Marks & Spencer betreibt für sein Europageschäft keine eigene Lieferlogistik mehr, sondern bucht Zalandos B2B-Plattform ZEOS in 22 Märkten. Der Modehändler will damit bis zu 50 Prozent Logistikkosten sparen und in Deutschland, Frankreich und Spanien schneller liefern. Für Zalando wird aus dem eigenen Paketnetz eine zweite Einnahmequelle.

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Zalandos Logistikplattform ZEOS übernimmt jetzt das komplette Direktkundengeschäft von Marks & Spencer auf dem europäischen Festland. Aus einer Marktplatz-Kooperation von 2022 wird damit eine tiefe Infrastruktur-Ehe, in der ein Modehändler die Paketabwicklung eines künftigen Rivalen mietet.

Das Wichtigste in Kürze

  • ZEOS wickelt das Online-Direktgeschäft von Marks & Spencer in 22 europäischen Märkten ab, darunter Deutschland, Frankreich und Spanien.
  • Marks & Spencer erwartet bis zu 30 Prozent mehr Umsatz und bis zu 50 Prozent niedrigere Logistikkosten.
  • Für Zalando füllt fremde Ware das Netz aus 12 Logistikzentren und macht die B2B-Sparte zum Wachstumstreiber.

Was steckt hinter dem ZEOS-Deal mit Marks & Spencer?

Draufsicht einer Holzkiste mit beschriftetem Paket und Etikett auf weißem Grund
Marks & Spencer nutzt Zalandos B2B-Plattform ZEOS für Bestellungen, Lagerung und Retouren in 22 europäischen Märkten. Der Warenaustausch erfolgt über Zalandos Logistiknetzwerk mit 12 Zentren und 40 Transportpartnern

Marks & Spencer gibt die eigene Europa-Logistik ab und lässt Bestellungen, Lager und Retouren über Zalandos B2B-Plattform ZEOS laufen. Beide Konzerne kündigten die Ausweitung im November 2025 an, jetzt geht sie in 22 Märkten live. Kern ist ein gemeinsamer Warenpool: Marks & Spencer legt den Bestand in Zalandos Netz aus 12 Logistikzentren, rund 20 Retourenzentren und über 40 lokalen Transportpartnern ab.[1]

Der Mechanismus ist eine klassische Auslastungsrechnung. Statt in jedem Land eigene Lager und Verträge zu unterhalten, mietet Marks & Spencer eine fertige Infrastruktur und zahlt nur für die genutzte Kapazität. Zalando verspricht dadurch bis zu 30 Prozent mehr Online-Umsatz, bis zu 50 Prozent geringere Logistikkosten und zwei bis drei Tage kürzere Lieferzeiten.[1]

Wie macht Zalando aus der eigenen Logistik ein Geschäft?

Zalando verkauft sein über Jahre gebautes Versandnetz jetzt als Dienstleistung an fremde Händler und verwandelt hohe Fixkosten in eine Einnahmequelle. ZEOS bildet zusammen mit der Shop-Software SCAYLE und dem Marktplatz-Anschluss Tradebyte ein Betriebssystem für den Handel, das mehr als 1.200 Händler nutzen und über das rund 11 Milliarden Euro Warenwert laufen.[2]

Der Fall Marks & Spencer ist kein Einzelstück. Schon 2025 steigerte der britische Händler Next über ZEOS seinen internationalen Online-Umsatz um 33 Prozent und senkte die Fulfillment-Kosten.[2] Für Zalando ist das die europäische Antwort auf Amazons Logistik-Vermietung: Eine teure Paketmaschine rechnet sich erst, wenn sie fremde Ware mit auslastet. Parallel schließt der Konzern eigene Standorte wie das Logistikzentrum in Erfurt und bucht flexible Fremdlager bis 2030, um das Netz umzubauen.

Zalando verkauft nicht mehr nur Mode, sondern die Maschinerie dahinter. Marks & Spencer spart damit Kosten, doch die Kontrolle über Lager, Retouren und Kundendaten wandert zum künftigen Konkurrenten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zalando ZEOS: Was der Marks-&-Spencer-Deal bringt
Marks & Spencer lagert das Online-Fulfillment auf Zalandos B2B-Plattform aus
22
europäische Märkte, darunter Deutschland, Frankreich und Spanien
bis 50 %
geringere Logistikkosten für Marks & Spencer
bis 30 %
erwartetes Plus beim Online-Umsatz
2–3 Tage
kürzere Lieferzeiten im Direktvertrieb

Das ZEOS-Netz, das M&S jetzt mitnutzt

12
Logistikzentren
rund 20
Retourenzentren
40+
lokale Transportpartner

Was bedeutet die Plattform-Logistik für deutsche Händler?

Für kleine und mittlere Online-Händler senkt die Plattform-Logistik die Hürde für den europaweiten Versand, schafft aber eine neue Abhängigkeit von einem oft konkurrierenden Anbieter. Mit der Abgabe von Lager, Retouren und Versanddaten an Zalando, Amazon oder einen anderen Betreiber gewinnen Händler Reichweite und verlieren zugleich Einblick in die eigene Lieferkette.

Die Abhängigkeit von einer großen Plattform ist kein neues Muster; Gründer, die ganz auf Amazon setzen, kennen den Zielkonflikt aus Reichweite und Kontrolle. Zugleich zeigt der Copyright-Streit zwischen Shein und Temu, wie viel Marktmacht in der Infrastruktur eines Marktplatzes steckt. Entscheidend ist der Datenpunkt: Bestell- und Retourendaten liegen künftig beim Plattformbetreiber, der oft selbst im selben Markt verkauft. Der EU Data Act, seit 12. September 2025 anwendbar, gibt Nutzern zwar ein Recht auf ihre Betriebsdaten und auf einen Anbieterwechsel, die Umsetzung im Vertrag bleibt aber Handarbeit.

Drei Vorkehrungen gehören deshalb vor jede Fulfillment-Partnerschaft: eine klare Regelung, wem die Kundendaten gehören, eine Ausstiegsklausel mit vollständigem Datenexport und ein zweiter Logistikweg für den Ernstfall. So bleibt der Kostenvorteil erhalten, ohne dass die Kontrolle über das eigene Geschäft leise zum Dienstleister übergeht.

FAQ: Zalando ZEOS und Marks & Spencer

Was ist Zalando ZEOS?

ZEOS ist die B2B-Logistiksparte von Zalando und stellt anderen Händlern das europaweite Versand- und Retourennetz als Dienstleistung bereit, inklusive Lagerhaltung, Auftragsabwicklung und Retourenmanagement über einen gemeinsamen Warenpool.

In welchen Ländern wickelt ZEOS das Geschäft von Marks & Spencer ab?

ZEOS übernimmt das Online-Direktgeschäft von Marks & Spencer in 22 europäischen Märkten, darunter Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Spanien. Der britische Heimatmarkt bleibt davon unberührt.

Zieht sich Marks & Spencer aus Europa zurück?

Nein. Marks & Spencer baut das Europageschäft aus, statt sich zurückzuziehen. Der Händler verlagert nur die Logistik auf Zalandos Plattform ZEOS, um Kosten zu senken und schneller zu liefern. Verkauf, Sortiment und Kundenbeziehung bleiben bei Marks & Spencer.

Was bringt die Fulfillment-Partnerschaft Zalando?

Zalando lastet sein teures Logistiknetz mit fremder Ware aus und macht aus Fixkosten eine Einnahmequelle. Die B2B-Sparte mit ZEOS, SCAYLE und Tradebyte bedient mehr als 1.200 Händler und wächst schneller als das eigene Modegeschäft.

Quellen

[1] Marks & Spencer: „Marks & Spencer Expands Partnership With Zalando To Scale Online Business In Europe“

[2] Zalando SE: „The evolution of our B2B growth engine“

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