BYD baut sein erstes Auto in Brasilien, ausgerechnet keinen reinen Stromer. Der Song Pro Super Híbrido lief am 4. August 2026 im Werk Camaçari im Bundesstaat Bahia vom Band und fährt wahlweise mit Benzin, Ethanol oder Strom. Hinter dieser Antriebswahl steckt eine kühle Rechnung gegen den brasilianischen Importzoll.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- BYD produziert den Song Pro als Plug-in-Hybrid mit Flex-Motor für Benzin, Ethanol und Strom, gebaut im brasilianischen Werk Camaçari.
- Brasiliens Importzoll auf E-Autos und Hybride steigt bis Juli 2026 auf 35 Prozent, ab 1. Januar 2027 müssen die Fahrzeuge zur Hälfte aus lokalen Teilen bestehen.
- In Europa machte dieselbe Hybrid-Strategie BYD im Mai 2026 zur meistverkauften Plug-in-Marke Deutschlands, weil die EU-Sonderzölle nur reine Stromer treffen.
- Die EU-Kommission will diese Lücke seit Juni 2026 schließen, BYDs Gegenzug ist ein eigenes Werk im ungarischen Szeged.
Was rollt in Camaçari vom Band?

Der Song Pro Super Híbrido ist BYDs erstes vollständig in Brasilien montiertes Modell.[1] Das Werk in Camaçari, ein früheres Ford-Gelände, fasst zunächst 150.000 Fahrzeuge im Jahr und soll auf 300.000 wachsen. Der Antrieb koppelt einen Elektromotor an einen Verbrenner für Benzin oder Ethanol. So kommt der Wagen auf gut 1.100 Kilometer Gesamtreichweite, rein elektrisch je nach Version auf 60 bis 120 Kilometer. Damit bedient BYD einen Markt, auf dem chinesische Anbieter gerade Absatzrekorde brechen.
Warum ein Ethanol-Hybrid statt eines Stromers?
Die Antriebswahl folgt Brasiliens Zollplan und der lokalen Infrastruktur. Der progressive Einfuhrzoll auf importierte E-Autos und Hybride klettert bis Juli 2026 auf 35 Prozent, ab dem 1. Januar 2027 müssen brasilianische BYD-Fahrzeuge zur Hälfte aus heimischen Teilen bestehen. Lokale Montage umgeht diesen Aufschlag, weshalb BYD 5,5 Milliarden Real, umgerechnet rund 930 Millionen Euro (Kurs vom 5. August 2026), in drei Werke gesteckt hat.
Der Flex-Motor wiederum passt zu einem Land mit dichtem Ethanol-Netz und dünner Ladeinfrastruktur. Ein Plug-in-Hybrid nimmt Käufern die Reichweitenangst, ohne dass ein flächendeckendes Schnellladenetz nötig wäre.
BYD verlagert die Fabrik ans Verkaufsziel und macht jeden Importzoll zur Randnotiz. In Brasilien probt der Konzern die Vorlage, die er in Ungarn längst auf Europa anwendet.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet BYDs Zoll-Strategie für Europa?
Europa erlebt dieselbe Vorlage bereits. Die EU-Sonderzölle gegen chinesische Stromer, bei BYD 17 Prozent zusätzlich und damit 27 Prozent insgesamt, gelten nur für reine Elektroautos.[2] Plug-in-Hybride blieben außen vor, und genau diese Lücke nutzte BYD: Im Mai 2026 wurde die Marke mit 4.290 Neuzulassungen erstmals Deutschlands meistverkaufter Plug-in-Anbieter. Seit Juni 2026 arbeitet die EU-Kommission daran, auch chinesische Hybride mit Ausgleichszöllen zu belegen.
BYDs Antwort läuft schon. Das Vier-Milliarden-Euro-Werk im ungarischen Szeged geht 2026 in Serie, so wie zuvor Geely mit Ford in Valencia im Zollgebiet fertigt. Für die deutschen Hersteller heißt das, dass Zölle einen Rivalen nur so lange bremsen, bis er im eigenen Zollgebiet montiert. Ein Blick auf die Hybrid-Modelle, die BYD in Europa noch ohne Ausgleichszoll anbietet, lohnt sich vor allem für Flottenplaner, bevor die neue Regel greift.
Quellen
[1] BYD do Brasil: „BYD inaugura em Camaçari a maior fábrica de veículos elétricos da América Latina“
[2] Europäische Kommission: „EU imposes duties on unfairly subsidised electric vehicles from China“
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