Second Hand gilt als der grüne Ausweg aus der Fast-Fashion-Falle, und die Zahlen wirken eindeutig: Vinted allein handelte 2025 Waren im Wert von 10,8 Milliarden Euro. Doch eine neue Studie mit gut 1.000 Käuferinnen und Käufern legt ein unbequemes Muster hinter dem guten Gewissen frei. Ob sich der Gebrauchtkauf am Ende ökologisch und finanziell auszahlt, hängt an einer einzigen Bedingung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Kleiderschrank quillt über, das Gewissen mahnt, und Gebrauchtes verspricht beides zugleich zu lösen: Stil und Nachhaltigkeit. Genau an diesem Versprechen setzen die folgenden Kapitel an und trennen den messbaren Nutzen vom bloßen Marketing-Etikett.
Das Wichtigste in Kürze
- Marktboom: Der globale Gebrauchtmarkt für Mode wächst laut ThredUp rund doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt und erreicht bis 2029 umgerechnet gut 320 Milliarden Euro.
- Ökobilanz mit Bedingung: Ein gebraucht gekauftes Kleidungsstück spart Ressourcen nur, sofern der Kauf einen Neukauf ersetzt statt ihn zu ergänzen.
- Rebound-Falle: Eine Studie in Scientific Reports belegt für 2025, dass Secondhand-Käufe den Neukauf häufig nicht verdrängen, sondern zusätzlich befeuern.
- Preis-Realität: Gefragte Marken und kuratierte Vintage-Stücke kosten gebraucht oft mehr als vergleichbare Neuware, günstig bleibt vor allem schlichte Massenware.
Was steckt hinter dem Second-Hand-Boom?

Hinter dem Boom steht ein Milliardenmarkt: Der Gebrauchthandel mit Mode professionalisiert sich rasant, angetrieben von Plattformen wie Vinted und einer Generation, die Kleidung zunehmend als Ware mit Wiederverkaufswert begreift.
Der deutsche Markt für Secondhand-Mode zeigt die Wucht der Bewegung. Die Beratungsgesellschaft PwC beziffert sein Volumen für 2022 auf rund 3,5 Milliarden Euro und erwartet einen Anstieg auf fünf bis sechs Milliarden Euro bis 2025. Über den gesamten Gebrauchtwarenhandel hinweg gaben die Deutschen 2022 sogar knapp 14,8 Milliarden Euro aus.
Den Takt gibt dabei eine einzige Plattform vor. Vinted handelte 2025 Waren im Wert von 10,8 Milliarden Euro, ein Plus von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und erwirtschaftete daraus 1,1 Milliarden Euro Umsatz. Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 62 Millionen Euro, den der Konzern bewusst niedrig hielt, um in Logistik und Bezahldienste zu investieren.
International läuft dieselbe Entwicklung. Der Resale-Report des Wiederverkäufers ThredUp und des Datendienstes GlobalData sieht den weltweiten Gebrauchtmarkt für Bekleidung rund doppelt so schnell wachsen wie den klassischen Modehandel; bis 2029 soll sein Volumen auf umgerechnet gut 320 Milliarden Euro klettern. Wachstum dieser Größenordnung zieht längst die Konzerne an, die der Markt eigentlich herausfordert: Zalando, H&M und Otto betreiben inzwischen eigene Gebrauchtsegmente.
Drei Kräfte treiben den Boom zugleich. Die Inflation der vergangenen Jahre schärfte das Preisbewusstsein, eine jüngere Generation begreift Kleidung als Ware mit Restwert, und der Handel per App macht den Weiterverkauf so bequem wie eine Bestellung. In den USA legte der Gebrauchtmarkt für Mode 2024 laut ThredUp um 14 Prozent zu, der reine Onlinehandel mit gebrauchter Kleidung sogar um 23 Prozent. Der klassische Modehandel wuchs im selben Zeitraum nur einen Bruchteil so schnell.
Der Wandel reicht tiefer als die Umsatzkurve. Kleidung gilt zunehmend als Anlage auf Zeit, gekauft, getragen und später weiterverkauft. Diese Denkweise verändert schon den Neukauf: Marke, Zustand und späterer Wiederverkaufswert fließen in die Entscheidung ein, lange bevor ein Stück überhaupt getragen wird.
Mit der Größe wachsen die Zweifel. Kritiker fragen, ob ein Milliardenmarkt den ursprünglichen Zweck noch erfüllt oder längst dieselbe Wegwerf-Logik bedient wie die Neuware, die er eigentlich ersetzen soll. Genau an dieser Nahtstelle entscheidet sich, ob Gebrauchtmode Teil der Lösung bleibt oder zum grünen Feigenblatt wird.
Der Gebrauchthandel mit Mode ist vom Nischenmarkt zum Milliardengeschäft gereift. Genau diese Professionalisierung wirft die Frage auf, ob der ökologische Gründungsgedanke die Skalierung überlebt.
Ist Second Hand ökologisch wirklich besser?

Im direkten Vergleich ja: Jedes weitergetragene Kleidungsstück erspart der Umwelt eine komplette Neuproduktion. Der Haken liegt nicht im einzelnen Stück, sondern in der Menge, die wir insgesamt konsumieren.
Die Umweltbilanz der Modebranche ist erdrückend. Die Europäische Umweltagentur zählt den Textilkonsum der EU zu den fünf Konsumbereichen mit der höchsten Umweltbelastung; bei Wasser- und Landverbrauch rangiert er sogar auf Platz drei. Pro Kopf verschlang der Textilkonsum 2020 rund 391 Kilogramm Rohstoffe, 400 Quadratmeter Land und 9 Kubikmeter Wasser.
Am Ende des Lebenszyklus türmt sich der Müll. Nach Zahlen des Europäischen Parlaments zu Fast Fashion fallen in der EU jährlich 12,6 Millionen Tonnen Textilabfall an, allein 5,2 Millionen Tonnen davon aus Kleidung und Schuhen, umgerechnet 12 Kilogramm pro Person. Weniger als ein Prozent aller Textilien weltweit wandert am Ende zurück in neue Produkte.
Ein einziges Baumwoll-T-Shirt verschlingt in der Herstellung mehrere tausend Liter Wasser, vom Feld über die Färberei bis zur Näherei. Jeder vermiedene Neukauf spart genau diese Bilanz, sofern das gebrauchte Stück wirklich an die Stelle eines neuen tritt.
| Ökologischer Rucksack pro Kopf und Jahr (EU, 2020) | Menge |
|---|---|
| Rohstoffe (Öl, Erdgas, Baumwollfasern) | 391 kg |
| Landnutzung | 400 m² |
| Wasserverbrauch | 9 m³ |
| CO2-Fußabdruck | rund 270 kg |
Jeder zusätzliche Tragezyklus entlastet genau diese Bilanz. Ein zweites, drittes oder viertes Leben für eine Jeans verteilt deren ökologischen Rucksack auf mehr Schultern und verschiebt den nächsten Neukauf nach hinten. Denselben Hebel der längeren Nutzung setzt auch das neue Recht auf Reparatur an, das Produkte länger im Umlauf halten soll.
Der entscheidende, oft übersehene Kennwert heißt Verdrängungsrate. Sie beschreibt, welcher Anteil der Gebrauchtkäufe tatsächlich einen Neukauf verhindert. Fällt diese Rate niedrig aus, schrumpft der ökologische Gewinn im gleichen Maß. Ein T-Shirt spart seine Herstellung nur dann ein, sofern der Käufer ohne das Gebrauchtangebot ein neues erworben hätte.
Fast Fashion arbeitet gegen genau diesen Effekt. Große Ketten bringen alle zwei bis vier Wochen eine neue Kollektion heraus, wie das Europäische Parlament dokumentiert, und trainieren Kundinnen und Kunden darauf, tragbare Kleidung vorzeitig auszusortieren. Weitertragen durchbricht diesen Takt, solange der Gebrauchtkauf den Neukauf tatsächlich ersetzt.
Zugleich wächst der Konsum schneller, als Weitertragen ihn bremsen kann. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Textilien in der EU stieg zuletzt weiter an, und ein wachsender Anteil besteht aus billiger Synthetik, die bei jeder Wäsche Mikroplastik freisetzt und sich kaum recyceln lässt. Gegen diese Masse wirkt der Gebrauchtmarkt bislang eher wie ein Tropfen als wie ein Deich gegen die Flut.
- Ressourcen: Jedes weitergetragene Stück spart eine komplette Neuproduktion.
- Müllberg: 5,2 Millionen Tonnen Kleidung und Schuhe landen in der EU jährlich im Abfall.
- Bedingung: Der Umweltvorteil zählt nur, sofern der Kauf einen Neukauf ersetzt.
Wann spart Second Hand Geld, und wann nicht?

Second Hand spart bares Geld bei Alltags- und Markenware mit hohem Neupreis. Bei gefragten Vintage-Stücken, Designer-Labels und kuratierten Plattformen kehrt sich der Vorteil oft um: Gebraucht kostet dann mehr als vergleichbare Neuware.
Der finanzielle Reiz ist real, aber ungleich verteilt. Eine gebrauchte Markenjeans oder eine kaum getragene Winterjacke wechseln auf Vinted oder Kleinanzeigen häufig für einen Bruchteil des Neupreises den Besitzer. Genau diese Ersparnis nennen laut PwC viele Käuferinnen und Käufer als wichtigsten Grund, noch vor der Nachhaltigkeit.
| Warengruppe | Preis gebraucht gegenüber neu | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Basics und No-Name-Ware | oft 50 bis 80 Prozent günstiger | Qualität schwankt, Zustand genau prüfen |
| Markenkleidung und Jacken | deutlich günstiger | bester Hebel für die Ersparnis |
| Kinderkleidung | stark günstiger | wird schnell zu klein, ideal gebraucht |
| Hype-Sneaker und Designer-Labels | häufig teurer als neu | Nachfrage treibt den Aufschlag |
| Kuratierte Vintage-Shops | oft über Neupreis | Sie zahlen für Auswahl und Nostalgie |
Ein Rechenbeispiel macht die Spanne greifbar. Angenommen, eine neue Markenjacke kostet 160 Euro, gebraucht wechselt dasselbe Modell für 55 Euro den Besitzer. Bei fünf getragenen Wintern läge der Gebrauchtpreis bei rund 11 Euro pro Saison, der Neupreis bei 32 Euro. Genau diese Kosten pro Tragejahr, nicht der Aufkleberpreis, entscheiden über den wahren Wert eines Kleidungsstücks.
Der niedrige Preis hat allerdings versteckte Kosten. Gebrauchtkauf bedeutet Suchen, Vergleichen, das Risiko verdeckter Mängel und bei Onlineplattformen den Versand hin und zurück. Diese Mühe rechnet sich bei teurer Markenware klar, bei einem Fünf-Euro-Shirt dagegen selten.
Umgekehrt lohnt der Preisvergleich immer. Auf kuratierten Vintage-Plattformen und bei Hype-Labels treiben Nachfrage und Nostalgie-Aufschlag die Preise über das Neupreisniveau. Dieselbe nüchterne Rechnung empfiehlt sich, bevor ein neues iPhone die alte Anschaffung ablöst: erst den echten Restwert prüfen, dann entscheiden.
Bei hochpreisiger Marken- und Alltagskleidung schlägt Gebraucht den Neukauf finanziell klar. Sobald Hype und Kuratierung ins Spiel kommen, zahlen Käuferinnen und Käufer schnell drauf.
Warum macht der Rebound-Effekt die Ökobilanz kaputt?

Der Rebound-Effekt frisst den Umweltvorteil auf, sobald günstige Gebrauchtpreise zu mehr Käufen verleiten. Kommt der Gebrauchtkauf zum vollen Kleiderschrank noch hinzu, ersetzt er keine Produktion, sondern addiert nur einen zweiten Konsumkanal.
Die unbequeme Erkenntnis stammt aus der Forschung. Meital Peleg Mizrachi und Ori Sharon werteten 2025 im Fachjournal Scientific Reports eine repräsentative Befragung von 1.009 US-Verbrauchern aus. Ihr Befund: Der Secondhand-Konsum korreliert positiv mit dem Kauf neuer Kleidung, statt ihn zu senken.
Mehr Gebrauchtkäufe gehen also mit mehr Neukäufen einher. Die Forscher messen einen Zusammenhang von r gleich 0,58, besonders ausgeprägt bei jüngeren und häufig shoppenden Menschen. Der psychologische Mechanismus dahinter heißt moralische Lizenz: Das gute Gefühl des nachhaltigen Kaufs rechtfertigt im Kopf schon den nächsten Griff ins Regal.
Sichtbar wird der Mechanismus in den sozialen Medien. Videos von prall gefüllten Einkaufstüten, die sogenannten Thrift Hauls, feiern die schiere Menge des Ergatterten und verwandeln bewussten Verzicht in eine neue Form der Sammelleidenschaft. Der niedrige Preis senkt die Hemmschwelle, das grüne Etikett beruhigt das Gewissen, und am Ende hängt mehr im Schrank als zuvor.
Ersatz
Das gebrauchte Stück ersetzt einen geplanten Neukauf. Eine Produktion entfällt, Wasser, Rohstoffe und Abfall sinken. Genau hier zahlt sich Second Hand für die Umwelt aus.
Ergänzung
Der günstige Preis lockt zu Zusatzkäufen. Der Schrank füllt sich, keine Produktion entfällt, der Rebound-Effekt hebt den Umweltvorteil wieder auf.
Auch die Anbieterseite verdient einen kritischen Blick. Sobald ein Modekonzern ein Gebrauchtsegment eröffnet, seine Neuproduktion aber unverändert hochfährt, dient das Angebot eher dem grünen Image als der Umwelt. Der Fachbegriff dafür lautet Greenwashing.
Der Effekt verstärkt sich über den Wiederverkauf. Viele Nutzer betrachten ihre Verkaufserlöse als Budget für den nächsten Einkauf und drehen so die Konsumspirale weiter. Das Change-Magazin der Bertelsmann Stiftung hat genau diese Verdrängungsfrage ausführlich aufgearbeitet und zeigt, wie große Konzerne ihre Gebrauchtsegmente als Ergänzung zur Neuware positionieren, nicht als Ersatz.
Der Rebound-Effekt ist die eigentliche Achillesferse des Secondhand-Versprechens. Solange Gebrauchtkäufe zum Neukauf hinzukommen, verbessert sich keine einzige Ökobilanz.
Second Hand ist kein Ablasshandel. Der Umweltnutzen entsteht in dem Moment, in dem ein gebrauchtes Stück einen Neukauf verhindert, und verpufft, sobald der Schnäppchenpreis drei zusätzliche Teile in den Warenkorb spült.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie kaufen Sie Second Hand, das sich wirklich lohnt?

Second Hand lohnt sich, sobald der Kauf einen geplanten Neukauf ersetzt, das Stück lange getragen wird und der Preis unter vergleichbarer Neuware liegt. Weniger, aber bewusster kaufen schlägt jede Menge grüner Schnäppchen.
Die gute Nachricht: Der Nutzen liegt in Ihrer Hand. Aus den Daten lässt sich eine schlichte Kaufregel ableiten, die den Umweltvorteil sichert, statt ihn im Rebound zu verspielen.
- Ersatz statt Ergänzung: Kaufen Sie gebraucht vor allem, was Sie ohnehin neu gekauft hätten.
- Bedarf vor Schnäppchen: Ein niedriger Preis allein rechtfertigt keinen Kauf, der echte Bedarf schon.
- Langlebigkeit prüfen: Nähte, Reißverschlüsse und Materialqualität entscheiden, wie viele Tragejahre folgen.
- Preis gegenrechnen: Vergleichen Sie den Gebrauchtpreis mit vergleichbarer Neuware, bevor Sie zugreifen.
- Aussortieren mit Sinn: Verkaufen Sie Ausgemustertes weiter, ohne den Erlös sofort in Neues zu stecken.
Der wichtigste Test läuft schon vor dem Kauf im Kopf. Fragen Sie sich, wie oft Sie das Stück wirklich tragen werden und ob der Preis pro Tragejahr unter dem einer Neuanschaffung bleibt. Ein hochwertiges Wollstück für 40 Euro, das zehn Jahre hält, schlägt fünf billige Fehlkäufe für je 15 Euro, die schon nach einer Saison aussortiert werden.
Pflege verlängert jedes zweite Leben zusätzlich. Ein Stück, das richtig gewaschen, gelagert und bei Bedarf geflickt wird, bleibt länger im Umlauf und schiebt den nächsten Kauf weiter nach hinten. So verstärkt sorgfältiger Umgang genau den Ersatz-Effekt, an dem der ganze Nutzen hängt.
Der bewusste Umgang zahlt sich doppelt aus. Ein kleinerer, kuratierter Kleiderschrank spart nicht nur Ressourcen und Geld, sondern entlastet auch den Kopf, ganz so, wie ein aufgeräumter Raum die Aufmerksamkeit befreit. Weniger Besitz senkt die kognitive Last der ständigen Entscheidung.
Unterm Strich lohnt sich Second Hand also nicht automatisch, sondern als Haltung. Der Gebrauchtkauf spart Geld und Ressourcen genau dann, wenn er einen Neukauf ersetzt, das Stück lange begleitet und dem Reiz des nächsten Schnäppchens widersteht. Der grüne Effekt steckt nicht im Etikett, sondern in der Zahl der Käufe, die dadurch unterbleiben.
- Regel eins: Gebraucht ersetzt einen Neukauf, statt ihn zu ergänzen.
- Regel zwei: Qualität und lange Nutzung schlagen den niedrigen Stückpreis.
- Regel drei: Weniger kaufen bleibt der stärkste Nachhaltigkeitshebel.
Glossar: 11 wichtige Begriffe rund um Second Hand

Circular Economy
Circular Economy (Kreislaufwirtschaft) beschreibt ein Wirtschaftsmodell, in dem Produkte und Materialien möglichst lange im Umlauf bleiben, durch Wiederverwendung, Reparatur und Recycling. Second Hand ist ein Kernbaustein dieser Idee, weil der Weiterverkauf den Lebenszyklus eines Kleidungsstücks verlängert.
Deadstock
Deadstock meint fabrikneue Ware, die nie verkauft wurde und oft jahrelang im Lager lag. Im Modehandel gilt Deadstock als nachhaltige Alternative, weil bereits produzierte Stücke verkauft statt vernichtet werden, ohne dass eine neue Herstellung nötig wird.
Fast Fashion
Fast Fashion steht für ein Geschäftsmodell mit schnellen Kollektionswechseln, niedrigen Preisen und kurzer Produktlebensdauer. Große Ketten bringen alle zwei bis vier Wochen neue Ware heraus. Das Modell gilt als Haupttreiber von Textilabfall und hohem Ressourcenverbrauch.
GMV
GMV (Gross Merchandise Value) bezeichnet den gesamten Warenwert, der über eine Plattform gehandelt wird, vor Abzug von Gebühren. Bei Vinted lag der GMV 2025 bei 10,8 Milliarden Euro. Die Kennzahl misst das Handelsvolumen, nicht den Umsatz der Plattform selbst.
Greenwashing
Greenwashing beschreibt das Vortäuschen von Nachhaltigkeit ohne substanziellen ökologischen Nutzen. Im Modehandel zeigt sich das etwa, wenn Gebrauchtsegmente vor allem als grünes Aushängeschild dienen, während die Neuproduktion unverändert weiterläuft.
Moralische Lizenz
Moralische Lizenz (Moral Licensing) bezeichnet den psychologischen Effekt, dass eine als gut empfundene Handlung späteres Fehlverhalten rechtfertigt. Beim Gebrauchtkauf führt der Effekt dazu, dass das gute Gewissen zu zusätzlichem Konsum verleitet, statt ihn zu bremsen.
Preloved
Preloved ist ein Marketingbegriff für gebrauchte, aber gepflegte Kleidung. Das Wort klingt hochwertiger als Second Hand, meint jedoch dasselbe. Rechtlich geschützt ist der Begriff nicht, weshalb er auch für schlichte Gebrauchtware ohne besonderen Wert verwendet wird.
Rebound-Effekt
Rebound-Effekt beschreibt, wie eine Effizienz- oder Sparwirkung durch Mehrkonsum teilweise zunichtegemacht wird. Bei Second Hand tritt der Effekt auf, sobald niedrige Preise zu zusätzlichen Käufen verleiten, die den ökologischen Vorteil des Weitertragens auffressen.
Resale
Resale steht für den organisierten Wiederverkauf gebrauchter Ware, häufig über spezialisierte Onlineplattformen. Der Begriff grenzt den professionalisierten Gebrauchthandel vom klassischen Flohmarkt ab und umfasst auch die Resale-Angebote großer Modehändler.
Ultra Fast Fashion
Ultra Fast Fashion radikalisiert das Fast-Fashion-Prinzip mit noch kürzeren Zyklen und extrem niedrigen Preisen, getrieben von Onlinehändlern mit tausenden neuen Artikeln pro Tag. Der Ansatz verschärft Überkonsum und Textilabfall zusätzlich.
Vintage
Vintage bezeichnet Kleidung aus einer vergangenen Epoche, meist mindestens 20 Jahre alt, mit einem gewissen Sammler- oder Stilwert. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt und dient im Handel oft als Aufwertung, die höhere Preise begründet.
FAQ: Lohnt sich Second Hand wirklich?

Ist Second Hand wirklich nachhaltiger als Neukauf?
Ja, aber nur unter einer Bedingung: Der Gebrauchtkauf muss einen Neukauf ersetzen. Jedes weitergetragene Stück spart dann eine komplette Neuproduktion samt Wasser, Rohstoffen und Abfall. Kommt der Kauf dagegen zusätzlich hinzu, verpufft der Umweltvorteil.
Warum ist Vintage manchmal teurer als Neuware?
Weil Nachfrage und Nostalgie den Preis treiben. Vintage und Preloved sind rechtlich nicht geschützt und dienen im Handel als Aufwertung. Bei gefragten Labels und kuratierten Shops zahlen Käuferinnen und Käufer für Seltenheit und Auswahl oft mehr als für ein vergleichbares neues Stück.
Was bedeutet der Rebound-Effekt bei Kleidung?
Der Rebound-Effekt beschreibt, wie günstige Gebrauchtpreise zu Mehrkonsum verleiten und den Umweltvorteil auffressen. Eine Studie in Scientific Reports von 2025 belegt, dass Secondhand-Käufe den Neukauf häufig ergänzen, statt ihn zu ersetzen.
Wie erkenne ich hochwertige Second-Hand-Kleidung?
Prüfen Sie Nähte, Reißverschlüsse, Knöpfe und das Material auf Verschleiß. Naturfasern wie Wolle, Leinen und Baumwolle halten meist länger als dünne Synthetik. Ein Blick auf das Pflegeetikett und die Verarbeitung verrät, wie viele Tragejahre noch realistisch sind.
Welche Plattform eignet sich am besten für Second Hand?
Das hängt vom Ziel ab. Vinted und Kleinanzeigen decken die breite Masse günstig ab, spezialisierte Vintage-Shops bieten Kuratierung gegen Aufpreis. Für gefragte Markenware lohnt der Preisvergleich über mehrere Plattformen, bevor Sie zugreifen.
Ist der Weiterverkauf über Vinted steuerpflichtig?
Der private Verkauf gebrauchter Eigenware bleibt in der Regel steuerfrei. Plattformen melden Verkäufer aber ab 30 Verkäufen oder 2.000 Euro Jahresumsatz an das Finanzamt. Bei regelmäßigem Handel mit Gewinnabsicht gilt der Verkauf als gewerblich und wird steuerpflichtig.
Quellen
Europäische Umweltagentur (EEA) | Environmental impacts of textiles | https://www.eea.europa.eu/en/about/contact-us/faqs/what-are-the-environmental-impacts-of-textiles | besucht am 12.08.2026
Europäisches Parlament | Fast fashion: EU laws for sustainable textile consumption | https://www.europarl.europa.eu/topics/en/article/20201208STO93327/fast-fashion-eu-laws-for-sustainable-textile-consumption | besucht am 12.08.2026
Vinted | Financial Results 2025 | https://company.vinted.com/newsroom/financial-results-2025 | besucht am 12.08.2026
ThredUp und GlobalData | Resale Report | https://www.thredup.com/resale | besucht am 12.08.2026
Meital Peleg Mizrachi und Ori Sharon, Scientific Reports | Secondhand fashion consumers exhibit fast fashion behaviors despite sustainability narratives | https://www.nature.com/articles/s41598-025-19089-1 | besucht am 12.08.2026
PwC Deutschland | Secondhand-Mode im Aufwind | https://www.pwc.de/de/pressemitteilungen/2023/secondhand-mode-im-aufwind-umsatz-steigt-bis-2025-auf-bis-zu-6-milliarden-euro.html | besucht am 12.08.2026