Vor der Urlaubsfahrt kaufen Millionen Deutsche schnell online eine Vignette für Österreich oder die Schweiz. Genau dort platzieren Betrüger gefälschte Shops über gesponserte Suchanzeigen, kassieren den Preis und registrieren nie eine gültige Maut. Der Schaden fällt erst an der Mautstelle auf, wenn das Bußgeld kommt.

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Der Vignetten-Betrug läuft im Sommer auf Hochtouren: Kurz vor der Grenze sucht der Fahrer nach „Vignette Österreich kaufen“ und klickt auf das erste Ergebnis. Die Polizei Trostberg in Bayern warnt aktuell vor genau diesem Reflex, denn das oberste Ergebnis ist oft eine bezahlte Anzeige auf einen gefälschten Shop.

Das Wichtigste in Kürze

  • Betrüger schalten gesponserte Suchanzeigen, die offizielle Portale wie asfinag.at nachahmen.
  • Nach der Zahlung entsteht keine gültige Vignette; der Betrug fliegt erst bei der Mautkontrolle auf.
  • Die kennzeichengebundene digitale Vignette macht die Masche unsichtbar, weil kein Aufkleber mehr fehlt.
  • Manuell eingetippte offizielle Adressen und ein geprüfter Zahlbetrag entziehen dem Betrug die Grundlage.

Wie funktioniert die Vignetten-Masche technisch?

Ungültige Vignette 2024 an Angelhaken für 7,90 €: Symbol für Lockangebot/Betrug
Betrüger buchen Suchanzeigen zu „Vignette Österreich“ und kassieren Zahlungen, ohne die Daten an ASFINAG weiterzuleiten

Betrüger buchen gesponserte Suchanzeigen auf Begriffe wie „Vignette Österreich“ und landen so über dem echten Portal. Der nachgebaute Shop kassiert den Preis, leitet die Daten aber nie an ASFINAG weiter. Eine gültige Maut entsteht nie.

Die eigentliche Ursache liegt tiefer als die dreiste Anzeige. Österreich hat die Klebevignette 2018 durch eine rein digitale, kennzeichengebundene Registrierung ersetzt, Slowenien und die Schweiz sind nachgezogen. Ein physischer Beleg an der Windschutzscheibe existiert damit nicht mehr.

Diese Entmaterialisierung macht den Betrug unsichtbar. Der Fahrer bekommt eine Bestätigungs-Mail, die wie ein Kaufbeleg aussieht, doch im ASFINAG-Register fehlt das Kennzeichen. Die Lücke fällt erst auf, sobald die Kamera der Section Control das Nummernschild scannt und im Register keine gültige Vignette hinterlegt ist.

Manche Shops gehen noch weiter. Bei der Freigabe per Zwei-Faktor-Bestätigung erscheint plötzlich ein Betrag von über 1.000 Euro in einer Fremdwährung, abgebucht von der hinterlegten Kreditkarte.

Warum ist das kein Einzelfall?

Die Masche gehört zur Angriffsklasse der gekauften Sichtbarkeit: Kriminelle bieten auf Markenbegriffe und schieben ihre Fälschung per Anzeige über das Original. Dieselbe Methode trifft Paketdienste, Banken und Reiseportale, nicht nur Mautstellen.

Das Prinzip ist aus dem Fake-Shop-Umfeld bekannt und wiederholt sich saisonal. Verbraucherzentralen und Automobilclubs wie der ÖAMTC melden jeden Sommer dieselbe Welle nachgebauter Vignetten-Seiten, deren Adresse sich oft nur um einen Buchstaben vom Original unterscheidet.[1]

Reisende sind ein beliebtes Ziel, weil sie unter Zeitdruck stehen. Dieselbe Logik steckt hinter der Smishing-Welle rund um angeblich gefundene Handys. Und wie bei jedem Fake-Shop bleibt die Frage, wer am Ende wirklich kassiert.

Nicht die Vignette ist gefälscht, sondern der Verkaufsweg davor. Ein Klick auf die erste Anzeige statt auf die offizielle Adresse bezahlt am Ende ein Formular ohne Gegenwert.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Vignetten-Betrug: So läuft die Masche
Warum eine gekaufte Suchanzeige teurer werden kann als jede Maut.

In drei Schritten zum Schaden

1
Suche vor der Grenze
Der Fahrer sucht „Vignette Österreich kaufen“ und klickt das oberste Ergebnis an.
2
Gesponserte Fälschung
Eine bezahlte Anzeige führt auf einen nachgebauten Shop, dessen Adresse dem Original ähnelt.
3
Strafe an der Mautstelle
Das Geld ist weg, keine Vignette registriert. Auffällig wird die Lücke erst bei der Kamera-Kontrolle.

Drei Zahlen zur Lücke

2018
Seit diesem Jahr ist Österreichs Vignette rein digital und ans Kennzeichen gebunden.
3 Länder
Österreich, Slowenien und die Schweiz nutzen eine E-Vignette ohne Aufkleber.
1.000 €+
So hohe Fremdwährungs-Beträge tauchen bei manchen Fake-Shops in der Freigabe auf.

So kaufen Sie sicher ein

  • Offizielle Adresse selbst eintippen: asfinag.at, evinjeta.dars.si oder via.admin.ch.
  • Gesponserte Suchanzeigen überspringen und das echte, unbezahlte Ergebnis wählen.
  • Vor der Zwei-Faktor-Freigabe Betrag und Währung prüfen, bei Fremdwährung abbrechen.
  • Bei Zweifeln die Adresse im Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale gegenprüfen.

Wie kaufen Sie die Maut sicher ein?

Tippen Sie die offiziellen Portale selbst in die Adresszeile: asfinag.at für Österreich, evinjeta.dars.si für Slowenien und via.admin.ch für die Schweiz. Gesponserte Anzeigen überspringen Sie, und vor der Freigabe prüfen Sie Betrag und Währung.

Regulatorisch stehen die Plattformen längst in der Pflicht. Der Digital Services Act verlangt von Google, die Identität gewerblicher Werbekunden zu prüfen und rechtswidrige Anzeigen zu entfernen. In der Praxis rutschen die Fälschungen trotzdem durch, oft nur für wenige Stunden pro Kampagne.

Für Unternehmen mit Fuhrpark lohnt eine klare Ansage an die Belegschaft, Vignetten nur über die offiziellen Portale oder etablierte Partner wie ADAC und ÖAMTC zu kaufen.[2] Mit dem Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale prüfen Sie eine unbekannte Adresse in Sekunden. Wurde bereits gezahlt, zählt Tempo: Karte sperren lassen und danach mit gesicherten Belegen Anzeige erstatten.

Quellen

[1] Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Achtung, falsche Vignetten! So erkennen Sie Betrug“

[2] ÖAMTC: „Vorsicht beim Vignettenkauf“

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