Metro-Chef Steffen Greubel gibt den Vorstandsvorsitz des Düsseldorfer Großhändlers zum 30. September ab, obwohl er bis Ende 2030 bestellt war. Nachfolger wird Finanzvorstand Eric Riegger, ein früherer Aldi- und Lidl-Manager, der sein bisheriges Ressort behält. Als Grund nennt Greubel unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFünf Jahre nach seinem Antritt übergibt Greubel einen Konzern, der wieder wächst: Der Umsatz stieg nach Metro-Angaben von rund 25 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2021/22 auf zuletzt rund 33 Milliarden Euro.[1] Mit wem Greubel über den Kurs uneins war, lässt die Mitteilung offen. Die Ankündigungen zu seinem Nachfolger zeigen aber, wohin Metro steuert.
Das Wichtigste in Kürze
- Steffen Greubel verlässt Metro zum 30. September 2026 auf eigenen Wunsch und berät das Unternehmen bis Ende April 2027.
- Eric Riegger wird zum 1. Oktober Vorstandschef und bleibt zugleich Finanzvorstand mit Verantwortung für die IT.
- Unter Greubel verdreifachte Metro den Anteil des Digitalgeschäfts auf 18 Prozent des Umsatzes.
- Riegger soll die Strategie sCore weiterentwickeln, mit Schwerpunkt auf Profitabilität und Kosteneffizienz.
Warum geht Greubel trotz Wachstum?

Bilanz mit Wachstum. Greubel baute Metro mit der Strategie sCore vom klassischen Cash-and-Carry-Händler zum Multichannel-Großhändler um. Die Belieferung von Restaurants und Hotels trägt heute rund 30 Prozent zum Umsatz bei, der Eigenmarkenanteil verdoppelte sich von 15 auf rund 30 Prozent. Das operative Ergebnis stieg um mehr als 100 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro.[1]
Mehrheit bei EPGC. „Über die künftige Ausrichtung gibt es unterschiedliche Vorstellungen“, erklärte Greubel. Den nächsten Abschnitt solle eine Führung gestalten, die ihn von Beginn an verantwortet.[1] Seit dem 16. April 2025 ist Metro nicht mehr an der Frankfurter Börse notiert, die Mehrheit der Stimmrechte liegt bei der EP Global Commerce (EPGC) von Daniel Křetínský und Patrik Tkáč.[3] Den Aufsichtsrat führt Roman Šilha, der 2020 als Leiter für Übernahmen zu EPGC kam.[4] Ohne Börsennotiz fällt der Kapitalmarkt als Korrektiv weg: Über den Kurs verhandeln Vorstand und Mehrheitseigentümer weitgehend unter sich.
Was ändert sich mit Eric Riegger?
Discounter-Schule. Riegger begann 2002 bei Lidl, war Finanzchef von Lidl US und ab 2019 Geschäftsführer von Aldi USA für Finanzen und Personal. Seit Februar 2024 ist er Finanzvorstand von Metro.[2] Šilha lobt ausdrücklich seine „Expertise in den Bereichen Kosteneffizienz und Profitabilität“.[2] Riegger soll mit den Vorständen Christiane Giesen und Guillaume Deruyter sCore weiterentwickeln, mit Blick auf Kosten und den Einsatz digitaler Lösungen.[2]
Doppelrolle mit IT. Als Finanzvorstand verantwortete Riegger bereits die Harmonisierung von Systemen und Prozessen, dazu gehört der Umbau der IT mit der Tata-Tochter TCS in über 30 Ländern.[2] Der Kostendruck bleibt hoch: Im dritten Quartal 2025/26 bestätigte Metro die Jahresprognose nur mit Tendenz zum unteren Ende.[5] Führungswechsel mitten in einer Strategiedebatte erlebten zuletzt auch flatexDEGIRO und Qiagen.
Metro legt Strategie und Finanzen in eine Hand, geschult bei Aldi und Lidl. Lieferanten sollten sich auf harte Konditionsgespräche einstellen, neue Vertriebskanäle haben vorerst keinen Vorrang.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Wechsel für Lieferanten und Kunden?
Konditionen im Blick. Die Kombination aus Kostenfokus und wachsendem Eigenmarkenanteil setzt vor allem Markenhersteller unter Druck, deren Regalplatz Metro schon heute mit eigenen Produkten füllt. Gastronomen und Hotels profitieren dagegen vom Wachstum der Belieferung, die im dritten Quartal um 8,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zulegte.[5] Daraus folgen zwei Aufgaben:
- Lieferanten sollten Rahmenverträge, Preisgleitklauseln und Listungszusagen vor den Jahresgesprächen prüfen.
- IT-Dienstleister von Metro sollten mit weiterer Konsolidierung rechnen, denn Riegger behält die Verantwortung für die IT.
Häufige Fragen zum Metro-Chefwechsel
Warum verlässt Steffen Greubel Metro?
Greubel nennt unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung von Metro als Grund. Auf seinen Wunsch hob der Aufsichtsrat den bis Ende 2030 laufenden Vertrag zum 30. September 2026 auf.
Welchen Hintergrund hat Eric Riegger?
Eric Riegger kommt aus dem Discounthandel: Ab 2002 arbeitete er bei Lidl, war Finanzchef von Lidl US und ab 2019 Geschäftsführer von Aldi USA. Seit Februar 2024 ist er Finanzvorstand von Metro.
Wem gehört Metro?
Die Mehrheit der Stimmrechte hält die EP Global Commerce der tschechischen Investoren Daniel Křetínský und Patrik Tkáč. Seit dem 16. April 2025 ist die Metro-Aktie nicht mehr an der Frankfurter Börse notiert.
Quellen
[1] METRO AG: „Dr. Steffen Greubel gibt den Vorsitz des Vorstands der METRO AG zum 30. September 2026 auf eigenen Wunsch ab“ (23.09.2026)
[2] METRO AG: „Eric Riegger wird neuer Vorstandsvorsitzender der METRO AG“ (23.09.2026)
[3] METRO AG: „Delisting acquisition offer: Delisting of METRO shares from Frankfurt Stock Exchange effective as of end of 16 April 2025“ (11.04.2025)
[4] EP Global Commerce: „Roman Šilha joins EP Global Commerce and VESA Equity Investment as new Head of M&A“ (08.07.2020)
[5] METRO AG: „METRO steigert Umsatz und Ergebnis im Q3 2025/26“ (24.07.2026)
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