Die Zollrückerstattung aus den USA erreicht die deutsche Wirtschaft: Allein DHL bekommt 416 Millionen Euro zurück, Siemens Healthineers über 200 Millionen. Möglich macht die Rückzahlung ein Urteil des Obersten US-Gerichts, das Trumps Notstands-Zölle für rechtswidrig erklärte. Für Exporteure zählt jetzt, welche Zölle wirklich zurückfließen und welche bleiben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 790 Millionen Euro Zoll sind bereits an börsennotierte deutsche Konzerne zurückgeflossen, weitere Rückzahlungen folgen dieses Jahr. Auslöser war ein Richterspruch aus Washington, der die Grundlage für Trumps pauschale Einfuhrzölle wegräumte. Deutsche Entscheider mit US-Geschäft sollten den Fall genau prüfen, denn das Urteil verschiebt ihre Kostenbasis in beide Richtungen.
Das Wichtigste in Kürze
- DHL erhält 416 Millionen Euro zurück und will das Geld an seine Kunden weitergeben.
- Der Oberste US-Gerichtshof erklärte Trumps Notstands-Zölle am 20. Februar 2026 für rechtswidrig.
- Insgesamt erstatteten die USA zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 rund 65,5 Milliarden Euro.
- Zölle nach anderen Gesetzen, etwa auf Stahl und Solarprodukte, bleiben in Kraft.
Warum zahlen die USA überhaupt Zoll zurück?

Der Oberste US-Gerichtshof kippte am 20. Februar 2026 mit sechs zu drei Stimmen die Zölle, die Trump über ein Notstandsgesetz verhängt hatte. Die Richter urteilten, dass der International Emergency Economic Powers Act dem Präsidenten keine Zollhoheit gibt. Über Zölle entscheidet nach der US-Verfassung allein der Kongress.
Mit dem Spruch fiel die Rechtsgrundlage für die pauschalen Reziprok-Zölle sowie die Aufschläge gegen China, Kanada und Mexiko weg. Importeure können die gezahlten Abgaben über den US-Zoll und das Handelsgericht zurückfordern. Genau diesen Weg gehen jetzt die US-Töchter deutscher Konzerne.
Ein Gericht kann eine Zollpolitik über Nacht einkassieren, die Lieferkette eines Konzerns nicht. Für die Planung im US-Markt gehört diese Unsicherheit inzwischen als eigener Kostenblock in jede Kalkulation.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche deutschen Konzerne bekommen wie viel?
Den größten Betrag verbucht die DHL Group mit 416 Millionen Euro, Siemens Healthineers erhielt gut 200 Millionen zurück. Zusammen flossen an börsennotierte deutsche Unternehmen bereits rund 790 Millionen Euro.
DHL kündigte an, die Rückzahlung an seine Kunden weiterzugeben, weil die Logistikgruppe die Zölle beim Import ausgelegt hatte.[1] Weitere Konzerne rechnen laut Wirtschaftswoche noch dieses Jahr mit hohen Rückflüssen. Gemessen am Gesamtvolumen bleiben die deutschen Summen klein: Bis Ende Juni erstatteten die USA rund 65,5 Milliarden Euro, nach gut fünf Milliarden im Vorjahreszeitraum.
Was trotzdem bleibt
Zölle nach Abschnitt 232 auf Stahl, Aluminium, Autos und Solarprodukte stützen sich auf eine eigene Rechtsgrundlage und bleiben in Kraft.
Was bedeutet das Urteil für deutsche Exporteure?
Zurück fließen nur die Notstands-Zölle. Aufschläge nach Abschnitt 232 auf Stahl, Aluminium, Autos und zuletzt Solarprodukte bleiben in Kraft. Einen Teil der gekippten Abgaben ersetzte Trump zudem bereits über andere Gesetze.
Für deutsche Exporteure heißt das doppelte Buchführung: Die eine Zoll-Rechnung ist rückholbar, die andere nicht. Unternehmen, die Waren über eine US-Tochter einführen, sollten gezahlte Notstands-Zölle jetzt fristgerecht beim US-Zoll anmelden, bevor Nachweispflichten und Verjährung greifen.
Wie schnell sich Handelspolitik dreht, zeigt der Rückblick: adidas büßte im zweiten Quartal Gewinn durch US-Zölle ein, und beim Polysilizium schottet Washington den Markt gerade mit neuen Mindestpreisen ab. Auch die EU baut ihre Zollmauern aus, etwa gegen chinesische Plug-in-Hybride. Was beim grenzüberschreitenden Handel sonst gilt, ändert sich laufend, wie zuletzt das EU-Mexiko-Abkommen für Exporteure zeigte. Verlässlich kalkulieren lässt sich in diesem Umfeld nur mit einem laufend gepflegten Zoll-Register.
FAQ: US-Zölle und die Rückerstattung
Welche Zölle hat der US Supreme Court gekippt?
Der Supreme Court erklärte am 20. Februar 2026 die Zölle für rechtswidrig, die Präsident Trump über das Notstandsgesetz IEEPA verhängt hatte. Betroffen sind die pauschalen Reziprok-Zölle und die Aufschläge gegen China, Kanada und Mexiko. Sektorale Zölle nach anderen Gesetzen bleiben davon unberührt.
Können auch kleine Unternehmen US-Zölle zurückfordern?
Ja. Erstattungsberechtigt ist, wer die Abgaben als Importeur an den US-Zoll gezahlt hat, unabhängig von der Firmengröße. Deutsche Mittelständler mit einer US-Vertriebstochter stellen den Antrag über diese Gesellschaft. Ohne eigenen Import in die USA besteht dagegen kein direkter Anspruch.
Warum waren Trumps Notstands-Zölle rechtswidrig?
Der Supreme Court entschied mit sechs zu drei Stimmen, dass das Notstandsgesetz IEEPA dem Präsidenten keine Zollhoheit verleiht. Über Zölle entscheidet nach der US-Verfassung der Kongress. Trump habe seine Befugnisse überschritten, als er die Abgaben im Alleingang verhängte.
Wie viel Zoll haben die USA insgesamt erstattet?
Zwischen Oktober 2025 und Ende Juni 2026 zahlten die USA rund 65,5 Milliarden Euro an Zöllen zurück, nach gut fünf Milliarden im Vorjahreszeitraum. Auf börsennotierte deutsche Konzerne entfielen davon bereits etwa 790 Millionen Euro, mit weiter steigender Tendenz.
Quelle
[1] DHL Group: „DHL Group nutzt Wachstumschancen und steigert Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal deutlich“, Konzernergebnisse H1 2026, group.dhl.com
Mehr Newshunger?
- Intel-Staatsanteil vor Gericht: Washington tauschte seine Auflagen gegen Aktien
- Shein-Börsengang: Wie das Ende der Zollfreigrenze die Bewertung halbiert
- BYD baut sein erstes Auto in Brasilien: ein Ethanol-Hybrid gegen die Importzölle
- Waymo importiert 3.200 Zeekr-Robotaxis trotz 102 Prozent Strafzoll
- Kann die EU im Handelskrieg mit China bestehen?