Das E-Rezept verschiebt gerade Millionenumsätze aus der Apotheke vor Ort ins Netz. Redcare Pharmacy meldet Wachstumsraten, die kein anderer Bereich des Onlinehandels erreicht. Am 29. Juli 2026 legt der Konzern die Halbjahreszahlen vor.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas E-Rezept ist seit dem 1. Januar 2024 in Deutschland verpflichtend, doch erst 2026 zahlt sich die Umstellung für die Versandapotheken richtig aus. Bei Redcare Pharmacy, früher Shop Apotheke, wächst das deutsche Rezeptgeschäft schneller als jeder andere Bereich des Konzerns. Hinter dem Boom steckt eine technische Brücke, die schon Anfang 2027 durch einen neuen Standard ersetzt wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Redcares Konzernumsatz ist im ersten Quartal 2026 (bis 31. März) um 18,4 Prozent auf 849,5 Millionen Euro gestiegen.
- Das deutsche Rezeptgeschäft hat laut Redcare Anfang des zweiten Quartals 2026 um 57 Prozent zugelegt.
- Möglich macht das CardLink: Die Gesundheitskarte wird per NFC ans Smartphone gehalten, ein Kartenlesegerät entfällt.
- Die gematik hat die CardLink-Zulassung bis zum 31. Januar 2027 verlängert, danach übernimmt der Standard PoPP.
Warum boomt Redcares Rezeptgeschäft?

Der Wachstumstreiber ist das E-Rezept in Kombination mit CardLink. Erst diese Technik macht das Einlösen verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Kartenlesegerät und ohne Praxisbesuch möglich und öffnet Versandapotheken damit den lukrativen Rx-Markt.
Rezeptpflichtige Arzneien (Rx) sind margenstärker und binden Kunden fester als frei verkäufliche Mittel. Jahrzehntelang ist dieses Geschäft der Apotheke um die Ecke vorbehalten geblieben, weil das Papierrezept physisch vorlag. Redcare zählt heute zu den umsatzstärksten Onlinehändlern Deutschlands, und der Rezeptmarkt war lange die eine große Lücke im Sortiment.
CardLink schließt genau diese Lücke: Patienten halten ihre elektronische Gesundheitskarte an die NFC-Schnittstelle des Handys, die App liest den Rezept-Token aus, die Bestellung läuft im selben Schritt. Weder ein Kartenlesegerät noch ein Gang zur Filiale sind dafür nötig.
Die Zahlen zeigen den Effekt. Für das erste Quartal 2026 hat Redcare einen Konzernumsatz von 849,5 Millionen Euro ausgewiesen, 18,4 Prozent mehr als im Vorjahr; das bereinigte EBITDA ist von 9,1 auf 14,4 Millionen Euro geklettert.[1] Nach einem starken Jahresauftakt hat der Konzern die Umsatzprognose 2026 auf 15 bis 17 Prozent angehoben.
Das E-Rezept hat die Versandapotheke vom Randgeschäft ins Zentrum gerückt. Entscheidend wird 2027 der reibungslose Umstieg auf PoPP, denn daran hängt genau der Kanal, der heute das Wachstum trägt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was passiert 2027 mit CardLink?
CardLink ist eine Übergangslösung. Die gematik hat die Zulassung bis zum 31. Januar 2027 verlängert; danach soll der offizielle Standard PoPP („Proof of Patient Presence“) das Einlösen per digitaler GesundheitsID übernehmen, den Redcare für Ende 2026 erwartet.[2]
Damit steht Redcare nicht allein. Der Konkurrent DocMorris setzt auf dieselbe CardLink-Technik, beide haben sich 2024 ein Rennen um die schnellste App-Zulassung geliefert. Das ganze Segment der Versandapotheken hängt am selben regulatorischen Faden.
Für Entscheider im Onlinehandel ist der Fall lehrreich: Ein regulatorischer Zwang schafft den Markt, und eine Brückentechnik erschließt ihn im Eilverfahren. Sobald der staatliche Standard steht, wird die Behelfslösung wieder abgeschaltet. Solche regulatorisch erzwungenen Umstellungen kennen Händler auch aus anderen Feldern.
Onlinehändler, die heute über die CardLink-Brücke wachsen, sollten den Umstieg auf PoPP früh einplanen; sonst bricht 2027 genau der Kanal weg, der das Wachstum trägt. Die Halbjahreszahlen am 29. Juli zeigen, wie tragfähig das Modell bereits ist.
Quellen
[1] Redcare Pharmacy: Investor Relations (Quartalszahlen und Prognose 2026) ↩
[2] gematik: E-Rezept (CardLink und Übergang zu PoPP) ↩
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