Ein breites Datenschutz-Bündnis will die Cookie-Banner endgültig loswerden und baut dafür öffentlichen Druck auf. Im Kern steht ein Browsersignal, das die Einwilligung einmal zentral regelt statt auf jeder Seite neu. Für Websitebetreiber im DACH-Raum hängt daran, ob die tägliche Klickflut bleibt oder fällt.

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Cookie-Banner abschaffen klingt nach einer alten Forderung, doch diesmal steht ein konkreter Mechanismus dahinter. Nach Angaben der Initiative klicken bis zu 90 Prozent der Nutzer auf „Ja“, obwohl nur rund 3 Prozent überhaupt getracked werden wollen.[1] Genau diese Lücke soll ein automatisches Signal aus dem Browser schließen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Bündnis um noyb und EDRi fordert, Cookie-Banner durch ein verbindliches Browsersignal zu ersetzen.
  • Genau dieses Signal, Artikel 88b des Digital Omnibus, hat der EU-Rat am 18. Juni 2026 aus dem Entwurf gestrichen.
  • Deutschland hat den freiwilligen Weg über anerkannte Einwilligungsdienste schon 2025 geöffnet, bisher ohne einen einzigen zugelassenen Dienst.
  • Für Betreiber bleibt der Consent-Aufwand vorerst Pflicht.

Klickmüdigkeit. Hinter der Kampagne stehen Organisationen wie noyb und EDRi, die das Einwilligungs-Theater seit Jahren kritisieren. Was Betreiber rechtssicher umsetzen müssen, haben wir in unserem Leitfaden zu Cookie-Banner und DSGVO zusammengefasst.

Lobbydruck. Nach Darstellung von noyb haben Google und die Werbeindustrie erfolgreich gebremst, unterstützt von Deutschland, Frankreich und Polen.[2] Ein vertrauliches Google-Papier hat den drohenden Schaden auf 40 bis 50 Milliarden Euro beziffert, eine Zahl, die selbst die EU-Kommission als stark übertrieben einordnet. Dass Brüssel den Banner erst abschaffen wollte und dann zurückruderte, haben wir bereits beschrieben.

Was hätte Artikel 88b geändert?

Browsersignal. Der Digital Omnibus der EU-Kommission vom 19. November 2025 hat in Artikel 88b ein maschinenlesbares Signal vorgesehen: Der Browser übermittelt die Entscheidung einmal, Websites müssen sie akzeptieren, ganz ohne Banner. Journalistische Angebote wären ausgenommen geblieben.

Rückzieher. Am 18. Juni 2026 hat der Rat diesen Artikel wieder aus dem Entwurf gestrichen.[2] Damit bleibt es beim Klick auf jeder einzelnen Seite, während Browserfunktionen wie die Firefox Container-Tabs oder die Crawler-Sperre von Cloudflare zeigen, dass Steuerung auf Ebene des Browsers längst funktioniert.

Ein Signal, das der Browser einmal setzt, wäre ehrlicher als hundert Banner, die niemand liest. Genau deshalb bekämpft die Werbeindustrie es so entschlossen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Cookie-Banner: Der Stand nach dem Rat-Beschluss
Warum das Browsersignal vorerst nicht kommt
90 %
klicken auf „Ja“
obwohl nach Angaben der Initiative nur rund 3 % getrackt werden wollen
88b
Verbindliches Browsersignal
war 24 Monate nach Inkrafttreten des Digital Omnibus vorgesehen
18.06.
Rat streicht die Regel
Artikel 88b fiel 2026 aus dem Entwurf, die Banner bleiben Pflicht
Deutschland: 0 anerkannte Einwilligungsdienste. Seit dem 1. April 2025 erlaubt die Einwilligungsverwaltungsverordnung zentrale Zustimmungsdienste, bis Mai 2025 lag beim Datenschutzbeauftragten aber kein einziger Antrag vor.

Warum Deutschlands Alleingang schon gescheitert ist

Fehlstart. Deutschland hat den freiwilligen Weg längst geöffnet: Seit dem 1. April 2025 erlaubt die Einwilligungsverwaltungsverordnung anerkannte Dienste, die die Zustimmung zentral verwalten.[3] Bis zum Mai 2025 ist beim Datenschutzbeauftragten allerdings kein einziger Antrag auf Anerkennung eingegangen.

Muster. Freiwillige Signale sind schon einmal verpufft, vom ignorierten „Do Not Track“ bis zur Global Privacy Control, die außerhalb der USA kaum greift. Genau das war der Grund, warum Artikel 88b die Beachtung verbindlich machen wollte, ähnlich sensibel wie die Debatte, wie die Altersprüfung zum Datenschutzrisiko wird.

To-do. Für Betreiber heißt das vorerst, das Consent-Management sauber zu halten und den Gang durch das EU-Parlament zu verfolgen, um die eigene Seite rechtzeitig auf maschinenlesbare Einwilligung vorzubereiten. Wie sehr die Regulierung den Mittelstand ohnehin bindet, zeigt die Bitkom-Debatte um ausgebremste Innovationen.

Quellen

[1] Kill the Cookie Banner: Kampagnenseite des Datenschutz-Bündnisses

[2] noyb: „EU Member States (and Google) suddenly want to keep cookie banners!“

[3] Bundesbeauftragter für den Datenschutz (BfDI): „PIMS: Welche Zukunft haben Dienste zur Einwilligungsverwaltung?“

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