Der Tesco-Verkauf in Mitteleuropa bekommt einen Bieter aus Neckarsulm: Die Schwarz Gruppe, Eigentümerin von Lidl und Kaufland, bereitet nach Informationen der Financial Times ein Angebot für Tescos Geschäft in Tschechien und der Slowakei vor.[1] Erste Gebote erwartet der britische Händler bis Ende September.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZum Paket gehören 363 Filialen.[2] Als weitere Interessenten nennt die Zeitung Ahold Delhaize aus den Niederlanden und Biedronka, die polnische Kette des portugiesischen Konzerns Jerónimo Martins. Die größte Hürde für den Lidl-Eigentümer dürfte die Fusionskontrolle werden: In Tschechien führen Lidl und Kaufland den Lebensmittelhandel bereits an.
Das Wichtigste in Kürze
- Tesco verkauft sein Geschäft in Tschechien, der Slowakei und Ungarn mit zusammen 561 Filialen und mehr als 22.000 Beschäftigten.
- Tschechien und die Slowakei kommen als gemeinsames Paket mit 363 Filialen auf den Markt, für Ungarn sucht Tesco einen eigenen Käufer.
- In der tschechischen Umsatzrangliste stehen Lidl und Kaufland auf den Plätzen eins und zwei, Tesco auf Platz fünf.
Warum verkauft Tesco nach 30 Jahren in Mitteleuropa?

Dünne Marge. Die Sparte setzte im vergangenen Geschäftsjahr umgerechnet gut 5 Milliarden Euro um und trug nur rund 130 Millionen Euro zum bereinigten operativen Gewinn des Konzerns bei.[1] Die operative Marge liegt nach Rechnung von Dr. Web damit bei etwa 2,6 Prozent. Tesco betreibt in der Region viele große Hypermärkte, die Kundschaft kauft dagegen zunehmend beim Discounter in der Nachbarschaft ein.[5]
Ungarn als Sonderfall. Das ungarische Geschäft mit 198 Filialen steht getrennt zum Verkauf.[2] Preisdeckel und Sonderabgaben, die unter Viktor Orbán vor allem ausländische Handelsketten trafen, gelten auch unter dem neuen Ministerpräsidenten Péter Magyar weiter.[1]
Rückzug mit System. Seit 2015 trennt sich Tesco Land für Land vom Auslandsgeschäft: Zuerst verkaufte der Konzern Südkorea, 2020 das Geschäft in Thailand und Malaysia.[1] Die polnischen Märkte übernahm die dänische Salling Group. Im Lebensmittelhandel bleiben Tesco danach nur Großbritannien und Irland.
Was spricht gegen einen Zuschlag für die Schwarz Gruppe?
Spitze doppelt besetzt. In der tschechischen Umsatzrangliste führt Lidl vor Kaufland, dahinter folgen Albert, Penny und Tesco.[3] Kaufland kam in Tschechien zuletzt auf umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz, Tesco auf rund 1,8 Milliarden Euro. Mit Tescos Märkten würde der Neckarsulmer Konzern den Abstand zu Albert, der tschechischen Kette von Ahold Delhaize, noch einmal deutlich vergrößern.
Präzedenzfall Real. Wie Wettbewerbshüter solche Zukäufe behandeln, zeigte Ende 2020 der Verkauf der Real-Märkte in Deutschland. Das Bundeskartellamt erlaubte Kaufland die Übernahme von bis zu 92 der gewünschten 101 Standorte.[4] Als Bedingung musste der Verkäufer Real-Märkte mit einem Einkaufsvolumen von mindestens 200 Millionen Euro an mittelständische Händler abgeben. Lebensmittelfälle prüfen Kartellbehörden Ort für Ort, weil die Kundschaft in der Nähe einkauft.
Marktzugang hat die Schwarz Gruppe in Tschechien längst, bei Tesco kauft der Konzern Standorte. Über jede einzelne Filiale entscheidet am Ende die Wettbewerbsbehörde.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Tesco-Verkauf für den Handel im DACH-Raum?
Expansion jenseits der Grenze. Deutsche Lebensmittelhändler suchen ihr Wachstum zunehmend im Ausland: Aldi Süd beteiligte sich am philippinischen Discounter Dali, Kaufland startete einen Online-Marktplatz in den Niederlanden ohne eigene Filiale. Einkaufsvolumen bildet den Kern des Geschäftsmodells von Lidl. Jede zusätzliche Filiale stärkt die Schwarz Gruppe in den Jahresgesprächen mit den Herstellern.
Folgen für Lieferanten. Markenhersteller aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verhandeln in Tschechien und der Slowakei bislang mit Tesco und der Schwarz Gruppe getrennt. Nach einem Zuschlag säße den Herstellern ein einziger Konzern gegenüber, der mit Lidl, Kaufland und Tesco drei der fünf umsatzstärksten Ketten Tschechiens betreibt. Für die kommenden Monate folgen daraus zwei Aufgaben:
- Lieferanten sollten ihre Konditionen mit Tesco und Kaufland in beiden Ländern jetzt getrennt dokumentieren, bevor ein neuer Eigentümer die Verträge bündelt.
- Händler und Hersteller sollten die Gebotsrunde Ende September verfolgen, denn erst die Gebote zeigen, ob Tesco das Paket geschlossen oder in Teilen verkauft.
Häufige Fragen zum Tesco-Verkauf
Welche Tesco-Filialen stehen zum Verkauf?
Tesco verkauft sein Geschäft in Tschechien, der Slowakei und Ungarn mit zusammen 561 Filialen und mehr als 22.000 Beschäftigten. Tschechien und die Slowakei bilden ein gemeinsames Paket mit 363 Filialen, die 198 ungarischen Filialen bietet Tesco getrennt an.
Wer bietet für Tescos Geschäft in Tschechien und der Slowakei?
Laut Financial Times bereitet die Schwarz Gruppe, Eigentümerin von Lidl und Kaufland, ein Angebot vor. Als weitere Interessenten gelten Ahold Delhaize aus den Niederlanden und Biedronka, die polnische Kette des portugiesischen Konzerns Jerónimo Martins. Erste Gebote erwartet Tesco bis Ende September 2026.
Warum könnte die Fusionskontrolle einen Kauf durch Schwarz bremsen?
In Tschechien belegen Lidl und Kaufland bereits die ersten beiden Plätze der Umsatzrangliste. Kartellbehörden prüfen Lebensmittelfälle Ort für Ort. Beim Kauf der Real-Märkte 2020 erlaubte das Bundeskartellamt Kaufland nur 92 der gewünschten 101 Standorte und stellte Bedingungen.
Quellen
[1] Retail Insight Network: „Schwarz Group eyes Tesco’s Czech and Slovak operations – report“ (September 2026)
[2] Budapest Business Journal: „Tesco Reportedly Prepares Sale of Central European Operations, Including Hungary“ (2026)
[3] Retail News: „Lídrem mezi řetězci zůstává Lidl“ (03.04.2026)
[4] Bundeskartellamt: „Kaufland darf 92 Real-Standorte unter Bedingungen übernehmen – Globus darf 24 Real-Standorte übernehmen“ (22.12.2020)
[5] Expats.cz: „Tesco weighs Central Europe exit amid Czech grocery market shake-up“ (09.07.2026)
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