytecode übersetzt. Jede Regel besteht aus einem Auslöser und einer Aktion, wobei genau fünf Aktionen erlaubt sind: block, block-cookies, css-display-none, ignore-previous-rules und make-https.[4] JavaScript führt ein Content-Blocker nicht aus.
Für die Filterarbeit zieht dieses Format eine harte Obergrenze. Ausblenden geht allein über einen CSS-Selektor; prozedurale Filter, die den Text eines Elements prüfen oder ein Skript nachschieben, lassen sich in diesem Format nicht ausdrücken. 898 Regeln der aktuellen EasyList arbeiten genau so und bleiben unter iOS wirkungslos.[3] Am Desktop führt Mozilla seit Firefox 149 einen prototypischen Blocking-Motor mit, angelegt von Benjamin VanderSloot und vorerst abgeschaltet.[5]
Apples Regelformat entscheidet, wie viel Filterarbeit Firefox für iOS überhaupt leisten kann.
Stand der Datei am 16. August 2026, Listenversion 202608162033
block, block-cookies, css-display-none, ignore-previous-rules, make-https
Textprüfung und Skript-Filter lassen sich in WebKit nicht abbilden
greifen auf jeder Website, meist über Klassen- und ID-Namen
Wie sich die 79.023 Regeln aufteilen
stoppen Anfragen an Werbe- und Trackingdomains, unter iOS über die Aktion block
blenden Seitenelemente per Selektor aus, abbildbar als css-display-none
brauchen Textprüfung oder Skript und laufen auf dem iPhone ins Leere
Auf dem iPhone entscheidet Apples Regelformat über die Werbeeinnahmen deutscher Verlage, nicht Mozilla und nicht die Filterliste. Fünf erlaubte Aktionen sind die eigentliche Nachricht an dieser Meldung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für deutsche Websites?
Rechtlich bleibt die Werbeblockade in Deutschland offen. Der Bundesgerichtshof hat am 31. Juli 2025 im Verfahren I ZR 131/23 („Werbeblocker IV“) das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache an das Oberlandesgericht Hamburg zurückverwiesen.[6] Dort ist zu klären, ob der Eingriff in DOM-Knotenbaum, CSSOM und Renderbaum eine unbefugte Umarbeitung eines Computerprogramms nach § 69c Nr. 2 UrhG darstellt. Genau diese Strukturen verändert die Aktion css-display-none.
Zwei Nebenwirkungen treffen Ihre Website unmittelbar. 13.640 kosmetische EasyList-Regeln greifen ohne Domain-Bindung, überwiegend über Klassen- und ID-Namen wie „Ad-Container“ oder „AdBar“.[3] Ein eigenes Element mit solchem Namen verschwindet mit, ganz ohne Werbebezug. Messpixel wiederum laufen als Netzwerkanfrage und fallen unter dieselbe Liste, was für serverseitige Messung und eine First-Party-Erhebung spricht.
Ziehen Sie die aktuelle EasyList und suchen Sie Ihr Template nach Treffern ab, bevor ein iPhone-Nutzer Ihre Preistabelle nicht mehr sieht. Wie stark Firefox bei Ihrem Publikum überhaupt zählt, klärt vorab ein Blick in den Browser-Vergleich für den DACH-Raum.
Quellen
[1] Mozilla, firefox-ios: „[Ad Blocker] Add ad blocker badge to menu (backport #35180)“, zusammengeführt in release/v154.0
[2] Mozilla, firefox-ios: „[Ad Blocker] Add settings toggle for ad blocker“
[3] EasyList: easylist.txt, Listenversion 202608162033
[4] Apple Developer Documentation: „Creating a content blocker“
[5] Mozilla, Bugzilla: Bug 2013888, „Add a prototype rich content blocking engine“, Zielversion 149
[6] Bundesgerichtshof: Pressemitteilung Nr. 148/2025, „Urheberrechtliche Zulässigkeit eines Werbeblockers“
Mehr Newshunger?
- uBlock Origin beendet die Filterpflege für Facebook
- Firefox Container-Tabs: Konten und Tracker ohne Add-on trennen
- Firefox im Browser-Tab: Puter Labs kompiliert die Gecko-Engine nach WebAssembly
- Tracking ohne Cookies: Wie Websites Sie am digitalen Fingerabdruck erkennen
- Cookie-Banner abschaffen: Ein Datenschutz-Bündnis drängt Brüssel zum Browsersignal
- Browser-Vergleich 2026: Die 20 besten Webbrowser für Unternehmen