Der europäische Fotodienstleister CEWE übernimmt das weltweite Sofortfoto-Geschäft von Kodak Alaris und sichert sich damit die Marke KODAK MOMENTS samt rund 37.000 Fotostationen. Der Zukauf für etwa 72 Millionen Euro folgt nur zwei Wochen auf einen Verkauf. Für Entscheider ist dieser Doppelschritt ein Lehrstück in Portfolio-Fokus.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenCEWE hat Mitte Juli den weltweiten Sofortfoto-Bereich von Kodak Alaris gekauft, keine zwei Wochen nachdem der Konzern seine Online-Druck-Sparte abgestoßen hatte. Der Oldenburger Fotodienstleister zahlt rund 72 Millionen Euro und wird zum Eigentümer einer der bekanntesten Foto-Marken der Welt. Hinter dem Deal steckt eine Logik, die weit über die Fotobranche hinaus interessant ist.
Das Wichtigste in Kürze
- CEWE übernimmt das weltweite Sofortfoto-Geschäft von Kodak Alaris, Unternehmenswert rund 88 Millionen Euro, Kaufpreis etwa 72 Millionen Euro.
- Dazu gehören die Marke KODAK MOMENTS, rund 37.000 Fotostationen in 16.000 Läden, etwa 500 Mitarbeitende in 54 Ländern und ein Werk in Windsor (Colorado).
- Das übernommene Geschäft setzt jährlich rund 200 Millionen Euro um und soll ab 2027 einen positiven Ergebnisbeitrag liefern.
- Finanziert wird der Schritt durch den Verkauf der Online-Druck-Sparte an Cimpress, der Anfang Juli abgeschlossen wurde.
Was steckt hinter dem 88-Millionen-Deal?

CEWE übernimmt das komplette Sofortfoto-Geschäft von Kodak Alaris, dem britischen Unternehmen hinter der Marke KODAK MOMENTS. Der vereinbarte Unternehmenswert liegt bei rund 88 Millionen Euro, der Kaufpreis auf Basis der Zahlen von Ende März bei etwa 72 Millionen Euro.[1]
Marktzugang ist der eigentliche Wert. Mit dem Zukauf erbt CEWE rund 37.000 angebundene Fotostationen in 16.000 Ladengeschäften und ein Produktionswerk für Verbrauchsmaterial im US-amerikanischen Windsor. Das übernommene Geschäft beschäftigt etwa 500 Menschen in 54 Ländern und setzt jährlich rund 200 Millionen Euro um.
Erbe eines Riesen: Kodak Alaris ist 2013 aus der Insolvenz von Eastman Kodak hervorgegangen. Damals hat das britische Pensionswerk des Konzerns dessen Foto-Geschäft übernommen. Was als Abwicklungsmasse begonnen hat, wird nun zum Wachstumsbaustein eines deutschen Mittelständlers.
Warum verkauft CEWE erst, um dann zu kaufen?
Der Zukauf ist die zweite Hälfte eines Manövers. Anfang Juli hat CEWE seinen kommerziellen Online-Druck mit den Marken SAXOPRINT, viaprinto und LASERLINE an den Wettbewerber Cimpress abgegeben und 544 Stellen mitübertragen.[2] Ohne diese margenschwache Sparte klettert die Pro-forma-EBIT-Marge des Konzerns für 2025 auf rund 11 Prozent.
Fokus statt Fläche lautet das Muster. CEWE trennt sich vom austauschbaren Druckgeschäft und legt den Erlös in ein Geschäft mit Wiederkehr an: Fotostationen verkaufen laufend Fotopapier und Abzüge, ähnlich wie Drucker und Patronen. Zalando ordnet gerade ähnlich konsequent seine eigenen Lager neu, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Verschobene Machtverhältnisse: Während ein chinesischer Konzern gerade nach MediaMarkt greift, sichert sich hier ein deutsches Unternehmen die globale Ladenfläche einer amerikanischen Ikone.
Sofortbilder gelten als Auslaufmodell, doch CEWE kauft nicht die Nostalgie, sondern 16.000 Verkaufspunkte und ein Nachschubgeschäft mit planbarer Wiederkehr.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zwei Schritte in zwei Wochen
Was bedeutet das für Entscheider?
Der Doppelschritt zeigt Portfolio-Management in Reinform: erst das austauschbare Geschäft abgeben, dann mit dem Erlös eine schwer kopierbare Stärke einkaufen. Für Mittelständler steckt darin eine konkrete Frage: Welcher Teil des eigenen Angebots ist beliebig ersetzbar, und wo liegt der wiederkehrende Umsatz?
US-Standbein inklusive: Mit dem Werk in Colorado bekommt CEWE zugleich eine eigene Fertigung in den Vereinigten Staaten, was angesichts der Zollpolitik an Gewicht gewinnt. Auch der Bezahlvorgang am Regal wird zum Wettbewerbsfaktor, wie MediaMarkt mit dem Kassenlos-Konzept zeigt.
Für Entscheider in Handel und Markenführung lohnt der Blick auf diesen Fall: Eine totgesagte Kategorie kann sich rechnen, sobald Distribution und Nachschubgeschäft stimmen. Bis zum Closing 2027 muss CEWE nun beweisen, dass es die 37.000 Stationen profitabler betreibt als der Vorbesitzer.
Quellen
[1] CEWE: „CEWE übernimmt weltweites Sofortfoto-Geschäft von Kodak Alaris und verstärkt mit KODAK MOMENTS sein Marken-Portfolio“ ↩
[2] CEWE: „CEWE veräußert den Geschäftsbereich kommerzieller Online-Druck an Cimpress und fokussiert sich vollständig auf das Kerngeschäft Fotofinishing“ ↩
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