Das Fahrrad auf dem Land hat einen schlechten Ruf: zu weite Wege, zu wenig Radwege, zu viel Auto. In zwölf Dörfern rund um Wolfenbüttel stehen trotzdem Pedelecs, E-Lastenräder und ein Dreirad zum Ausleihen bereit, rund um die Uhr per App. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Radeln auf dem Dorf möglich ist, sondern welchen Teil des Autoverkehrs das Rad übernimmt.

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Wer außerhalb der Stadt wohnt, kennt die Rechnung: zwei Autos vor der Tür, weil der Bus dreimal am Tag fährt und der nächste Supermarkt sechs Kilometer entfernt liegt. Genau in diese Lücke schieben sich Pedelec, Lastenrad und Verleihsystem. Ob die Rechnung aufgeht, hängt weniger an der Technik als an der Entfernung zum Ziel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund die Hälfte aller Autofahrten ist kürzer als fünf Kilometer. Genau diese Strecken fährt ein Fahrrad mühelos.
  • Das Pedelec dehnt den bequemen Radius auf etwa 15 Kilometer und macht Steigungen fast gleichgültig. 53 Prozent der 2024 verkauften Räder hatten einen Motor.
  • Verleihsysteme wie LANDRADL im Landkreis Wolfenbüttel bringen Rad-Mobilität auch zu Haushalten ohne eigenes Pedelec.
  • Das Auto verschwindet auf dem Land nicht. Realistisch fällt der zweite Wagen weg, nicht der erste.

Warum gilt das Auto auf dem Land als alternativlos?

Grünes E-Bike mit Korb voller Einkäufe, Brot und Eier, auf dem Gepäckträger vor weißem Hintergrund
Auf dem Land entfallen über 80 Prozent der Kilometer auf Autos, da Ziele weit auseinanderliegen und der Nahverkehr schwach ausgebaut ist

Auf dem Land entfallen über 80 Prozent der zurückgelegten Kilometer auf das Auto, weil Ziele weiter auseinanderliegen und der Nahverkehr dünn getaktet ist. Das Fahrrad startet hier nicht bei null, sondern gegen eine tief eingespielte Gewohnheit.

Die Verkehrserhebung Mobilität in Deutschland bestätigt dieses Bild für 2023: In dünn besiedelten Kreisen läuft der Alltag fast vollständig über den motorisierten Individualverkehr. Ein Bus, der dreimal am Tag hält, ersetzt keinen Kofferraum und keinen spontanen Termin.

Dazu kommt die Rechnung im Haushalt. Zwei Autos vor der Tür sind auf dem Dorf keine Ausnahme, sondern die Regel. Jeder Zweitwagen kostet Anschaffung, Versicherung und Stellplatz, ohne die meiste Zeit überhaupt bewegt zu werden.

Genau an dieser Stelle wird das Rad interessant, nicht als Ersatz für alles, sondern als Kandidat für den zweiten Wagen. Weniger vom eigenen Fuhrpark abzuhängen macht einen Haushalt im Alltag krisenfester und unabhängiger aufgestellt. Der Weg zur Arbeit und zum Facharzt summiert sich zwar schnell zu Strecken, die ein Rad nicht schafft, doch die entscheidende Zahl steckt in den vielen kurzen Wegen dazwischen.

Verschärft wird die Lage durch die Demografie. Auf dem Land werden die Menschen im Schnitt älter. Zugleich pendeln viele Jugendliche ohne Führerschein zur Schule oder in die Ausbildung, oft ohne verlässliche Busanbindung.

Beide Gruppen hängen besonders stark an Mitfahrgelegenheiten und einem Nahverkehr, der auf dem flachen Land häufig nur im Schulverkehr richtig fährt. Hier setzt die Debatte um bessere Landmobilität an, in der das Fahrrad eine größere Rolle spielt als lange gedacht.

Auf den Punkt

Über 80 Prozent der ländlichen Wegstrecke laufen über das Auto, vor allem wegen der weiten Ziele. Das Fahrrad tritt deshalb nicht gegen den Erstwagen an, sondern gegen den zweiten.

Welche Strecken schafft das Fahrrad wirklich?

Meterstab mit Traktor, Ortsschild und Dorfminiaturen vor weißem Hintergrund
Rund die Hälfte aller Autofahrten bleibt unter fünf Kilometern, das Pedelec dehnt den bequemen Radius auf etwa 15 Kilometer.

Rund die Hälfte aller Autofahrten ist kürzer als fünf Kilometer, eine Distanz, die jedes normale Rad bewältigt. Ein Pedelec dehnt den bequemen Alltagsradius auf etwa 15 Kilometer. Damit verschiebt sich die Frage vom Ob zum Wie oft.

Das Umweltbundesamt beziffert den Anteil der Autofahrten unter fünf Kilometern auf 40 bis 50 Prozent. Dieses Segment ist das naheliegende Radpotenzial: Brötchen holen, das Kind zum Sportplatz bringen, zur Nachbargemeinde rollen.

Entscheidend ist der Wegezweck. Einkäufe, der Weg zur Kita und Freizeitfahrten bündeln sich im Nahbereich, während meist nur der Arbeitsweg regelmäßig weit hinausführt. Ein Haushalt, der die kurzen Wege konsequent aufs Rad legt, verlagert einen großen Teil seiner Fahrten, ohne den Pendelweg anzutasten.

Auf dem Land liegen viele Ziele knapp jenseits der Fünf-Kilometer-Grenze, also bei acht oder zwölf Kilometern. Hier entscheidet der Motor. Ein Pedelec macht aus einer schweißtreibenden Halbstunde eine lockere Viertelstunde. Die Höhenmeter fallen dabei kaum noch ins Gewicht.

Die Reichweite hat trotzdem eine ehrliche Obergrenze. Wege über 20 Kilometer, bei Gegenwind und im Dunkeln, bleiben für die meisten Menschen Auto- oder Bahnstrecke. Das Rad deckt nicht das ganze Verkehrsaufkommen ab, sondern die kurze und mittlere Alltagsdistanz.

Wie weit das Rad auf dem Land reicht
Drei Distanzen, die über den Umstieg vom Auto entscheiden
Karte
rund 50 %

Autofahrten unter 5 km

Etwa die Hälfte aller Autofahrten bleibt unter fünf Kilometern. Diese Strecke schafft jedes normale Fahrrad.
Blitz
bis 15 km

Bequemer Pedelec-Radius

Mit Motorunterstützung wird aus einer schweißtreibenden Strecke eine lockere Viertelstunde, weitgehend unabhängig von Steigungen.
Wolke
6 bis 11 %

CO₂-Potenzial

So viel Personenverkehrs-Emissionen ließen sich sparen, sobald das Rad nicht nur Kurzstrecken, sondern auch mittlere Wege übernimmt.

Macht das Pedelec den Unterschied im Dorf?

Radfahrerin auf E-Bike bergauf mit großer Flasche. Schild: STEIGUNG EGAL. Vor weißem Hintergrund
53 Prozent der 2024 verkauften Räder hatten einen Motor, der Steigungen zwischen zwei Dörfern zur Nebensache macht.

Das Pedelec ist der Hebel, der Radfahren auf dem Land aus der Nische holt, weil der Motor Entfernung und Topografie entschärft. 53 Prozent der 2024 in Deutschland verkauften Räder hatten einen Elektroantrieb.

Der Zweirad-Industrieverband ZIV zählte für 2024 einen E-Bike-Bestand von 15,7 Millionen Stück. Ein Pedelec unterstützt bis 25 Kilometer pro Stunde und nur, solange in die Pedale getreten wird. Diese sanfte Tretunterstützung reicht, um einen Hügel zwischen zwei Dörfern zur Nebensache zu machen.

Der Fahrradmarkt insgesamt bleibt groß. 2024 verkauften Händler laut dem ADFC rund 3,85 Millionen Räder in Deutschland. Der Trend zum Motor ist damit kein Nischenphänomen mehr, sondern die neue Normalität auf deutschen Radwegen.

Vor allem Ältere entdecken das Rad dadurch neu. Mit Motorunterstützung wird die Fahrt zum Wochenmarkt auch mit 70 Jahren wieder machbar. Das hält einen Teil der ländlichen Bevölkerung länger eigenständig mobil, ohne auf Fahrdienste oder die Kinder angewiesen zu sein.

Auf dem Dorf spielt zudem die Bauform eine Rolle. Das E-Lastenrad ersetzt für den Wocheneinkauf den Kofferraum, das Faltrad passt in Regionalzug und Kellerabteil, das Dreirad gibt unsicheren Fahrern Standfestigkeit zurück. Diese Vielfalt entscheidet, wer wieder aufs Rad steigt.

Für lange Arbeitswege kommt das S-Pedelec dazu, das bis 45 Kilometer pro Stunde unterstützt. Als Kleinkraftrad braucht das S-Pedelec Versicherungskennzeichen und Helm, verwandelt aber einen 20-Kilometer-Pendelweg in eine machbare Halbstunde. Damit rückt sogar der Arbeitsweg in die Reichweite des Rades.

RadtypBequemer RadiusStärke auf dem Land
Klassisches Fahrradbis 5 kmgünstig, wartungsarm, ideal für ebene Kurzwege
Pedelecbis 15 kmgleicht Steigung und Gegenwind aus, größte Alltagsreichweite
E-Lastenradbis 15 kmEinkauf und Kindertransport, ersetzt den Zweitwagen für Besorgungen
Faltradbis 5 km plus BahnZubringer zum Bahnhof, kombinierbar mit dem Regionalverkehr
Radtypen und ihre typische Reichweite im ländlichen Alltag.
Auf den Punkt
  • Reichweite: Der Motor hebt den Alltagsradius von fünf auf rund 15 Kilometer.
  • Topografie: Steigungen und Gegenwind verlieren ihren Schrecken.
  • Bauform: Lastenrad, Faltrad und Dreirad decken Einkauf, Bahnzubringer und Sicherheit ab.

Das Pedelec verschiebt die zumutbare Alltagsstrecke von fünf auf fünfzehn Kilometer. Auf dem Dorf fällt damit nicht der Erstwagen weg, sondern der zweite.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Wie kommen Menschen ohne eigenes Rad aufs Rad?

Fahrradsattel mit grünem Strickbezug und Holzschild „Schlüssel in der App“ auf weißem Grund
Verleihsysteme wie LANDRADL stellen Leihräder an festen Stationen bereit, buchbar rund um die Uhr per App.

Verleihsysteme schließen die Lücke für alle, die kein eigenes Pedelec kaufen wollen oder können, indem sie Leihräder an festen Stationen im Ort bereitstellen. Das macht Rad-Mobilität zu einem Angebot für das ganze Dorf statt nur für Radbegeisterte.

Ein eigenes Pedelec kostet schnell mehrere Tausend Euro. Viele Menschen brauchen ein Rad aber nur gelegentlich, etwa für den Wochenendeinkauf oder den Weg zum Bahnhof. Ein Verleihsystem senkt genau diese Einstiegshürde und macht das teure Lastenrad zum geteilten Gut.

Wie das praktisch aussieht, zeigt das Projekt LANDRADL im niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel. Getragen von der ecomotio gGmbH, stellt das System in zwei Dorfgemeinschaften mit insgesamt zwölf Dörfern Pedelecs, elektrische Lastenräder, Falträder und ein Dreirad bereit. Buchung, Verleih und Rückgabe laufen digital rund um die Uhr über eine App, die auch das elektronische Schloss öffnet.

Der soziale Kern des Modells steckt im Betrieb. Ehrenamtliche aus den Gemeinden kümmern sich gemeinschaftlich um Stationen und Räder. Das Angebot steht allen Bewohnern kostengünstig offen und zielt auf Alltagswege wie den Einkauf oder die Fahrt ins Schwimmbad. Was eine Gemeinschaft mit überschaubaren Mitteln gemeinsam auf die Beine stellt, ersetzt hier ein Stück kommerzieller Infrastruktur.

Die Blaupause für solche Angebote liefert der Bund. Das Projekt entstand im Förderprogramm LandMobil des Bundesagrarministeriums, das von 2020 bis 2023 rund 40 Modellvorhaben für ländliche Mobilität erprobt und die Ergebnisse als Praxisleitfaden veröffentlicht hat. Interessierte Kommunen finden dort die Kontakte, um das Konzept in die eigene Region zu holen.

So funktioniert ein Dorf-Verleih
Das Beispiel LANDRADL im Landkreis Wolfenbüttel
SCHRITT 1
Buchung

Rad buchen

Ein freies Rad in einem der zwölf Dörfer wird per App reserviert, rund um die Uhr.

SCHRITT 2
Schloss

Schloss öffnen

Das elektronische Fahrradschloss lässt sich direkt aus der App entriegeln, ohne Personal vor Ort.

SCHRITT 3
Einkauf

Losfahren

Pedelec, E-Lastenrad, Faltrad oder Dreirad bringen zum Einkauf, ins Schwimmbad oder zur Nachbargemeinde.

SCHRITT 4
Ehrenamt

Ehrenamt pflegt

Freiwillige aus den Dorfgemeinschaften warten Stationen und Räder und halten das Angebot am Laufen.

Wo stößt das Fahrrad auf dem Land an Grenzen?

Grünes Fahrrad mit Holzstange, Wegweiser und Wurst-Tag auf weißem Grund
Große Entfernungen, fehlende Radwege und Winterwetter markieren die harten Grenzen des Rades auf dem Land.

Das Rad scheitert dort, wo Distanzen, Wetter und fehlende Wege zusammenkommen, also beim langen Pendelweg, im Winter und auf Landstraßen ohne Radspur. Diese Grenzen ehrlich zu benennen gehört zur seriösen Rechnung.

Der erste Bremsfaktor ist die Infrastruktur. Außerorts fehlt oft ein durchgehender Radweg. Wenige Meter neben Tempo 100 zu fahren schreckt viele ab, ein lückenhaftes Netz hält gerade unsichere Fahrer vom Umstieg ab.

Verkehrsverbände wie der ADFC verweisen seit Jahren auf dieses fehlende Netz jenseits der Städte. Solange sichere Wege fehlen, bleibt selbst das beste Pedelec für ängstliche oder ältere Fahrer wenig wert. Sichere Radinfrastruktur ist damit die Vorbedingung, nicht das i-Tüpfelchen.

Hinzu kommt die Anschaffung. Ein ordentliches Pedelec kostet so viel wie mehrere Monatsraten für einen Kleinwagen, dazu kommen Fragen nach Diebstahlschutz und trockenem Abstellplatz. Für einkommensschwache Haushalte ist der Kauf eine echte Hürde, die erst ein Verleihmodell umgeht.

Der zweite Bremsfaktor ist die Entfernung selbst. Zum Facharzt, zur weiterführenden Schule oder zum Arbeitsplatz in der Kreisstadt liegen häufig mehr als 20 Kilometer dazwischen. Rechnet man Winter, Dunkelheit und körperliche Einschränkungen dazu, bleibt für einen Teil der Wege schlicht das Auto oder die Bahn.

Auch der Klimanutzen fällt nüchterner aus als erhofft. Verlagert man nur die kurzen Fahrten unter fünf Kilometern, sinken die CO₂-Emissionen laut Umweltbundesamt lediglich um ein bis drei Prozent. Erst sobald das Rad auch die mittleren Strecken übernimmt, steigt das Potenzial auf sechs bis elf Prozent.

Auf den Punkt

Fehlende Radwege, große Entfernungen und das Wetter setzen dem Rad auf dem Land harte Grenzen. Der Klimahebel wird erst größer, sobald nicht nur die Kurzstrecke, sondern auch der mittlere Weg auf das Rad wandert.

Was bringt das Rad dem Dorf und dem Geldbeutel?

E-Bike in Garage neben Schild „Stellplatz zwei gekündigt.“ und leerem Parkplatz
Der größte Gewinn steckt im eingesparten Zweitwagen, den Pedelec und Lastenrad für kurze Wege ersetzen.

Der größte Gewinn liegt im eingesparten Zweitwagen, dazu kommen Bewegung im Alltag und ein Angebot, das auch Menschen ohne Führerschein mobil hält. Rad-Mobilität rechnet sich auf dem Land vor allem über die Kostenseite.

Ein Zweitwagen verschlingt schnell mehrere Tausend Euro im Jahr. Fällt er weg, weil Pedelec und Lastenrad die kurzen Besorgungen übernehmen, bleibt viel Geld im Haushalt. Diese Logik des bewussten Weglassens fühlt sich für viele Menschen an wie die Freiheit, mit weniger auszukommen, statt wie Verzicht.

Dazu kommt der gesundheitliche Nebeneffekt. Tägliche Bewegung ohne Extra-Termin im Fitnessstudio ist ein stiller Bonus, den kein Auto liefert. Schon wenige Kilometer im Sattel tun Herz und Kopf gut, ganz ohne bewussten Sport-Vorsatz.

Nicht zuletzt verändert das Rad das Ortsbild. Weniger Blech vor der Tür bedeutet mehr Platz und weniger Lärm im Dorfkern. Kinder bewegen sich sicherer, sobald der Zweitwagen seltener rangiert und die Einfahrt nicht mehr zugestellt ist.

Auch die örtliche Wirtschaft profitiert, weil Rad-Kundschaft eher beim Dorfladen und beim Wochenmarkt bleibt als im Gewerbegebiet an der Umgehungsstraße. Kurze Wege halten die Kaufkraft im Ort und stützen so die Nahversorgung, die viele Dörfer ohnehin verlieren.

Und schließlich stärkt ein Verleihsystem den Ort im sozialen Sinn. Jugendliche ohne Führerschein, Ältere ohne eigenes Auto und Pendler mit Bahnanschluss gewinnen einen Radius zurück, der vorher am Busfahrplan endete. Genau darin liegt der soziale Wert, den die reine Kostenrechnung unterschätzt.

Auf den Punkt
  • Geld: Der eingesparte Zweitwagen ist der größte Posten.
  • Gesundheit: Alltagsbewegung kommt ohne Extra-Termin dazu.
  • Teilhabe: Jugendliche, Ältere und Pendler werden unabhängiger vom Busfahrplan.

Glossar: 14 Fachbegriffe zu Fahrrad und Landmobilität

Offenes Buch mit Titel Pedelec, Text, Grafik und Lesezeichen auf Gestell
Das Glossar bündelt die wichtigsten Fachbegriffe rund um Fahrrad und Landmobilität.

Bikesharing

Bikesharing bezeichnet ein Verleihsystem, bei dem Räder an festen Stationen oder frei im Raum ausgeliehen und zurückgegeben werden. Auf dem Land läuft der Verleih meist stationsgebunden und digital, damit auch ohne Personal ein rund um die Uhr verfügbares Angebot entsteht.

BULEplus

BULEplus ist das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung. Das Programm bündelt Fördermaßnahmen des Bundes für den ländlichen Raum, darunter die Mobilitätsmaßnahme LandMobil, aus der das Projekt LANDRADL hervorging.

E-Lastenrad

E-Lastenrad nennt man ein Fahrrad mit verlängertem Rahmen oder Transportbox und elektrischer Tretunterstützung. Der Motor gleicht das höhere Gewicht aus und macht so den Transport von Einkäufen oder Kindern über mehrere Kilometer möglich.

Faltrad

Faltrad bezeichnet ein zusammenklappbares Fahrrad, das sich im Zug, Bus oder Kofferraum mitnehmen lässt. Im ländlichen Raum dient das Faltrad vor allem als Zubringer zum Bahnhof und verbindet so das Rad mit dem Regionalverkehr.

Intermodalität

Intermodalität beschreibt die Kombination mehrerer Verkehrsmittel auf einem Weg, etwa Rad und Regionalzug. Auf dem Land entscheidet sie oft darüber, ob eine längere Strecke ohne eigenes Auto machbar wird.

LANDRADL

LANDRADL ist ein Fahrradverleihsystem im Landkreis Wolfenbüttel, umgesetzt von der ecomotio gGmbH in zwölf Dörfern. Das System stellt Pedelecs, Lastenräder, Falträder und ein Dreirad bereit, die per App rund um die Uhr buchbar sind.

LandMobil

LandMobil war eine Fördermaßnahme des Bundesagrarministeriums, die von 2020 bis 2023 rund 40 Modellprojekte für bessere Mobilität in ländlichen Räumen unterstützte. LANDRADL ist eines dieser Vorhaben.

Mobilität in Deutschland (MiD)

Mobilität in Deutschland (MiD) ist die große Verkehrserhebung des Bundes zum Alltagsverkehr. Sie liefert die Datenbasis dafür, wie stark der ländliche Raum vom Auto abhängt und wie sich das Verkehrsverhalten über die Jahre verschiebt.

Motorisierter Individualverkehr (MIV)

Motorisierter Individualverkehr (MIV) fasst alle Fahrten mit privaten Kraftfahrzeugen zusammen, vor allem dem Pkw. Auf ihn entfallen im ländlichen Raum über 80 Prozent der Wegstrecke, was ihn zum wichtigsten Bezugspunkt für jede Verkehrswende macht.

Nahmobilität

Nahmobilität meint die Fortbewegung auf kurzen Wegen, typischerweise zu Fuß oder mit dem Rad. Sie ist der Bereich, in dem das Fahrrad auf dem Land seine größte Wirkung entfaltet, weil viele Alltagsziele nah beieinander liegen.

Pedelec

Pedelec steht für Pedal Electric Cycle, ein Fahrrad mit Elektromotor, der nur beim Treten und bis 25 Kilometer pro Stunde unterstützt. Rechtlich gilt das Pedelec als Fahrrad und braucht weder Kennzeichen noch Führerschein.

S-Pedelec

S-Pedelec bezeichnet ein schnelles Pedelec mit Unterstützung bis 45 Kilometer pro Stunde. Rechtlich gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und erfordert Versicherungskennzeichen und Helm, was Pendler mit langen Wegen anspricht.

Topografie

Topografie beschreibt die Höhenverhältnisse eines Geländes. Auf dem hügeligen Land ist sie ein zentrales Hindernis für das Radfahren, das die elektrische Tretunterstützung weitgehend ausgleicht.

Zweitwagen

Zweitwagen ist das zweite Auto eines Haushalts, auf dem Land oft für kurze Besorgungen im Einsatz. Genau dieses Fahrzeug ist der realistische Kandidat, den Pedelec und Verleihsystem ersetzen können.

FAQ: Funktioniert das Fahrrad auch auf dem Land?

Ein Weidenkorb voller Papierrollen mit einem FAQ-Schild und einem Fragezeichen davor
Häufige Fragen rund um Pedelec, Verleihsysteme und Radfahren im ländlichen Raum.

Lohnt sich ein Fahrrad auf dem Land überhaupt?

Ja, vor allem für die kurzen und mittleren Alltagswege. Rund die Hälfte aller Autofahrten bleibt unter fünf Kilometern. Genau diese Strecken übernimmt ein Rad mühelos. Ein Pedelec erweitert den bequemen Radius auf etwa 15 Kilometer und macht auch die Fahrt in die Nachbargemeinde praktikabel.

Wie weit kann man mit einem Pedelec fahren?

Als bequemer Alltagsradius gelten rund 15 Kilometer pro Strecke, die Akkureichweite liegt je nach Modell deutlich darüber. Der Motor unterstützt bis 25 Kilometer pro Stunde und nur beim Treten, gleicht dafür Steigungen und Gegenwind aus. Damit werden Ziele erreichbar, die ohne Motor als zu weit gelten.

Was ist ein Bikesharing auf dem Dorf?

Ein Bikesharing auf dem Dorf ist ein Verleihsystem, das Leihräder an festen Stationen im Ort bereitstellt. Beim Projekt LANDRADL im Landkreis Wolfenbüttel laufen Buchung, Verleih und Rückgabe digital rund um die Uhr über eine App, das Angebot reicht vom Pedelec über das E-Lastenrad bis zum Dreirad. Ehrenamtliche betreuen die Stationen.

Ersetzt das Fahrrad auf dem Land das Auto?

In der Regel nicht vollständig. Im ländlichen Raum entfallen laut der Studie Mobilität in Deutschland über 80 Prozent der Wegstrecke auf das Auto, weil viele Ziele weit auseinanderliegen. Realistisch ersetzt das Rad den Zweitwagen und einen Teil der kurzen Fahrten, nicht den einzigen Pkw eines Haushalts.

Für wen eignet sich ein E-Lastenrad im ländlichen Raum?

Ein E-Lastenrad eignet sich für Familien und Haushalte, die regelmäßig Einkäufe, Kinder oder sperrige Lasten transportieren. Der Elektromotor gleicht das höhere Gewicht und die Steigungen aus, sodass auch größere Zuladungen über mehrere Kilometer machbar bleiben. In Verleihsystemen steht das Lastenrad oft neben normalen Pedelecs bereit.

Was war das Bundesprogramm LandMobil?

LandMobil war eine Fördermaßnahme des Bundesagrarministeriums für bessere Mobilität in ländlichen Räumen. Bundesweit rund 40 Modellvorhaben erprobten von 2020 bis 2023 Ansätze vom Bikesharing bis zum Carsharing, die letzten Projekte endeten im September 2023. Die Ergebnisse dienen Kommunen und Vereinen als Vorlage für eigene Angebote.

Quellen

Umweltbundesamt | Radverkehr | https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr | besucht am 12.08.2026
Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) | Marktdaten Fahrräder und E-Bikes 2024 | https://www.ziv-zweirad.de/wp-content/uploads/2025/03/ZIV-Marktdatenpraesentation-2025-fuer-GJ-2024.pdf | besucht am 12.08.2026
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) | 3,85 Mio. Fahrräder in 2024 verkauft | https://www.adfc.de/neuigkeit/385-mio-fahrraeder-in-2024-verkauft | besucht am 12.08.2026
Bundesministerium für Verkehr | Mobilität in Deutschland (MiD) 2023 | https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/mobilitaet-in-deutschland.html | besucht am 12.08.2026
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat | LandMobil: Aktiv mit dem Fahrrad unterwegs (LANDRADL) | https://www.bmleh.de/DE/themen/laendliche-regionen/mobilitaet/land-mobil/land-mobil-fahrrad.html | besucht am 12.08.2026

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