DHL eCommerce übernimmt den baltischen Paketdienstleister Venipak samt rund 800 Paketautomaten in Litauen, Lettland und Estland. Der Kaufpreis bleibt unveröffentlicht, die behördlichen Freigaben stehen aus. Für Onlinehändler ordnet sich damit die Zustellung in einer der am schnellsten wachsenden E-Commerce-Regionen Europas neu.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPaketautomaten lassen sich schneller kaufen als bauen. Genau das hat DHL am 27. Juli 2026 getan und die Übernahme der Venipak-Gesellschaften in Litauen, Lettland und Estland angekündigt, samt rund 800 Automaten.[1] Bisher hat der Konzern dort über Partner zugestellt, künftig gehört ihm das Netz selbst.
Das Wichtigste in Kürze
- DHL eCommerce kauft Venipak in Litauen, Lettland und Estland; der Preis bleibt offen, die Kartellfreigaben fehlen noch.
- Venipak bringt rund 800 Paketautomaten und ein Abholpunkte-Netz mit und behält vorerst den eigenen Markennamen.
- Nach dem Vollzug will DHL in Personal, zusätzliche Automaten, Sortierkapazität an den Terminals und die IT investieren.
- Der Zukauf reiht sich in die europäische Konsolidierung der Out-of-Home-Netze ein, deren größter Fall das 7,8 Milliarden Euro schwere Gebot eines FedEx-Konsortiums für InPost ist.
Was genau übernimmt DHL im Baltikum?

DHL eCommerce kauft die Venipak-Gesellschaften in Litauen, Lettland und Estland, dazu rund 800 Paketautomaten und ein Netz von Abholpunkten. Marke, Management und Belegschaft bleiben zunächst bestehen, den Kaufpreis haben beide Seiten nicht genannt.
Venipak zählt zu den größten unabhängigen Paketdienstleistern des Baltikums und bedient Geschäfts- wie Endkunden. Gründer Nerijus Raudonis gibt damit ein Unternehmen ab, das sein Automatennetz zuletzt selbst kräftig ausgebaut hat: Bis Ende 2025 sollte es um rund 30 % auf über 1.000 Anlagen wachsen.[2]
Der Konzern hat zuletzt vor allem an der Effizienz der eigenen Kette gearbeitet und dafür unter anderem KI-Agenten in die Speditionsabwicklung geholt. Ein fertiges Zustellnetz zuzukaufen ist die andere Hälfte derselben Strategie.
Warum kauft DHL das Netz, statt es selbst zu bauen?
Paketautomaten sind ein Dichtegeschäft. Erst wenn genügend Fächer nah beieinanderstehen, gibt eine Zustellkraft an einem Halt dutzende Sendungen ab statt einer einzigen. Ein Netz von null aufzubauen kostet Jahre, in denen jeder Automat zu leer bleibt.
Nach derselben Rechnung baut DHL auch in Deutschland aus und will die Zahl der Pack- und Poststationen bis 2030 auf 30.000 verdoppeln. Mit einem Zukauf entfällt die Anlaufphase, die Dichte steht am ersten Tag. Solche Abkürzungen prägen die Digitalisierung der Logistikbranche insgesamt.
Im Baltikum steht dem Konzern mit Omniva ein Marktführer gegenüber, der 2025 rund 36 Millionen Pakete in den drei Ländern zugestellt und 154,7 Millionen Euro umgesetzt hat.[3] Gegen ein solches Netz kommt ein Neueinsteiger mit eigenen Automaten kaum in vertretbarer Zeit an.
Der Fall steht nicht allein. InPost hat in Frankreich Mondial Relay und in Großbritannien Yodel übernommen, und im Februar 2026 hat ein Konsortium um FedEx, Advent und PPF ein Angebot für InPost selbst vorgelegt: 15,60 Euro je Aktie, zusammen 7,8 Milliarden Euro, Vollzug in der zweiten Jahreshälfte.[4]
Netz selbst bauen
Jeder neue Automat startet unterausgelastet.
Standortsuche, Genehmigung und Aufbau ziehen sich über Jahre. Die Kosten je Sendung sinken erst, wenn genügend Fächer nah beieinanderstehen.
Netz kaufen
Die Dichte steht am ersten Tag.
DHL übernimmt Standorte und Kundenbeziehungen und investiert danach in Personal, weitere Automaten, Sortierkapazität und IT.
Der Hebel liegt am einzelnen Halt: An einem gut ausgelasteten Automaten gibt eine Zustellkraft dutzende Sendungen auf einmal ab statt jede einzeln an der Haustür. Mit derselben Rechnung begründet DHL den Ausbau in Deutschland auf 30.000 Pack- und Poststationen bis 2030.
Paketautomaten sind längst kein Zusatzkanal mehr, sondern Infrastruktur mit Skaleneffekt. Deshalb übernimmt in Europa gerade ein Konzern nach dem anderen die fertigen Netze.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was ändert sich für deutsche Onlinehändler?
Kurzfristig nichts. Mittelfristig lässt sich das Baltikum über einen einzigen Vertrag beliefern statt über drei lokale Partner, und die Zustellung ins Automatenfach wird dort zum Normalfall statt zur Option.
Im Checkout steckt dafür Arbeit an der Schnittstelle: Automaten- und Abholadressen folgen einem eigenen Format, das viele Shopsysteme nur über Plugins abbilden. Retoure und Nachverfolgung hängen an dieser Adresse mit, was zu den teuren Fallstricken im Onlineshop zählt.
Wirtschaftlich lohnt sich das Geschäft: DHL hat die Prognose zuletzt angehoben und drängt parallel auf ein gesetzliches Paketlimit von 23 Kilogramm. Zalando wiederum hat das eigene Zentrum geschlossen und fremde Lager bis 2030 gebucht.
Prüfen Sie deshalb bei der nächsten Verhandlung Ihres Versandvertrags, ob der Anbieter die Automatenzustellung im Baltikum aus einer Hand abdeckt.
Quellen
[1] DHL Group: „DHL eCommerce to acquire Venipak, strengthening its position across the Baltic region“ (27. Juli 2026)
[2] Venipak: „Venipak’s Parcel Locker Network in the Baltics to Grow by 30%“ (23. September 2025)
[3] Omniva: „Omniva Turned to Profit in 2025 and Continued Strong Growth in International Logistics“
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