Pinduoduo hat am 24. August 2026 die Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt.[1] Der Umsatz des chinesischen Handelskonzerns stieg um 8 Prozent auf 112,4 Milliarden Yuan, rund 14,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Nettogewinn fiel im selben Zeitraum um 13 Prozent auf 28,5 Milliarden Yuan, etwa 3,65 Milliarden Euro.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz wuchs um 8 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro, der bereinigte Nettogewinn sank um 13 Prozent auf 3,65 Milliarden Euro.
- Die Transaktionserlöse rund um Temu legten zweistellig zu, die margenstarke Werbung in China stagnierte.
- Pinduoduo steckt das Geld in Händlerrabatte, Lieferketten und die Auslandsexpansion, nicht in die Marge.
- Für Onlinehändler im DACH-Raum bleibt der Preisdruck durch Temu hoch.
Warum fällt Pinduoduos Gewinn trotz Umsatzplus?

Pinduoduo verdient weniger, weil der Konzern seine Erlöse in Rabatte und die Auslandsexpansion umleitet, statt sie als Marge stehen zu lassen. Der operative Gewinn lag bei 3,48 Milliarden Euro, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sprangen um 40 Prozent auf rund 550 Millionen Euro. Zugleich verschiebt sich der Erlösmix: Die Transaktionsgebühren, die vor allem über Temu anfallen, wuchsen um 13 Prozent, während die hochprofitable Werbung im chinesischen Marktplatz mit gut 2 Prozent kaum zulegte.
Finanzchef Jun Liu ordnete den Rückgang selbst ein. „Wir haben im zweiten Quartal unsere Investitionen in das Ökosystem erhöht“, sagte der Finanzvorstand. „Vorrang hat, dass unsere Händler florieren und die gesamte Branche stärker wird.“
Rabattschlacht und Temu: ein Muster, kein Ausrutscher
Der Gewinnrückgang ist die zweite Quartalsdelle in Folge und Teil einer bewussten Langfriststrategie. Schon im ersten Quartal 2026 war der Gewinn geschrumpft, während Konzernchef Chen Lei den Ausbau der Lieferketten zur Priorität erklärte. Pinduoduo folgt damit demselben Reflex wie andere chinesische Plattformen, die Marktanteile über subventionierte Preise erkaufen, statt kurzfristige Gewinne zu sichern.
Der Hintergrund ist der harte Preiskampf im chinesischen Onlinehandel, den Peking inzwischen als schädliche „Involution“ bremsen will. Vergleichbar hat der Rivale Youzan seinen Umbau mit weniger Händlern durchgezogen. Auch Alibaba sammelt für seine KI-Fabriken frisches Kapital am Markt ein, während Pinduoduo den Umbau aus dem eigenen Cashflow zahlt.
Pinduoduo bezahlt Händlertreue und Auslandsumsatz mit der eigenen Marge. Solange die Kasse voll bleibt, ist das ein Kalkül, kein Notruf.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Temus Milliardenwette für DACH-Händler bedeutet
Für Onlinehändler im DACH-Raum bedeutet das anhaltenden Preisdruck, für die EU wächst der Druck bei Zoll und Plattformaufsicht. Solange Pinduoduo und Temu ihre Kampfpreise über die eigene Marge finanzieren, unterbieten die Plattformen europäische Anbieter weiter. Brüssel reagiert an zwei Fronten. Die EU will die Zollfreigrenze für Kleinsendungen kippen, ein Schritt, der schon Sheins Börsengang unter Druck gesetzt hat. Zusätzlich prüft Brüssel chinesische Händler über das Subventionsinstrument im Fall Ceconomy.
Gegen Temu gewinnen Händler selten über den Preis, sondern über schnelle Lieferung und verlässlichen Service. Die Reform der Zollfreigrenze verteuert die Importflut und verschiebt den Wettbewerb zugunsten lokaler Anbieter. Marktplatzbetreiber sollten zudem nach dem Urteil zum Hosting-Privileg von Shein und Temu die eigene Haftung prüfen.
Für europäische Händler zählt weniger Pinduoduos Quartalsgewinn als die Kriegskasse dahinter. Finanziert der Konzern jede Preissenkung weiter aus eigener Kraft, bleibt Temu ein Dauerwettbewerber, den man mit Service und Liefertempo besser kontert als mit Rabatten.
FAQ: Pinduoduo, Temu und die Quartalszahlen 2026
Wie viel Gewinn hat Pinduoduo im zweiten Quartal 2026 gemacht?
Pinduoduo erzielte im zweiten Quartal 2026 einen bereinigten Nettogewinn von 28,5 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 3,65 Milliarden Euro. Das sind 13 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, obwohl der Umsatz um 8 Prozent auf 112,4 Milliarden Yuan (rund 14,4 Milliarden Euro) stieg.
Gehört Temu zu Pinduoduo?
Ja. Temu ist die internationale Handelsplattform des Konzerns PDD Holdings, zu dem auch die chinesische App Pinduoduo gehört. Rechtlich firmiert Temu als WhaleCo. Das Auslandsgeschäft über Temu ist einer der Haupttreiber für die wachsenden Transaktionserlöse von Pinduoduo.
Warum sinkt der Gewinn von Pinduoduo trotz steigendem Umsatz?
Pinduoduo leitet einen großen Teil der Erlöse in Rabatte für Händler, in die Lieferketten und in die Auslandsexpansion mit Temu und drückt damit die Marge bewusst. Zusätzlich wachsen vor allem die kostenintensiven Transaktionserlöse, während die margenstarke Werbung im chinesischen Markt stagniert.
Was bedeutet Pinduoduos Strategie für Händler in Europa?
Solange Pinduoduo und Temu ihre niedrigen Preise über die eigene Marge subventionieren, bleibt der Preisdruck für europäische Onlinehändler hoch. Zugleich verschärft die EU die Regeln: Die geplante Abschaffung der Zollfreigrenze und die Aufsicht unter dem Digital Services Act erhöhen Temus Kosten und Pflichten.
Quelle
[1] PDD Holdings: „PDD Holdings Announces Second Quarter 2026 Unaudited Financial Results“
Umrechnungskurs: 1 Yuan = 0,128 Euro (Stichtag 24. August 2026).
Mehr Newshunger?
- Shein verliert den Copyright-Streit gegen Temu: Das Hosting-Privileg schützt den Marktplatz
- Ceconomy-Übernahme: Brüssel prüft JD.coms Subventionen bis zum 2. Oktober
- Shein steuert auf den Hongkong-Börsengang zu, doch der Gewinn fällt um 38 Prozent
- Youzan wächst mit weniger Händlern: Chinas Social-Commerce-Plattform vor dem KI-Umbau
- JD Logistics digitalisiert Uniqlos Weltlogistik und zielt dabei auf Europa