EWE macht die erste seiner sieben Salzkavernen in Huntorf wasserstofftauglich und holt sich dafür Bilfinger an Bord. Der Industriedienstleister liefert die Trocknungsanlage, die den eingelagerten Wasserstoff überhaupt erst netzfähig macht. Für Bilfinger ist der Auftrag zugleich die erste kommerzielle Bewährungsprobe der eigenen H2Dry-Technik.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Wasserstoffspeicher Huntorf bekommt seine erste eigene Aufbereitungsanlage. EWE hat Bilfinger mit Planung, Aufbau und Inbetriebnahme einer Gaskonditionierung beauftragt. Rund 16 Millionen Normkubikmeter Wasserstoff soll die umgerüstete Kaverne im niedersächsischen Wesermarsch künftig fassen, ein- und ausgespeichert mit bis zu 35.000 Normkubikmetern pro Stunde. Das eigentliche Nadelöhr steckt aber nicht im Hohlraum unter Tage, sondern in der Technik davor.
- EWE rüstet in Huntorf eine von sieben Salzkavernen auf Wasserstoff um, Bilfinger liefert die passende Trocknungsanlage.
- Bilfinger setzt dort seine H2Dry-Technik erstmals im kommerziellen Maßstab ein.
- Der Speicher fasst rund 16 Millionen Normkubikmeter Wasserstoff und geht 2028 ans Wasserstoff-Kernnetz.
- Ohne getrockneten Wasserstoff bleibt selbst die größte Kaverne für das Netz wertlos.
Warum muss der Wasserstoff aus der Kaverne erst trocknen?

In einer Salzkaverne lagert Wasserstoff unter hohem Druck in einem ausgesolten Hohlraum. Beim Ausspeichern nimmt das Gas Restfeuchte aus der Salzsole mit. Feuchter Wasserstoff greift Stahlleitungen an und lässt in Verdichtern Ablagerungen entstehen, deshalb muss der Taupunkt vor der Einspeisung stark sinken.
Genau diese Gaskonditionierung übernimmt Bilfinger mit der Adsorptionstechnik H2Dry, die in Huntorf erstmals im kommerziellen Maßstab läuft. „Mit H2Dry bieten wir effiziente und wirtschaftliche Aufbereitungslösungen“, sagt Ulrich Trebbe, Product Manager Hydrogen bei Bilfinger.[1] Zuvor hatte der Konzern die Technik nur im Forschungsspeicher Rüdersdorf erprobt.
Was bringt Bilfinger der Umbau zum Energiewende-Dienstleister?
Für Bilfinger kommt der Auftrag zur rechten Zeit. Erst Mitte September hat der Konzern einen weiteren Stellenabbau angekündigt und richtet sein Geschäft härter auf die Energie- und Prozessindustrie aus. Huntorf ist die erste Referenz, an der die selbst entwickelte Trocknungstechnik im Echtbetrieb liefern muss.
Anlagenbauer verdienen an der Wasserstoffwirtschaft oft früher als die späteren Gasverkäufer. Friedrich Vorwerk verlegt die Pipelines des Kernnetzes, und Wacker sichert sich lieber Transportkapazität, statt selbst zu produzieren. In diese Reihe stellt sich Bilfinger mit der Speicheraufbereitung.
Nicht die spektakuläre Elektrolyse entscheidet über den Wasserstoff-Hochlauf, sondern die unscheinbare Trocknungsanlage dahinter. Bilfinger sichert sich mit Huntorf die Referenz für die vielen Kavernen, die noch folgen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie passt Huntorf ins Wasserstoff-Kernnetz?
Die umgerüstete Kaverne soll 2028 ans Wasserstoff-Kernnetz gehen. Dieses Netz hat die Bundesnetzagentur im Oktober 2024 genehmigt, mit 9.040 Kilometern Leitung und rund 18,9 Milliarden Euro Investition bis 2032.[2] Rund 60 Prozent der Strecke entstehen aus umgewidmeten Erdgasleitungen, der Rest kommt neu hinzu.
Ohne große Speicher bleibt das Kernnetz ein Rohr ohne Puffer, denn Ökostrom und damit grüner Wasserstoff fallen unregelmäßig an. Huntorf gehört zum Projekt Clean Hydrogen Coastline, mit dem EWE Erzeugung, Speicherung und Transport im Nordwesten verzahnt. Industriekunden mit eigenen Wasserstoffplänen rechnen dort besser mit 2028 als frühestem Starttermin, denn der Netzausbau bleibt der eigentliche Engpass.
Was baut Bilfinger für den Wasserstoffspeicher Huntorf?
Bilfinger liefert die Gaskonditionierung, also die Trocknungsanlage, die den gespeicherten Wasserstoff vor der Einspeisung ins Netz entfeuchtet. Der Konzern übernimmt Planung, Aufbau und Inbetriebnahme und setzt dort erstmals seine H2Dry-Technik im kommerziellen Maßstab ein.
Warum muss gespeicherter Wasserstoff getrocknet werden?
Beim Ausspeichern aus der Salzkaverne nimmt der Wasserstoff Restfeuchte auf. Feuchtes Gas greift Stahlleitungen an und stört Verdichter. Vor der Einspeisung ins Wasserstoff-Kernnetz senkt eine Trocknungsanlage den Taupunkt deshalb stark ab.
Wann geht der Wasserstoffspeicher Huntorf ans Netz?
EWE plant den Anschluss der umgerüsteten Kaverne an das Wasserstoff-Kernnetz für 2028. Huntorf ist der zweite Erdgasspeicher, den EWE auf Wasserstoff umstellt, und gehört zum Projekt Clean Hydrogen Coastline.
Quellen
[1] EWE: „EWE beauftragt Bilfinger für H2-Aufbereitung in Huntorf“
[2] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur genehmigt Wasserstoff-Kernnetz“
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