Die Baumarktkette toom stellt ihr Order-Management für Onlinebestellungen auf die Software von fulfillmenttools um. Beide Unternehmen gehören zur Rewe Group, die das Projekt am 24. September vorstellte.[1] Das System berechnet künftig, ob ein Paket aus dem Fulfillment-Center, aus einem der sogenannten Distributionsmärkte oder von einem Dropshipping-Partner kommt. Starten soll die Umstellung an einem einzigen Standort.

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Für Heimwerker beginnt ein Samstagsprojekt oft schon am Freitagabend im Onlineshop: Liegen die zehn Säcke Fliesenkleber tatsächlich im Markt um die Ecke? toom stellt genau diese Frage nach den verfügbaren Beständen in den Mittelpunkt der Umstellung. Den Versand direkt aus den rund 300 Märkten, im Handel Ship-from-Store genannt, kündigt die Kette erst für einen späteren Schritt an.

Das Wichtigste in Kürze

  • toom führt das „Agentic Order Management System“ ein, das die Rewe-digital-Ausgründung fulfillmenttools entwickelt hat.
  • Über den Erfolg entscheidet der Filialbestand: In einer US-Studie waren 65 Prozent der Bestandsangaben ungenau.
  • Der Rollout beginnt an einem Standort, eine Pilotphase soll danach wenige weitere Standorte anbinden.
  • Details wollen toom und fulfillmenttools am 30. September auf der Veranstaltung Retail NXT in Bad Vilbel zeigen.

Was steuert das neue System bei toom?

Pappkarton und Beutel mit der Aufschrift „Fliesenkleber“ auf hellem Podest
toom nutzt neue Plattform für flexible Zuordnung von Abholreservierungen und Versandbestellungen zu verfügbaren Beständen. Software wählt optimal zwischen Versandwegen

Bisher verteilte toom Onlinebestellungen laut Rewe Group nach starren Versandregeln. Die neue Plattform ordnet Abholreservierungen (Click & Reserve) und Versandbestellungen (Click & Deliver) den tatsächlich verfügbaren Beständen zu. Für den Versand wählt die Software zwischen den drei genannten Versandwegen, zugleich sollen die Versandkosten sinken.[1] Cordula Mehler, Head of Omnichannel Commerce & Digital Services bei toom, will die bestehenden Services damit „schrittweise um weitere Fulfillment-Modelle wie Ship-from-Store erweitern“.

fulfillmenttools vermarktet das Produkt als Agentic Order Management: Eine KI soll selbstständig den besten Versandort auswählen und Bestände überwachen. Hinter dem Etikett steckt ein Rechenproblem mit vielen gewichteten Faktoren. Beim Blumenhändler BLUME2000, ebenfalls Kunde von fulfillmenttools, prüft das System laut Rewe Group für jeden Strauß die Verfügbarkeit, den Wohnort der Empfängerin, die Personalkapazität, die Abholzeiten des Paketdienstes und wie lange der Strauß im Paket bleiben darf.[2]

Warum entscheidet der Regalbestand über Ship-from-Store?

Jede Routing-Entscheidung beruht auf dem Systembestand, also auf der Menge, die die Warenwirtschaft für einen Markt ausweist. In einer viel zitierten Untersuchung von Ananth Raman, Nicole DeHoratius und Zeynep Ton waren bei einer US-Handelskette 65 Prozent der Bestandsangaben ungenau. Das Auburn RFID Lab führt den Befund in einer eigenen Analyse an.[3]

Ungenaue Bestände haben für den Versand aus dem Markt handfeste Folgen. Leitet das System eine Bestellung in eine Filiale mit leerem Regal, sucht dort ein Mitarbeiter vergeblich, und der Auftrag muss neu verteilt oder storniert werden. Bei sperriger Baumarktware wie Sackware oder Holz kostet jeder Umweg zusätzliche Fracht. Der vorsichtige Start mit einem einzigen Standort passt zu diesem Risiko.

Ein Order-Management verteilt Bestellungen nur so gut, wie der Filialbestand im System stimmt. Vor der KI kommt deshalb die Inventur.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
toom und fulfillmenttools in Zahlen
Der Versand aus dem Markt steht und fällt mit dem Filialbestand
rund 300
Märkte von toom Baumarkt, B1 Discount Baumarkt und Klee Gartenfachmarkt
1 Standort
zum Start des neuen Order-Managements, danach folgt ein Pilot an wenigen weiteren Standorten
65 %
der Bestandsangaben waren in einer Filialstudie bei einer US-Handelskette ungenau
rund 3 Mrd. €
Bruttoumsatz erzielt toom mit 18.000 Beschäftigten

Was lernen Händler im DACH-Raum aus dem Projekt?

Für fulfillmenttools ist toom ein Kunde aus dem eigenen Konzern. Rewe digital lässt parallel KI-Agenten an Warenwirtschaft und Logistik heran. Seit Anfang September vermarktet die Rewe Group toom als Werbefläche. Die Konkurrenz sucht andere Wege ins Netz: Hornbach verkauft zusätzlich über den Marktplatz Galaxus.

Händler mit Filialen und Onlineshop sollten vor einem eigenen Ship-from-Store-Projekt zuerst den Regalbestand prüfen. Messen Sie gerne per Stichprobe, wie oft Systembestand und Regal in Ihren Märkten übereinstimmen, und zeigen Sie online erst ab einer Mindestmenge „vorrätig“ an. Ob Ihr Shop Bestände je Filiale überhaupt ausspielen kann, klärt ein Blick in unseren Vergleich der Shopsysteme. Der Grundsatzfrage geht unser Beitrag nach, ob der stationäre Handel noch einen eigenen Onlineshop braucht.

Quellen

[1] Rewe Group: „Aus der REWE Group für Kund:innen: toom Baumarkt und fulfillmenttools schaffen die Grundlage für flexible Omnichannel-Services“, Pressemitteilung (24.09.2026)

[2] Rewe Group: „Zwei Jahre technologische Partnerschaft: So meistert BLUME2000 den Muttertags-Peak mit fulfillmenttools“, Pressemitteilung (04.05.2026)

[3] Auburn RFID Lab: „Does RFID Improve Inventory Accuracy? A Preliminary Analysis“ (PDF)

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