Zusammenleben wird in einem Land teurer und enger, das schrumpft und zugleich altert. Schon 2035 ist nach Berechnung des Statistischen Bundesamts jede vierte Person 67 Jahre oder älter, während viele Haushalte den Gürtel enger schnallen. Die gute Nachricht steckt in einer alten Erfahrung: Knappheit macht erfinderisch, und das meiste davon kostet fast nichts.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKernaussagen:
- Schrumpfung und Alterung verschieben in Deutschland die Rechnung des Zusammenlebens grundlegend.
- Zeit, Nähe und Gegenseitigkeit ersetzen Geld, und fast alle Modelle existieren längst irgendwo zwischen Freiburg und Berlin.
- Vorteile und Hürden stehen bei jeder Idee nebeneinander, denn ehrlich wird das Stück erst mit Blick auf Finanzierung und Aufwand.
Was Zusammenleben heute wirklich kostet
Die Zahlen sind nüchtern. Zum Jahresende 2025 lebten nach erster Schätzung des Statistischen Bundesamts rund 83,5 Millionen Menschen in Deutschland, etwa 100.000 weniger als ein Jahr zuvor. Bereits 2035 wird jede vierte Person 67 Jahre oder älter sein, während 2024 erst jede fünfte im Rentenalter war. Diese Alterung verteilt die Lasten auf immer weniger Schultern.
Gleichzeitig sitzt das Geld in vielen Haushalten knapper, als die Werbung suggeriert. Steigende Mieten, Energiekosten und Pflegeausgaben treffen auf Einkommen, die selten im gleichen Tempo mitwachsen. Daraus entsteht ein doppelter Druck aus weniger Menschen und weniger finanziellem Spielraum.
Trotzdem ist das kein Abgesang. Mangel war historisch oft der beste Erfinder, und gutes Zusammenleben hing nie allein am Kontostand. Die folgenden fünfzig Ideen ordnen sich nach acht Lebensbereichen und teilen einen Kern: An die Stelle von Geld treten Zeit und Gegenseitigkeit.
Wichtig bleibt der ehrliche Blick. Keine dieser Ideen ist gratis zu haben, viele kosten Organisation, Vertrauen und einen langen Atem. Genau deshalb steht unter jedem Abschnitt ein Absatz, der die typischen Stolpersteine benennt.
Wohnen: teilen, tauschen, klüger schneiden

Ein Beispiel macht den Mechanismus greifbar. Beim Modell „Wohnen für Hilfe“ zieht eine studierende Person bei einer älteren ein, zahlt keine Kaltmiete und übernimmt im Gegenzug Alltagshilfe. Als Faustregel gilt eine Stunde Hilfe pro Monat je Quadratmeter Wohnfläche, ein 15-Quadratmeter-Zimmer kostet also rund fünfzehn Stunden Einkaufen, Garten oder Gesellschaft. Allein das Studierendenwerk Freiburg-Schwarzwald hat seit 2002 über 700 solcher Wohnpartnerschaften vermittelt.
Der Gewinn fällt auf beiden Seiten an. Die ältere Person bleibt selbstständig und nicht allein, der junge Mensch findet bezahlbaren Raum in einer teuren Stadt. Wie viel sich auch auf kleiner Fläche gut leben lässt, hat die Redaktion im Beitrag Wie lebt man gut auf wenig Quadratmetern? gezeigt. Der eigentliche Hebel liegt im vorhandenen Bestand, nicht im teuren Neubau.
Daneben gibt es eine ganze Familie verwandter Ansätze. Genossenschaftliches Wohnen macht Mieter zu Miteigentümern und nimmt der Rendite den Druck. Ein Wohnungstausch im Alter bringt die junge Familie ins große Haus und die alleinstehende Person ins barrierearme Apartment, und geteilte Gemeinschaftsräume ersetzen die private Werkstatt, das selten genutzte Gästezimmer und die eigene Waschküche.
- Mehrgenerationen-Wohnen privat organisieren: Jung mietet günstig und hilft im Alltag.
- Wohnen für Hilfe über das örtliche Studierendenwerk vermitteln lassen.
- Wohnungstausch im Alter, damit Fläche dorthin kommt, wo sie gebraucht wird.
- Genossenschaftliches Wohnen, das Mieter zu Miteigentümern macht.
- Untervermietung selten genutzter Zimmer statt dauerhaftem Leerstand.
- Gemeinschaftsräume für Werkstatt, Gästezimmer und Waschküche teilen.
- Leerstand im Erdgeschoss zu Treffpunkt, Praxis oder Dorfladen umwidmen.
Wo es hakt
- Steuer und Recht: Mietfreies Wohnen gilt als geldwerter Vorteil, die geleisteten Stunden müssen sauber dokumentiert werden, und eine private Haftpflicht ist Pflicht.
- Grenze der Hilfe: Pflege im engeren Sinn ist bei „Wohnen für Hilfe“ ausdrücklich ausgeschlossen, dafür braucht es weiterhin einen Pflegedienst.
- Vermittlung: Das passende Paar zu finden kostet Zeit, viele Studierendenwerke haben lange Wartelisten und wenig Personal für die Begleitung.
Generationen und Sorge: Hilfe auf Gegenseitigkeit

Sorge lässt sich organisieren, lange bevor der teure Pflegedienst nötig wird. Wie gut das im Großen trägt, zeigt ein staatlich gefördertes Netz: Im Bundesprogramm „Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander“ fördert der Bund rund 530 Häuser deutschlandweit, in denen Hausaufgaben gemacht, Sprachen geübt und Kaffee getrunken werden. Jedes Haus erhält bis zu 40.000 Euro Bundeszuschuss im Jahr, dazu 10.000 Euro Kofinanzierung von Kommune oder Land.
Das Prinzip funktioniert auch ganz ohne Programm. Eine Nachbarschaft, die Stunden statt Rechnungen verbucht, hält Hilfe im Kreis und Geld im Portemonnaie. Der entscheidende Gedanke ist das Konto auf Gegenseitigkeit: heute helfen, später Hilfe ziehen.
Konkret reicht das Spektrum vom Pflegekreis mit Stundenkonto über die Leih-Oma für Familien ohne nahe Großeltern bis zum Tandem, in dem Jugend das Smartphone und Alter das Kochen erklärt. Ein bezahlter Quartiers-Kümmerer kann diese losen Fäden bündeln, damit aus gutem Willen verlässliche Struktur wird.
- Nachbarschafts-Pflegekreise mit Stundenkonto, das Hilfe heute gegen Hilfe morgen verrechnet.
- Leih-Oma und Leih-Opa für Familien ohne nahe Großeltern.
- Schüler-Senioren-Tandems für Technik gegen Handwerk und Kochen.
- Quartiers-Kümmerer, eine bezahlte Person, die pro Viertel die Hilfe koordiniert.
- Demenzfreundliche Geschäfte mit geschultem Personal und mehr Zeit an der Kasse.
- Ehrenamtliche Besuchsdienste gegen Einsamkeit im hohen Alter.
- Gemeinsames Kochen mehrerer Haushalte für Tischgesellschaft und kleinere Rechnung.
Wo es hakt
- Befristete Förderung: Das Bundesprogramm läuft bis Ende 2028, danach steht jedes Haus vor der Frage der Anschlussfinanzierung.
- Kommunaler Eigenanteil: Ohne die jährlichen 10.000 Euro von Kommune oder Land fällt die Bundesförderung weg, klamme Kommunen tun sich damit schwer.
- Ehrenamt trägt die Hauptlast: Stundenkonten und Besuchsdienste leben von Freiwilligen, deren Zahl nicht beliebig wächst und die selbst altern.
Teilen statt besitzen

Die meisten Werkzeuge verbringen ihr Leben im Keller. Eine geteilte Bohrmaschine pro Straße ersetzt zwanzig private, ohne dass jemand auf das Loch in der Wand verzichtet. Genau dieser Gedanke trägt eine ganze Bewegung: Bis 2024 gründeten sich allein in Deutschland rund 2.000 Reparatur-Initiativen, koordiniert vom Netzwerk Reparatur-Initiativen der Stiftung anstiftung.
Im Repair Café schraubt nicht ein Servicebetrieb, sondern die Nachbarschaft gemeinsam an Toaster und Nähmaschine. Reparieren spart Geld und stiftet nebenbei Kontakt zwischen Menschen, die sich sonst nie begegnet wären. Der Besitz des einzelnen Geräts verliert an Bedeutung, sobald der Zugang gesichert ist.
Die Idee wächst über das Werkzeug hinaus. Eine Bibliothek der Dinge verleiht Beamer, Bohrhammer und Raclette, in Berlin macht das der Leihladen Leila seit Jahren vor. Dazu kommen Kleidertausch statt Neukauf, Saatgut- und Pflanzentausch im Frühjahr und ein Gemeinschaftsauto pro Hausgemeinschaft, das gleich mehrere Zweitwagen erspart.
- Werkzeug-Bibliothek: Die Bohrmaschine gehört dem Stadtteil, nicht jedem Haushalt.
- Bibliothek der Dinge in der Stadtbücherei, von Beamer bis Raclette.
- Repair Cafés besuchen, statt funktionierende Geräte wegzuwerfen.
- Geräte-Sharing für Hochdruckreiniger, Anhänger und Festtagsgeschirr.
- Saatgut- und Pflanzentausch unter Nachbarn.
- Kleidertausch-Partys statt Neukauf jeder Saison.
- Gemeinschaftsauto pro Hausgemeinschaft statt drei Zweitwagen.
Wo es hakt
- Haftung und Versicherung: Repair Cafés arbeiten in einer Grauzone, deshalb unterschreiben Besucher meist einen Haftungsausschluss, und der Verein braucht eine passende Versicherung.
- Ersatzteile: Viele Geräte lassen sich kaum noch öffnen, das geplante Recht auf Reparatur soll hier nachbessern.
- Verschleiß der Aktiven: Eine Werkzeug-Bibliothek lebt von wenigen Engagierten, fällt die Schlüsselperson aus, steht oft das ganze Projekt still.
Nachbarschaft, die trägt

Gemeinschaft entsteht selten von allein, doch sehr günstig. In Berlin verteilt die Initiative foodsharing überschüssige Lebensmittel über öffentliche Kühlschränke, die seit 2025 als auffällig gestaltete Kiez-Box im Stadtbild stehen und bei der Lebensmittelaufsicht registriert sind. Bundesweit retten ehrenamtliche Foodsaver in über 300 Orten Lebensmittel, von Aachen bis Zwickau, getragen von über 460.000 registrierten Menschen. In Freising betreibt der Verein „übrig“ sogar ein Café, das Speisen aus geretteten Zutaten kostenlos ausgibt.
Solche Orte kosten wenig und schaffen das, was Geld nicht kauft. Ein Schrank für brauchbare Dinge, ein Gemeinschaftsgarten auf einer Brachfläche, eine wöchentliche offene Tafel zum Selbstkostenpreis: Jede dieser Anlaufstellen stiftet Vertrautheit zwischen Fremden. Eine lebendige Straße ist zugleich die billigste Versicherung gegen Notlagen, weil Nachbarn merken, wenn jemand drei Tage nicht aus dem Haus kommt.
Ergänzend hilft die Technik. Eine kleine Straßen-App fürs Mikro-Quartier organisiert geliehene Leiter, gehütete Katze und spontane Mitfahrt, und gezielte Begrüßungsrunden holen Neuzugezogene aus der Anonymität. Klassische Tafeln bleiben dabei die Schwergewichte der Lebensmittelrettung, rund 960 Tafeln in Deutschland geben mit 60.000 Ehrenamtlichen jährlich etwa 265.000 Tonnen Lebensmittel aus.
- Foodsharing-Kühlschränke für überschüssige Lebensmittel.
- Gemeinschaftsgärten auf ungenutzten Flächen.
- Offene Tafel, ein wöchentliches Essen zum Selbstkostenpreis.
- Umsonstladen oder Geschenkeschrank für Brauchbares.
- Straßen-App fürs Mikro-Quartier: Werkzeug leihen, Katze füttern, Mitfahrt anbieten.
- Begrüßungsrunden für Neuzugezogene.
- Einkaufsgemeinschaften, die über Großmengen den Preis drücken.
Wo es hakt
- Lebensmittelrecht: Für öffentliche Kühlschränke gelten Hygiene- und Dokumentationspflichten, das Land Baden-Württemberg verweist ausdrücklich auf die Verantwortung der Betreiber und die örtliche Lebensmittelaufsicht.
- Pflege der Orte: Ein Fairteiler verkommt schnell ohne Freiwillige, die täglich reinigen und Verdorbenes entfernen.
- Fläche und Trägerschaft: Gemeinschaftsgärten und Umsonstläden brauchen Räume, deren Miete und Versicherung jemand verlässlich übernimmt.
Zeit und Arbeit neu verteilen

Geld ist knapp, Zeit lässt sich umverteilen. In einem Tauschring zahlt niemand mit Euro, sondern mit Stunden: Buchhaltung gegen Gartenarbeit, Nachhilfe gegen Reparatur. Die verbuchte Stunde wird zur Währung, die nicht an der Inflation leidet und im Quartier bleibt.
Auch die klassische Erwerbsarbeit lässt Spielraum. Eine kürzere Woche oder ein Sabbatical für die Pflege schaffen Raum für Familie und Ehrenamt, ohne den Job zu kosten. Ältere mit Erfahrung bleiben als Mentoren wertvoll, lange nach dem letzten Arbeitstag, und ein Co-Working im Dorfgemeinschaftshaus spart das tägliche Pendeln.
Der gemeinsame Nenner ist die bewusste Verteilung knapper Zeit. Ein dokumentiertes Ehrenamts-Zeitkonto würdigt geleistete Stunden und macht Engagement sichtbar, eine wechselnde Kinderbetreuung unter Nachbarn entlastet alle beteiligten Haushalte zugleich.
- Tauschringe: Dienstleistung gegen Dienstleistung, ganz ohne Geld.
- Ehrenamts-Zeitkonten, von der Kommune dokumentiert und gewürdigt.
- Vier-Tage-Woche als Experiment für mehr freie Zeit.
- Sabbatical-Modelle für Pflegephasen ohne Jobverlust.
- Ruheständler als Mentoren, damit Wissen im Ort bleibt.
- Co-Working im Dorfgemeinschaftshaus statt täglichem Pendeln.
- Nachbarschaftliche Kinderbetreuung im wechselnden Turnus.
Wo es hakt
- Steuerliche Grauzone: Sobald ein Tausch wie eine gewerbliche Leistung wirkt, kann das Finanzamt Interesse zeigen, klare Regeln und Maßhalten sind nötig.
- Verwaltung und Vertrauen: Stundenkonten funktionieren nur mit fairer Buchführung und einer Person, die das Ganze pflegt.
- Arbeitsrecht: Vier-Tage-Woche und Sabbatical setzen einen mitspielenden Arbeitgeber voraus, im Kleinbetrieb ist der Spielraum oft eng.
Lokale Wirtschaft: Geld im Ort halten

Jeder Euro, der vor Ort bleibt, arbeitet zweimal. Die solidarische Landwirtschaft führt das vor: Eine Gruppe von Haushalten finanziert einen Hof im Voraus und teilt das Risiko, dafür landet die Ernte ohne Handelsspanne auf dem Küchentisch. Diese Idee boomt, 2025 waren beim Netzwerk Solidarische Landwirtschaft über 485 bestehende Solawis registriert, weitere 95 in Gründung, nach gerade einmal 30 Höfen im Jahr 2013. Die Freiburger Gartencoop gehört zu den bekanntesten Vertretern der Bewegung.
Der Charme liegt in der Planungssicherheit für beide Seiten. Der Hof produziert bedarfsgerecht statt für den Weltmarkt, die Mitglieder wissen, woher ihr Essen stammt. Manche Solawi verteilt die Last über ein solidarisches Bieterverfahren, bei dem einmal im Jahr alle Kosten offengelegt werden, bei größeren Betrieben durchaus 200.000 Euro, und jeder anonym beiträgt, was er kann. Das Geld wechselt so den Besitzer, ohne die Region zu verlassen.
Daneben halten Bürgergenossenschaften den letzten Laden, den Bäcker oder die Energieversorgung in gemeinsamer Hand. Regionalwährungen wie der Chiemgauer binden Kaufkraft an die Region, und ein per Crowdfunding geretteter Dorfladen wird zum Treffpunkt, der weit mehr leistet als Verkauf.
- Bürgergenossenschaften für Dorfladen, Bäcker oder Energie.
- Solidarische Landwirtschaft, die Ernte vorfinanzieren und Risiko teilen.
- Regionalwährungen und Gutscheinsysteme, die Kaufkraft binden.
- Crowdfunding für den letzten Laden am Ort.
- Second-Hand und Reparatur als Normalfall statt Neukauf.
- Lokales Schwarzes Brett für Dienstleistungen statt Versandriese.
- Direktvermarktung ab Hof und Manufaktur.
Wo es hakt
- Vorfinanzierung und Bindung: Eine Solawi verlangt feste Jahresbeiträge und treue Mitglieder, Abbrüche reißen schnell Löcher in das Budget.
- Ernterisiko: Geteiltes Risiko heißt auch geteilter Verlust, in schlechten Jahren liegt weniger im Korb.
- Gründungsaufwand: Genossenschaften brauchen Kapital, einen Prüfungsverband und Engagierte mit langem Atem, der Weg dahin ist bürokratisch.
Mobilität und Versorgung auf dem Land

Auf dem Land frisst das eigene Auto oft mehr, als der Besitzer ahnt. Ein privater Pkw steht im Schnitt 23 Stunden am Tag ungenutzt herum, wie teuer diese scheinbare Freiheit wirklich ist, hat die Redaktion im Beitrag Macht Sie Ihr Auto frei oder arm? durchgerechnet. CarSharing bündelt diese Leerlaufzeit, und längst nicht mehr nur in Großstädten: Zum 1. Januar 2026 boten stationsbasierte Anbieter in 1.479 Städten und Gemeinden ein CarSharing an, mit 978.300 angemeldeten Fahrberechtigten. In Baden-Württemberg führt Karlsruhe das Versorgungsranking sogar vor München und Hamburg an.
Wo der Linienverkehr ausdünnt, springen Bürger selbst ein. Eine Mitfahrbank am Ortsrand signalisiert den Wunsch nach einer Mitfahrt, ein ehrenamtlich gefahrener Bürgerbus schließt die Lücke im Fahrplan. Die geteilte Fahrt ersetzt so den teuren Zweitwagen, ohne dass jemand unbeweglich wird.
Auch die Versorgung lässt sich bündeln statt aufgeben. Ein rollender Bäcker, ein Bücherbus und gebündelte Lieferungen halten Erreichbarkeit aufrecht, wo Geschäfte längst geschlossen haben. Telemedizin-Punkte mit Pflegekraft vor Ort und Arzt per Video sowie digitale Sprechstunden für den Behördenkram bringen Stadtleistungen ins Dorf.
- Mitfahrbänkle: Die besetzte Bank signalisiert den Wunsch nach einer Mitfahrt.
- Bürgerbusse, ehrenamtlich gefahren, wo der Linienverkehr fehlt.
- Rollende Versorgung durch Bäcker-, Arzt- und Bücherbus.
- Lastenrad-Verleih kostenlos über die Kommune.
- Gebündelte Lieferungen statt zwanzig einzelner Pakettouren.
- Telemedizin-Punkte im Dorf, mit Pflegekraft vor Ort und Arzt per Video.
- Digitale Sprechstunden, in denen Jüngere Älteren den Behördenkram erklären.
- Wissens-Tausch-Abende, von Bürgern für Bürger.
Wo es hakt
- Wirtschaftlichkeit in der Fläche: Der Bundesverband CarSharing nennt gestiegene Kosten für Beschaffung und Versicherung als Bremse, dünn besiedelte Räume rechnen sich schwer.
- Recht und Defizit: Ein Bürgerbus braucht Trägerverein, Versicherung und passenden Führerschein, das Defizit deckt meist die Kommune.
- Verlässlichkeit: Ehrenamtliche Fahrten und Sprechstunden stehen und fallen mit der Zahl der Freiwilligen, ohne Vertretung bricht der Fahrplan.
Knappheit zwingt zur Kooperation

Die rote Linie durch alle fünfzig Punkte ist dieselbe. Sinkende Zahlen und engere Budgets erzwingen Zusammenarbeit, und diese Zusammenarbeit ist oft nicht nur die billigere, sondern auch die schönere Lösung. Ein gutes Zusammenleben misst sich am Ende weniger am Vermögen als an der Verbindlichkeit zwischen Menschen.
Ehrlich bleibt das Bild nur mit dem Hinweis auf den Preis. Fast jede dieser Ideen kostet Organisation, rechtliche Sorgfalt und vor allem Menschen, die anpacken und dranbleiben. Die größte Währung dieser fünfzig Vorschläge ist nicht der gesparte Euro, sondern die investierte Zeit.
Reichtum macht das Zusammenleben bequemer, aber nicht besser. Die teuerste Gesellschaft, die ich kenne, ist die, in der jeder alles allein besitzt und niemand mehr jemanden braucht. Mir ist eine Straße mit einer geteilten Bohrmaschine und zwanzig Gesprächen lieber als zwanzig Bohrmaschinen und kein einziges. Sparen ist dabei nur der Nebeneffekt, der eigentliche Gewinn heißt: nicht allein zu sein, wenn es darauf ankommt.“
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der erste Schritt kostet nichts außer der Bereitschaft, beim Nachbarn zu klingeln. Vom geliehenen Werkzeug bis zur gemeinsamen Mahlzeit beginnt fast jede dieser Ideen mit einem einzigen Gespräch.
Glossar
Suffizienz bezeichnet das bewusste Maßhalten beim Verbrauch. Statt immer mehr zu besitzen, fragt der Ansatz nach dem rechten Maß und nach dem Punkt, an dem genug erreicht ist.
Wohnen für Hilfe ist ein Modell, bei dem Wohnraum gegen Alltagshilfe statt gegen Kaltmiete vergeben wird. Als Faustregel gilt eine Stunde Hilfe im Monat je Quadratmeter, vermittelt meist über Studierendenwerke.
Mehrgenerationenhaus meint einen offenen Begegnungsort, an dem sich Menschen aller Altersgruppen treffen und unterstützen. Der Bund fördert rund 530 solcher Häuser im laufenden Programm bis 2028.
Solidarische Landwirtschaft bündelt Verbraucher und einen Hof zu einer Gemeinschaft. Die Ernte wird vorfinanziert, das Risiko geteilt, der Ertrag aufgeteilt.
Tauschring ist ein Netzwerk, in dem Mitglieder Leistungen ohne Geld verrechnen. Als Recheneinheit dient die geleistete Stunde, nicht der Euro.
Häufige Fragen

Wie gelingt Zusammenleben mit wenig Geld?
Gelingendes Zusammenleben ersetzt Ausgaben durch Gegenseitigkeit. Geteilte Werkzeuge, getauschte Zeit und gemeinsam genutzte Räume senken die Kosten und schaffen nebenbei Kontakt, der bei Bedarf trägt.
Was ist das Modell Wohnen für Hilfe?
Bei diesem Modell stellt eine Person ein Zimmer mietfrei zur Verfügung und erhält dafür Alltagshilfe. Als Faustregel gilt eine Stunde Hilfe pro Monat je Quadratmeter, nur die Nebenkosten bleiben, Pflege ist ausgeschlossen.
Lohnen sich Repair Cafés und geteilte Werkzeuge wirklich?
Reparieren und Leihen sparen Anschaffungs- und Neukaufkosten und verlängern die Lebensdauer vieler Geräte. Der eigentliche Mehrwert liegt im gemeinsamen Tun und im Wissen, das dabei weitergegeben wird.
Was kosten Gemeinschaftsmodelle die Kommune?
Viele Modelle brauchen einen kommunalen Eigenanteil, etwa die Kofinanzierung der Mehrgenerationenhäuser oder das Defizit eines Bürgerbusses. Diese Beträge sind meist klein gegenüber den Kosten wegfallender Versorgung oder zunehmender Vereinsamung.
Was ist die größte Hürde beim Zusammenleben mit wenig Geld?
Nicht das Geld, sondern der Anfang und das Dranbleiben. Fast jede Idee steht und fällt mit wenigen Engagierten, klaren Regeln und einer fairen Verteilung des Aufwands.
Quellen

- Statistisches Bundesamt, 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung (11.12.2025): https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_446_12.html
- Deutsches Studierendenwerk, Wohnen für Hilfe: https://www.studierendenwerke.de/themen/wohnen/tipps-zur-wohnungssuche/wohnen-fuer-hilfe
- BMFSFJ / BAFzA, Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus (2021–2028): https://www.bafza.de/engagement-und-aktionen/mehrgenerationenhaeuser/bundesprogramm-mehrgenerationenhaus-miteinander-fuereinander-2021-2028
- anstiftung, Netzwerk Reparatur-Initiativen: https://anstiftung.de/praxis/reparieren
- oekolandbau.de (BLE), foodsharing und solidarische Landwirtschaft: https://www.oekolandbau.de/umwelt-und-gesellschaft/ernaehrung-und-landwirtschaft/foodsharing/
- Bundesverband CarSharing, Carsharing-Statistik 2026: https://www.carsharing.de/carsharing-statistik-2026