Stationärer Handel Beitragsbild
25. März 2026
Reading Time: 15 minutes

Braucht der stationäre Handel noch einen eigenen Onlineshop?

Michael Dobler

Michael Dobler

Autor Dr. Web
4.8
(18)

Kommt drauf an, ob Sie gerne Geld verbrennen.

Einen eigenen Onlineshop betreiben oder lieber auf bestehende Plattformen setzen? Stationäre Händler stehen 2026 vor genau dieser Frage. Die Antwort fällt anders aus, als viele Digitalberater behaupten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein eigener Onlineshop kostet stationäre Händler schnell 500 bis 2.000 € monatlich, bringt aber oft kaum Traffic
  • Plattformmodelle wie Marktplätze senken die Einstiegshürde und liefern vom ersten Tag an Reichweite
  • Der stationäre Handel macht in Deutschland weiterhin über 80 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes aus
  • Die profitabelste Strategie für die meisten Händler: Stärken im Laden ausspielen und online über Plattformen verkaufen
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Die Ruhe vor dem Sturm? Wohl eher die Ruhe nach der Investition. Während draußen das echte Leben shoppt, bleibt im Admin-Bereich alles beim Alten: Null komma Null.

Warum investieren so viele Händler in Shops, die niemand besucht?

Die Rechnung klingt simpel. Sie bauen einen Onlineshop, stellen Ihre Produkte ein und verdienen ab sofort auch im Internet Geld. In der Praxis scheitern die meisten stationären Händler genau daran.

Onlineshop-Stationärer Handel Shops ohne Besucher
Während der Agenturchef eine ‚2000% Umsatz-Explosion‘ an die Wand malt, zeigt der Online-Shop von ‚Modehaus Schmidt‘ heute genau 0 Bestellungen.

Ein professioneller Onlineshop auf Basis von Shopify, Shopware oder WooCommerce kostet in der Einrichtung zwischen 2.000 und 30.000 €. Dazu kommen laufende Kosten für Hosting, Wartung, Updates und Plugins. Bei kleinen bis mittelgroßen Shops liegen die monatlichen Betriebskosten zwischen 100 und 500 €.

Das Problem hört bei den Technikkosten aber nicht auf. Ohne Marketingbudget findet niemand Ihren Shop. Suchmaschinenoptimierung, Google Ads, Social-Media-Kampagnen: Professionelle SEO-Dienstleister verlangen 250 bis 5.000 € im Monat. Für einen Fachhändler mit drei Mitarbeitenden fressen diese Summen den gesamten Onlineumsatz auf.

Was viele unterschätzen: Ein Onlineshop bringt auch rechtliche Pflichten mit sich. Seit Juli 2022 müssen sich alle Händler, die Verpackungen in Umlauf bringen, beim Zentralen Verpackungsregister LUCID registrieren. Dazu kommt die Pflicht zur Widerrufsbelehrung, ein rechtskonformes Impressum, eine DSGVO-konforme Datenschutzerklärung und seit 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Verstöße kosten Bußgelder, die schnell fünfstellig werden.

Und dann die Retouren. Im stationären Handel liegt die Retourenquote nahe null. Online schicken Kunden je nach Branche 20 bis 40 % der Ware zurück. Jede Retoure kostet Sie Versand, Prüfung, Neuverpackung und oft einen Wertverlust. Die Universität Bamberg beziffert die durchschnittlichen Kosten pro Retoure auf rund 7 bis 10 €. Bei 100 Retouren im Monat sind das 700 bis 1.000 € Zusatzkosten, die in keiner Shopsystem-Werbung auftauchen.

Was macht der stationäre Handel eigentlich besser als sein Ruf?

Der Handelsverband Deutschland prognostiziert für 2026 einen Umsatz von über 601 Milliarden € im stationären Einzelhandel. Der E-Commerce-Anteil am gesamten Einzelhandel liegt laut Statista bei rund 16 %. Über 80 % aller Einzelhandelsumsätze finden also nach wie vor in physischen Geschäften statt. Trotzdem dominieren wenige Konzerne den Online-Markt so stark, dass einzelne Fachhändler gegen diese Übermacht kaum bestehen können.

Warum kaufen Kunden trotzdem im Laden? Weil der stationäre Handel etwas bietet, das kein Onlineshop kopieren kann. Persönliche Beratung, sofortige Verfügbarkeit, das Erlebnis, Produkte anfassen und ausprobieren zu können. Gerade bei beratungsintensiven Produkten wie Möbeln, Mode oder Elektronik bleibt der Ladenkauf für viele Kunden der bevorzugte Weg.

Hinzu kommt der sogenannte ROPO-Effekt: Research Online, Purchase Offline. Kunden informieren sich im Internet, kaufen aber im Geschäft. Dabei spielen Online-Bewertungen eine zentrale Rolle, selbst wenn der Kauf am Ende stationär stattfindet. Für lokale Händler bedeutet das: Schon eine gute Google-Business-Präsenz kann mehr Umsatz bringen als ein mittelmäßiger Onlineshop.

KriteriumStationärer HandelEigener OnlineshopPlattform/Marktplatz
StartkostenBestandskosten2.000–30.000 €Gering bis keine
Laufende KostenMiete, Personal500–2.000 €/MonatProvision pro Verkauf
ReichweiteLokalTheoretisch unbegrenzt, praktisch geringSofort hoch
BeratungPersönlichChatbot, FAQEingeschränkt
KundenvertrauenHochMuss aufgebaut werdenPlattformvertrauen
RetourenquoteNahe null20–40 %20–30 %
Rechtliche PflichtenÜberschaubarHoch (Widerruf, DSGVO, Verpackungsgesetz)Teilweise von Plattform übernommen


Onlineshop: Hype oder Erfolgsgarant? Diese Fakten müssen Sie kennen
Lohnt sich ein eigener Onlineshop oder nicht? Dieses Video von easybill TV beleuchtet Vorteile und Herausforderungen für Händler, die zwischen eigenem Shop und Marktplätzen abwägen.

Wann lohnt sich ein eigener Shop trotzdem?

Nicht jeder Händler sollte auf den eigenen Shop verzichten. Die entscheidende Frage lautet: Haben Sie ein Alleinstellungsmerkmal, das online funktioniert?

Eigenmarken mit treuer Kundschaft, Nischenprodukte ohne starke Online-Konkurrenz oder erklärungsbedürftige Spezialwaren können im eigenen Shop besser aufgehoben sein als auf einem Marktplatz. Sie kontrollieren die Marke, die Kundendaten und die gesamte Customer Journey.

Für einen Fachhändler für hochwertige Küchengeräte mit eigener Beratungskompetenz kann ein Onlineshop als Verlängerung des stationären Erlebnisses funktionieren. Voraussetzung: genug Budget für Content, SEO und langfristigen Markenaufbau. Rechnen Sie mit mindestens 12 bis 18 Monaten, bis ein neuer Shop organischen Traffic aufbaut.

Unterschätzt wird auch der Personalaufwand. Bestellungen verpacken, Retouren bearbeiten, Kundenanfragen beantworten, Produktfotos pflegen, Beschreibungen aktualisieren. Selbst ein kleiner Shop bindet schnell eine halbe bis ganze Stelle. Diese Personalkosten tauchen in den meisten Kostenvergleichen nicht auf, obwohl sie den größten Posten ausmachen.

Welche Alternative haben Händler, die trotzdem online verkaufen wollen?

Plattformen und Marktplätze bieten stationären Händlern einen risikoärmeren Einstieg in den E-Commerce. Besonders das Dropshipping-Modell über Amazon zeigt, wie weit sich der Aufwand für den Händler reduzieren lässt. Das Prinzip: Sie listen Ihre Produkte auf einer bestehenden Plattform, die bereits über Traffic, Zahlungsabwicklung und Marketing verfügt. Sie kümmern sich um Verpackung und Versand.

Das Modell funktioniert in zahlreichen Branchen. Von Schuhen und Mode über Möbel bis hin zu Maschinen und Dentaltechnik vernetzen Plattformlösungen stationäre Händler mit Online-Käufern. Kein eigenes Webshop-Projekt, keine Technikrisiken, keine Abhängigkeit von Google-Rankings.

Die Margen fallen auf Marktplätzen niedriger aus als im eigenen Laden. Die Provision pro Verkauf liegt je nach Plattform zwischen 10 und 20 %. Dafür entfallen die hohen Fixkosten eines eigenen Shops. Sie zahlen nur, wenn tatsächlich verkauft wird. Und viele rechtliche Pflichten wie Zahlungsabwicklung, teilweise auch Widerrufsmanagement, übernimmt die Plattform.

Plattform vs. Eigenregie: Die Kostenrechnung

Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Fachhändler investiert 15.000 € in einen eigenen Onlineshop und zahlt monatlich 1.000 € für Betrieb und Marketing. Dazu kommt eine halbe Stelle für Bestellabwicklung und Kundenservice, also rund 1.500 € monatlich. Nach einem Jahr hätte er 45.000 € ausgegeben. Bei einer realistischen Conversion Rate von 2 % und durchschnittlich 50 Besuchern pro Tag ergäben sich rund 365 Bestellungen im Jahr. Bei einem durchschnittlichen Warenkorb von 80 € wären das 29.200 € Bruttoumsatz. Abzüglich Wareneinsatz, Versand, Retouren und Personalkosten bliebe ein deutliches Minus.

Über eine Plattform zahlt derselbe Händler keine Einrichtungskosten und eine Provision von 15 % auf den Umsatz. Die Plattform liefert mehr Traffic und übernimmt Marketing und Kundenservice. Bei gleicher Warenkorbgröße und 1.000 Bestellungen im Jahr ergäben sich 80.000 € Umsatz, abzüglich 12.000 € Provision. Der Personalaufwand reduziert sich auf das Verpacken und Versenden. Unter dem Strich steht ein deutlich besseres Ergebnis.

„Ein Fachhändler, der fünfstellig in einen eigenen Onlineshop investiert, konkurriert ab Tag eins mit Amazon um Google-Klicks. Über eine Plattform verkauft er ab Tag eins.“ — Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Checkliste: Brauchen Sie wirklich einen eigenen Onlineshop?

Bevor Sie in einen eigenen Shop investieren, rechnen Sie alle Kosten über 24 Monate durch. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, die Entscheidung nüchtern zu treffen.

Eigener Onlineshop oder Plattform?
Fünf Fragen zur richtigen Entscheidung für Ihren Fachhandel
Ja-Pfad
Nein-Pfad
Frage
1

Verkaufen Sie Eigenmarken oder Nischenprodukte, die Kunden gezielt bei Ihnen suchen?

↓ Ja
→ Nein
Plattform nutzen

Ohne Eigenmarke konkurrieren Sie online gegen Amazon und Co. Verkaufen Sie über Marktplätze und sparen Sie sich die Shop-Investition.

2

Haben Sie mindestens 1.000 € monatlich für Marketing und SEO übrig?

↓ Ja
→ Nein
Plattform nutzen

Ohne Marketingbudget bleibt Ihr Shop unsichtbar. Über eine Plattform zahlen Sie nur bei Verkauf – kein Fixkosten-Risiko.

3

Können Sie eine halbe Stelle für Bestellabwicklung, Retouren und Kundenservice abstellen?

↓ Ja
→ Nein
Stationär bleiben

Online-Verkauf bindet Personal. Ohne zusätzliche Kapazität leidet Ihr Kerngeschäft. Investieren Sie lieber in Ihren Laden.

4

Können Sie 18 Monate auf Gewinn aus dem Onlinegeschäft verzichten?

↓ Ja
→ Nein
Plattform nutzen

Ein eigener Shop braucht 12 bis 18 Monate, bis er organisch Traffic aufbaut. Plattformen liefern Umsätze ab dem ersten Tag.

5

Liegt Ihr durchschnittlicher Warenkorb über 100 €?

↓ Ja
→ Nein
Eigener Shop lohnt sich

Eigenmarke, Budget, Personal, Geduld und hoher Warenkorb – alle Voraussetzungen erfüllt. Bauen Sie Ihren Shop als Markenplattform auf.

Plattform nutzen

Bei niedrigem Warenkorb fressen Versand und Retouren die Marge. Über eine Plattform verkaufen Sie profitabler.

Total-Cost-Checkliste: Eigener Onlineshop in 24 Monaten

KostenblockTypische Spanne (24 Monate)Anmerkung
Einrichtung (Agentur/Freelancer)2.000–30.000 €Einmalig, aber oft mit Nachbesserungen
Shopsystem-Lizenz/Hosting720–4.800 €30–200 €/Monat, je nach System
Wartung, Updates, Bugfixes2.400–12.000 €100–500 €/Monat
Produktfotografie500–5.000 €Abhängig vom Sortimentsumfang
SEO und Content-Marketing6.000–120.000 €250–5.000 €/Monat
Google Ads / Social Ads4.800–48.000 €200–2.000 €/Monat
Personalkosten (halbe Stelle)36.000–48.000 €Bestellabwicklung, Retouren, Support
Zahlungsanbieter-GebührenVariabelCa. 1,5–3 % vom Umsatz
Retouren-KostenVariabel7–10 € pro Retoure
Rechtliche Absicherung500–3.000 €AGB, Datenschutz, Widerrufsbelehrung
Verpackungslizenz (LUCID)100–500 €Jährlich, abhängig von Verpackungsmengen
Summe Fixkosten (ohne Retouren/Gebühren)53.020–271.300 €

Zehn Fragen vor der Entscheidung

Beantworten Sie jede Frage mit Ja oder Nein. Je mehr Nein-Antworten, desto eher fahren Sie mit einer Plattformlösung besser.

  1. Verkaufen Sie Produkte, die Kunden gezielt bei Ihnen suchen (Eigenmarke, Nische)?
  2. Haben Sie ein Marketingbudget von mindestens 1.000 € monatlich für den Shop?
  3. Können Sie eine halbe Stelle für Bestellabwicklung und Kundenservice abstellen?
  4. Liegt Ihre erwartete Retourenquote unter 15 %?
  5. Haben Sie bereits eine bestehende Online-Community oder E-Mail-Liste mit über 1.000 Kontakten?
  6. Können Sie mindestens 18 Monate auf Gewinn aus dem Onlinegeschäft verzichten?
  7. Verfügen Sie über ein Warenwirtschaftssystem, das Online- und Offline-Bestände synchronisiert?
  8. Haben Sie intern oder extern jemanden, der Produktfotos und Beschreibungen professionell erstellt?
  9. Kennen Sie Ihre Stückkosten pro Online-Bestellung (Versand, Verpackung, Retoure, Kundenservice)?
  10. Liegt Ihr durchschnittlicher Warenkorb über 100 €?

Auswertung:

ErgebnisEmpfehlung
8–10 × JaEin eigener Onlineshop kann sich für Sie lohnen
5–7 × JaStarten Sie über eine Plattform und prüfen Sie nach 12 Monaten erneut
0–4 × JaInvestieren Sie in Ihre stationäre Präsenz und nutzen Sie Marktplätze für den Online-Umsatz

Welche Strategie passt zu welchem Händlertyp?

Die richtige Digitalstrategie hängt von Ihrer Ausgangslage ab.

Typ 1: Der lokale Spezialist. Sie betreiben ein Fachgeschäft mit starker Beratungskompetenz und treuer Stammkundschaft. Ihre Produkte sind erklärungsbedürftig oder sensorisch erlebbar. Für Sie reicht eine gute Google-Business-Präsenz, lokales SEO und ein gepflegter Social-Media-Auftritt. Einen eigenen Onlineshop brauchen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht.

Typ 2: Der Sortimentshändler. Sie führen ein breites Sortiment an Markenprodukten, die auch online verfügbar sind. Ein eigener Onlineshop bringt wenig, weil Sie gegen Amazon, Zalando und spezialisierte Shops antreten müssten. Plattformen und Marktplätze sind der effizientere Weg.

Typ 3: Der Nischenhändler mit Eigenmarke. Sie verkaufen Produkte, die so nur bei Ihnen zu haben sind. Ihre Marke hat eine Community. Hier kann ein eigener Onlineshop funktionieren, weil Kunden gezielt nach Ihnen suchen. Investieren Sie in Content-Marketing und bauen Sie den Shop als Markenplattform auf.

Typ 4: Der Multichannel-Profi. Sie kombinieren stationäres Geschäft, eigenen Shop und Plattformpräsenz. Dieses Modell verlangt das höchste Investment, bietet aber die größte Unabhängigkeit. Voraussetzung: ein Warenwirtschaftssystem, das alle Kanäle synchronisiert, und genug Personal für die parallele Abwicklung.

Wie verändert sich der stationäre Handel in den nächsten Jahren?

Der stationäre Handel stirbt nicht. Aber er sortiert sich neu. Wer mitmachen will, muss seine Stärken bewusst ausspielen und digitale Kanäle gezielt ergänzen. Blindlings eigene Shops zu bauen gehört nicht dazu.

Innenansicht eines gut besuchten Outdoor-Fachgeschäfts. Ein Verkäufer passt einem Kunden einen Wanderrucksack an und justiert die Riemen. Im Hintergrund probiert eine Kundin Wanderschuhe an und wird von einer zweiten Verkäuferin beraten. Warmes Ladenlicht, viele bunte Produkte in den Regalen, lebendige und einladende Atmosphäre. Reales Foto, Format 16:9.
Beratung, Anfassen, Anprobieren: Die Stärken des stationären Fachhandels lassen sich online nicht replizieren.

Click & Collect, lokale Online-Verfügbarkeitsprüfung und Videoberatung verbinden die Vorteile beider Welten. Der Laden wird zum Showroom, zum Abhol-Hub und zum Beratungszentrum. Online-Bestellungen ergänzen das stationäre Geschäft, statt es zu ersetzen.

Laut HDE Online-Monitor 2024 gewinnen Marktplätze weiter an Bedeutung: Bereits 54 % des gesamten Online-Handelsumsatzes laufen über Plattformen wie Amazon, eBay und spezialisierte Branchenmarktplätze. Für stationäre Händler heißt das: Die Infrastruktur steht. Sie müssen sie nur nutzen.

Ein Trend verdient besondere Aufmerksamkeit: Lokale Marktplätze. Initiativen wie „Online City Wuppertal“ oder die Plattform Atalanda bündeln Händler einer Stadt auf einer gemeinsamen Plattform. Kunden bestellen online und holen die Ware im Laden ab oder lassen sie lokal liefern. Das Modell verbindet die Sichtbarkeit eines Onlineshops mit den Stärken des lokalen Handels, ohne dass jeder Händler einzeln investieren muss.

Für die meisten stationären Händler bleibt die beste Empfehlung: Sparen Sie sich den eigenen Onlineshop. Stecken Sie das Geld lieber in das, was Sie wirklich gut können. Persönliche Beratung, kuratiertes Sortiment und Kundenerlebnis vor Ort. Den Online-Umsatz holen Sie sich über Plattformen.

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum stationären Handel und E-Commerce

Click & Collect

Click & Collect bezeichnet ein Omnichannel-Konzept, bei dem Kunden Produkte online bestellen und im stationären Geschäft abholen. Für Händler reduziert dieses Modell Versandkosten und bringt zusätzliche Laufkundschaft in den Laden.

Conversion Rate

Die Conversion Rate misst den Anteil der Website-Besucher, die eine gewünschte Aktion ausführen, etwa einen Kauf abschließen. Im E-Commerce liegt die durchschnittliche Rate bei 2 bis 3 %, im stationären Handel deutlich höher.

Customer Journey

Die Customer Journey beschreibt den gesamten Weg eines Kunden vom ersten Kontakt mit einer Marke bis zum Kauf und darüber hinaus. Im Omnichannel-Kontext umfasst sie Online-Recherche, Ladenbesuch, Bestellung und Nachkauf.

E-Commerce

E-Commerce (Electronic Commerce) umfasst den gesamten elektronischen Handel, also den Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen über das Internet. Im deutschen Einzelhandel macht der E-Commerce rund 16 % des Gesamtumsatzes aus.

GMV (Gross Merchandise Value)

Das GMV (Bruttowarenvolumen) beziffert den Gesamtwert aller über eine Plattform abgewickelten Transaktionen vor Abzug von Retouren, Rabatten und Gebühren. Plattformbetreiber nutzen diese Kennzahl als zentrale Wachstumsmetrik.

Marktplatzmodell

Das Marktplatzmodell beschreibt eine E-Commerce-Plattform, auf der verschiedene Händler ihre Produkte anbieten. Der Marktplatzbetreiber stellt die Infrastruktur und erhält eine Provision pro Verkauf.

Multichannel-Strategie

Eine Multichannel-Strategie nutzt mehrere Vertriebskanäle parallel, etwa stationäres Geschäft, eigener Onlineshop und Marktplätze. Im Unterschied zur Omnichannel-Strategie sind die Kanäle nicht zwingend miteinander verknüpft.

Omnichannel

Omnichannel bezeichnet die nahtlose Verknüpfung aller Verkaufskanäle eines Händlers. Kunden können auf jedem Kanal beginnen und auf einem anderen fortsetzen. Die Voraussetzung dafür ist ein zentrales Warenwirtschaftssystem.

Plattformökonomie

Die Plattformökonomie beschreibt Geschäftsmodelle, bei denen ein Vermittler Angebot und Nachfrage auf einer digitalen Plattform zusammenbringt. Im Handel senkt dieses Modell die Einstiegshürde für stationäre Händler in den E-Commerce erheblich.

ROPO-Effekt

Der ROPO-Effekt (Research Online, Purchase Offline) beschreibt das Verhalten von Kunden, die online recherchieren und anschließend im stationären Geschäft kaufen. Für lokale Händler unterstreicht dieser Effekt die Bedeutung einer guten Online-Sichtbarkeit.

SaaS (Software as a Service)

SaaS bezeichnet ein Lizenzmodell, bei dem Software nicht lokal installiert, sondern über das Internet als Dienstleistung genutzt wird. Shopsysteme wie Shopify arbeiten nach diesem Prinzip und berechnen monatliche Nutzungsgebühren.

Warenwirtschaftssystem

Ein Warenwirtschaftssystem (WaWi) steuert Einkauf, Lagerhaltung, Verkauf und Logistik zentral. Für Multichannel-Händler bildet die WaWi die technische Grundlage, um Lagerbestände über alle Kanäle synchron zu halten.

FAQ

Lohnt sich ein eigener Onlineshop für kleine Einzelhändler?

Für die meisten kleinen Einzelhändler rechnet sich ein eigener Onlineshop nicht. Die Kombination aus Einrichtungskosten, laufendem Betrieb und Marketingbudget übersteigt häufig die realistisch erzielbaren Online-Umsätze. Plattformen und Marktplätze bieten eine kostengünstigere Alternative mit sofortiger Reichweite.

Was kostet ein professioneller Onlineshop für den Einzelhandel?

Die Einrichtung kostet je nach System und Agentur zwischen 2.000 und 30.000 €. Hinzu kommen monatliche Betriebskosten von 100 bis 2.000 € für Hosting, Wartung, Updates und SEO. Ein realistisches Jahresbudget liegt für kleine Händler bei mindestens 10.000 €.

Welche Vorteile bieten Marktplätze gegenüber einem eigenen Shop?

Marktplätze liefern vom ersten Tag an Reichweite, übernehmen technische Infrastruktur und Marketing. Händler zahlen nur eine Provision pro Verkauf, tragen kein technisches Risiko und benötigen kein eigenes Marketingbudget. Der Nachteil: geringere Margen und eingeschränkte Kontrolle über die Kundenbeziehung.

Kann ich meinen stationären Laden und einen Onlineshop gleichzeitig betreiben?

Technisch ja, aber der Aufwand wird häufig unterschätzt. Sie benötigen ein Warenwirtschaftssystem, das Lagerbestände über alle Kanäle synchronisiert, sowie personelle Ressourcen für Versand, Retouren und Online-Kundenservice. Ohne diese Grundlage riskieren Sie Überverkäufe und unzufriedene Kunden.

Wie finde ich die richtige Plattform für meinen Fachhandel?

Prüfen Sie, ob spezialisierte Branchenplattformen für Ihre Warengruppe existieren. Fachhandelsplattformen bieten oft bessere Zielgruppenansprache als Generalisten wie Amazon oder eBay. Achten Sie auf Provisionsmodelle, technische Anbindung an Ihr Warenwirtschaftssystem und die Frage, wer den Kundenservice übernimmt.

Stirbt der stationäre Handel aus?

Nein. Der stationäre Einzelhandel in Deutschland setzt weiterhin über 600 Milliarden € pro Jahr um und macht mehr als 80 % des Gesamtumsatzes im Einzelhandel aus. Die Branche verändert sich, aber die Nachfrage nach persönlicher Beratung, sofortiger Verfügbarkeit und dem Einkaufserlebnis vor Ort bleibt stabil.

Quellen

Handelsverband Deutschland (HDE) – Umsatz im stationären Einzelhandel Deutschland – https://www.handelsdaten.de/deutschsprachiger-einzelhandel/umsatz-im-stationaeren-einzelhandel-deutschland-zeitreihe – besucht am 16.03.2026

Handelsverband Deutschland (HDE) – Online-Monitor 2024 – https://einzelhandel.de/images/Online_Monitor_2024_0605.pdf – besucht am 16.03.2026

The Platform Group SE & Co. KGaA – Umsatz 2025 steigt um 39 % auf 728 Mio. EUR – https://the-platform-group.com/blog/2026/01/26/the-platform-group-umsatz-2025-steigt-um-39-auf-728-mio-eur-operatives-ergebnis-deutlich-erhoeht-positiver-ausblick/ – besucht am 16.03.2026

FashionUnited – Platform Group-CEO Dominik Benner: Wie ein ungeplanter Einstieg zum Online-Imperium führte – https://fashionunited.de/nachrichten/personen/platform-group-ceo-dominik-benner-wie-ein-ungeplanter-einstieg-in-das-familien-schuhgeschaft-zum-online-imperium-fuhrte/2026010564799 – besucht am 16.03.2026

Statista – Umsatzvergleich Einzelhandel vs. E-Commerce – https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1154827/umfrage/umsatzvergleich-einzelhandel-vs-e-commerce/ – besucht am 16.03.2026

ibi research – E-Commerce-Anteil am Einzelhandelsumsatz wird bis 2026 nochmals deutlich steigen – https://ibi.de/aktuelle-meldungen/prognose-e-commerce-anteil-am-einzelhandelsumsatz-wird-bis-2026-nochmals-deutlich-steigen – besucht am 16.03.2026

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