Apple füllt die iPhone-Einstellungen in iOS 27 mit Werbung für die eigenen Dienste. Betroffene berichten von einem roten Benachrichtigungspunkt auf dem Einstellungs-Symbol, der erst nach der Buchung des Abos oder nach Wochen verschwindet. Hinter dem Ärger steckt eine klare Geschäftsrechnung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWerbung in iOS trifft viele Nutzer an einer sensiblen Stelle: mitten im Systemmenü, das bisher als werbefreie Zone galt. Apple bewirbt dort iCloud+, Apple Music, Apple TV+ und die Garantieverlängerung AppleCare+. Was nach einem Detail klingt, verrät die strategische Richtung des Konzerns.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple blendet in iOS 27 Werbehinweise für iCloud+, Apple Music, Apple TV+ und AppleCare+ direkt in die Einstellungen ein.
- Manche Hinweise tragen einen roten Punkt auf dem App-Symbol, der sich nur durch Ablauf des Angebots oder einen Abschluss entfernen lässt.
- Treiber ist das Dienstegeschäft mit zuletzt 26,7 Milliarden Euro Quartalsumsatz.
- Für die EU rückt das Thema in Richtung Digital Fairness Act, der manipulatives Interface-Design ab 2026 stärker reguliert.
Was zeigt Apple jetzt in den iPhone-Einstellungen?

Die Einstellungen von iOS 27 zeigen seit Kurzem Werbekacheln für Apples Bezahldienste. Neben iCloud+ und Probeabos für Apple Music und Apple TV+ taucht die Garantieverlängerung AppleCare+ auf. Ein Abschalter fehlt an vielen Stellen, und ein „Nicht mehr anzeigen“ bleibt laut zahlreichen Nutzerberichten wirkungslos.
Besonders hartnäckig sitzt der Hinweispunkt am Einstellungs-Symbol. Der rote Marker signalisiert sonst wichtige Systemmeldungen, hier bewirbt er ein Abo und verschwindet erst nach dem Abschluss oder nach Wochen. Manche Betroffene berichten, der Apple-Support habe das Verhalten als bekannten Fehler eingestuft.
Warum macht Apple aus iOS eine Werbefläche?
Der Grund liegt im Dienstegeschäft. Im dritten Geschäftsquartal 2026 setzte Apple damit 26,7 Milliarden Euro um, ein Plus von 12 Prozent und das zwölfte Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum.[1] Während der iPhone-Markt kaum noch wächst, monetarisiert Apple die riesige installierte Basis über Abos, Provisionen und eigene Werbung.
Die Einstellungen sind dafür die letzte unberührte Fläche. Apple verlangt bereits 15 Prozent Provision auf Käufe, die aus Apps herausführen, und baut ein eigenes Anzeigengeschäft im App Store aus. Neu ist allein die Aggressivität der Platzierung.
Das Muster selbst kennt die Branche schon. Der Sperrbildschirm des Handyherstellers Honor zeigte Werbung mit einem gut versteckten Aus-Schalter. Bereits 2021 kritisierte Epic-Chef Tim Sweeney, dass Apple in den iPhone-Einstellungen die eigenen Dienste bewirbt.
Apple hat sein Betriebssystem jahrelang als werbefreie Zone verkauft und macht die Einstellungen jetzt zur Dauer-Anzeigefläche für eigene Abos. Der rote Hinweispunkt, der erst beim Abschluss verschwindet, ist kein Zufall, sondern Wachstumsmechanik.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Apples iOS-Werbung für EU-Unternehmen?
In der EU trifft die Praxis auf mehrere Hebel. Der Digital Markets Act verbietet Gatekeepern die Selbstbevorzugung eigener Dienste, und der Digital Services Act nimmt manipulatives Design ins Visier. Gegen Instagram und Facebook läuft bereits ein Verfahren wegen süchtig machender Gestaltung.
Die EU-Kommission stufte schon 2022 solche Muster als Massenphänomen ein: 97 Prozent der beliebtesten Websites und Apps setzten mindestens ein Dark Pattern ein.[2] Der geplante Digital Fairness Act, dessen Entwurf für das vierte Quartal 2026 erwartet wird, nimmt genau das wiederholte Nachfragen nach einer bereits abgelehnten Option ins Visier.
Unternehmen mit iPhone-Flotten stehen vor zwei Aufgaben. In der Geräteverwaltung lassen sich viele Apple-Dienste zentral sperren, und die personalisierte Apple-Werbung schalten Sie unter Einstellungen, Datenschutz und Apple Werbung ab. Apple hatte die Tracking-Abfrage in iOS schon nach einem Verfahren des Bundeskartellamts angepasst, ein Zeichen dafür, dass regulatorischer Druck wirkt.
Warum die iPhone-Einstellungen zur Anzeigefläche werden.
So schalten Sie die personalisierte Werbung ab
Öffnen Sie Einstellungen, dann Datenschutz & Sicherheit und Apple Werbung, und deaktivieren Sie den Schalter für personalisierte Werbung. Die Abo-Hinweise selbst verschwinden erst nach Ablauf des Angebots oder nach einem Abschluss.
Als Gestalter eigener Produkte verstehen Sie den Apple-Fall am besten als Warnung. Ein nicht abschaltbarer Werbehinweis bringt kurzfristig ein paar Abschlüsse mehr, beschädigt aber das Vertrauen und zieht die EU-Aufsicht an.
Wie schalten Sie die Werbung in den iPhone-Einstellungen ab?
Öffnen Sie Einstellungen, dann Datenschutz & Sicherheit und Apple Werbung, und deaktivieren Sie den Schalter für personalisierte Werbung. Die Abo-Hinweise selbst lassen sich nur teilweise entfernen: Manche verschwinden erst nach Ablauf des Angebots oder nach einem Abschluss.
Warum blendet Apple Werbung in iOS ein?
Apple wächst kaum noch über iPhone-Verkäufe und monetarisiert stattdessen die installierte Basis. Das Dienstegeschäft brachte zuletzt 26,7 Milliarden Euro Quartalsumsatz mit 12 Prozent Wachstum. Die Einstellungen sind eine der letzten werbefreien Flächen im System.
Ist Werbung im Betriebssystem in der EU erlaubt?
Werbung an sich ist erlaubt, doch der Digital Markets Act und der Digital Services Act begrenzen Selbstbevorzugung und manipulatives Design. Der geplante Digital Fairness Act soll ab 2026 gegen Muster wie das wiederholte Nachfragen nach einer abgelehnten Option vorgehen.
Quellen
[1] Apple: „Apple reports third quarter results“
[2] Europäische Kommission: „Behavioural study on unfair commercial practices in the digital environment: dark patterns and manipulative personalisation“
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